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Ist Ghostwriting legal oder strafbar in Deutschland? – Das sollten Auftraggeber und Ghostwriter wissen

Ghostwriting ist keine Erfindung der Neuzeit, denn es hat eine lange Geschichte. Ghostwriter werden von Autoren engagiert, um bei der Erstellung von Inhalten zu unterstützen, die diese dann unter ihrem eigenen Namen veröffentlichen: Einerseits weil es an der Zeit fehlt, andererseits weil das benötigte Fachwissen nicht in entsprechender Tiefe vorhanden ist, um über ein spezielles Thema zu schreiben. Wichtig ist, über die rechtlichen Risiken und Konsequenzen vor Auftragsvergabe informiert zu sein.

Was genau ist ein Ghostwriter?

Was ist Ghostwriting? © blende11.photo - stock.adobe.com
Was ist Ghostwriting? © blende11.photo - stock.adobe.com
Beim Ghostwriting handelt sich um eine besondere Art der Dienstleistung, bei der eine Person, der Ghostwriter, Inhalte für eine andere Person, den Autor, schreibt. Grundsätzlich scheint der Name des Ghostwriters nicht auf dem erstellten Text auf, der Auftraggeber erhält die gesamte Zuschreibung und Anerkennung.

Der Begriff "Ghostwriting" kann auch verwendet werden, wenn der Autor eines Buches oder eines Artikels nicht genannt wird, sondern der Ghostwriter selbst. Bei Biografien ist das oft der Fall.

Das Honorar des Ghostwriters hängt von der Art des zu schreibenden Inhalts, der Länge des Projekts und dem Grad der Komplexität ab. Für seine Leistung erhält der Ghostwriter entweder ein Pauschalhonorar, wird nach Wörtern oder Seiten bezahlt oder bekommt einen prozentuellen Anteil am ökonomischen Wert des Werks.

Beispiele

Ghostwriting kann für eine Vielzahl von Zwecken eingesetzt werden, z. B. zum Schreiben von

  • Büchern,
  • Artikeln,
  • Reden,
  • Blogbeiträgen
  • und Webtexten.

 

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Ghostwriting hat eine lange Geschichte. In der Antike waren sogenannte Redenschreiber gefragte Experten und wurden bspw. von Cicero, Platon, Cäsar und Augustus gerne gebucht, um ihre Gedanken in Schriftform zu fassen.

Auch heute noch werden Publikationen in Wirtschaft, Politik und Wissenschaft als Auftragsarbeiten vergeben.

Ein besonders sensibles Thema ist „akademisches Ghostwriting“, weil das Erstellenlassen von Master-, Diplom- oder Doktorarbeiten ethisch und rechtlich äußerst problematisch ist.

Unterschied zwischen kommerziellem und akademischem Ghostwrting:

Kommerzielles Ghostwriting

Akademisches Ghostwriting

Kommerzielles Ghostwriting wird für das Schreiben von Büchern, Artikeln oder Reden eingesetzt.

Der Ghostwriter erhält in der Regel ein Honorar oder einen prozentualen Anteil am Gesamtumsatz des Buches oder Artikels.

Sehr beliebt sind Ghostwriter als Unterstützung beim Verfassen von Biografien.

Aber auch in anderen Fachbereichen wie Recht, Finanzen, Medizin oder Technologie ist die Hilfe eines Ghostwriters eine gefragte Dienstleistung. Zum Beispiel können diese auch als Blogger oder „Ghost Webmaster“ fungieren, wenn Unternehmen ihre Online-Präsenz ausbauen möchten.

Akademisches Ghostwriting ist eine Form des Schreibens, die von Studenten, Professoren und Wissenschaftlern verwendet wird, um akademische Arbeiten wie Abschlussarbeiten, Aufsätze und Forschungsarbeiten zu erstellen.

Der Ghostwriter erhält für diese Art von Arbeit in der Regel ein Pauschalhonorar.

Entwicklung: Noch weit bis ins 19. Jahrhundert war es üblich, dass sich Professoren an den Universitäten ihre wissenschaftlichen Arbeiten von ihren Studenten schreiben ließen. Als Grund wird genannt, dass sie vorzugsweise ihre Forschungen vorantreiben sollten. Für die Studenten war es eine willkommene Gelegenheit, sich damit einen Teil des Studiums zu finanzieren.

Ghostwriting als Service

Ghostwriter © golubovy - stock.adobe.com
Ghostwriter © golubovy - stock.adobe.com
Ghostwriting als Service ist grundsätzlich legal. Rechtsgrundlage eines Ghostwriting-Auftrags ist eine vertragliche Vereinbarung zwischen den beteiligten Parteien. Diese Vereinbarung gilt als Werkvertrag im Sinne des § 631 BGB. Im Rahmen dieses Werkvertrages verpflichtet sich der beauftragte Schreiber zur Erbringung der gewünschten Dienstleistung. Darüber hinaus beinhaltet dieser Vertrag auch einen Verzicht auf urheberrechtliche Ansprüche des Ghostwriters. Er überträgt alle Nutzungsrechte (oder auch nur Teile davon) auf den Auftraggeber, der im Gegenzug das vereinbarte Honorar zu bezahlen hat.

