Unter einem Interview versteht man die mündliche Befragung einer Person, zum Beispiel eines Experten, mit dem Zweck, Informationen über Sachverhalte zu gewinnen und diese ggf. in der Öffentlichkeit bekanntzumachen. Da Inhalte von Interviews und mündlichen Aussagen den Regeln des Urheberrechts unterliegen können, muss in diesen Fällen die Quelle ersichtlich sein. Die Frage, wie man ein Interview zitieren kann, betrifft nicht nur wissenschaftliche Arbeiten sondern auch journalistische Texte, Pressemitteilungen und andere PR-Beiträge in gleicher Weise.
Wie zitiere ich ein Interview, ein Gespräch oder eine mündliche Aussage?

Zitatrecht: Gesetzliche Grundlage
Der § 51 UrhG regelt, dass einzelne Passagen aus urheberrechtlich geschützten Werken in eigenen Werken „zitiert“ werden dürfen. Voraussetzung ist, dass das Zitat nicht verändert wird und die Quelle korrekt angegeben ist. Folgendes ist zu beachten:
- Das Zitat ist ein Hilfsmittel, um die eigenen Erläuterungen zu untermauern.
- Das eigene Werk ist urheberrechtlich schutzfähig (selbstständiges Werk).
- Ein Zitat ohne korrekte Quellenangabe (Verweis auf den Urheber) gilt als Plagiat.
- Der Umfang des Zitates muss passend für die Erläuterung des eigenen Textes sein.
Im Urheberrecht ist der Begriff des Werkes definiert. Dabei steht der Konsum (das Lesen, Ansehen, Anhören) im Vordergrund und weniger der Schutz des Werkes selbst.
Zu den Sprachwerken, die das Urheberrecht nennt, gehören alle Werke, deren Ausdrucksmittel die Sprache ist: Reden, Vorträge und Interviews, wenn der Konsum wiederholbar ist (Papier, digitales Medium) und sie der freien Werknutzung unterliegen.
Ein urheberrechtliches Zitat fällt dann unter die freie Werknutzung, wenn es als fremdes Werk gekennzeichnet ist, der Autor genannt wird und das Werk, das es beinhaltet, darauf Bezug nimmt.
Veröffentlichtes Interview zitieren

Grundformen des Zitierens im Text
- Parenthetisch: „PR-Fachleute haben sich an die Regeln des Zitations- und Urheberrechts zu halten, wenn sie bereits veröffentlichte Interviews in ihren Texten verwenden“, sagt Hans Mayer über das richtige Zitieren (Frankfurter Allgemeine vom 17.7.2022, Seite 12, Absatz 3).
- Narrativ: FAZ (2022), Interview mit Hans Mayer über das Zitations- und Urheberrecht, das auch von PR-Fachleuten zu beachten ist.
Die narrative Zitierweise wird in aller Regel angewandt, wenn mehrere Zitate von verschiedenen Personen im Text vorkommen. Der vollständige Verweis auf die Zitatquelle findet sich dann im Quellenverzeichnis.
Aus einem Interview zitieren nach APA-Richtlinien
Eine gute Anleitung für richtiges Zitieren findet sich in den APA-Richtlinien (American Psychological Association; Publication Manual, 6th Edition). Zwar liegt hier der Fokus auf wissenschaftlichen Arbeiten (Seminar, Bachelor, Master), doch kann das Manual auch für Journalisten und PR-Fachleute eine gute Grundlage für rechtssicheres Zitieren sein.
Beispiele „In-Text-Zitation“
Im Wesentlichen finden die unten stehenden Formen der Zitation Verwendung. Die Bezeichnung „In-Text“ spricht für sich, denn die Zitation ist Teil des Textes. Ist das Werk veröffentlicht, wird es um die Quellenangabe ergänzt.
