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Welt am Scheideweg – und die „Eliten“ merken es nicht

11.07.201710:24 UhrPolitik, Recht & Gesellschaft
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Prof. Querulix, „Rien ne vas plus...
Prof. Querulix, „Rien ne vas plus...", eBook (ISBN 978-3-943788-43-3), 264 S., 9,95 Euro

(openPR) Hört oder liest man Kommentare von augenscheinlich Rechtskonservativen nach den Krawallen in Hamburg, fragt man sich, ob die überhaupt verstanden haben (oder verstehen wollen), worum es geht.

Ob solche millionenteuren Mammutveranstaltungen wie G20 überhaupt sinnvoll und nützlich sind, ist sicherlich eine ebenso offene Frage wie die, ob sie in Metropolen wie Hamburg stattfinden sollten. Man kann auch lange darüber klugreden, ob die Polizei angesichts der zu erwartenden Proteste alles richtig vorbereitet und auf Lageveränderungen richtig reagiert hat. Ebenso einfach ist es, die Politiker pauschal als Verantwortliche an den Pranger zu stellen. Aber eigennützige Schwadronierer haben in einer Demokratie wie alle anderen eben auch das Recht, sich zu äußern.



Doch wenn man den Ursachen für die Krawalle auf die Spur kommen will, hat man mit einer vorurteilsblinden, eigennützigen Brille keine Chance.

Gewaltbereiter Mob entsteht nicht aus dem Nichts. Das gilt auch für den, der einen Stadtteil in Hamburg verwüstet und zahlreiche Mitbürgerinnen und Mitbürger erheblich geschädigt hat. Solcher Mob wächst nur auf dem Humus einer kranken Gesellschaft, einem Humus, der viele Jahre, meist Jahrzehnte braucht, um eine kritische Masse zu bilden, die das Entstehen und das Wachstum von Widerstand aller Art und schließlich von Gewaltbereitschaft überhaupt erst ermöglicht.

Wir können uns diesen europaweit entstandenen Mob als eine Art von Schaum vor dem Mund derer vorstellen, die seit vielen Jahren ebenso geduldig wie vergeblich auf die wachsenden Mißstände einer Welt hinweisen, die skrupellos vom großen Geld regiert und ausgebeutet wird.

Wenn berichtet wird, daß auch viele der friedlichen Demonstranten und Zuschauer des Geschehens dem Mob Verständnis entgegengebracht, ihn sogar angefeuert haben sollen, weist das auf die tiefe Kluft hin, die inzwischen große Teile der Bevölkerung von der selbstgefällig herrschenden „Elite“ trennt.

Wundern kann sich darüber eigentlich niemand. „Geld zerstört eine Menschenkultur, sobald es ihr mehr bedeutet als ein Mittel zum Tausch- und zur Wertaufbewahrung.“ (Prof. Querulix) Sobald das Geld und nicht mehr das Wohlergehen der Menschen Ziel und Maßstab wirtschaftlichen und politischen Handelns ist, beginnt der Verfall der Kultur. Die Menschen werden wieder vollkommen zu dem, was sie waren und mit ca. 87,5 Prozent ihrer Gene auch immer noch sind: räuberische Rudeltiere.

Auch diese recycelten Menschenaffen brauchen aber eine Erde, die sie atmen und trinken läßt, und die ihnen genug Nahrung bietet. Mit bloßen Lippenbekenntnissen der Politiker zum Klimaschutz läßt die sich nicht garantieren. Die wenigsten Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft tun aber wirklich Entscheidendes dafür und versuchen nach wie vor alles, um sich kostensparend davor zu drücken. Nach uns die Sintflut!

Das gilt auch für die sozialen Beziehungen der Menschen. Weltweit beobachten wir zunehmende soziale Schieflagen; die Kluft zwischen Arm und Reich wächst mit steigendem Tempo. Dagegen unternehmen die Politiker kaum etwas, fördern sie sogar mit ungerechter Sozial- und Steuerpolitik sogar noch kräftig weiter. Altersarmut ist im reichen Deutschland vielen Millionen Rentnern bereits in naher Zukunft garantiert.

Deutsche Unternehmer jammern über den Fachkräftemangel. Mehr als 6 Millionen Arbeitslose (von denen mehr als die Hälfte trickreich in anderen Statistiken versteckt wird) warten aber – oft bereits Jahre – auf Beschäftigung. Sind die alle unqualifiziert? Sind sie nicht ausbildungs- oder umschulungsfähig? Oder sind sie denen, die selbst hohe und höchste Einkommen erzielen, nur zu teuer, weil sie nicht für den Mindestlohn zu haben sind oder weil sie nicht mit gebrochenem Rückgrat um Arbeit betteln?

Wenigstens in den reichsten Industrieländern muß kein Arbeitsloser oder Sozialhilfeempfänger mehr hungern. Aber genügt das als Ziel der Politik? Ist das moralisch in Ordnung? Sichert das die Zukunft unserer Gesellschaft?

Die Zahl der Einkommensmillionäre steigt kräftig weiter, kann allerdings mit der schnell wachsenden Zahl Verarmender nicht annähernd mithalten. Die Politiker, ganz gleich, ob sie sich „christlich“ oder „sozial“ nennen, tun nichts, was die die zunehmende soziale Schieflage unserer Gesellschaft deutlich mindern oder gar beseitigen könnte. Im Gegenteil: sie erhalten ein Steuersystem, dessen Ungerechtigkeit nur deshalb nicht angeprangert wird, weil die am ärgsten Betroffenen schweigen (oder sich über Gewaltexzesse wie in Hamburg heimlich freuen) und die Nutznießer mit ihren Vertretern die Mehrheit im Parlament haben.

