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Zeitenwende - und wir schaffen sie nicht

18.08.201608:44 UhrPolitik, Recht & Gesellschaft
Bild: Zeitenwende - und wir schaffen sie nicht
Prof. Querulix, Tacheles - zeitlos-zeitkritische Beobachtungen, eBooks, je Band 9,95 Euro
Prof. Querulix, Tacheles - zeitlos-zeitkritische Beobachtungen, eBooks, je Band 9,95 Euro

(openPR) Oswald Spengler dürfte mitten ins Schwarze getroffen haben, als er formulierte: „Durch das Geld vernichtet die Demokratie sich selbst, nachdem das Geld die Freiheit vernichtet hat.“

Die Herrschaft des Beutekapitalismus, die seit der Ära Schröder nicht einmal mehr von den Sozialdemokraten infrage gestellt wird, hat der westlich-abendländischen Kultur das Blut aus den Adern gesaugt. Der verzweifelte Versuch der „Eliten“, mit Hilfe der Notenbanken das fehlende Blut durch Geld zu ersetzen, kann als gescheitert betrachtet werden. Auch unbegrenzte Mengen an Euros und Dollars könnten nicht gesundes soziales Blut in Gestalt kulturellen Selbstbewußtseins, Gemeinsinn und ebenso vernünftig wie konsequent umgesetzten kollektiven Selbstbehauptungs- und (Über)lebenswillen ersetzen.



Was uns die Politiker (nicht nur) Europas seit Jahren vorspielen, ist ein jämmerliches Theater mit immer konfuseren Handlungen. Was das Stück bedeuten soll, wissen vermutlich die Darsteller dieser Schmierenkomödie selbst nicht. In der Kakophonie des Kampfes partikularer Interessen um Macht und Beute zerfallen europäischer Gemeinsinn und Selbstbehauptungswille gegenüber der umgebenden Welt zusehends. Es ist kein Zufall, daß der Euro trotz aller Sanierungsversuche immer noch existenziell gefährdet ist und auch weiterhin gefährdet bleiben wird, weil allzu viele Politiker den bequemen Weg des unbegrenzten Schuldenmachens skrupellos weitergehen. Zahlen sollen dafür andere. Wozu hat man schließlich die Währungsunion? Und wenn diese Rechnung nicht aufgehen sollte, bleibt immer noch der Joker „Draghi“, der die Staatshaushalte – verschämt über den Ankauf von Staatsanleihen – direkt aus der Notenpresse finanziert. Seit kurzem werden auch Unternehmen so finanziert und – wer weiß? – vielleicht bald auch private Haushalte.

Warum sind wir eigentlich nicht eher darauf gekommen, daß Staaten und Unternehmen mit ihren Schulden gut leben können, wenn sie so gut wie nichts mehr kosten? Warum hat man offensichtlich noch gar nicht bemerkt, daß unter diesen Umständen die Zinsen nie mehr steigen dürfen, weil andernfalls die Schuldner alle sofort pleite wären? Warum ist den „Experten“ auch noch nicht klar geworden, daß ohne Zins nur noch Wohlhabende für ihr Alter vorsorgen können?

Durchschnittsmenschen leben fast ausschließlich im Hier und Jetzt, ohne sich um die Erfahrungen ihrer Vorfahren, geschweige denn die Erfahrungsschätze der Geschichte zu kümmern. Wäre es anders, würden nicht ständig alte Dummheiten wiederholt.

Daß die Staatsfinanzierung mit der Notenpresse aus gutem Grund ebenso verboten ist wie die Kreditvergabe von Notenbanken an Private, interessiert augenscheinlich weder die Politiker noch die Notenbanker. Warum soll man auch einen wertvollen zerbrechlichen Gegenstand nur deshalb nicht fallenlassen, weil die Physik uns lehrt, daß er unweigerlich zum Erdmittelpunkt streben und deshalb am nächsten unter ihm liegenden Hindernis zerschellen wird? Schlüssiges Denken unter Berücksichtigung von Realitäten ist nicht jedermanns Sache. Das scheint vor allem dann zu gelten, wenn es darum geht, eigene und der eigenen Klientel Interessen zu sichern.

