(openPR) Die Politik der Geldvermehrung und die Extremsubventionierung von Schuldenmachern war von Anfang an eine Dummheit, die man sich größer kaum vorstellen kann. Aber die Menschentiere lassen selten eine Dummheit aus, wenn es gilt, überkommene Machtstrukturen zu stabilisieren und die gerade machthabenden „Eliten“ zu retten oder ihnen zu noch größerer Beute zu verhelfen.
Die Politik der großen Zentralbanken befindet sich seit Jahren in einer Sackgasse. Für die sich ankündigende globale Weltfinanz- und -wirtschaftskrise haben sie bei weitem nicht die Mittel, um vernünftig stabilisierend eingreifen zu können. Für Leser von Prof. Querulix nicht überraschend: Aus der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich kommen inzwischen Nachrichten, die sehr nachdenklich stimmen sollten. Der Tenor: Das globale Bild sei wackelig und den Zuständigen fehlten offensichtlich die Fähigkeiten, die weitere Entwicklung zu steuern.
Haben die vielen klugen und üppig bezahlten „Fachleute“ tatsächlich geglaubt, daß man nur Kreditnehmer subventionieren, Sparer ausbeuten und Löhne deckeln oder gar senken müsse, um immerwährende wirtschaftliche Prosperität zu gewährleisten? So dämlich kann doch niemand sein, selbst dann nicht, wenn er nur über das verfügt, was man gemeinhin unter gesundem Menschenverstand versteht. Nein, die Mächtigen haben einfach um immer größere Beute gespielt und sind jetzt dabei, zu verlieren. Allerdings nicht auf eigene Kosten, sondern auf Kosten ihrer vielen nicht privilegierten Mitmenschen.
Die deutschen Regierungen unter Merkel haben es versäumt, die Gesellschaft nachhaltig sozial so zu stabilisieren, daß unser Volk eine große Weltwirtschaftskrise ohne gefährliche politische Folgen überstehen kann. Soziale Gerechtigkeit wurde von den „Eliten“ als notwendiges Übel betrachtet, anstatt als sicheres Fundament eines stabilen Staates. Man wollte lieber selbst immer mehr abkassieren als diejenigen, ohne die man sein Vermögen gar nicht zusammengebracht hätte, gerecht am gemeinsam erarbeiteten Wohlstand zu beteiligen. Die kommende Krise wird dieses Versäumnis unübersehbar verstärken und die ohnehin schon schwindende politische Stabilität unseres Landes vollends beseitigen. Die Betrogenen werden dann notgedrungen erkennen, was ihnen die Herrschenden zugemutet haben und sich entsprechend verhalten. Die letzten Wahlen in Bund und Ländern haben gezeigt, wohin der Weg führen wird.
Die weltweiten finanzwirtschaftlichen Kalamitäten, die sich jetzt nicht mehr vertuschen lassen, bestehen seit langem. Sowohl ihre Ursachen wie auch die Fehler der Verantwortlichen bei der vermeintlichen Krisenbewältigung sind jetzt offensichtlich. Die Finanzkrise 2008/2009 wurde in Wahrheit niemals wirklich überwunden. Die skrupellose Herrschaft des großen Geldes wurde nicht beendet, sondern nur verlagert. Geschäftsbanken sind heute marginalisiert. Entsprechend ist ihre volkswirtschaftliche Bedeutung gesunken, viele sind aus dem Markt ausgeschieden. Die Finanzwirtschaft ist in ein Schattendasein emigriert. Die Politik hat das leichtfertig zugelassen und wird in naher Zukunft mit den wirtschaftlichen und sozialen Folgen konfrontiert werden.
Der wahre Zustand des Finanzsystems wird durch die Streßtests der Banken nicht erhellt. Heute finden die großen Geld- und Spekulationsgeschäfte im Bereich der nicht regulierten Schattenbanken statt. Die ehemaligen Großbanken haben den spekulativen Teil ihrer Geschäfte dorthin ausgelagert. Dominant sind die Geschäfte mit hochriskanten Derivaten, die der erfolgreiche Investor Warren Buffett einmal sehr zutreffend als die Massenvernichtungswaffe der Finanzindustrie bezeichnet hat. Denn die schiere Menge dieser Papierwerte soll inzwischen einen rechnerischen Wert erreicht haben, der das Weltsozialprodukt übersteigt. Man braucht keinerlei Phantasie, um sich vorzustellen, welche Wirkung ein Crash haben wird, wenn das Wolkenkuckucksheim der Großspekulanten implodiert.
Dieser Crash wird im Verlauf des weiteren Hineinschlidderns der Welt in die vielleicht größte Finanz- und Wirtschaftskrise der bekannten Weltgeschichte unvermeidlich sein. Das wissen die Finanzakrobaten natürlich auch oder ahnen es wenigstens und tun alles, um die Spekulationsblasen wenigstens einigermaßen stramm zu halten. Nützen wird es ihnen allerdings nichts.
Es ist sicher kein Zufall, daß die kürzliche Entlassung Griechenlands aus dem EU-Rettungsschirm von interessierter Seite so bejubelt wird, obwohl die immensen finanziellen Aufwendungen der „Rettung“ verloren sind und das Land keineswegs über den Berg ist. Die Ursachen für die griechische Krise liegen nämlich tiefer. Sie liegen in den mentalen Strukturen der Macht- und Geld-„Eliten“ des Landes. Das zu übersehen, ist grob leichtsinnig, pure Phantasterei, aber eben für Politiker und Krisenprofiteure der bequemste Weg, den weiter bestehenden Problemen des Landes erst einmal den Rücken zuzukehren.
