Im Rahmen der Unternehmenskommunikation hat ein Pressesprecher die Aufgabe, sein Unternehmen in bestmöglicher Weise darzustellen, auf Neuerungen hinzuweisen und Journalisten bzw. Presseagenturen stetig mit aktuellen Informationen und Hinweisen zu versorgen. Hierzu ist die klassische Pressemitteilung die weltweit bevorzugte Vorgehensweise und ein probates Mittel, zeitnah mit den Medienvertretern zu kommunizieren. Allerdings hat diese Methode auch eine sehr statische Ausprägung, da hier nur eine „Einweg-Kommunikation“ vom Unternehmenssprecher zu den Medien stattfindet. Nur das was in der Pressemeldung steht kann auch verwendet werden. Eine einfache aber sehr lebendige Möglichkeit der Kommunikation mit Medienvertretern ist dagegen ein persönliches Interview mit dem Informationsgeber.
Persönliche Informationsbeschaffung durch ein Interview
Mit einer normalen Pressemitteilung können Medienvertreter nur sehr begrenzt zu einem Themenbereich schreiben. Zumeist fehlt Ihnen die weitreichende Substanz für eine aussagekräftige Mitteilung. Je nach Umfang, Informationsgehalt und Schreibstil des jeweiligen Unternehmensvertreters kann es notwendig werden, dass ein Journalist oder Redakteur zum Thema nachfassen und selbst recherchieren muss. Dies ist nicht nur zeitaufwändig, es stellt auch nicht selten eine große Fehlerquelle dar, da hier zusätzliche und nicht immer im richtigen Kontext stehende Informationen in die Artikel mit einfließen können.
Gerade bei interessanten, hochaktuellen oder gar brisanten Themen reicht eine einfache Pressemitteilung des Informanten meist nicht aus. Im Idealfall greift ein Redakteur oder Journalist dann zum Telefon und bittet um weitere Informationen zum Thema.
Somit ist das Interview eine gute Chance für beide Seiten, zugleich aber nicht immer ganz risikolos.
Welche Interviewmöglichkeiten gibt es eigentlich?
Beim Thema Interview denkt man unweigerlich zuerst an einen persönlichen Termin bzw. ein Treffen zwischen den beteiligten Partnern. Das muss aber nicht immer so ausgelegt werden. Ein Interview zu einem gegenständigen Thema kann auf verschiedene Weise geführt werden. Die einfachste und zugleich schnellste Interviewform ist das Telefon-Interview. Dies erfolgt oftmals aufgrund fehlender oder nicht vollständiger Informationen aus beispielsweise einer textlichen Pressemitteilung. Im Telefonat hat der Journalist oder Redakteur die Möglichkeit, gezielt auf die fehlenden Informationen hinzuweise und auf erschöpfende Antworten zu hoffen. Diese Form eines Interviews ist aber ebenso statisch wie unpersönlich.
Wenn aus Zeitgründen oder mangelnder Bereitschaft keine Informationsbeschaffung mit einem telefonischen Interview möglich ist, so bleibt dem Pressevertreter noch die Möglichkeit der schriftlichen Anfrage. Ein Interview kann durchaus auch auf schriftliche Art und Weise durchgeführt werden. Hier formuliert der Journalist oder Redakteur eine Art Fragenkatalog und bittet die Gegenseite daraufhin um Beantwortung. Dies ist nicht nur zeitaufwändig, sondern ebenfalls statisch und meist nicht zufriedenstellend. Nicht selten wird auf schriftliche Anfragen seitens der Medienvertreter schlichtweg nur mit Standard-Antwortformulierungen geantwortet. Dies ist nicht nur unbefriedigend, sondern auch höchst unpersönlich und liefert oftmals auch den Boden für Spekulationen oder fehlinterpretierte Aussagen.
Die weitaus bessere und aus Arbeitssicht auch optimale Variante ist das persönliche und geplante Interview. In der Regel kommt ein Journalist oder Redakteur auf eine Einladung hin in das Unternehmen oder zu einem vereinbarten Treffpunkt. In diesem Termin können sich beide Seiten dann kennenlernen und alle zum Thema relevanten Fragen detailliert besprechen. Diese persönliche Atmosphäre unterstützt die Themenbeschaffung und die daraus folgende Berichterstattung in äußerst positiver Weise. Mit einem persönlichen Gegenüber ist es auch leichter, bestimmte und nicht selten auch delikatere Fragestellungen diskret zu besprechen.
Chancen und Risiken durch ein Interview
Alle soeben vorgestellten Interviewmöglichkeiten sind grundsätzlich als Chance zu sehen, um an die gewünschten Informationen mit einer mehr oder weniger erfolgreichen Informationstiefe zu gelangen. Bei einem persönlichen Treffen - gerne auch als Kaminofengespräche im Rahmen von Hintergrundgesprächen bezeichnet - ist die Chance auf detaillierte Informationen naturgemäß sehr groß. Zudem kann sich der Journalist oder Redakteur nach Absprache mit dem Unternehmenssprecher in der Regel auch auf das Interview berufen und somit eine deutlich glaubwürdigere Pressenachricht erstellen. Sowohl bei einem schriftlichen als auch beim persönlichen Interview hat der Unternehmenssprecher die Möglichkeit, sich im Vorfeld und mit entsprechender Zeitspanne auf die Fragen und Antworten vorzubereiten.
