Fachmedien gehören zu der am meisten unterschätzten Mediengattung. Aus meiner Sicht als Ex-Redakteurin einer Fachzeitschrift und Journalistin ist das ein Fehler. Warum? Mit Pressearbeit, die sich an Fachpresse richtet, können sich Unternehmen punktgenau und oft mit wenig Aufwand Sichtbarkeit verschaffen.
Was bedeutet Fachmedien?

Von Special-Interest-Medien unterscheiden sich Fachzeitschriften durch ihren beruflichen Kontext. Während es bei Special-Interest-Medien um Hobbys und Freizeit wie Segeln, Paragliding und PC Games geht, behandeln Fachmedien branchenspezifische Themen, die ihre Leserschaft beruflich voranbringt.
Ich selbst habe bei einer Fachzeitschrift namens Kress Report (heute Kress Pro) in Kombination mit der Henri-Nannen-Schule volontiert: die meisten meiner damaligen Volontärs-Kolleginnen und Kollegen kamen von Publikumsmedien, die meisten volontierten bei Tageszeitungen.
Oft erntete ich fragende Blicke, wenn ich meinen Arbeitgeber nannte. Fachjournalismus und Fachzeitschriften gelten im Journalismus immer noch ein wenig als Underdog.
Was unterscheidet die Fachpresse von Publikumszeitschriften?
Publikumsmedien richten sich an Endverbraucher und behandeln ein breites Spektrum. Bestes Beispiel ist die von Henri Nannen einst gegründete Zeitschrift Stern, die er selbst als „Wundertüte“ bezeichnete.
Die Inhalte eines Fachmediums sind deutlich enger gesetzt. Dafür behandeln die Redakteure ihre Themen tiefer und in aller Ausführlichkeit.
Die Redakteurinnen und Redakteure sind Branchenkenner, die sich in Jahren und häufig auch Jahrzehnten eine hohe Expertise mit entsprechendem Netzwerk aufgebaut haben. Viele bringen ein fachbezogenes Studium mit, z.B. haben als Redakteur einer Fachzeitschrift für Ernährung Ökotrophologie studiert oder sind als Journalisten einer Architektur-Zeitschrift eben Architekten.
Warum sollten Sie Fachmedien für PR nutzen?
Viele Unternehmen und Kommunikationsberater adressieren mit ihrer Pressearbeit gerne die glanzvollen großen Namen. Das ist nachvollziehbar und toll, wenn es klappt, beispielsweise wenn Sie als Experte oder Unternehmer in einem renommierten und reichweitenstarken Medium vorkommen. Schließlich hebt das Image des Mediums Ihr eigenes Ansehen.
Allerdings wollen das alle. Die Konkurrenz ist groß und es ist gut möglich, dass Sie von der Redaktion auf Ihren Kontaktversuch keine Antwort erhalten oder der Redakteur bzw. die Redakteurin Ihren Themenvorschlag erst einmal als nicht passend oder zu „pr-rig“ abbügelt.
Wann sollten Sie Ihre Pressearbeit eher an die Fachpresse adressieren?

- Sie eine B-to-B-Zielgruppe haben, also Sie sich mit Ihrem Angebot an Unternehmen, Soloselbstständige und Freiberufler richten.
- Sie sich mit Ihrem Angebot an Endverbraucher richten, aber Sie Ihre Dienstleistung / Ihre Produkte über Zwischenhändler anbieten. Dann wäre eben die Fachzeitschrift Ihr Adressat, die Ihre Zwischenhändler bzw. die Entscheider lesen.
Beispiel: Sie sind Hersteller einer Wärmepumpe. Davon gibt es in Deutschland recht viele. Ob Ihre Wärmepumpe in einem Ein-Familien-Haus den Zuschlag enthält, entscheidet aber nicht der Verbraucher, sondern der Handwerksbetrieb, der Ihre Wärmepumpe einbaut und in seinem Angebot anbietet. Also müssen Sie schauen, dass Sie eben in der entsprechenden Fachzeitschrift präsent sind.
