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Positionspapier schreiben: So überzeugen Sie politische Entscheider

Ein politisches Positionspapier gehört zu den am meisten unterschätzten Werkzeugen im Public-Affairs-Instrumentenkasten. Viele Unternehmen und Verbände versenden sie massenhaft, doch nur wenige erzielen die gewünschte Wirkung. Warum ist das so? Weil sie oft für den „Angler“ (also den Absender) geschrieben sind, nicht für den „Fisch“ (den politischen Empfänger). Wer politische Prozesse wirklich mitgestalten will, muss verstehen, wie man komplexe Forderungen in für die Politik entscheidungsrelevante Impulse verwandelt.

Wie schreibt man ein Positionspapier?
Wie schreibt man ein Positionspapier?
Wie schreibt man ein Positionspapier? Die wichtigsten fünf Aspekte gespoilert:

  • Executive Summary – Kernaussagen ganz nach oben
  • Nicht Lamentieren, sondern Lösungen anbieten
  • Daten als Grundlage, keine Spekulation
  • Grafische Begleitung – „Ein Bild und die 1.000 Worte“
  • Auftrag oder: Call to Action, was will ich, dass Entscheider/in tut?

Defintion: Was ist ein Positionspapier?

Ein (politisches) Positionspapier ist ein schriftliches, meist kompaktes Dokument, in dem ein Unternehmen, eine Organisation oder Institution ihre klare Haltung zu einem konkreten politischen Thema, Problem oder Regelungsvorhaben darlegt. Es geht über eine bloße Meinungsäußerung hinaus: Ein Positionspapier beschreibt den Sachverhalt, ordnet ihn politisch ein, begründet die eigene Position mit Fakten, Argumenten und gegebenenfalls externen Quellen und formuliert häufig konkrete Forderungen, Empfehlungen oder gewünschte politische Maßnahmen. Damit dient es vor allem dazu, gegenüber Politik, Verwaltung, Medien, Fachöffentlichkeit oder Stakeholdern Orientierung zu geben, Interessen zu vertreten und politische Debatten oder Entscheidungsprozesse zu beeinflussen.

 

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Warum sollten Sie Positionspapiere für Ihre Strategie nutzen?

Viele Organisationen unterschätzen den Wert eines schriftlich fixierten Standpunkts. In der Politik ist ständig von „Papieren“ die Rede. Nicht ohne Grund! Sie bieten entscheidende Vorteile:

  • Agenda Setting: Sie bringen Ihre Themen aktiv auf den Tisch der Entscheider:innen.
  • Expertenstatus: Durch wissenschaftliche Untermauerung Ihrer Thesen bauen Sie Misstrauen ab (z.B. wenn es um Forderungen nach Budgeterhöhungen geht).
  • Präzision: Es zwingt Ihr Unternehmen dazu, die Quintessenz aus dem eigenen Strategieprozess zu ziehen und zu durchdenken.
  • Türöffner: Ein gutes Papier ist oft der Anlass für das erste persönliche Gespräch im Abgeordnetenbüro oder in einem Ministerium.

Wann ist ein Positionspapier sinnvoll?

Ein Positionspapier ist in der Regel immer dann das Mittel der Wahl, wenn eine Antwort auf diese Punkte gefunden werden soll:

  • Regulierungsprozesse stehen an: Sie wollen eine konkrete Entscheidung oder ein Gesetz beeinflussen.
  • Stakeholder-Beziehungen vertiefen: Es dient als Arbeitsgrundlage für den fachlichen Austausch auf Arbeitsebene.
  • Nischenthemen adressieren: Wenn Sie ein Thema besetzen wollen, das bisher nur Brancheninsider interessiert.

Was unterscheidet Public Affairs von klassischem Marketing?

Warum scheitern gefühlt 90 Prozent aller Positionspapiere? Weil sie für den Schreiber geschrieben sind, nicht für den Entscheider. In der Politik ist Aufmerksamkeit die härteste Währung. Ziel muss es sein, Strukturen win-win-mäßig zu verändern. Es geht nicht um Marketing oder gar (gekaufte) PR!

Während Marketing auf die breite Öffentlichkeit zielt, um Aufmerksamkeit zu kaufen, fokussiert sich Public Affairs auf die politische Entscheideröffentlichkeit. Ein Positionspapier als Public Affairs-Instrument zielt darauf ab, Strukturen zu ändern. Wenn Lobbyarbeit diesen Kern verliert, bleibt sie reines Marketing. Ein echtes Positionspapier ist folglich das Fundament, um Themen auf die politische Agenda zu setzen.

Wie kommt man „in die Köpfe“ der Politik?

Positionspapier nach dem dem Köder-Fisch-Prinzip erstellen
Positionspapier nach dem dem Köder-Fisch-Prinzip erstellen

Das optimale Papier folgt klaren strategischen Prinzipien, die oft und zu leicht vernachlässigt werden:

  1. Komplexitätsreduktion: Entscheider leiden unter Informationsüberflutung. Fachliches Niveau ist gut, aber „Tunnelblick“ und „Protzen mit Fachwissen“ schadet. Konzentrieren Sie sich auf das Wesentliche.
  2. Konstruktive Problemanalyse: Kritisieren Sie nicht nur den Status quo. Wer nur schimpft, schließt Türen. Zeigen Sie stattdessen Regulierungsalternativen auf. Idealerweise zeigen Sie zum aktuellen Diskussionstand sogar die milderen Mittel auf.
  3. Der „Fisch-Köder-Grundsatz“: Auch bei Positionspapieren gilt die Binse, dass der Köder dem Fisch schmecken muss und nicht dem Angler. Heißt: Schreiben Sie so, dass der/die Politiker/in einen Nutzen für sein/ihr Mandat bzw. die eigene Wählerklientel erkennt.
  4. Layout und Visualisierung: Vermeiden Sie „Textwüsten“ in Schriftgröße 10. Nutzen Sie Grafiken und Bulletpoints, um komplexe Sachverhalte sofort erfassbar und gut lesbar zu machen. Grundsatz: Das Auge isst mit!

