openPR Recherche & Suche
Presseinformation

Besteht ein Anspruch auf Ersatz von Abmahnkosten, wenn ein Abmahn-Disclaimer verwendet wird?

30.03.201216:35 UhrPolitik, Recht & Gesellschaft

(openPR) Das OLG Hamm hat mit Urteil vom 31. Januar 2012( Az.: I-4 U 169/11) klargestellt, dass ein Abmahn-Disclaimer des Abmahners zur Folge haben kann, dass dieser keine Abmahnkosten erstattet verlangen kann.

Sachverhalt:

Beide Parteien sind im Bereich der Pflegekräftevermittlung tätig. Die Klägerin hatte auf ihrer Internetseite unter der Rubrik „Haftungsausschluss“ folgendes mitgeteilt:



"Um die Kosten eines Rechtsstreites zu vermeiden, sollten Sie uns im Vorfeld bei unvollständigen Angaben, wettbewerbsrechtlichen Vorkommnissen oder ähnlichen Problemen auf dem Postwege kontaktieren. Eine kostenpflichtige anwaltliche Abmahnung ohne diesen Vorab-Kontakt wird aus Sicht der Schadenminderungspflicht als unzulässig angesehen."

Ein Mitbewerber warb in einem Tageblatt wie folgt:
„Liebev. qualif. 24h Pflege/Betreuung Telefon ... o. ...“

Daraufhin hatte die Klägerin den Beklagten abgemahnt und die Erstattung der Rechtsanwaltskosten in Höhe von 755,80 Euro verlangt. Die Klägerin hatte als Begründung angeführt, dass die Anzeige den unzutreffenden Eindruck eines privaten Stellengesuchs erwecken würde und folglich irreführend sei. Der Beklagte hatte dann mit Anwaltsschreiben vom 7. September 2011 ungeachtet seiner zum Ausdruck gebrachten Zweifel an der Berechtigung der Abmahnung ohne Anerkennung einer Rechtspflicht, eine strafbewehrte Unterlassungserklärung abgegeben. Eine Kostenerstattung lehnte er jedoch ab.

Ferner hatte die Klägerin geltend gemacht, dass in der Anzeige die gewerbliche Vermittlertätigkeit des Beklagten verschwiegen werde. Zudem, so ihre Auffassung, bestehe zwischen ihr und dem Beklagten ein konkretes Wettbewerbsverhältnis, da sie im gleichen Gebiet vermitteln würden.

Der Beklagte erwiderte, es fehle an einem gemeinsamen Abnehmerkreis. Er biete seine Vermittlungsleistungen ausschließlich im Raum P an und werbe dort für sie nur durch Zeitungsanzeigen. Es könne deshalb zu keinen Überschneidungen bei den beiderseitigen Dienstleistungen kommen. Des Weiteren hatte er geltend gemacht, die Klägerin habe ihn rechtsmissbräuchlich im Sinne des § 8 Abs. 4 UWG abgemahnt. Die Klägerin hätte ihn vorab auf die Missverständlichkeit der beanstandeten Werbung hinweisen müssen, weil dann, so die Ansicht des Beklagten, die Anwaltskosten hätten vermieden werden können. Der Beklagte führte ferner aus, eine Irreführung komme schon deshalb nicht in Betracht, weil doch bereits aus dem Angebot der entsprechenden Dienstleistungen unter „Pflegedienste“ jedem erkennbar sei, dass es sich um ein gewerbliches Angebot handeln würde.



Entscheidung:

Das LG hatte die Klage abgewiesen und das OLG Hamm ist dem gefolgt. Die Berufung der Klägerin ist somit unbegründet. Das OLG führt aus, die Klägerin könne aus § 12 Absatz 1 Satz 2 UWG nur dann ein Anspruch auf Ersatz der Rechtsanwaltskosten in Höhe von 755,80 € geltend machen, wenn sie berechtigt war, das Verhalten des Beklagten zu beanstanden und es sich bei den Anwaltskosten auch um erforderliche Aufwendungen in Zusammenhang mit der berechtigten Abmahnung gehandelt hätte.