- Sie ein Nischen-Thema in die Öffentlichkeit bringen wollen, welches nur Brancheninsider interessiert.
- Wenn Sie Aufmerksamkeit bei Dienstleistern und Gewerken erregen wollen, die als Kooperationspartner in Fragen kommen.
Beispiel: Ein Honorarberater, der Menschen unabhängig in Sachen Altersvorsorge berät, bietet einem Fachmagazin für Steuerberater einen Gastartikel an. Die Idee: Steuerberater bekommen von ihren Mandanten immer wieder Anfragen, wie sie ihr Geld anlegen sollen.
Wie kommt man in die Fachpresse?
Sie haben im Prinzip drei Optionen:
- Sie bieten der Redaktion Themen an.
- Sie gehen den Umweg über einen freien Journalisten und bieten diesen Themen an.
- Sie senden thematisch passende Pressemitteilungen an die Redaktion oder den freien Journalisten. Freie Journalisten sind eher weniger an Pressemitteilungen interessiert, da diese selten exklusive Themenansätze oder Fakten enthalten.
Im Vergleich zu Publikumsmedien sind Fachmedien offener für Medienmitteilungen und Pressetexte. Gut formulierte Pressemitteilungen haben eine reelle Chance ganz oder teilweise ins Blatt zu kommen. Sie müssen thematisch punktgenau passen, eine dem Fachmedium entsprechende inhaltliche Tiefe haben und dürfen nicht werblich formuliert sein.
Fachmedien und freie Journalisten
Es gibt zahlreiche freie Journalisten, die sich auf Fachthemen spezialisiert haben. Wenn Sie Ihre Pressearbeit an freie Journalisten adressieren, sollten Sie einige Besonderheiten beachten:
- Bieten Sie exklusive News & Themen nur einem freien Kollegen an, denn freie Journalisten leben auch von der Mehrfachverwertung ihrer Themen & Texte.
- Von dieser Mehrfachverwertung profitieren Sie auch: einmal recherchiert und geschrieben, könnten freie Autoren ihre Arbeit zusätzlich auch an Publikumsmedien verkaufen.
- Spezialisierte freie Journalisten stehen meist nicht im Impressum. Sie finden Sie eher über Datenbanken wie Torial und Freischreiber.
- Berücksichtigen Sie, dass freie Journalisten ohne Netz und doppelten Boden arbeiten. Machen Sie es nicht unnötig kompliziert.
Wie finde ich passende Fachzeitschriften?
Deutschland ist das Land der Fachzeitschriften! Fast jedes Gewerk verfügt mindestens über ein eigenes Branchenmagazin: Von der Allgemeinen Bäcker Zeitung über das Milchkuh Magazin bis zur Zeitschrift für Wett- und Glückspielrecht ist alles dabei.
Fachpresse in Deutschland: Beispiele
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Architektur und Bauwesen:
- Detail: Eine führende Fachzeitschrift für Architektur, die sich auf innovative Bauprojekte und die neuesten Techniken in der Architektur konzentriert.
- Bauwelt: Bietet fundierte Analysen und Berichte über die neuesten Entwicklungen in der Architektur- und Baubranche sowie über relevante Bauprojekte.
- Die Architekt: Die Fachzeitschrift des Bundes Deutscher Architektinnen und Architekten BDA.
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Automobilindustrie:
- kfz-betrieb: Das Magazin des Kraftfahrzeuggewerbes richtet sich an Inhaber, Geschäftsführer und Führungskräfte in Automobilhandel und Service.
- ATZ – Automobiltechnische Zeitschrift: Ein internationales Technikmagazin für Entscheider in der Automobilentwicklung.
- autoFACHMANN: Das offizielle Ausbildungsjournal des Deutschen Kraftfahrzeuggewerbes für gewerbliche Auszubildende.
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Bildung:
- Die Deutsche Schule: Eine Fachzeitschrift, die sich mit Themen der Schulbildung, Lehrmethoden und Schulkultur in Deutschland befasst.