Das Recht wird einfach in die Mülltonne getreten. Staatsfinanzierung mit der Notenpresse? Ist verboten. Aber wen kümmert’s, wenn er die Macht hat, sich darüber hinwegzusetzen? Kredite an Private dürfen Notenbanken nicht vergeben. Aber die Kredite von Privatunternehmen aufzukaufen, ist möglich bzw. wird einfach gemacht. Da reibt sich Michel verwundert die Augen und handelt vorsichtshalber verstärkt nach seiner Vermutung, daß er – wie schon gewohnt – wieder einmal kräftig über den Tisch gezogen werden soll.

Die Europäische Währungsunion existiert ganz offensichtlich überhaupt nur noch, weil die Politiker Verträge und Gesetze nicht mehr ernst nehmen und das Bundesverfassungsgericht sogar noch seine Hühneraugen zudrückt, um das Ponzi-Spiel der EZB nicht vorzeitig zu beenden. Daß eine solche Währungsunion, daß ein solches Europa mit samt seinen Repräsentanten in den Augen geistig wacher und nachdenkender Menschen zur tragischen Lachnummer wird und sich niemand, der über genügend Wissen und Vernunft verfügt, noch auf den Euro als langfristige Geldanlage verläßt, nehmen die für das Desaster Verantwortlichen wahrscheinlich achselzuckend in Kauf. Schließlich werden mit dem dahinsiechenden Projekten EU und Euro ja „höhere Zwecke“ verfolgt – die ersichtlich auch nur den „höheren Bevölkerungsschichten“ zugutekommen.

Für die allermeisten Bürgerinnen und Bürger ist die Europäische Union zu einem bürokratischen Moloch und Krämerladen verkommen, der außer für Lobbyisten vor allem für die überbezahlten Bürokraten und Euro-Parlamentarier attraktiv ist. Viele der ca. 500 Millionen Europäer, die das Treiben der polit-bürokratischen Apparats beobachten, fragen sich immer öfter: Für was steht die EU, dieses dahinsiechende Krisenmonster eigentlich? Erreichen wir jemals wieder annähernd Vollbeschäftigung? Wie sichern wir Europäer unsere kulturellen Errungenschaften? Wie verteidigen wir unsere Werte gegenüber dem Ansturm von Menschen aus fremden Kulturen? Wie sichern wir den inneren Frieden in Zeiten zunehmender innerer Wirren und um sich greifenden Terrors? Schaffen wir das alles auch noch nach Aufnahme von zig Millionen Flüchtlingen aus fremden Kulturen? Auch wenn wir sogar Kriminellen Asyl gewähren, wie von einigen Bessermenschen gefordert?

Moral darf nicht mit Beliebigkeit verwechselt werden. Auch heißt moralisch zu handeln nicht Selbstaufgabe. Ganz im Gegenteil. Wer moralisch handeln will, muß stark und unabhängig sein, darf sich weder von unreflektiertem Glauben noch von den Einflüsterungen derer verführen lassen, die sich schon aufgegeben haben, ohne es zu merken.

Die brutale Herrschaft des Geldes verheert unsere Kultur. „Geld zerstört eine Menschenkultur, sobald es ihr mehr bedeutet als ein Mittel zum Tausch- und zur Wertaufbewahrung.“, lesen wir bei Prof. Querulix.

Der Euro ist der Selbstsucht und der Gleichgültigkeit der Politiker zum Opfer gefallen und kann – wenn überhaupt – mit den gegenwärtigen Mitgliedern der Währungsunion nur als Weichwährung überleben. Allerdings muß Herr Draghi bis dahin noch sehr viel Geld unter die Bankster, Spekulanten und Schuldenpolitiker bringen, wenn er tatsächlich die Verbraucherpreis künstlich hochtreiben möchte. Ob er jemals erreicht, was er sich vorgenommen hat, ist dennoch äußerst fraglich. Wie es aussieht, wird er gemeinsam mit seinen Kollegen in Japan und den USA eher die Welt(finanz)wirtschaft ins Chaos stürzen als den Euro zu retten. Bis zur Stunde der Entscheidung müssen die Sparer kräftig weiter bluten, und die Lebens- und Krankenversicherungen werden zunehmend Probleme haben, ihr Geschäftsmodell aufrecht zu erhalten. Auch kann die Weltkonjunktur allen Bemühungen der Gesundbeter zum Trotz ihren schon schwächelnden Geist schneller als wir ahnen vollends aufgeben oder eine der großen Derivateschleudern unter den Banken kollabieren. Es liegen genügend Sprengsätze herum, um die Weltwirtschaft zu zerlegen, bevor sein ohnehin unsinniges Konzept der Inflationserzeugung die gewünschten Früchte tragen kann.