Stolpersteine vermeiden: Was Ihr Papier unter Umständen zum Scheitern bringen kann

  • Die 80/20-Falle: Verbeißen Sie sich nicht auf zwei Seiten in die Problembeschreibung, um erst im letzten Absatz konkret zu werden. Kommen Sie schnell zum Punkt. Das Wichtigste findet sich im ersten Drittel eines Textes.
  • Anonyme Ansprache: Denken Sie daran, dass Menschen Ihre Texte lesen. Ein zu aggressiver Ton gegen „die Politik“ verhindert den Dialog von vornherein.
  • Fehlende Kontaktwege: Ein Positionspapier ist ein Beziehungs-Tool. Eine niedrigschwellige Kontaktaufnahmemöglichkeit schafft Transparenz und erleichtert die Rücksprache. Vielleicht arbeiten Sie sogar mit einem gut sichtbaren QR-Code.

Praxis-Beispiel: Einführung einer speziellen pharmazeutische Dienstleistung

Statt der bloßen Forderung nach mehr Geld für das Gesundheitswesen, um z.B. eine innovative Neuerung einzuführen, was gerade im Gesundheitsbereich schnell Misstrauen erntet, sollte der Nutzen in den Vordergrund gestellt werden.

Wir kommen also mit dem Argument der Qualitätsverbesserung, der Fehlervermeidung, der größeren Therapietreue. Das sind Argumente, die langfristig dem System sogar Kosten sparen. Eine höhere Patientensicherheit durch digitale Arbeitsprozesse und weniger Notaufnahme-Einweisungen durch moderne Medikations-Checks und der Vermeidung von Fehlmedikationen. Das sind gute Argumente, die für politische Entscheider erstmal attraktiv sind. Was auf die Gesundheit von Menschen positiv einzahlt, dagegen kann zunächst niemand einen Einwand haben. Auf dieser Basis lässt sich gut diskutieren.

FAQ zum Thema "Positionspapier schreiben"

Wie sollte ein politisches Positionspapier aufgebaut sein?

Aufbau eines politischen Positionspapiers
Aufbau eines politischen Positionspapiers
Ein Positionspapier sollte einer einfachen Logik folgen: Thema benennen, Problem knapp einordnen, eigene Position darstellen und anschließend konkrete Lösungsvorschläge formulieren. Wichtig ist, dass die zentrale Botschaft früh erkennbar ist.

Wie lang sollte das Papier sein?

Ein gutes Positionspapier ist so kurz wie möglich und so konkret wie nötig. In der Praxis funktionieren meist wenige Seiten besser als umfangreiche Ausarbeitungen, weil politische Entscheider schnell erfassen müssen, worum es geht.

Wie schreibt man verständlich für politische Entscheider?

Schreiben Sie nicht aus der Perspektive Ihrer Organisation, sondern aus der Perspektive der politischen Leserschaft. Politische Entscheider müssen schnell erkennen können, warum ein Thema relevant ist, welche Folgen es hat und welche Handlungsmöglichkeit besteht. Gute Sätze sind klar, aktiv und konkret. Statt abstrakter Problembeschreibungen helfen greifbare Beispiele, konkrete Zahlen und eine eindeutige Sprache.

Wie formuliert man die zentrale Position?

Die zentrale Position sollte in ein bis zwei Sätzen verständlich formuliert sein. Sie muss auch für Personen nachvollziehbar sein, die nicht täglich mit dem Thema arbeiten. Eine gute Formulierung beantwortet drei Fragen: Was soll sich ändern? Warum ist das notwendig? Welchen Nutzen hat die vorgeschlagene Änderung? Je präziser diese Kernaussage ist, desto leichter kann sie in politischen Gesprächen aufgegriffen werden.

Was gehört nicht in ein Positionspapier?

Ein Positionspapier sollte kein Unternehmensporträt, keine Imagebroschüre und kein wissenschaftlicher Aufsatz sein. Verzichten Sie auf lange Selbstdarstellungen, unnötige Fachbegriffe, interne Abkürzungen und Details, die für die politische Entscheidung nicht relevant sind. Auch rein werbliche Formulierungen schwächen die Glaubwürdigkeit. Entscheidend ist nicht, alles zu sagen, was man sagen könnte, sondern das, was für den politischen Kontext relevant ist.

Über unseren Gastautor

Udo Sonnenberg hat sich im Frühjahr 2008 mit seiner Beratungstätigkeit im Bereich der klassischen Public Affairs-Arbeit selbständig gemacht. Ziemlich bald folgte der Einstieg bei der elfnullelf Beratungsgesellschaft für Strategie und politische Kommunikation, die er seit 2012 als GmbH führt. Seine inhaltlichen Schwerpunkte in der Beratung sind Gesundheitsbereich, das Bauwesen und Energiesektor. Gemeinsam mit seinem Co-Geschäftsführer bei elfnullelf, Fabian Haun, entwickelt und bespielt er fortlaufend neue Formate wie die noch junge Unit elfnullelf analytix, den Podcast LobbyVersum, ein Videostudio für politische Kommunikation oder den Blog Spreepublik.

 

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