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Umweltzone senkt Gesundheitsbelastung deutlich

14.12.201714:00 UhrWissenschaft, Forschung, Bildung
Bild: Umweltzone senkt Gesundheitsbelastung deutlich
LfULG und TROPOS stellten der Messestadt bei der Vorstellung ihres Abschlussberichts zur „Wirkung der Umweltzone auf die Luftqualität“ eine positive Bilanz aus. (Foto: Tilo Arnhold/TROPOS)
LfULG und TROPOS stellten der Messestadt bei der Vorstellung ihres Abschlussberichts zur „Wirkung der Umweltzone auf die Luftqualität“ eine positive Bilanz aus. (Foto: Tilo Arnhold/TROPOS)

(openPR) Leipzig. Seit Einrichtung der Umweltzone am 1. März 2011 ist die Belastung mit den besonders gesundheitsgefährlichen Bestandteilen im Feinstaub deutlich gesunken. Die Konzentrationen der krebserzeugenden Verbrennungspartikel der Dieselfahrzeuge wurden um mehr als die Hälfte reduziert. Dagegen ist die Belastung mit Stickoxiden trotz der modernen Dieselkraftfahrzeuge nahezu konstant geblieben. Das ist das Ergebnis einer gemeinsamen wissenschaftlichen Studie des Sächsischen Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) und des Leibniz-Instituts für Troposphärenforschung (TROPOS).



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Auch wenn die Gesamtmasse des Feinstaubes durch die Modernisierung der Fahrzeuge nur wenig vermindert wurde, konnten die Wissenschaftler belegen, dass die anfangs heftig diskutierte Umweltzone deutlich zum Gesundheitsschutz der Bevölkerung beiträgt.

