Jedes Jahr taucht dieselbe Frage auf: Lohnt sich Pressearbeit im Sommer überhaupt? Sind nicht alle Journalisten im Urlaub? Versanden Pressemitteilungen nicht in Abwesenheitsnotizen? Und lesen Entscheider im Juli und August überhaupt Fachbeiträge? Die kurze Antwort lautet: Ja, PR im Sommerloch kann sich lohnen. Aber nur, wenn sie nicht wie PR von der Stange aussieht.
Was ist das Sommerloch und wann beginnt es 2026?

Für Deutschland lässt sich das Sommerloch 2026 ab Anfang Juli einordnen. Ein häufiger Orientierungspunkt ist der Start der parlamentarischen Sommerpause: Der Bundestag hat 2026 noch eine Sitzungswoche vom 6. bis 10. Juli; danach folgt bis Anfang September keine weitere Sitzungswoche. Die nächste Bundestags-Sitzungswoche beginnt erst wieder am 7. September 2026.
Parallel starten die Sommerferien und damit die Haupturlaubszeit je nach Bundesland gestaffelt: zuerst am 29. Juni 2026 in Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland; weitere Bundesländer folgen ab Anfang Juli.
Der Denkfehler: „Im Sommer liest doch niemand“
Das Sommerloch ist also kein Mythos. In vielen Redaktionen wird es im Sommer tatsächlich ruhiger, weil Politik, Verbände, Unternehmen, Sportligen und kulturelle Institutionen weniger Termine und Nachrichten produzieren. Gleichzeitig macht ein Teil der Redaktionen Urlaub, Dienstpläne sind dünner besetzt und Themen müssen oft mit weniger Personal gestemmt werden.
Genau darin liegt die Chance: Medien erscheinen weiter. Websites werden täglich aktualisiert. Newsletter müssen gefüllt werden. Radiosendungen brauchen Gesprächspartner. Fachportale suchen relevante Inhalte. Wer in dieser Phase ein gut aufbereitetes, passendes und schnell verwertbares Thema anbietet, konkurriert oft mit weniger Lärm als im Herbst oder Frühjahr.
Viele Unternehmen stoppen ihre Kommunikation im Sommer, weil sie davon ausgehen, dass ihre Zielgruppen im Urlaub sind. Das ist zu pauschal gedacht.
Natürlich sind viele Entscheider zeitweise nicht erreichbar. Natürlich werden komplexe Kaufentscheidungen oder große strategische Projekte seltener mitten in der Ferienzeit abgeschlossen. Aber daraus folgt nicht, dass niemand liest, recherchiert oder Themen vormerkt.
Gerade digitale Fachmedien, Newsletter, LinkedIn und Online-Portale funktionieren nicht nach dem alten Rhythmus „alle sind weg, alles steht still“. Viele Menschen lesen im Sommer anders: mobiler, selektiver, vielleicht weniger tief im Tagesgeschäft, aber durchaus offen für gut erzählte, nützliche und einordnende Inhalte.
Das bedeutet: Der Sommer ist nicht immer die beste Zeit für eine harte Produktmeldung, eine komplexe Finanzierungsnachricht oder eine erklärungsbedürftige B2B-Kampagne mit sofortigem Conversion-Ziel. Er ist aber sehr gut geeignet für Themen, die Orientierung geben, Probleme einordnen oder saisonal anschlussfähig sind.
Was Redaktionen im Sommer wirklich brauchen
Im Sommer gewinnen Themen, die Redaktionen Arbeit abnehmen. Besonders hilfreich sind:
- Praxisnahe Ratgeber: Was müssen Unternehmen, Verbraucher oder Fachzielgruppen jetzt beachten?
- Daten und Trends: Gibt es Zahlen, Beobachtungen oder Entwicklungen, die eine größere Geschichte erzählen?
- Saisonale Bezüge: Was verändert sich im Sommer für eine Branche, eine Zielgruppe oder ein Problem?
- Expertenstimmen: Wer kann kurzfristig einordnen, erklären oder kommentieren?
- Fertige Bausteine: Bildmaterial, O-Töne, kurze Statements, Infografiken, Checklisten oder Gastbeiträge.
Wichtig ist: Das Thema darf nicht nur für das Unternehmen interessant sein. Es muss für die Redaktion und deren Publikum funktionieren.
