(openPR) Wirkungslos, teuer und unverhältnismäßig – die am 1. Januar 2010 in Bonn eingeführte Umweltzone, die in diesem Jahr noch verschärft werden soll, ist nach Ansicht des ADAC keine effektive Maßnahme, um die Luft in der Stadt zu verbessern. Dass demnächst nur noch Fahrzeuge mit grüner oder gelber Umwelt-Plakette in die Zone hineinfahren dürfen, kritisiert der Automobilclub scharf. Werden einzelne Fahrzeuge ausgesperrt, trägt dies kaum zur Verbesserung der Luftqualität im Stadtgebiet bei. In Bonn sorgt zudem der extrem staubelastete Autobahnring rund um die Stadt dafür, dass sich die Luftqualität in der Innenstadt trotz Umweltzone nicht wesentlich verbessern kann.
Dabei sind Verwaltungsaufwand und Kosten immens, die Menschen werden durch das Fahrverbot in ihrer Mobilität stark eingeschränkt und müssen zudem Geld investieren, um eine zeitlich begrenzte Ausnahmegenehmigung zu beantragen oder ein neues Fahrzeug zu kaufen. Einwohner mit niedrigem Einkommen, Senioren und Wenigfahrer sind bei Einrichtung und Verschärfung der Umweltzonen besonders von dem beschleunigten Austausch des Pkw-Fuhrparks betroffen, ohne dass eine spezifische Wirkung bei den Immissionen nachgewiesen werden konnte, kritisiert der Club. Gleiches gilt für mittelständische Unternehmen, deren Spezialfahrzeuge bei geringer Fahrleistung eine lange Abschreibung haben und deren Schadstoff-Ausstoß in der Gesamt-Immission nicht nachweisbar ist (z. B. Wochenmarkt-Beschicker mit Kühlaufbauten oder Handwerker). Der ADAC spricht sich deshalb umso mehr dafür aus, dass sozial gerechtfertige Ausnahmeregelungen ohne bürokratische Schikanen bei sogenannten „Altfahrzeugen“ weiterhin für Privatpersonen und Unternehmen möglich bleiben.
Der ADAC fordert zudem, den finanziellen, personellen und verwaltungstechnischen Aufwand, der der Stadt Bonn in Zeiten knapper Kassen durch eine verschärfte Umweltzone aufgebürdet wird, in wirksame Maßnahmen zur Luftverbesserung zu investieren, wie beispielsweise die Optimierung des Schadstoff-Ausstoßes der städtischen Busse. Auch das umfassende Maßnahmenbündel, das die Stadt Bonn in den Luftreinhalteplan eingebracht hat, sollte mehr Beachtung finden. Dieses sieht unter anderem die Förderung von Carsharing-Projekten, von Fahrgemeinschaften sowie die stärkere Vernetzung aller Verkehrsmittel im städtischen Bereich vor. Zudem, so der ADAC, müssen künftig auch Emissionen aus Hausbrand, Kraftwerken, Industrie und Schifffahrtsverkehr sowie ihre Bekämpfung stärker in den Fokus rücken.
Um die Luft effektiv und dauerhaft zu verbessern, schlägt der ADAC vor, das Augenmerk intensiver auf die schnellere Entwicklung fortschrittlicher, schadstoffarmer Motoren zu legen. Eine weitere sinnvolle Maßnahme ist die Nachrüstung von Diesel-Pkw und Nutzfahrzeugen mit Rußpartikelfiltern, die auf Druck des ADAC ab 2012 wieder staatlich gefördert wird. So kann der Schadstoff-Ausstoß direkt an der Quelle verringert werden. Grüne Wellen und intelligente Verkehrsleitsysteme, die für einen besseren Verkehrsfluss sorgen, tragen ebenfalls deutlich zur Reduzierung von Feinstaubpartikeln und Stickoxiden bei. So hat eine ADAC Studie ergeben, dass eine optimale Grüne Welle, verglichen mit einer schlecht koordinierten Ampelschaltung, den Stickoxid-Ausstoß um 40 bis 60 Prozent senken kann. Ebenso bieten neue Fahrbahnbeläge und Rasenflächen mit katalytischer Wirkung (z. B. Titandioxid) weitere Potenziale bei der Luftverbesserung in den Städten.
Auch die Vorhaltung eines attraktiven Öffentlichen Personennahverkehrs sowie die Aufstockung der Zahl an Mitfahrerparkplätzen und die Bündelung des Verkehrs auf Hauptverkehrsstraßen sorgen wirksamer für eine Luftverbesserung, als die unverhältnismäßige und daher nicht hinnehmbare Verschärfung der Umweltzone in Bonn.
5. Januar 2012