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Formen der Zitation |
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Parenthetisch |
Narrativ |
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Beschreibung |
Zitation wird in Klammer gesetzt und ist Teil des Satzes. |
Erzählende Zitation, der Name es Autors und ggf. das Werk stehen im Fließtext, das Jahr der Erscheinung wird in Klammer gesetzt. |
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Form |
Das Klammerzitat steht am Ende des erklärenden Textes, das Satzendzeichen folgt auf die schließende Klammer. |
Dem Namen des Autors folgt das Jahr, in dem das Werk publiziert wurde: H. Mayer (2022). |
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Beispiel |
„PR-Fachleuten ist es ebenso anzuraten, in ihren Artikeln korrekt zu zitieren“ (Interview mit Hans Mayer, 18.07.2022). |
H. Mayer (2022): „PR-Fachleute sollten sich mit den APA-Richtlinien betreffs korrekter Zitierung vertraut machen“. |
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Anmerkung |
Geeignet auch für nicht veröffentlichte Interviews (Persönliche Mitteilung, kein Zugriff auf die Quelle). |
Der Verweis im Quellenverzeichnis erfordert veröffentlichte Interviews / Texte. |
Harvard-Zitierweise
Zitieren nach Harvard auch als „amerikanisches Zitieren“ bekannt, unterscheidet sich von den APA-Richtlinien dadurch, dass keine Vorgaben zur Organisation vorgesehen sind.
Der Quellennachweis wird direkt im Fließtext angegeben, die Harvard-Zitierweise verzichtet auf Fußnoten. Die konkreten Quellen können in einem eigenen Quellen- oder Literaturverzeichnis erfasst werden.
Beispiele zur Harvard-Zitierweise
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Paraphrasierend |
Direktes Zitat (im Fließtext) |
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Den Aussagen Mayers folgend, sollten auch PR-Leute korrekt zitieren (vgl. Mayer 2022:5). |
"Ich empfehle allen PR-Fachleuten, sich mit den Regeln zur korrekten Zitation vertraut zu machen" (Mayer 2022:5). |
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Fundstelle im Quellen- oder Literaturverzeichnis anführen: Mayer, H. (2022): Richtiges Zitieren für PR-Fachleute, in: Frankfurter Allgemeine, 17.07.2022, S. 5 – 8). |
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Deutsches Zitieren
In der sogenannten „Deutschen Zitierweise“ kommen Fußnoten zur Anwendung. Falls es ein Literaturverzeichnis gibt, muss das Interview darin nicht aufgenommen werden.
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Text |
Fußnote |
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Wie Hans Mayer schon mehrfach betont, ist die Kenntnis von Zitierregeln auch für PR-Fachleute wesentlich1. |
1 Interview mit Hans Mayer, geführt von Martin Schreiber, Hannover, 12.07.2022. |
Eigenes Interview zitieren

Wenn das Interview weder in Printform noch Online (gespeichert, archiviert) zur Verfügung steht, kann ein Leser auf das Original nicht zugreifen, für ihn ist es „nicht wiederherstellbar". In dem Fall handelt es sich um eine „persönliche Mitteilung“, die in eigenen Texten als solche zu kennzeichnen ist.
Ein eigenes bzw. selbstgeführtes Interview als persönliche Mitteilung im Text (parenthetische oder narrative Zitation) verlangt keine Anführung im Quellenverzeichnis oder in der Referenzliste.
- Beispiele parenthetisch: „Auch PR-Agenturen haben das Zitations- und Urheberrecht zu beachten, wenn sie persönliche Interviews wiedergeben" (Hans Mayer, Interview vom 19. Juli 2022). Zu beachten ist, dass die Zitation ein Teil des Satzes ist. Das Satzendzeichen (Punkt) folgt erst auf die abschließende Klammer.
- Beispiel narrativ: Hans Mayer (2022), betont im Interview, dass sich auch PR-Agenturen an das Zitations- und Urheberrecht halten müssen.
Allgemeine Regelung für die Zitation:
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Form des Verweises (im Text od. Quellenverzeichnis) |
Beispiel |
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Nachname, erster Buchstabe des Vornamens des Interviewpartners (Jahr), Interviewtitel durch: erster Buchstabe des Vornamens, Nachname des Interviewers, Ort, Datum. |
Mayer H. (2022). Interview mit Hrn. Mayer zu Zitationsregeln für PR-Fachleute durch: H. Schreiber, Hannover, 16. Juli 2022. |
In wissenschaftlichen Arbeiten sollte die Transkription des Interviews als Anhang beigefügt werden. Wird das Interview nicht mit einem Diktiergerät aufgenommen, sondern nur als ein persönliches Gespräch geführt, kann der Inhalt des Gesprächs nachträglich als Gedächtnisprotokoll festhalten werden. Auch E-Mails oder Briefe können als Interview mit Verweis zitiert und als Anhang beigefügt werden. Die persönliche Kommunikation wird jedoch nicht im Literaturverzeichnis aufgeführt.