Eine Pressemitteilung nach dem Muster „Unternehmen X launcht Feature Y“ wird im Sommer nicht automatisch spannender. Eine Geschichte wie „Fünf Fehler, die Mittelständler bei Cybersecurity in der Urlaubszeit machen“ hat dagegen einen klaren Nutzwert, einen saisonalen Anlass und eine Zielgruppe.
Wann PR im Sommerloch besonders gut funktioniert
Sommer-PR ist sinnvoll, wenn mindestens einer dieser Punkte erfüllt ist:
- Das Thema passt saisonal. Zum Beispiel Reisen, Gesundheit, Energie, Bildung, Personalplanung, Sicherheit, Freizeit, Klima, Konsum, Mobilität oder Digitalisierung im Urlaubsmodus.
- Das Thema ist leicht konsumierbar. Ratgeber, Checklisten, kurze Analysen, Infografiken und Expertenkommentare funktionieren besser als sperrige Grundsatzpapiere.
- Das Medium hat laufenden Veröffentlichungsdruck. Online-Medien, Tagesmedien, Lokalmedien, Radio, Newsletter und Branchenportale sind oft dankbar für gut vorbereitete Inhalte.
- Die Geschichte ist zeitlos genug. Evergreen-Themen, die nicht an einen einzigen Veröffentlichungstag gebunden sind, geben Redaktionen mehr Spielraum.
- Das Unternehmen kann schnell reagieren. Wenn Redakteure unterbesetzt sind, helfen kurze Wege, verlässliche Ansprechpartner und sofort verfügbares Material.
Wann man besser wartet

Auch große strategische Ankündigungen, die maximale Aufmerksamkeit erzeugen sollen, sind im Sommer riskant. Wenn der CEO im Urlaub ist, die Fachredaktion nur notbesetzt arbeitet und die Zielgruppe gerade in Ferienlaune ist, kann eine wichtige Meldung unter ihrem Potenzial bleiben.
Für solche Themen ist der Sommer eher Vorbereitungszeit: Presseverteiler aktualisieren, Hintergrundgespräche anbahnen, Gastbeiträge planen, Daten auswerten, Herbstthemen entwickeln.
Die beste Sommerloch-Strategie: nicht lauter, sondern nützlicher werden
Wer im Sommer sichtbar werden will, sollte nicht mehr Masse produzieren, sondern bessere Angebote machen.
Statt einer allgemeinen Pressemitteilung lohnt sich ein kurzes, personalisiertes Themenangebot: Warum ist das Thema jetzt relevant? Für welches Ressort passt es? Welche These, Zahl oder Geschichte steckt darin? Was kann sofort geliefert werden?
Ein guter Sommer-Pitch ist kurz, konkret und serviceorientiert. Er sagt nicht: „Wir möchten gerne über uns berichten.“ Er sagt: „Hier ist ein Thema, das Ihre Leser jetzt betrifft – und wir liefern Ihnen eine schnelle, belastbare Einordnung.“
openPR- Tipp: Presseportale als schneller Sommer-Kanal
Ein Vorteil von Online-Presseportalen wie openPR liegt gerade in der Sommerzeit in der schnellen Veröffentlichung: Pressemitteilungen können ohne redaktionelle Vorlaufzeit online gestellt werden und sind damit auch für kurzfristige Anlässe geeignet. Das kann besonders hilfreich sein, wenn Informationen zeitnah sichtbar werden sollen, eine klassische Medienplatzierung aber nicht planbar ist oder zusätzliche digitale Auffindbarkeit gewünscht wird. Ein weiterer Pluspunkt: Online-Pressemitteilungen bleiben langfristig im Netz auffindbar. Sie können also auch nach der ersten Veröffentlichung noch über Suchmaschinen gefunden und genutzt werden.
