Viele kleinere und mittlere Unternehmen (KMU) sind oft sehr durch ihr Tagesgeschäft okkupiert: Aufträge reinholen, Mitarbeiterangelegenheiten regeln, staatlichen Dokumentationsanforderungen genügen u.v.m. Da erscheint eine strategisch und auf Dauer angelegte Lobbyarbeit oftmals als nicht zusätzlich leistbar. Dabei zahlt sich diese ganz sicher schon bald aus. Wie kann das mit relativ wenig Ressourceneinsatz effektiv gelingen?
Was genau ist Lobbyarbeit? – Definition, Beispiele und Bedeutung für KMU
Zunächst bleibt festzuhalten, dass Lobbyarbeit (auch Politikarbeit genannt) nicht nur was für Konzerne ist. Das Rückgrat unserer Wirtschaft, der vielbeschworene Mittelstand, darf dieses Feld nicht nur den vermeintlich Großen überlassen.
Denn: Wer sich nicht einbringt, riskiert leicht, übersehen zu werden! Gerade KMU sollten die Spielregeln nicht ausschließlich von größeren Marktbegleitern bestimmen lassen.
Beispiele:

Die einzigartigen Vorteile von KMU ergeben sich aber oft schon aus dem direkten Stakeholder-Umfeld. Das sind zunächst die meist aus der Region kommenden Mitarbeitenden und Kunden sowie deren Familien. Das gleiche gilt für etwaige Zulieferer. Damit haben die Führungspersönlichkeiten dieser Unternehmen häufig ein viel direkteres Ohr an den aktuellen gesellschaftlichen Problemen und Herausforderungen. Dieser direkte Draht gewährleistet ganz nebenbei die größere Authentizität und damit Glaubwürdigkeit. Ein Kapital, das immer mehr an Bedeutung gewinnt.
Damit haben sie sogar die Chance, politische Interessenvertretung aus den vielbeschworenen Hinterzimmern rauszuholen und transparent in die Öffentlichkeit zu tragen.
Lobbyarbeit bedeutet: Nicht nur am Spielfeldrand stehen! Aktive Interessenvertretung gehört für den Mittelstand heute zur unternehmerischen Verantwortung.
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Was braucht es dazu von Unternehmerseite?
Erfolgreiche Politikarbeit als KMU zeichnet sich vor allem durch klare und konstruktive Botschaften aus. Nicht immer nur meckern, was alles falsch läuft, sondern ggf. Regulierungsalternativen aufzeigen. Probleme direkt benennen und Lösungswege aufzeigen. Das bringt das eigene Unternehmen weiter, aber auch die politischen Entscheidungsträger.
Gute Argumente sollten sich zudem auf eine gute Daten- u. Faktenlage stützen.
Es braucht darüber hinaus gut veranschaulichte Beispielfälle mit einer interessanten, einprägsamen Geschichte dazu. Idealerweise eine aus dem eigenen unternehmerischen Umfeld – Stichwort Authentizität.
Ferner empfiehlt sich ein guter, zielgerichteter Plan, der folgende Aspekte berücksichtigt bzw. Fragen beantwortet:
- Was konkret sind meine/unsere Themen?
- Wo finden die maßgeblichen Debatten dazu statt?
- Habe ich bereits ein Netzwerk (Verbandsmitgliedschaft, Mitarbeitergremien, Normungsgremien etc.) und kann ich darauf aufbauen?
- Wen sollte ich in dieses Netzwerk dazuholen?
- Gibt es Brancheninitiativen, denen ich mich anschließen kann?
- Gab es jüngst erfolgreiche Kampagnen, die ich adaptieren könnte?
- Will ich wirklich nachhaltig – d.h. dauerhaft und mit kontinuierlichem Einsatz – das Thema Politik bearbeiten?
- Welche personellen und finanziellen Mittel sind dafür notwendig?
- Will ich diese Arbeit komplett mit einem Inhouse-Team leisten oder hole ich mir professionelle Hilfe eines spezialisierten Beratungsunternehmens dazu?