„Der Kapitalismus gleicht einem Pferd“, meint Prof. Querulix, „um dem Menschen nützlich zu sein, müssen ihm Zügel angelegt werden.“ Genau das Gegenteil machen die Politiker in der kapitalistischen Welt. Sie lassen die Zügel fahren. Je mehr der Gaul des Kapitalismus durchgeht und seinen sozialen Mist hinterläßt, umso mehr lassen die Politiker ihn laufen. Warum? Aus Eigennutz? Aus Dummheit? Aus Verzweiflung über die eigene Unfähigkeit? Für Letzteres spricht, daß sie die Notenbanker ungestört ihre gewagten Spielchen mit der Geldvermehrung und den Null- bzw. Negativzinsen spielen lassen, obwohl abzusehen ist, daß es in die weltwirtschaftliche Katastrophe führen wird. Darüber mögen sich Spekulanten freuen, die große Mehrheit der Menschen wird aber im Verlaufe dieses Unsinns zuerst ihre Ersparnisse und ihre private Altersversorgung verlieren, dann ihre Arbeitsplätze und möglicherweise auch noch den sozialen Frieden.

Im Scheitern des Ponzi-Spiels, das die drei großen Notenbanken der Welt derzeit genauso erfolglos spielen wie es seinerzeit der Namensgeber gespielt hat, wird sich erweisen, daß noch so viel Geld keine Volkswirtschaften und schon gar keine wankend Hochkultur stabilisieren kann, wenn es vor allem Bankstern und Spekulanten die Taschen füllt.

Der Beutekapitalismus, die Dominanz des Profits über die Bedürfnisse des Menschen, hat die westlich-abendländische Kultur tödlich infiziert. Zusammen mit den Folgen eines undurchdachten, ja saudummen Gutmenschentums, das unseren Lebensraum bedenkenlos dem Ansturm von Millionen Menschen aus fremden Kulturen preisgeben will, die weder integriert werden können noch dies in allzu vielen Fällen wollen, ist genau die Dosis Gift die es braucht, um unsere abendländische Kultur in den Orkus der Geschichte zu stoßen. Unter den gegebenen Umständen sind ihre Überlebenschancen nicht größer einzuschätzen als die des alten Rom.

Aber wir schaffen das!

Warum ist unsere Kultur nur so schwach? Sie ist so schwach, weil ihr der Beutekapitalismus das Mark aus den Knochen gezogen hat. Die Moral wurde durch die Macht des Geldes ersetzt. Gut ist, was unaufhörlich steigende Profite der Wirtschaftsbetriebe sichert und die Einkommen der Eigentümer sowie die Gehälter und Boni der Managernomaden steigert. Auch zahlreiche Politiker wissen sehr gut, ihren Vorteil aus diesem letzten großen Spiel der westlich-abendländischen Kultur zu ziehen.

Im Beutekapitalismus ist die große Mehrheit der Menschen nur noch Mittel zum Zweck des Profits, des skrupellosen Geldmachens polit-ökonomischer Minderheiten, die sogar den Staat als ihr Eigentum und Mittel zur Bereicherung betrachten und ihn lobbyistisch unterwandern. Die große Mehrheit der Menschen wird als Produktionsmittel und Konsumtrottel benutzt, eine geringe Zahl als nützliche Idioten. Die sind unentbehrlich, um die Mehrheit ihrer Mitmenschen dahin zu manipulieren und zu zwingen, wo die herrschenden Cliquen sie haben wollen. Nicht das Allgemeinwohl bestimmt in unserer lobbyverseuchten Demokratie die Politik, sondern die Interessen der polit-ökonomischen Klüngel, deren Lobbys sich mitten in Parlamente Regierungen und Staatsbürokratien hineingefressen haben.