Themen, die im Sommer oft funktionieren
Für B2B-Unternehmen bieten sich zum Beispiel diese Ansätze an:
- „Was Unternehmen in der Ferienzeit oft unterschätzen“
- „Fünf Risiken, die entstehen, wenn Teams unterbesetzt sind“
- „Welche Entscheidungen vor dem Herbst vorbereitet werden sollten“
- „Warum der Sommer die beste Zeit für Prozessoptimierung ist“
- „Was Branchenzahlen über das zweite Halbjahr verraten“
- „Welche Trends nach der Sommerpause relevant werden“
- Für B2C-Marken funktionieren eher alltagsnahe, leichte und praktische Themen:
- „So sparen Verbraucher im Sommer Kosten“
- „Was Familien vor der Reise beachten sollten“
- „Welche Fehler im Alltag jetzt besonders häufig passieren“
- „Sommer-Checkliste für Gesundheit, Sicherheit oder Finanzen“
- „Mythencheck: Was stimmt wirklich?“
Der größte Fehler der Sommer-PR: Senden und verschwinden
Eine Pressemitteilung kurz vor dem Urlaub zu verschicken und sich dann für zwei Wochen zu verabschieden, ist einer der größten Fehler in der Sommer-PR. Gerade in dünner besetzten Redaktionen müssen Journalisten schnell arbeiten. Wenn sie Rückfragen haben, ein Zitat brauchen, Bildmaterial anfordern oder kurzfristig ein Interview führen möchten, muss jemand erreichbar sein.
Ist kein Ansprechpartner verfügbar, verpufft die Chance oft sofort, unabhängig davon wie gut Ihr Themen ist.
Checklisten für Ihre Sommer-PR
Diese Übersicht hilft Ihnen schnell zu entscheiden, ob sie ein Thema im Sommer aktiv pitchen sollten oder besser für September vorbereiten.
| Frage | Ja | Nein |
|---|---|---|
| Hat das Thema einen saisonalen Bezug zu Sommer, Urlaub, Ferien, Hitze, Planung, Sicherheit, Konsum oder Jahresmitte? | Sommer-Pitch prüfen | Eher zeitlos einplanen |
| Ist das Thema für Leser sofort nützlich? | Gute Chance | Thema stärker zuspitzen |
| Kann die Redaktion daraus schnell einen Artikel, Newsletter-Beitrag oder Online-Post machen? | Geeignet | Mehr Material liefern |
| Gibt es belastbare Zahlen, Tipps, Beispiele oder Expertenzitate? | Starker Aufhänger | Vor Versand ergänzen |
| Ist ein Ansprechpartner während der Ferienzeit erreichbar? | Versand möglich | Nicht versenden |
| Braucht das Thema maximale Aufmerksamkeit von Top-Entscheidern? | Besser abwägen | Sommer kann passen |
| Ist die Nachricht strategisch sehr wichtig, komplex oder erklärungsbedürftig? | Eher für Herbst planen | Sommer-Pitch möglich |
Vor dem Versand prüfen:
☐ Ist der Sommerbezug verständlich, ohne künstlich zu wirken?
☐ Ist die Betreffzeile konkret und redaktionell relevant?
☐ Ist die Kernaussage in den ersten zwei Sätzen erkennbar?
☐ Gibt es ein kurzes Expertenstatement oder zitierfähiges O-Ton-Angebot?
☐ Sind Bildmaterial, Daten, Links oder Hintergrundinfos sofort verfügbar?
☐ Ist ein Ansprechpartner während der gesamten Pitch-Phase erreichbar?
☐ Gibt es eine Vertretung mit Entscheidungsbefugnis?
☐ Sind Telefonnummer und E-Mail-Adresse im Pressetext gut sichtbar?
☐ Wurde geklärt, wer kurzfristig Interviews geben kann?
☐ Ist der Versandtermin auf Ferien, Feiertage und Redaktionsrhythmus abgestimmt?
☐ Gibt es einen Plan für Follow-up, aber ohne aufdringliches Nachfassen?
Fazit: Das Sommerloch ist kein Garant, aber eine Gelegenheit
PR im Sommerloch lohnt sich nicht automatisch. Schlechte Themen bleiben schlechte Themen, auch wenn Redaktionen weniger Nachrichten haben. Wer aber ein relevantes, gut verpacktes und schnell verwertbares Thema anbietet, kann im Sommer bessere Chancen haben als in überfüllten Kommunikationsphasen.
Die wichtigste Regel lautet: Nicht fragen, ob „die Presse“ im Sommer arbeitet. Fragen Sie lieber, welches Medium welches Publikum in dieser Zeit bedienen muss – und welches Thema diesem Medium wirklich hilft.
Dann wird aus dem Sommerloch ein Sichtbarkeitsfenster.