Beispiel: Aus nicht wiederherstellbaren Quellen zitieren
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Beispielhafter Aufbau |
Anmerkung |
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Hans Mayer ist ein Verfechter davon, dass auch PR-Fachleute die Grundlagen korrekter Zitierung beherrschen (persönliche Kommunikation, 17.07.2022, siehe Anhang). |
Auf den Anhang wird dann verwiesen, wenn er tatsächlich vorhanden ist, z. B. Transkription des Interviews, Tonaufnahme etc. |
Anonymes persönliches Interview
Es kann unter Umständen vom Interviewpartner gewünscht sein, dass sein Statement „anonymisiert“ wird. In diesen Fällen kann bspw. auf Nummerierung zurückgegriffen werden.
Beispiel:
Teilnehmer 1 des Workshops zum Zitatrecht gibt an, dass Kenntnisse über die Grundregeln des Urheberrechts auch für PR-Fachleute von Vorteil sind, während sich Teilnehmer 2 in dieser Aussage nicht wiederfinden kann.
Interview-Autorisierung – gilt das gesprochene Wort?

Der Deutsche Journalistenverband (DJV) steht dem eher kritisch gegenüber und befasst sich mit der Frage, ob nun das „gesprochene Wort“ gilt oder der Interviewpartner ein Recht auf konkrete Freigabe des Textes im Originalton hat.
Nach gängiger Rechtsauffassung sei die nachträgliche Autorisierung zwar auf Grundlage des Persönlichkeits- und Urheberrechts möglich, allerdings nicht zwingend erforderlich, so die Kernaussage aus den Leitlinien des DJV dazu. Im Vordergrund jedweder (journalistischer) Berichterstattung stehe die Unabhängigkeit, deshalb sollte die Autorisierung eher restriktiv erfolgen.
Ein Interview ist gekennzeichnet durch eine authentische „Frage-Antwort-Interaktion“. Nachträgliche Änderungen könnten, vor allem wenn sie über sachliche Korrekturen hinausgehen, die Vermittlung neuer Aspekte gefährden und dem Interview viel von seiner Authentizität und Spontanität nehmen. Der Interviewer sollte das Entscheidungsrecht haben, welche Inhalte für das Informationsinteresse des Zielpublikums bedeutsam sind und dies im Einzelfall bewerten.
Begrenzungen durch das Urheber- und Persönlichkeitsrecht
Ein Interview hat den Regelungen des Persönlichkeitsrechts zu folgen, das jedem Einzelnen das Entscheidungsrecht über die Veröffentlichung ihn betreffender Inhalte (Wort, Bild) zuspricht. Deshalb ist eine Zustimmung des Interviewpartners erforderlich, die in dem Ausmaß steigt, in dem sich die Informationen der Privat- oder Intimsphäre nähern.
Das Urheberrecht wiederum spricht dem Interviewten eine Miturheberschaft an dem Text zu, er muss dem Nutzungsrecht für das Gesamtwerk oder Teilen daraus zustimmen.
Die Beteiligten schließen, aufbauend auf diesen rechtlichen Grundlagen, einen Vertrag, dem kein formales Regelwerk zugrunde liegen muss. Mit der Einwilligung, ein Interview zu geben, geht der Verzicht auf nachträgliche Autorisierung einher. Voraussetzung ist, dass das Interview nicht sinnentstellend oder aus dem „Zusammenhang gerissen“ wiedergegeben wird. Solche Fälle könnten das Recht auf Autorisierung dennoch begründen.
Quelle: DJV WISSEN: 16 - LEITLINIEN FÜR INTERVIEW AUTORISIERUNG (Stand: 22.07.2022)