Beispielhafte Inhalte eines Ghostwriter-Vertrags:

  • Auftraggeber und Auftragnehmer als Vertragspartner
  • Inhalt und Umfang des Textes
  • Titel des zu erstellenden Werkes
  • Frist der Fertigstellung
  • Regelung zur Vergütung
  • Eingeräumte Rechte
Achtung: Mit der Einräumung der Nutzungsrechte wird der Auftraggeber nicht zum Urheber, denn dieses Recht ist nach dem deutschen Recht nicht übertragbar (§ 13 UrhG; Schöpferprinzip). Der Ghostwriter verzichtet in der Regel nur auf die Nennung seines Namens und die Beschreibung des Anteils, den er am Entstehen des Werks hat.

Auswahl eines Ghostwriters

Vor der endgültigen Auftragsvergabe sollten einige Grundfragen geklärt werden:

  1. Sammeln von Informationen zur Seriosität des Ghostwriting-Dienstes.
  2. Klärung, ob der Ghostwriter mit dem Thema, über das er schreiben soll, gut vertraut ist.
  3. Anfordern von Arbeitsproben des Ghostwriters.
  4. Nach Referenzen von früheren Kunden fragen und vorlegen lassen.

Haftung beim Ghostwriting

Kunden, die Ghostwriter mit der Erstellung von Inhalten beauftragen, müssen mit verschiedenen rechtlichen Risiken und Konsequenzen rechnen. Wenn sich beispielsweise herausstellt, dass der vom Ghostwriter erstellte Inhalt ein Plagiat ist oder falsche oder irreführende Informationen enthält, kann der Auftraggeber wegen Urheberrechtsverletzung oder Betrugs haftbar gemacht werden. Darüber hinaus kann der Auftraggeber für Schäden oder Verluste zur Verantwortung gezogen werden, die durch die vom Ghostwriter erstellten Inhalte verursacht wurden.

Neben diesen rechtlichen Risiken müssen Kunden auch mit finanziellen Konsequenzen rechnen. Wenn es der Fall sein sollte, dass die vom Ghostwriter erstellten Inhalte falsche oder irreführende Informationen enthalten, könnte der Auftraggeber auf Schadensersatz verklagt werden.

 

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Was ist legal? © nmann77 - stock.adobe.com
Was ist legal? © nmann77 - stock.adobe.com
Die Rechtmäßigkeit des akademischen Ghostwriting ist ein komplexes Thema. Einerseits kann man argumentieren, dass es sich um eine Form des Betrugs handelt und deshalb als illegal zu bewerten sei. Andererseits ist es durchaus als legitime Dienstleistung zu beurteilen, die denjenigen, die sie benötigen, einen wertvollen Dienst erweist.

Letztlich hängt die Bewertung von dem Kontext ab, in dem Ghostwriting eingesetzt wird. So gibt es beispielsweise an einigen Universitäten Richtlinien, die den Einsatz von Ghostwritern für akademische Arbeiten untersagen. Darüber hinaus gibt es auch Universitäten, die von den Studierenden verlangen, dass sie die Inanspruchnahme eines Ghostwriters offenlegen.

Grundsätzlich ist es für die Legalität nicht von Bedeutung, in welchem Bereich ein Ghostwriter eingesetzt wurde. Das gilt auch für akademisches Ghostwriting. Eine Vereinbarung, die auf Verschweigen der Urheberschaft abzielt, ist ergo nicht zu beanstanden (OLG Frankfurt AZ: 11 U 51/08). Es können lediglich die Auswirkungen nach getaner Arbeit zu straf- oder zivilrechtlichen Konsequenzen führen.

Allerdings hat das OLG Düsseldorf 2011 eine richtungsweisende Entscheidung getroffen (OLG Düsseldorf, 08.02.2011 - 20 U 116/10). Dieser zufolge kann der akademische Titel aberkannt werden, wenn der Dissertant gegenüber der Hochschule eine eidesstattliche Erklärung abgegeben hat, in der er versichert, die Arbeit ohne fremde Hilfe geschrieben zu haben.

Dabei ist noch zu beachten:

  • Erfährt der Ghostwriter davon, dass die Arbeit ohne Änderungen als eigene Prüfungsleistung eingereicht wurde, macht er sich strafbar. Deshalb legen Ghostwriter-Agenturen in ihren Vertragsbestimmungen fest, dass gelieferte Texte nur als Vorlage (Entwürfe und Beispiele) gelten und auch nur als solche zu nutzen sind.
  • Ebenso kommt das OLG zum Schluss, dass der Begriff „akademischer Ghostwriter“ irreführend sei. Eine darauf basierende Vereinbarung sei sittenwidrig, damit nichtig und nicht realisierbar. Die Arbeit darf nicht als eigenes Werk präsentiert werden.