Aktion und Reaktion
In der Kommunikation lassen sich oft reaktive Maßnahmen nicht vermeiden. Das Thema kennt jeder, der schon mal eine unternehmerische Krise erlebt hat: Eine Havarie in der Trinkwasserversorgung erfordert z.B. eine sofortige Abstellung der Ursache und zudem eine Beruhigung der direkt Beteiligten Menschen im Unternehmen. Bei einem Wasserversorgungsbetrieb geht das natürlich deutlich über die eigene Belegschaft hinaus.
Es gibt zudem Fälle von Produktrückrufen oder ein Baustellenunfall kann sofortige Krisensteuerungsmaßnahmen hervorrufen. Es kann aber auch sein, dass ein Unternehmen Ziel einer negativen Kampagne wird, die es aufzuklären und rasch auszuräumen gilt.
Das Gute in der politischen Kommunikation oder Lobbyarbeit ist, dass ich in erster Linie aktiv tätig werden kann. Ich habe also als Unternehmerin oder Unternehmer die Möglichkeit, die Agenda selbst zu gestalten bzw. zu setzen. Dafür gibt es unterschiedliche Mittel und Wege:
- Ein Repertoire an (politischen) Veranstaltungsformaten
- Stakeholder-Gespräche führen
- Beteiligung an Konsultationen (z.B. auf EU-Ebene)
- Gute Verzahnung von Breiten-PR (auch Social Media) mit der politischen Kommunikation, also die Kommunikation mit der politischen Entscheideröffentlichkeit aus Parlamenten, Regierungen, lokaler Administration, der Justiz u.v.a.
- Durch gezieltes Monitoring Debatten und Trends erkennen und sich selbst als profilierten Gesprächspartner anbieten/einbringen.
Was bedeutet nachhaltige Lobbyarbeit als KMU?

Erstens braucht politische Arbeit in einer lebendigen, parlamentarischen Demokratie einen langen Atem. Es ist also kein Sprint, sondern man sollte sich schon eher auf einen Marathon einstellen. Kontinuierliche Arbeit mit Blick auf den Beziehungsaufbau/das Netzwerken und regelmäßiges Monitoren über einen langen Zeitraum sind notwendige Bedingungen für den Erfolg. Public Affairs-Beratung und in ihre Verbindung zur unternehmerischen Politikarbeit ist keine Feuerwehr, und folglich nichts für Adhoc-Maßnahmen, wenn die „Hütte brennt“.
Zweitens sind Ressourcen und eine klare Aufgabenzuweisung wichtig. Politikarbeit ist im besten Falle Chefsache. Das gilt nicht zur für den Besuch des Wahlkreisabgeordneten, wenn dieser auf seiner obligatorischen Sommereise Station im Unternehmen macht. Es braucht einen langfristigen, strategischen Überblick und fest etablierte Strukturen. Diese sollten glasklar im Unternehmen geregelt sein. Z.B. wenn es darum geht, gute Nachrichten über Innovationen direkt an Entscheider heranzutragen – idealerweise bevor die allgemeine Presseveröffentlichung dazu raus ist. Die Aufbereitung eines Themas für politische Zwecke kann/sollte eine andere sein. Darüber gilt es nachzudenken und das muss verantwortlich geregelt werden – intern oder in Zusammenarbeit mit externen Fachleuten aus einer professionellen Beratung.
Lobbyarbeit: Checkliste für KMU
1. Grundsatzentscheidung über Lobbyarbeit – wenn JA:
2. Ressourcenfrage und Verantwortlichkeiten klären
- braucht es externe Beratung?
3. Ziele definieren
- „kurzfristige“ Perspektive (ca. halbes Jahr)
- mittelfristige Ziele
- langfristige, über eine Wahlperiode hinausreichende Ziele
4. Welche Formate passen zu meiner Überzeugung, Philosophie, bisherigen Arbeit:
- Direkte Gespräche?
- Mehr Social-Media-Präsenz?
- Regelmäßiger Politikbrief?
- Umfrage-Beteiligungen?
- Eigene Veranstaltungsreihe – online, offline, hybrid?
5. Ausbau der Zusammenarbeit mit anderen:
- Wissenschaft,
- NGOs,
- ThinkTanks
- etc.
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