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Waldorfschulen fordern Paradigmenwechsel im Bildungswesen

Bild: Waldorfschulen fordern Paradigmenwechsel im Bildungswesen
7 Kernforderungen an die Bildungspolitik zur Bundestagswahl 2013
7 Kernforderungen an die Bildungspolitik zur Bundestagswahl 2013

(openPR) Stuttgart/Hamburg, 15. August 2013/CU/HKU. „7 Kernforderungen an die Bil­dungspolitik zur Bundestagswahl 2013“ hat der Bund der Freien Waldorfschulen (BdFWS) jetzt veröffentlicht. Er tritt darin unter anderem für die Verankerung eines selektionsfreien Rechts auf Bildung im Grundgesetz ein, außerdem für die Autonomie aller Schulen. Elternhäuser sollen zwischen den Schulformen frei wählen können durch die Einführung einer Schülerkopfpauschale.



„Mit unserer Initiative möchten wir zum einen die Elternhäuser unserer 234 Waldorfschulen dazu ermuntern, bildungspolitische Aspekte stärker in ihre Wahlentscheidung einfließen zu lassen“, erklärte dazu Henning Kullak-Ublick vom Vorstand des BdFWS. „Zum andern wird immer wieder betont, wie wichtig die Bildung für die Chance auf gesellschaftliche Teilhabe geworden ist. Daher verstehen wir unsere ‚7 Kernforderungen’ auch nicht als klassische Wahlprüfsteine, sondern als Wegmarken auf dem Weg zu einer Schule in der Zivilgesellschaft.“

Die „7 Kernforderungen an die Bildungspolitik“ sind vom Vorstand des BdFWS in Stuttgart verabschiedet worden. „Das Recht auf Bildung markiert ein Men­schen­­recht, an dem sich alle schulpolitischen Entscheidungen zu orientieren haben,“ heißt es darin. Es umfasse kulturelle und musische Angebote sowie das Recht auf die Entfaltung der Persönlichkeit. Bildung müsse den Kindern und Jugendlichen „mehr als ein Prüfungs- und Berechtigungswesen“ bieten.

Pädagogische Initiative und Verantwortung sind aus der Sicht des BdFWS heute dringender notwendig denn je. Deshalb fordert der BdFWS eine weitgehende Autonomie aller Schulen in der Gestaltung ihrer Profile und deren Umsetzung, ihrer personellen Ausstattung sowie der Verwendung ihres Budgets. Nicht haltbar sind auch die „pädagogisch unproduktiven“ Regelstandards, die längst als heimlicher Lehrplan zu einem „Teaching for the test“ geführt haben. Sie sollen nach Auffassung des BdFWS durch Mindeststandards ersetzt werden. Schüler sollen Anspruch auf Förderung haben, wenn sie diese Mindeststandards nicht erreichen können.

„Die Waldorfschulen verstehen sich mit vielen anderen Schulen in freier Träger­schaft als Pioniere eines Schulwesens, das sich nicht mehr staatlichen, ökono­mischen oder ideologischen Forderungen beugt, sondern die Entwicklung jedes einzelnen Kindes in den Mittelpunkt aller pädagogischen Maßnahmen stellt“, betonte Kullak-Ublick dazu.

Der BdFWS kritisiert in seinen Forderungen außerdem die unzureichende Finanzhilfe für die Schulen in freier Trägerschaft. Durch die Schulgesetzgebung der Länder werde ein Zweiklassensystem gefördert, das die freien Schulen zwinge, Schulgeld zu erheben und sie damit in eine private Nische abdränge. Alle Eltern sollten eine Wahl zwischen unterschiedlichen Schulen haben – unabhängig von ihrer Finanzkraft.

Der BdFWS warnt außerdem vor der Gefahr, die Idee der Inklusion als Sparmo­dell für die öffentlichen Kassen zu missbrauchen. Hier sei eine ausreichende infrastrukturelle und damit auch finanzielle Basis notwendig, die Fortbildung der Lehrer, therapeutische Fördermaßnahmen und auch die nötigen baulichen Investitionen sicherstelle.

Um das Recht auf Bildung zu gewährleisten, sei es außerdem notwendig, in der Lehrerbildung stärker persönlichkeitsbildenden Gesichtspunkten Rechnung zu tragen: Neben ihrer Fachlichkeit müssten die angehenden Lehrer auch die Fähigkeit zu Empathie und Diagnose ausbilden.

Vielfalt im Schulwesen erfordert aus der Sicht des BdFWS einen „radikalen Paradigmenwechsel im hierarchischen Verhältnis von staatlicher Schulaufsicht und einzelner Schule“. Die staatlichen Organe sollten sich auf die Rechtsaufsicht konzentrieren und die inhaltliche Ausgestaltung des Schullebens – einschließlich curricularer Ziele oder Mindeststandards für bestimmte Klassenstufen – den Handelnden vor Ort überlassen.

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