Was ist eine eidesstattliche Erklärung?

Nach dem Hochschulgesetz sind Sanktionierungen aufgrund einer nicht zutreffenden eidesstattlichen Erklärung möglich. Es handelt sich dabei um eine Bestätigung, dass die vorliegende Arbeit selbst und eigenständig ohne fremde Hilfe verfasst wurde und nur die angegebenen Quellen Verwendung fanden.

In manchen erklärenden Artikeln ist auch der Begriff „Versicherung an Eides statt“ zu finden. Es handelt sich allerdings um unterschiedliche Normen, denn Letztere muss vor einer dazu legitimierten Behörde erfolgen.

Beim Ghostwriting erwischt?

Achtung! © vegefox.com - stock.adobe.com
Achtung! © vegefox.com - stock.adobe.com
Im Zusammenhang mit Ghostwriting können verschiedene Gesetze zur Anwendung kommen. Dazu gehört das Strafrecht, das Zivilrecht und das Urheberrecht. Als Straftat sind Plagiarismus, Verletzungen des Urheberrechts und Betrug zu ahnden.

Das Zivilrecht findet Anwendung, wenn Ghostwriting Schäden durch Plagiate, Falschaussagen oder Urheberrechtsverletzungen verursacht hat. Für den Auftraggeber sind z. B. im Falle von Schlechtleistung nach §§ 280 BGB ff zivilrechtliche Ansprüche möglich.

Das Urheberrecht findet Anwendung, wenn eine Person oder Einrichtung das Werk einer anderen Person oder Einrichtung ohne Erlaubnis nutzt. Im Fall von Ghostwriting könnte dies die Verwendung der Arbeit eines Ghostwriters ohne dessen Zustimmung oder Genehmigung umfassen (Vereinbarung zum Nutzungsrecht). Grundsätzlich sind die Persönlichkeitsrechte nach dem Urhebergesetz nicht abzugelten oder übertragbar (§ 13 UrhG). Der Auftraggeber erwirbt lediglich die vertraglich vereinbarten Nutzungsrechte.

Auch der Ghostwriter kann eine Urheberrechtsverletzung begehen, wenn er urheberrechtlich geschütztes Material ohne Erlaubnis des Erstellers / Autors in der Arbeit verwendet hat. Das betrifft nicht nur Texte, sondern auch Bilder, Grafiken, Videos und dgl. mehr.

Liegt eine eidesstattliche Erklärung vor (Arbeit wurde selbst und eigenständig verfasst) und stellt sich in späterer Folge heraus, dass dies nicht den Tatsachen entspricht, muss der Verfasser mit Exmatrikulation und ggf. einem Bußgeld rechnen, wenn dies in der Hochschulordnung so geregelt ist.

Exkurs: Künstliche Intelligenz im Zusammenhang mit dem Urheberrecht

In den letzten Monaten haben sich mit neuen Anbietern am Markt die Diskussionsrunden um die Verwendung von Texten, die durch künstliche Intelligenz erstellt wurden, vervielfacht. Die Frage ist, ob es moralisch und ethisch vertretbar ist, Texte aus der Maschine zu übernehmen und als eigene auszugeben? Die Antwort auf diese Frage liefert das Tool (in dem Fall ChatGPT) selbst mit einem klaren Nein.

Im § 2 Abs. 2 UrhG ist festgelegt, dass schützenswerte Werke nur persönliche geistige Schöpfungen sein können. Das bedeutet, dass ein Text, der rein durch künstliche Intelligenz erstellt wurde, nicht urheberrechtlich geschützt ist.

In der Realität ist es entscheidend, wie hoch letztlich der menschliche Anteil an der Arbeit ist und wie weit der Text der KI zurechenbar ist.

Überlegungen, die eidesstattliche Erklärung um einen Passus zur ergänzen, der auf die Verwendung von KI hinweist, gibt es bereits. Die Rechtsprechung ist darauf noch nicht eingestellt, vor allem weil deutsches und amerikanisches Urheberrecht von unterschiedlichen Prämissen ausgehen (Deutschland: ideelle und künstlerische Bedeutung; USA: ökonomische Verwertbarkeit).

openPR-Tipp: Konkret legen die Geschäftsbedingungen (Terms of Use) des KI-Betreibers fest, wie weit die individuelle Nutzung der von künstlicher Intelligenz erstellten Texte zulässig ist, und es empfiehlt sich vor Einsatz eines KI-Tools, sich darüber zu informieren.

Fazit

Beim Einsatz von Ghostwriting ist es wichtig, dass sich beide Seiten (Auftraggeber / Auftragnehmer) über die damit verbundenen rechtlichen Risiken und Konsequenzen im Klaren sein sollten. Die beste Sicherheit bietet ein fundierter Ghostwriting Vertrag, wenn ein Ghostwriter-Service in Anspruch genommen wird. Für Absolventen von Hochschulen gilt neben dem Zivil- und Strafrecht auch die entsprechende Hochschulordnung.

 

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