Die Europäische Union soll auf Biegen und Brechen zusammengehalten und möglichst sogar noch um weitere Problemstaaten erweitert werden. Deshalb wurde Griechenland für die Kredite des Europäischen Rettungsfonds ESM mittlerweile eine Restlaufzeit von 32 Jahren eingeräumt und die EFSF-Kredite wurden im Juni dieses Jahres bis 2060 verlängert. Zinszahlungen, die 2022 fällig wären, wurden bis Ende 2032 gestundet. Das alles bedeutet praktisch: Das Geld wird verschenkt, weil es sowieso verloren ist. Die Verantwortlichen trauen sich nur nicht, das die wissen zu lassen, die gerade genug zum Überleben haben. Deshalb wird den unbedarften Bürgern, die das alles finanzieren müssen, Sand in die Augen gestreut. Wie sähen die – für die etablierten Herrscher ohnehin schon betrüblichen – Wahlergebnisse aus, wenn den Menschen klar würde, wen sie mit ihrem sauer verdienten Geld subventionieren?
Italien ist der nächste Problemstaat der Europäischen Union, ein sehr viel größerer Fall laxer Haushaltspolitik als der griechische. Die Regierung plant für 2019 eine Neuverschuldung von 2,4 Prozent der Wirtschaftsleistung, um ihre Wahlversprechen (wenigstens teilweise) erfüllen zu können. Eine bequeme Finanzierung ihrer Kalamitäten auf Kosten anderer wie in Griechenland dürfte den Italienern allerdings nicht so leicht möglich sein. Italien wird sich trotzdem hüten, aus EU und/oder EWU auszuscheiden. Sein Verbleiben könnte aber zum Sprengsatz für die Europäische Währungsunion werden. EU-Kommissionspräsident Juncker soll sich in einem Interview gegen einen Vergleich Italiens mit Griechenland gewehrt haben. Im Hinblick auf die möglichen Reaktionen der Gemeinschaft auf die Krise hat er sicherlich Recht. Die italienische Krise birgt ein Vielfaches an Sprengkraft für die europäische Einigungsidee als die griechische.
Angesichts der impulsiven hemdsärmeligen Politik der USA-Administration unter Präsident Trump ist auch von dort keinerlei stabilisierender Effekt zu erwarten. Im Gegenteil. Die hoffnungslos verschuldeten und von der Finanzwirtschaft beherrschten Vereinigten Staaten werden in der kommenden Finanz- und Wirtschaftskrise eher Brandbeschleuniger sein.
Mit beträchtlichen politischen und sozialen Auswirkungen der Krise ist zu rechnen. In vielen Schwellenländern ist das bereits unübersehbar. Die Ergebnisse kommender Parlamentswahlen – auch der in unserem eigenen Land – werden einen Vorgeschmack auf die zu erwartenden Folgen liefern. Die genauen Auswirkungen der im Anmarsch befindlichen Weltfinanz- und Wirtschaftskrise sind zeitlich und materiell zwar nur schwer abschätzbar. Mit einschneidenden sozialen Folgen sollte aber gerechnet werden. Die könnten dann auch die politische Landschaft noch weiter umpflügen – mit unabsehbaren Auswirkungen.
Die Europäische Einigungsidee wird unter künftigen schwierigeren wirtschaftlichen und sozialen Umständen schnell weiter an Anziehungskraft verlieren. Es bedarf keiner besonderen Sensibilität, um die Dissonanzen zu spüren, die bereits gegenwärtig den – für viele Neumitglieder mit üppigen Subventionen gepflasterten – Weg in ein einiges Europa begleiten. Das ist keineswegs nur der Flüchtlingskrise geschuldet, wenn diese auch die Mißtöne im europäischen Einigungskonzert beträchtlich verstärkt hat.
Ein einiges Europa ist immer weniger eine Herzensangelegenheit der Menschen. Heute spielen konkrete wirtschaftliche und machtpolitische Vorteile die entscheidende Rolle. Daß man aber nicht nur abkassieren und anderen die Kosten aufbürden kann, sondern auch beitragen muß, wenn die europäische Einigung wenigstens nicht in den Rückwärtsgang schalten soll, ist einigen Regierungen wohl noch nicht so richtig klar. 2019 könnte deshalb für Europa – und damit auch für Deutschland – ein Schicksalsjahr werden.
Prof. Querulix beobachtet und kommentiert seit vielen Jahren mit wachsender Sorge um Frieden, Freiheit und das allgemeine Wohl der Menschheit das fragwürdige Treiben der Menschentiere, insbesondere das ihrer Alphas und Beutejäger. Seine Beobachtungen dokumentiert und kommentiert er in der eBook-Reihe „Tacheles“, in der bisher 7 Bände erschienen sind. Der jüngste trägt den Titel: „Rien ne vas plus – Wohin treibt die Menschenwelt?“ (ISBN 978-3-943788-43-3). Wie seine 6 Vorgänger ist auch dieser Band in allen gut sortierten Buchhandlungen zum Preis von 9,95 Euro zu haben.
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