Leipzig hatte die Umweltzone von Beginn an mit der höchsten Regulierungsstufe eingeführt. Seitdem dürfen nur noch Fahrzeuge mit grüner Plakette in das Gebiet einfahren. Es umfasst rund zwei Drittel der Stadtfläche bis an den Autobahnring und ist damit größer als Umweltzonen in anderen Städten. Für diese Maßnahme wurde die Stadt Leipzig damals heftig kritisiert. Das Landesumweltamt Sachsen (LfULG) und das Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) stellten der Messestadt heute in Leipzig bei der Vorstellung ihres Abschlussberichts zur „Wirkung der Umweltzone auf die Luftqualität“ eine positive Bilanz aus. Wissenschaftler beider Einrichtungen hatten die Einführung der Umweltzone von Anfang mit einem Sondermessprogramm begleitet und über sieben Jahre wissenschaftlich untersucht. Insgesamt wurden 13 Messstationen in Sachsen einbezogen. An sieben von ihnen hat das Team zusätzlich Ruß und Ultrafeinstaub gemessen. Diese Messungen wurden im Rahmen der wissenschaftlichen Untersuchungen zusätzlich erfasst, weil sie gesetzlich nicht vorgeschrieben sind.
Um die Wirkung der Umweltzone besser beurteilen zu können, wurde die Minderung der Motoremissionen durch einen Vergleich der Konzentrationen an der Straße mit denen im städtischen Hintergrund ermittelt. Der größte Minderungseffekt für Ruß und Ultrafeinstaub konnte an der Messstation Leipzig-Mitte aufgezeigt werden. Diese Messstation liegt im verkehrsreichen Zentrum des Innenrings der Stadt. Die Masse der krebserregenden Ruß-Partikel sank dort um etwa 60 Prozent; die Anzahl der ultrafeinen-Partikel reduzierte sich um etwa 70 Prozent. „Damit hat sich besonders der im Feinstaubmix enthaltene gesundheitsgefährdende Anteil der Partikel deutlich reduziert“, betonte Prof. Alfred Wiedensohler vom TROPOS. “Gemessen an der Feinstaubmasse entspricht das zwar nur fünf Prozent. Da diese aber zum hoch toxischen Anteil im Feinstaub gehören, wird das Gesundheitsrisiko der Bevölkerung deutlich reduziert. Die Umweltzone war damit eine sinnvolle und erfolgreiche Maßnahme der Stadtverwaltung Leipzig für den Schutz der Gesundheit ihrer Bürger“, fasste der Luftexperte Dr. Gunter Löschau vom LfULG zusammen.
Auch die Stadt zog ein positives Fazit: „Die Einführung der Umweltzone in Leipzig war im Rahmen unserer gesetzlichen Verantwortung ein konsequenter Schritt, um eine deutliche Verbesserung des Gesundheitsschutzes der Leipziger Bevölkerung und Besucher der Stadt zu erreichen“, konstatiert Heiko Rosenthal, Bürgermeister für Umwelt, Ordnung, Sport der Stadt Leipzig. Von Beginn an hatte Leipzig nur Kraftfahrzeuge mit grüner Plakette zugelassen, was die Modernisierung deutlich beschleunigt und so den Partikelausstoß der Fahrzeuge sehr schnell reduziert hat. „Dabei ist es gelungen, die notwendige Balance zwischen der Betroffenheit vom Fahrverbot einerseits über Ausnahmeregelungen abzufedern und andererseits das eigentliche Ziel der Umweltzone nicht aus dem Blick zu verlieren“, so Rosenthal weiter.
Mit der durch die Umweltzone beschleunigten Modernisierung der Fahrzeugflotte stieg auch der Anteil der in Leipzig zugelassenen Dieselkraftfahrzeuge zwischen 2010 und 2016 von 19 auf 26 Prozent an – mit negativen Folgen: Während bei den Partikeln die Zahlen nach unten gehen, stagnieren sie bei den gasförmigen Stickoxiden (NOx) nach wie vor auf einem Niveau, das zu hoch ist.
Die Anstrengungen dürfen deshalb nicht nachlassen, die Luftqualität zum Schutz der Bevölkerung weiter zu verbessern, betonten die Wissenschaftler. Das gelte nicht nur für die Grenzwertüberschreitung für Stickstoffdioxid (NO2), sondern auch für Feinstaub. Es wäre falsch, sich darauf auszuruhen, dass der gesetzliche Grenzwert für Feinstaub (PM10) seit 2015 eingehalten wird. Nicht nur die Maßnahmen zur Luftreinhaltung, sondern auch die meteorologischen Bedingungen mit milden Wintern hätten daran einen Anteil.

Der Abschlussbericht zur „Wirkung der Umweltzone Leipzig auf die Luftqualität“ steht ab sofort für jedermann zum Download bereit.

Studie:
Gunter Löschau, Alfred Wiedensohler, Wolfram Birmili, Fabian Rasch,
Gerald Spindler, Konrad Müller, Andrea Hausmann, Uwe Wolf, Werner Sommer, Mario Anhalt, Volker Dietz, Hartmut Herrmann, Uwe Böhme, Horst-Günter Kath und Holm Kühne (2017): Umweltzone Leipzig – Abschlussbericht.
https://lsnq.de/UZLeipzigAbschluss

Ansprechpartner:
TROPOS
Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS)
Prof. Alfred Wiedensohler, Leiter Abteilung Experimentelle Aerosol- und Wolkenmikrophysik
Tel. +49-341-2717-7062
http://www.tropos.de/institut/ueber-uns/mitarbeitende/alfred-wiedensohler/
und
Tilo Arnhold, Öffentlichkeitsarbeit
Tel. +49-341-2717-7189
http://www.tropos.de/aktuelles/pressemitteilungen/

LfULG
Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG)
Pressesprecherin
Karin Bernhardt
Tel. +49-351-2612-900, Mobil: +49-1703813256
E-Mail

Stadt Leipzig
Referat Kommunikation
Tel.: 0341 123-2040 Fax: 0341 123-2045
E-Mail