„Berechtigt im Sinne des § 12 Abs. 1 Satz 2 UWG ist eine Abmahnung jedenfalls dann, wenn der mit der Abmahnung geltend gemachte Unterlassungsanspruch besteht und die Abmahnung entsprechend ihrer wettbewerbsrechtlichen Aufgabe auch erforderlich ist, um dem Schuldner einen Weg zu weisen, den Gläubiger ohne Inanspruchnahme der Gerichte klaglos zu stellen“

Im vorliegenden Fall, so das Gericht, hätte bereits ein Vorabkontakt durch die Klägerin völlig ausgereicht, um eine förmliche Abmahnung durch einen Anwalt, sowie ein gerichtliches Verfahren zu vermeiden. Dies Bezüglich stellte das OLG jedoch fest:

„Ein kleines Unternehmen, das über keine eigene Rechtsabteilung verfügt, kann die Abmahnung auch grundsätzlich durch einen Rechtsanwalt aussprechen lassen.“

Aber, dass ändert nichts daran:

„[......] dass Mitbewerber im Einzelfall vereinbaren können, vor einer formellen Abmahnung durch einen Rechtsanwalt miteinander Kontakt aufzunehmen und auf ein aus Sicht eines Mitbewerbers als wettbewerbswidrig angesehenes und zu unterlassenes Verhalten hinzuweisen, um ihm Gelegenheit zu geben, das Verhalten ohne den Anfall weiterer Folgekosten sofort einzustellen.“

Einem Erstattungsanspruch der Klägerin steht hier der Grundsatz von Treu und Glauben im Hinblick auf ein widersprüchliches Verhalten (§ 242 BGB) entgegen. Nach der Rechtsprechung gilt in diesem Bereich des Wettbewerbsrechts, dass sich aus diesem Grundsatz sogar Handlungspflichten ergeben können. Derjenige, der einen Vorabkontakt verlangt, muss sich dann auch selbst so verhalten, ansonsten handelt er widersprüchlich. Die Vorschrift des § 8 Absatz 4 UWG steht dem auch nicht als Sonderregelung entgegen.

Das Gericht fügt abschließend hinzu, das Begehren eines Vorabkontakts wird von der Klägerin ausdrücklich nicht nur auf einfache und unkomplizierte Wettbewerbsverstöße beschränkt, sondern soll uneingeschränkt gelten. Demnach könne der Beklagte denken, dass ein gleichartiges Verhalten auch von der Klägerin in jedem Fall erfolgen wird. Die Klägerin kann in so einem Fall auch die Berechtigung einer Abmahnung durch einen Anwalt prüfen lassen, aber dann auf ihre eigenen Kosten.

Diese Pressemeldung wurde auf openPR veröffentlicht.

Verantwortlich für diese Pressemeldung:

News-ID: 620816
 1033

Kostenlose Online PR für alle

Jetzt Ihren Pressetext mit einem Klick auf openPR veröffentlichen

Jetzt gratis starten

Pressebericht „Besteht ein Anspruch auf Ersatz von Abmahnkosten, wenn ein Abmahn-Disclaimer verwendet wird?“ bearbeiten oder mit dem "Super-PR-Sparpaket" stark hervorheben, zielgerichtet an Journalisten & Top50 Online-Portale verbreiten:

PM löschen PM ändern
Disclaimer: Für den obigen Pressetext inkl. etwaiger Bilder/ Videos ist ausschließlich der im Text angegebene Kontakt verantwortlich. Der Webseitenanbieter distanziert sich ausdrücklich von den Inhalten Dritter und macht sich diese nicht zu eigen. Wenn Sie die obigen Informationen redaktionell nutzen möchten, so wenden Sie sich bitte an den obigen Pressekontakt. Bei einer Veröffentlichung bitten wir um ein Belegexemplar oder Quellenennung der URL.

Pressemitteilungen KOSTENLOS veröffentlichen und verbreiten mit openPR

Stellen Sie Ihre Medienmitteilung jetzt hier ein!

