openPR Recherche & Suche
Presseinformation

Die EU will draufsatteln – Droht ein Antidiskriminierungsgesetz XXL?

17.03.200809:35 UhrPolitik, Recht & Gesellschaft

(openPR) Bonn/Düsseldorf - Behinderten- und Frauenverbände, Lesben und Schwule, die Gewerkschaften sowie das linke Spektrum der deutschen Politik (Die Linke, die Grünen und SPD) werden sich vor Freude die Hände reiben: Brüssel will das so genannte Allgemeine Gleichbehandlungsgesetzt (AGG) – auch unter dem Namen Antidiskriminierungsgesetz bekannt – deutlich verschärfen. „Die Bundesregierung hat sich die EU-Ohrfeige für das Antidiskriminierungsgesetz mehr als verdient,“ jubilierte beispielsweise Barbara Höll, stellvertretende Vorsitzende der Fraktion Die Linke, über die Kritik des zuständigen EU-Kommissars Vladimir Spidla. Für CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer ist der Tscheche hingegen ein regelungswütiger „Sozialist“, der in Brüssel „Büchsenspanner, Bauchredner und Schleppenträger“ um sich schart.

In einem Interview mit dem Magazin Focus http://www.focus.de verwahrte sich Spidla gegen jegliche Kritik: „Deutschland hat bei der Antidiskriminierungsrichtlinie zugestimmt. Berlin sollte sich jetzt also nicht beschweren.“ In seinem Brief vom 31. Januar 2008 hatte Spidla Mängel in der Umsetzung der EU-Richtlinie gegen Diskriminierung am Arbeitsplatz moniert und Nachbesserungen vor allem für homosexuelle Staatsbedienstete gefordert.

Das schon in seiner bisherigen Form äußerst umstrittene Bundesgesetz will Benachteiligungen aus Gründen der Rasse, der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion, der Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität und Orientierung verhindern. Spidla moniert zum Beispiel, dass einige EU-Vorgaben nur unzureichend umgesetzt worden seien. So hätten Schwule und Lesben, die im öffentlichen Dienst beschäftigt sind, bisher nach dem Tod ihres Partners keinen Anspruch auf Rentenbezüge.

Bayerns Europaminister Markus Söder kündigte unterdessen an, dass sich Bayern gegen weitere Verschärfungen der gesetzlichen Anforderungen zur Nichtdiskriminierung massiv zur Wehr setzen würde: „Schon der gegenwärtige gesetzliche Rahmen geht an die Grenze des politische Vertretbaren und praktisch Vernünftigen. Jetzt noch draufzusatteln und wie EU-Sozialkommissar Spidla eine rechtliche Gleichstellung der eingetragenen Lebenspartnerschaft mit der Familie zu fordern, ist ein völlig falsches Signal.“ Eine solche Gleichstellung sei mit Bayern nicht zu machen. Schon jetzt sei das AGG ein „Bürokratieungeheuer“, das die Chancen auf dem Arbeitsmarkt gerade für diejenigen reduziere, die das Gesetz zu schützen vorgebe. „Das Gegenteil wäre richtig: Das Gleichbehandlungsgesetz entschlacken und Bürokratie abbauen.“

Spidlas Schreiben könnte für weiteren Ärger in der Großen Koalition führen, denn der Union war es nach Aussage von Fraktionsvize Wolfgang Bosbach schon so schwer genug gefallen, dem Gesetz in seiner bisherigen Form zuzustimmen. „Gegen die massiven Bedenken der deutschen Wirtschaft hat die Union dann aber doch klein beigegeben. Ich bin gespannt, wie lange jetzt der Widerstand gegen die drohende EU-Überregulierung währen wird. Vielleicht endet die CDU auch wieder als zahmer Bettvorleger. Ein Antidiskriminierungsgesetz XXL können wir uns nicht leisten“, kommentiert der Düsseldorfer Wirtschaftsexperte Jörg Peisert http://www.joerg-peisert.de.

Doch selbst im Bundesjustizministerium zeigte man sich irritiert. „Wir gehen davon aus, dass wir die Vorgaben aus Brüssel richtlinienkonform umgesetzt haben und werden das der EU-Kommission auch so mitteilen“, ließ eine Sprecherin des Zypries-Ministeriums verlauten. Der grüne Politiker Volker Beck zeigte sich hingegen entzückt über die tatkräftige Unterstützung aus Brüssel: „Die Gleichstellung der Lebenspartnerschaft mit der Ehe im Steuerrecht und bei der Beamtenversorgung ist überfällig.“

Dass gegen Deutschland ein Vertragsverletzungsverfahren eingeleitet wurde und insgesamt 14 EU-Mitgliedsstaaten gerügt wurden, zeigt, wie kompliziert diese juristisch-bürokratische Konstruktion ist. Der Vorfall zeigt auch, wie wenig ernst es die EU mit dem Prinzip der Subsidiarität nimmt. Außerdem ist das Ganze ein erschreckendes Beispiel für die Unkenntnis der Brüsseler Bürokratiemaschinerie, die nicht erkennt, dass viele Punkte, die sie nun in Deutschland im AGG nicht umgesetzt sieht, längst im hiesigen Arbeitsrecht geregelt sind.