Weitere Links:
Saubere Luft – (k)eine Selbstverständlichkeit! – Themenportal des LfULG zur Luftqualität in Sachsen:
https://www.umwelt.sachsen.de/umwelt/luft/index.asp
Luftqualität in Sachsen - Jahresbericht 2016
https://publikationen.sachsen.de/bdb/artikel/11388
Statuskolloquium Luft 2017 des LfULG:
https://www.umwelt.sachsen.de/umwelt/luft/45647.htm
Die Luft, die wir atmen
https://www.tropos.de/entdecken/gut-zu-wissen/jahr-der-luft-2013/
Umweltzone in Leipzig
https://www.tropos.de/entdecken/gut-zu-wissen/umweltzone-in-leipzig/

Weitere wissenschaftliche Publikationen zur Umweltzone Leipzig:
Birmili, W.; Weinhold, K.; Merkel, M.; Rasch, F.; Sonntag, A.; Wiedensohler, A.; Bastian, S.; Schladitz, A.; Löschau, G.; Cyrys, J.; Pitz, M.; Gu, J.; Kusch, T.; Flentje, H.; Quass, U.; Kaminski, H.; Kuhlbusch, T. A. J.; Meinhardt, F.; Schwerin, A.; Bath, O.; Ries, L.; Wirtz, K. & Fiebig, M. (2015): Long-term observations of tropospheric particle number size distributions and equivalent black carbon mass concentrations in the German Ultrafine Aerosol Network (GUAN), Earth Syst. Sci. Data, 8, 355-382, doi:10.5194/essd-8-355-2016, 2016. http://www.earth-syst-sci-data.net/8/355/2016/

Ma, N.; Birmili, W.; Rasch, F.; Weinhold, K.; Merkel, M.; Sun, J.; Löschau, G.; Spindler, G.; Anhalt, M.; Wiedensohler, A. (2017): Effects of the Low Emission Zone on the Black Carbon Mass Concentration and Particle Number Size Distribution: A Case Study for the City Leipzig, Germany. To be submitted to Atmospheric Environment

Rasch, F.; Birmili, W.; Weinhold, K.; Nordmann, S.; Sonntag, A.; Spindler, G.; Herrmann, H.; Wiedensohler, A.; Löschau, G.: Signifikante Minderung von Ruß und Anzahl ultrafeiner Partikel in der Außenluft als Folge der Umweltzone in Leipzig. Gefahrstoffe – Reinhaltung der Luft 73 (2013) Nr. 11/12, S. 483-489

Das Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft, die 91 selbständige Forschungseinrichtungen verbindet. Ihre Ausrichtung reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Raum- und Sozialwissenschaften bis zu den Geisteswissenschaften. Leibniz-Institute widmen sich gesellschaftlich, ökonomisch und ökologisch relevanten Fragen.
Sie betreiben erkenntnis- und anwendungsorientierte Forschung, auch in den übergreifenden Leibniz-Forschungsverbünden, sind oder unterhalten wissenschaftliche Infrastrukturen und bieten forschungsbasierte Dienstleistungen an. Die Leibniz-Gemeinschaft setzt Schwerpunkte im Wissenstransfer, vor allem mit den Leibniz-Forschungsmuseen. Sie berät und informiert Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Öffentlichkeit.
Leibniz-Einrichtungen pflegen enge Kooperationen mit den Hochschulen - u.a. in Form der Leibniz-WissenschaftsCampi, mit der Industrie und anderen Partnern im In- und Ausland. Sie unterliegen einem transparenten und unabhängigen Begutachtungsverfahren. Aufgrund ihrer gesamtstaatlichen Bedeutung fördern Bund und Länder die Institute der Leibniz-Gemeinschaft gemeinsam. Die Leibniz-Institute beschäftigen rund 18.700 Personen, darunter 9.500 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Der Gesamtetat der Institute liegt bei mehr als 1,8 Milliarden Euro. http://www.tropos.de

Weitere Informationen:
- http://www.tropos.de/aktuelles/pressemitteilungen/details/umweltzone-senkt-gesundheitsbelastung-deutlich/

Quelle: idw

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