Wir Deutsche exportieren wie die Wahnsinnigen und stapeln dafür hunderte Milliarden an Geldforderungen, die schon bald – Notenbanken, Großspekulanten und der us-amerikanischen Rekordverschuldung seis gedankt – nichts mehr wert sein werden. Die große Mehrheit der Deutschen hat von diesen Export-„Erfolgen“ ihrer Wirtschaft nichts, ist aber von den Folgen dieses Exportwahns betroffen. Dringend erforderliche Zukunftsinvestitionen im eigenen Land unterbleiben. Investitionen in Bildung, Datensicherheit, Energie- und Verkehrsinfrastruktur sind seit vielen Jahren ebenso überfällig wie eine grundlegende Reform der Sozialversicherung und des Steuersystems – um nur einige Aufgaben zu nennen.

Exporterfolge und die Scheinblüte, die aufgeblähte Anleihen- und Aktienkurse sowie ungehemmtes Schuldenmachen zum Nulltarif suggerieren, vernebeln offensichtlich allzu vielen die Sinne. Das Ponzi-Spiel der EZB, das vielleicht Bankster, Großspekulanten und skrupellose Schuldner reich macht, vernichtet zugleich sicher große Teile des Mittelstandes und führt private Altersversorgung ad absurdum. Die Notenbanker hoffen auf die Inflation und sollten froh sein, daß sie sich Zeit läßt. Denn wenn tatsächlich zweistellige Inflationsraten die Schuldner befreien und zugleich die Geldbesitzer vollständig ruinieren, werden die absehbaren sozialen und politischen Folgen verheerend sein. Wir Deutsche sollten das doch wissen. Oder ist die Schuldbildung in ganz Europa so miserabel, daß die verantwortlichen bei der EZB und die Politiker gar nicht wissen, wie die politische Basis für das Dritte Reich geschaffen wurde?

Auf einer endlichen Erde können sich nicht einige ständig mehr aneignen, ohne daß die anderen immer mehr verlieren. Es wird höchste Zeit, in Zusammenhängen und komplexen Wechselbeziehungen zu denken, um zu verstehen, welche Auswirkungen das eigene Verhalten auf andere und letztlich wiederum auf einen selbst hat. Das scheint aber die Fähigkeiten vieler Menschen, vor allem die der Privilegierten, zu übersteigen. Dabei sollte sich doch jeder fragen: Wenn die Mehrheit der Menschen immer ärmer wird, wer sollte dann die vielen Waren kaufen, von denen die Produktionsmittelbesitzer doch immer mehr verkaufen wollen? Und wer sollte uns vor der dann zunehmenden Armutskriminalität schützen? Oder wer sollte unsere üppigen Pensionen bezahlen, wenn die meisten unserer Mitmenschen immer ärmer werden und die Reichen keine Steuern zahlen wollen?

Punktuelle Maßnahmen wie sie die G20er für ausgewählte Länder Afrikas vorhaben, sind Nonsens. Damit werden wenige Reiche hier und dort nur noch reicher und Kriminelle profitieren auch. Unsere Wirtschaft bzw. die, denen sie gehört, wird natürlich auch profitieren, sodaß die Politiker wenigstens einen Showeffekt haben. Aber Afrika wird so nie auf die Beine kommen und die Flüchtlingsströme werden weiter anschwellen.

Sollte die naheliegende Vermutung der Realität entsprechen, daß gerade die Menschen, die es verstehen, die größte Beute zu machen, vollkommen unfähig sind, in (globalen) Zusammenhängen und Wechselbeziehungen zu denken? Wenn ja, wäre die Menschheit wohl am Ende.

Wir werden es bald wissen. Denn auch die (noch) freiheitlich-demokratischen Gesellschaften, in denen zwar nicht jeder am Wohlstand beteiligt wird, aber immerhin noch seine Meinung sagen darf, werden von der sozial- und politklimatischen Veränderung der Welt betroffen sein. Wenn sich die Raffkes durchsetzen und ihnen hörige Regierungen auf zunehmende soziale Probleme mit Einschränkungen und Unterdrückung aller Art reagieren, anstatt die Ursachen der sozialen Schieflage zu beseitigen, werden wir schneller als uns lieb ist in eine dunkle, gewalttätige Zukunft treiben.

Deshalb: Aufwachen! Wacht endlich auf, ihr selbstgefälligen „Eliten“! Schafft endlich eine Welt für alle Menschen und nicht nur eine Welt für eure ohnehin schon übervollen Geldbeutel! Wenn nicht endlich das Wohl der Menschen anstatt der Profit reicher Minderheiten zum Maßstab politischen Handelns gemacht wird, wird sich der Mob nicht das letzte Mal ausgetobt haben und er wird noch mächtig anwachsen.

„Der Kapitalismus neoliberaler Prägung ist nichts weiter als eine menschenverachtende Ideologie, die den Menschen zum Mittel des Wirtschaftens erniedrigt, statt das Wirtschaften als Mittel zur Wohlfahrt des Menschen zu nutzen.“ (Prof. Querulix)

Seit vielen Jahren beobachtet Prof. Querulix das fragwürdige Treiben der Menschentiere und die erbarmungswürdige Realität die sie unter der Gewalt ihrer „Eliten“ aus ihren großartigen Möglichkeiten machen. Seine Beobachtungen und Kommentare sind in der eBook-Reihe „Tacheles“ dokumentiert. 7 Bände sind bisher erschienen. Der jüngste trägt den Titel: „Rien ne vas plus – Wohin treibt die Menschenwelt?“ (ISBN 978-3-943788-43-3). Wie seine 6 Vorgänger ist er im eVerlag READ – Rüdenauer Edition Autor Digital (www.read.ruedenauer.de) erschienen und dort sowie in allen gut sortierten Buchhandlungen zum Preis von 9,95 Euro zu haben.

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