Diese Pressemeldung wurde auf openPR veröffentlicht.

Verantwortlich für diese Pressemeldung:

News-ID: 196616
 117

Kostenlose Online PR für alle

Jetzt Ihren Pressetext mit einem Klick auf openPR veröffentlichen

Jetzt gratis starten

Pressebericht „Die EU will draufsatteln – Droht ein Antidiskriminierungsgesetz XXL?“ bearbeiten oder mit dem "Super-PR-Sparpaket" stark hervorheben, zielgerichtet an Journalisten & Top50 Online-Portale verbreiten:

PM löschen PM ändern
Disclaimer: Für den obigen Pressetext inkl. etwaiger Bilder/ Videos ist ausschließlich der im Text angegebene Kontakt verantwortlich. Der Webseitenanbieter distanziert sich ausdrücklich von den Inhalten Dritter und macht sich diese nicht zu eigen. Wenn Sie die obigen Informationen redaktionell nutzen möchten, so wenden Sie sich bitte an den obigen Pressekontakt. Bei einer Veröffentlichung bitten wir um ein Belegexemplar oder Quellenennung der URL.

Pressemitteilungen KOSTENLOS veröffentlichen und verbreiten mit openPR

Stellen Sie Ihre Medienmitteilung jetzt hier ein!

Jetzt gratis starten

Weitere Mitteilungen von medienbüro.sohn

Sascha Lobo und die halbautomatische Netzkommunikation
Sascha Lobo und die halbautomatische Netzkommunikation
Facebook-Browser könnte soziale Netzwerke umpflügen Berlin/München, 27. Februar 2009 - Millionen Deutsche sind mittlerweile in sozialen Netzwerken wie XING, Wer-kennt-wen, Facebook oder StudiVZ organisiert, haben ein Profil und präsentieren sich auf irgendeine Art im Web, ob mit Bildern, kurzen Texten, Blog-Beiträgen oder Links, die sie interessant finden. „Es lässt sich kaum leugnen: Wir sind zum Glück nicht mehr Papst, wir sind jetzt Netz. Die Menschen haben begonnen, wichtige Teile ihres gesellschaftlichen Treibens ins Internet zu verlag…
Finanzbehörden müssen mit Mittelstand innovativer umgehen
Finanzbehörden müssen mit Mittelstand innovativer umgehen
Schnelle Verfahren zur Stundung von Steuern und Anpassung von Vorauszahlungen Berlin, 26. Februar 2009 – Der Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) bvmw.de fordert die Finanzbehörden und Sozialversicherungen zu einem flexiblen und innovativen Umgang mit kleinen und mittleren Unternehmen auf, die unverschuldet in Not geraten sind und bei denen unerwartete Liquiditätsengpässe auftreten. Eine Möglichkeit bestünde in einfachen und schnellen Verfahren, um Steuern und Sozialabgaben vorübergehend zu stunden oder Vorauszahlungen anzupassen…

Das könnte Sie auch interessieren:

Bild: Betreiber wegen Diskriminierung an der Tür verurteiltBild: Betreiber wegen Diskriminierung an der Tür verurteilt
Betreiber wegen Diskriminierung an der Tür verurteilt
… so kann er bspw. einen Betrunkenen außen vorlassen. Eine Grenze dieses Hausrechts und des Vertragsrecht (mit wem schließt der Betreiber einen Vertrag?) zieht das Antidiskriminierungsgesetz. Danach darf niemand wegen seiner ethnischen Herkunft benachteiligt werden, ebenso nicht wegen einer Behinderung, dem Geschlecht, der Religion, des Alters oder der …
Bild: Claus Schaffer (AfD): "Die Polizei darf nicht unter Generalverdacht gestellt werden"Bild: Claus Schaffer (AfD): "Die Polizei darf nicht unter Generalverdacht gestellt werden"
Claus Schaffer (AfD): "Die Polizei darf nicht unter Generalverdacht gestellt werden"
… aus Schleswig-Holstein bis auf weiteres nicht mehr zu Großeinsätzen nach Berlin zu schicken. Hintergrund dafür ist das letzte Woche verabschiedete Berliner Antidiskriminierungsgesetz, das im Fall von Diskriminierungsvorwürfen eine Beweislastumkehr zu Lasten der Polizei vorsieht. Claus Schaffer, innen- und rechtspolitischer Sprecher der AfD-Fraktion, …
Warum Dessousverkäuferinnen eine rechtliche Ausnahme darstellen
Warum Dessousverkäuferinnen eine rechtliche Ausnahme darstellen
… der XXL-Version ist ein Lehrstück in Sachen politischer Korrektheit Bonn/Berlin – „Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG), besser bekannt alsAntidiskriminierungsgesetz, ist ein Lehrstück in Sachen politischer Korrektheit“, schreibt Gerd Behnke, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW) http://www.bvmwonline.de, …
Bild: Das AntidiskriminierungsgesetzBild: Das Antidiskriminierungsgesetz
Das Antidiskriminierungsgesetz
… neuen Serie stellen wir nach und nach die für die Veranstaltungsbranche relevanten Regelwerke vor – und beginnen mit dem Antidiskriminierungsgesetz. Das Antidiskriminierungsgesetz heißt eigentlich „Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz“ (kurz: AGG). Das AGG soll Diskriminierung beim Vertragsschluss verhindern. Dabei spielt es grundsätzlich keine Rolle, …
George Orwell zu Gast bei der Großen Koalition – Aus dem Antidiskriminierungsgesetz wird nun das Gleichbehandlungsgesetz
George Orwell zu Gast bei der Großen Koalition – Aus dem Antidiskriminierungsgesetz wird nun das Gleichbehandlungsgesetz
… mehr erkennen können, dass die Frau an der politischen Spitze wirklich „Mehr Freiheit wagen will“. Jüngstes Beispiel ist das so genannte Antidiskriminierungsgesetz, das in Orwellschem Neusprech nun Gleichbehandlung heißen soll. Das Unions-Bundesratsvotum bleibt unklar, da zumindest Vorbehalte aus Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen und Thüringen …
Ministerienbrief zur Jungenförderung nur ein Alibi?
Ministerienbrief zur Jungenförderung nur ein Alibi?
… MANNdat-Petition wurde vom Landtag aber schon 2005 abgelehnt. In der Antwort auf die Kleine Anfrage der Grünen legt die Landesregierung dar, dass es das Antidiskriminierungsgesetz schwierig mache, junge Männer gezielt für eine Bewerbung für den Beruf des Grundschullehrers anzusprechen. Diese Aussage hält MANNdat für äußerst fragwürdig: "Im umgekehrten …
Antidiskriminierungs-Gesetz: EU-Spitze statt Mittel-Maß
Antidiskriminierungs-Gesetz: EU-Spitze statt Mittel-Maß
… wissen: Die PDS im Bundestag hat vieles kritisiert, was Rot-Grün in der ablaufenden Legislatur beschlossen hat. Ich sage aber auch: Es war nicht alles schlecht. Das Antidiskriminierungsgesetz gehört zu den besseren Vorhaben. Es war seit langem überfällig. Obendrein drängt die EU darauf, dass europäisches Recht endlich auch in Deutschland umgesetzt wird. …
Das Antidiskriminierungsgesetz ist eine Übererfüllung europäischer Vorgaben – BVMW-Präsident Mario Ohoven warnt vor Einschränkungen der grundgesetzlich geschützten Vertragsfreiheit
Das Antidiskriminierungsgesetz ist eine Übererfüllung europäischer Vorgaben – BVMW-Präsident Mario Ohoven warnt vor Einschränkungen der grundgesetzlich geschützten Vertragsfreiheit
Bonn/Berlin – Das geplante Antidiskriminierungsgesetz (ADG) der Bundesregierung ist Gift für die Wirtschaft und bedeutet Mehrbelastungen für die Unternehmen. Und das vor dem Hintergrund eines ausbleibenden konjunkturellen Aufschwungs. Die rot-grüne Regierungskoalition erwartet nun vor allem von den Unternehmen, dass sie neue Jobs schaffen. Die Regierung …
Bild: Niedersachsen: Hohes Bußgeld bei DiskriminierungBild: Niedersachsen: Hohes Bußgeld bei Diskriminierung
Niedersachsen: Hohes Bußgeld bei Diskriminierung
… an der Diskotür, mit einem Bußgeld von bis zu 10.000 Euro geahndet werden soll. Der Betroffene soll dabei – anders als beim bundesweit geltenden Gleichbehandlungsgesetz (“Antidiskriminierungsgesetz”) – nicht selbst gegen den Veranstalter klagen müssen, sondern es reicht dann eine Beschwerde bei der Polizei oder beim Ordnungsamt, die dann selbst ein Verfahren …
Wirtschaftsjunioren Deutschland warnen vor neuer Bürokratie
Wirtschaftsjunioren Deutschland warnen vor neuer Bürokratie
Antidiskriminierungsregeln nicht verschärfen Berlin, 14. August 2008. Die Wirtschaftsjunioren warnen vor einer weiteren Verschärfung der Antidiskriminierungsregeln. "Das Antidiskriminierungsgesetz hat schon jetzt in jedem Unternehmen zu mehr Kosten und zu mehr Bürokratie geführt", sagt die Bundesvorsitzende der Wirtschaftsjunioren Anja Kapfer. "Es gibt …
Sie lesen gerade: Die EU will draufsatteln – Droht ein Antidiskriminierungsgesetz XXL?