Jetzt gratis starten

Weitere Mitteilungen von Werdermann| von Rüden Partnerschaft von Rechtsanwälten

Bild: Beiträge zur privaten Krankenversicherung können zurückgefordert werdenBild: Beiträge zur privaten Krankenversicherung können zurückgefordert werden
Beiträge zur privaten Krankenversicherung können zurückgefordert werden
Versicherungsbeiträge oft unzulässig Private Krankenversicherungen genießen allseits einen guten Ruf. Die umfangreiche Absicherung, die Übernahme von Heil- und Vorsorgebehandlungen machen die privaten Krankenversicherungen besonders attraktiv. Darüber hinaus genießen Privatversicherte einen höheren Stellenwert bei Ärzten und anderen Heilberufen. Eine schnellere Terminvergabe sowie umfassendere Untersuchungen sind gern genutzte Nebenerscheinungen. Klar, dass bei so hoher Leistung die Versicherungsbeträge entsprechend hoch sein müssen. Um den …
Bild: AXA und DKV Versicherungsbeiträge zurückverlangenBild: AXA und DKV Versicherungsbeiträge zurückverlangen
AXA und DKV Versicherungsbeiträge zurückverlangen
Prämienerhöhung oft unzulässig Das Landgericht Potsdam und das Landgericht Frankfurt/Oder haben in wegweisenden Urteilen die Prämiengestaltung der AXA und der DKV für unwirksam erklärt. Die Prämienerhöhung muss zwingend von einem unabhängigen Treuhänder bestätigt werden. Fehlt diese Zustimmung ist die Prämienerhöhung unzulässig. Die Landgerichte sahen in beiden Fällen, die Unabhängigkeit des Treuhänders als nicht gegeben an. Dadurch fehlte die „Zustimmung eines unabhängigen Treuhänders“ und die Prämienerhöhung wird unzulässig. Neben der DKV …

Das könnte Sie auch interessieren:

Bild: Auch private WLAN-Betreiber haften für Rechtsverletzung durch unbefugte DritteBild: Auch private WLAN-Betreiber haften für Rechtsverletzung durch unbefugte Dritte
Auch private WLAN-Betreiber haften für Rechtsverletzung durch unbefugte Dritte
… Zivilsenat des Bundesgerichtshofs (BGH) hat mit Urteil vom 12.05.2010 (Aktenzeichen: I ZR 121/08) entschieden, dass Privatpersonen auf Unterlassung und Ersatz von Abmahnkosten in Anspruch genommen werden können, wenn ihr nicht ausreichend gesicherter WLAN-Anschluss von unberechtigten Dritten für Urheberrechtsverletzungen im Internet genutzt wird. Diese …
Bild: LG Düsseldorf: Fachverbände wie Kfz Innungen haben keinen Anspruch auf Erstattung von AbmahnkostenBild: LG Düsseldorf: Fachverbände wie Kfz Innungen haben keinen Anspruch auf Erstattung von Abmahnkosten
LG Düsseldorf: Fachverbände wie Kfz Innungen haben keinen Anspruch auf Erstattung von Abmahnkosten
… weiteren Schreiben den Abgemahnten mit weiteren Anzeigen zu konfrontieren. Wie üblich, wird in der Abmahnung nicht nur die Abgabe einer strafbewehrten Unterlassungserklärung, sondern auch Zahlung von Abmahnkosten gefordert. Diese berechnet die Kanzlei JuS Rechtsanwälte Schloms und Partner nach einem Streitwert von 15.000 EUR (= 780,00 EUR) + 20 EUR POT + …
Keine Erstattung von Anwaltskosten nach Massenabmahnung
Keine Erstattung von Anwaltskosten nach Massenabmahnung
… Bezeichnung Computerteile hergestellt und vertrieben. Daraufhin mahnte eine Rechtsanwaltskanzlei in Kooperation mit einem Patentanwalt eine Vielzahl von Anbietern der Thermaltake-Produkte ab. Die Abmahnkosten betrugen in jedem Fall etwa 5.000 Euro. Das Landgericht München I hatte hinsichtlich einer Klage eines Hardwareanbieters zu entscheiden, der die Kosten …
Bild: Markenverletzung durch Bildbezeichnung auf WebsitesBild: Markenverletzung durch Bildbezeichnung auf Websites
Markenverletzung durch Bildbezeichnung auf Websites
… kennzeichenmäßig, was letztendlich zur Markenverletzung führt. Das Gericht verurteilte damit den Seitenbetreiber zur zukünftigen Unterlassung dieses Vorgehens und zur Erstattung der Abmahnkosten der Klägerin. Unsere Meinung Bislang gab es noch keine gerichtliche Entscheidung zur Frage, ob eine so verwendete Markenbezeichnung abmahnfähig ist oder nicht. …
Bild: Rechtsmissbräuchlichkeit einer Abmahnung bei offensichtlich fehlendem WettbewerbsverhältnisBild: Rechtsmissbräuchlichkeit einer Abmahnung bei offensichtlich fehlendem Wettbewerbsverhältnis
Rechtsmissbräuchlichkeit einer Abmahnung bei offensichtlich fehlendem Wettbewerbsverhältnis
… den Ersatz seiner Rechtsanwaltskosten erreichen. Er hat die Ansicht vertreten, dass die Abmahnung nicht nur unberechtigt gewesen sei und deshalb keinen Anspruch auf Erstattung von Abmahnkosten begründet habe, sondern dass die Abmahnung auch rechtsmissbräuchlich gewesen sei, sodass ihm nach § 8 Abs. 4 Satz 2 UWG die zur Verteidigung erforderlichen Anwaltskosten …
Bild: AG Charlottenburg: Kappung der Rechtsanwaltsgebühren bei Massenabmahnungen auf 0,3er Gebühr
AG Charlottenburg: Kappung der Rechtsanwaltsgebühren bei Massenabmahnungen auf 0,3er Gebühr
… Erstattung der geforderten Anwaltsgebühren der Höhe nach abgewiesen. Das Gericht stellte fest, dass zwar dem Grunde nach ein Anspruch auf Ersatz der entstandenen Abmahnkosten durch die Beauftragung eines Rechtsanwaltes bestehe, allerdings nur insoweit, als die Inanspruchnahme des Rechtsanwaltes erforderlich, also notwendig und angemessen war. Die Klägerin …
Bild: Streuabmahnungen - Wieder kämpfen Abmahn-Anwälte gegen Online-Shops bei eBay, Amazon & CoBild: Streuabmahnungen - Wieder kämpfen Abmahn-Anwälte gegen Online-Shops bei eBay, Amazon & Co
Streuabmahnungen - Wieder kämpfen Abmahn-Anwälte gegen Online-Shops bei eBay, Amazon & Co
… aus der Vergangenheit rein gar nichts zu tun. Praxis-Tipp: In zahlreichen Büchern und selbst Formularsammlungen für Anwälte wird trotzdem das Anerkenntnis der Abmahnkosten in den Strafbewehrten Unterlassungserklärungen formuliert. Trotzdem darf dieses Anerkenntnis ohne schädigende Folgen gestrichen werden. (Nicht jedoch jede weitere Erklärung, wie z. …
Eingeschränkte Haftung von Eltern für Filesharing ihrer Kinder
Eingeschränkte Haftung von Eltern für Filesharing ihrer Kinder
… zur Abgabe einer strafbewehrten Unterlassungserklärung auffordern. Die Beklagten gaben die Unterlassungserklärung ab. Sie weigerten sich jedoch, Schadensersatz zu zahlen und die Abmahnkosten zu erstatten. Die Klägerinnen sind der Ansicht, die Beklagten seien wegen einer Verletzung ihrer elterlichen Aufsichtspflicht zum Ersatz des Schadens verpflichtet, …
Bild: Achtung - Health Claims gelten auch für Apotheken / VersandapothekenBild: Achtung - Health Claims gelten auch für Apotheken / Versandapotheken
Achtung - Health Claims gelten auch für Apotheken / Versandapotheken
… Verstoßes gegen die Health-Claims-Verordnung erhalten, sollten dies nicht auf die leichte Schulter nehmen. Anderenfalls drohen von Fall zu Fall nicht nur Abmahnkosten im oberen dreistelligen oder unteren vierstelligen Bereich, sondern auch eine teure gerichtliche Auseinandersetzung. Weitere unverbindliche und kostenfreie Informationen rund um das Apothekenrecht …
Bild: AG Charlottenburg weist Filesharing Klage von BaumgartenBrandt abBild: AG Charlottenburg weist Filesharing Klage von BaumgartenBrandt ab
AG Charlottenburg weist Filesharing Klage von BaumgartenBrandt ab
… hat in einem von uns auf Seiten des Anschlussinhabers geführten Klageverfahrens der KMS GmbH, vertreten durch die Kanzlei BaumgartenBrandt, auf Zahlung von Abmahnkosten und Schadensersatz wegen illegalen Filesharings die Klage mit Urteil vom 24.06.2015 abgewiesen. Sachverhalt Die KMS GmbH macht urheberrechtliche Ansprüche bzgl. des Filmwerks "College" …
Sie lesen gerade: Besteht ein Anspruch auf Ersatz von Abmahnkosten, wenn ein Abmahn-Disclaimer verwendet wird?