Dem bekannten Spruch „Wo Licht ist, ist auch Schatten“ folgend existieren bei einem Interview aber nicht nur Chancen und Vorteile. Natürlich gibt es - zumeist nur für den Interviewten - auch einige Gefahren, die man nicht unterschätzen sollte. Neben den drei etablierten Interviewformen gibt es nämlich noch eine vierte Variante, die vor allem bei Konzernsprechern und Politikern nicht sonderlich beliebt sind. Das „ungefragte“ Interview ist für Presse- und Medienvertreter eine Möglichkeit, den Interviewpartner ohne vorherige Ankündigung mit Fragen zu aktuellen Themen zu überraschen. Häufig werden solche Interview-Überfälle einfach abgewiegelt. Meistens stellt sich das überraschte Gegenüber aber aus Profilierungs- und Solidaritätsgründen den Fragestellungen. Angenehm und vertrauensfördernd ist diese Interviewart aber gewiss nicht.
Wie sollte ein korrektes Interview ablaufen?
Diese Fragestellung ist nicht nur gerechtfertigt, sondern sollte von jedem seriösen Journalisten und Redakteur auch immer wieder repetiert und angewendet werden. Zu oft laufen ungefragte Interviews auf ein Desaster zu und sorgen für mehr Ärger als Nachrichtenvermittlung. Einen festen Plan gibt es hier naturgemäß nicht, aber bestimmte Leitsätze sollten schlichtweg eingehalten werden. Dies sorgt für Sicherheit, Zufriedenheit und realistische Pressearbeit auf beiden Seiten. Die folgende Auflistung zeigt auszugsweise die wichtigsten Ratschläge für ein ausgewogenes Interview:
- Wahl des Interviewortes. Derjenige von beiden Beteiligten, dem die Wahl des Interviewortes obliegt, hat einen entsprechenden Vorteil auf seiner Seite. Er wählt den für Ihn am geeignetsten erscheinenden Ort (meist das eigene Unternehmen oder die Redaktion) und kann sich dahingehend optimal auf das Treffen und Gespräch einstellen. Im Idealfall stimmt man sich hier auch ab, damit sich beide Seiten wohlfühlen und das Interview möglichst entspannt durchgeführt werden kann.
- Klärung der Fronten. Vor jedem Interviewtermin, obgleich schriftlich, telefonisch oder persönlich, sollten sich beide Parteien über Ihre Wünsche, Fragestellungen und Vorgehensweisen einig sein. Es gibt nichts Schlimmeres in einem Interview wie unvorbereitete Fragen oder Reaktionen des Gegenübers. Mit einigen wenigen Fragen und Antworten lassen sich selbst bereits verhärtete Positionen und Einstellungen klären und führen dann idealerweise zu einem sachlichen und informativen Interview.
- Klare Ziele definieren. Legen Sie bereits im Vorfeld die gewünschte Marschrichtung des Interviews fest. Wo oftmals weit gespannte Themenbereiche ausreichen mögen, liefern definierte Frageziele und Themenbereiche eine klare Linie für beide Seiten. In persönlichen Interviews verliert man häufig auch die Zielvorgabe und schweift vom Thema ab. Dies mag der Vertrauensbildung zutragen, zieht das Interview aber in die Länge und lenkt von dem eigentlichen Frageumfang deutlich ab.
- Eine „Notbremse“ definieren. Beide Interviewpartner sollten von Beginn an eine Notbremse etablieren. Vor allem bei öffentlichen TV-Interviews gerät die Fragestellung und Thematisierung sehr häufig aus dem Ruder. Hier sollte der kompromittierte Interviewpartner dezent auf die Verfehlungen oder gar die getroffenen Vereinbarungen hinweisen. Sollte dies der Gesprächsführung nicht positiv zuträglich sein, kann der unter „Beschuss“ stehende Interviewpartner auch den Abbruch des Interviews andeuten bzw. dann in letzter Konsequenz auch durchführen.
Fazit
Die unterschiedlichen Formen eines Interviews stellen für beide Seiten eine gute Möglichkeit zum Nachrichtenaustausch dar. Im hektischen digitalen Zeitalter wird oftmals auf schnelle Informationsbeschaffung gesetzt und dabei die Kunst der Interviewführung vergessen. Dort wo Zeit und Planung möglich ist, sollte man persönlichen Interviewterminen, ob telefonisch oder persönlich, den Vorzug geben und ein ordentliches Interview durchführen. Eines sollten beide Partner niemals vergessen: Ein Interview und damit Informationsaustausch kann für beide Seiten sehr erfolgreich sein. Vor allem in der Form einer Kriesenkommunikation besteht für beide Beteiligten die Möglichkeit der offenen Äußerung, der Klarstellung möglicher Fehlinterpretationen, einer möglichen Schadenabwehr und der Zusammenarbeit auf presserelevanter Ebene.