- Pädagogik: Thematisiert aktuelle Entwicklungen und Forschung in der Pädagogik sowie didaktische Konzepte.
- Erziehungswissenschaft: Eine wissenschaftliche Zeitschrift, die sich mit erziehungswissenschaftlichen Fragestellungen und der Forschung im Bereich Bildung beschäftigt.
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Energie:
- Energie & Management: Berichtet über die aktuellen Entwicklungen im Bereich der Energiewirtschaft, einschließlich erneuerbarer Energien und Energieeffizienz.
- Energiemanager: Fokussiert auf Themen rund um das Energiemanagement, Energieeinsparungen und nachhaltige Energieversorgung.
- PV Magazine: Eine Fachzeitschrift, die sich auf die Solarenergiebranche konzentriert, insbesondere auf Photovoltaik-Technologien und Marktanalysen.
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Gesundheitswesen:
- Ärzte Zeitung: Eine der führenden Fachzeitschriften für Ärzte in Deutschland, die aktuelle medizinische Themen, Forschung und Gesundheitspolitik behandelt.
- Deutsche Apotheker Zeitung: Fokussiert auf Themen, die Apotheken und die pharmazeutische Industrie betreffen.
- Health&Care Management: Das Magazin für Entscheidungsträge im Bereich der medizinischen Forschung, Technologie und Gesundheitspolitik..
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IT und Technologie:
- c't: Eine der bekanntesten Fachzeitschriften für Computertechnik und IT-Themen, mit umfassenden Tests und Hintergrundberichten.
- Computerwoche: Bietet tiefe Einblicke in die IT- und Tech-Welt, speziell für IT-Entscheider und Unternehmen.
- Heise Developer: Eine Fachzeitschrift für Entwickler, die sich mit Softwareentwicklung, Programmierung und neuen Technologien beschäftigt.
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Kunst und Kultur:
- Art: Eine der bedeutendsten Fachzeitschriften für Kunstliebhaber und -experten, die aktuelle Ausstellungen, Kunstmärkte und Künstler porträtiert.
- Monopol: Thematisiert die zeitgenössische Kunstszene und bietet Einblicke in Ausstellungen und Kunstproduktion.
- Kunstforum International: Eine renommierte Zeitschrift, die sich mit Kunstgeschichte, Kunstkritik und aktuellen Entwicklungen in der Kunstwelt beschäftigt.
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Marketing und Kommunikation:
- W&V (Werben & Verkaufen): Eine Fachzeitschrift für Marketing- und Kommunikationsprofis, die sich mit Werbung, Kampagnen und Trends befasst.
- Horizont: Berichtet über die Marketing-, Werbe- und Kommunikationsbranche, einschließlich Analysen und Markttrends.
- Page: Eine Zeitschrift, die sich mit Design, Branding und visueller Kommunikation beschäftigt, vor allem für Designer und Kreative.
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Recht:
- Juristenzeitung: Bietet aktuelle rechtliche Entwicklungen, Urteile und Fachartikel für Juristen und Rechtsanwälte.
- Neue Juristische Wochenschrift (NJW): Eine führende juristische Fachzeitschrift mit einer breiten Palette an Rechtsfragen, Gerichtsurteilen und Kommentaren.
- Recht der Arbeit: Thematisiert arbeitsrechtliche Fragestellungen, gesetzliche Entwicklungen und praxisrelevante Themen im Arbeitsrecht.
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Wirtschaft und Finanzen:
- Fonds Professionell: Das Magazin für Anlageberatung richtet sich an Fondsmanager und institutionelle Anleger.
- Versicherungswirtschaft heute: Ein Business- und Managementmagazin für Fach- und Führungskräfte der Versicherungsbranche.
- WuW - Wirtschaft und Wettbewerb: Eine führende Zeitschrift auf dem Gebiet des deutschen und europäischen Kartell- und Fusionskontrollrechts sowie der Wettbewerbspolitik
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