„Wenn Geld in einer Gesellschaft alles ist, dann wird eben für Geld auch alles getan“, resümiert Prof. Querulix. Nur für Geld wird überhaupt noch etwas getan, könnte man ergänzen. Leider wird damit nicht den Erfordernissen des allgemeinen Wohls der Völker zu entsprochen. In erster Linie geht es heute darum, die Ansprüche und Forderungen von Banken, Bankstern, sonstigen Profitgeiern und ebenso unfähigen wie skrupellosen Politikern zu erfüllen. Nur schafft Geld, vor allem immer ungleicher in der Bevölkerung verteiltes Geld, keinen sozialen Zusammenhalt, keine Volksgemeinschaft, kein Empfinden der Zusammengehörigkeit und der wechselseitigen Mitverantwortung für das Wohl des Ganzen. Für eine Demokratie – deren real existierende Variante bereits zur Lobbydemokratur entartet ist – ist das zur Herrschaft gelangte Geld nichts anderes als ein Spaltpilz, ein tödliches Gift. Und das wirkt seit Jahren bereits verheerend.

Den vielen vom Wohlstand abgehängten, zum Beispiel den in prekären Arbeitsverhältnissen Beschäftigten, den Rentnern mit Minirenten, den ohne eigenes Verschulden auf Sozialhilfe Angewiesenen, dürfte ziemlich gleichgültig sein, wer sie ausbeutet, wenn sie überzeugt sind, ihre Ausbeutung sowieso nicht verhindern zu können. Das sind bisher immerhin schon 12-15 Millionen Deutsche und ihre Zahl steigt weiter an. In anderen europäischen Ländern liegt der Bevölkerungsanteil solcherart Benachteiligter noch viel höher.

Die kleine Minderheit der Reichen und Superreichen? Die leben fröhlich drauflos, füllen sich die Taschen mit Hilfe von Politikern, die ihnen die „richtigen“ Gesetze machen und die „falschen“ verhindern. Beute machen auf Teufel komme raus, heißt die Devise, ohne darüber nachzudenken, was der Sinn und Zweck dieses Tuns ist - vielleicht dieser: sich am Ende sein eigenes Grab zu schaufeln.

Dazwischen döst die Mehrheit derer dahin, die sich um ihr Dasein (noch) wenig Sorgen machen (müssen), jedenfalls solange sie ihren Arbeitsplatz, ihr Einkommen und ihre kleinen (Konsum)freiheiten behalten. Das sind auch diejenigen, die den Status quo stabilisieren, weil sie notorisch Angst vor Veränderungen haben. Aber gerade damit sägen sie fleißig an dem Ast, auf dem sie vermeintlich bequem und sicher sitzen. Es wird Zeit, aufzuwachen.

Einer Kultur, die nur noch am Tropf des Profits eines polit-ökonomischen Herrscherklüngels hängt, fehlt einfach die Kraft zu überleben. George Orwell, der Verfasser von “1984” schrieb 1944 über die Politiker: ”Niemand sucht nach der Wahrheit, jeder plädiert für seine Sache ohne irgendwelche Rücksicht auf Fairneß und Genauigkeit, und die einfachsten, offenkundigsten Tatsachen werden von denen ignoriert, die sie nicht sehen wollen” Was hat sich bis heute geändert?

Ob der Niedergang Europas (und übrigens auch der der USA) noch aufzuhalten ist, können wir nicht wissen. Es scheint auch nicht vorgesehen zu sein, daß die betroffenen ihre Rolle in der Evolution selbst bestimmen können. Die Destabilisierung Europas ist jedenfalls in vollem Gange und es wird erstklassiger Politiker bedürfen, um das Siechtum wenigstens zu verzögern. Dabei wird unter anderem wichtig sein, sich endlich von den USA und ihrem destabilisierenden Einfluß in der Welt zu emanzipieren und mit Rußland und China längerfristige Perspektiven der Kooperation zu entwickeln. Politiker, die Europa aus dem Sumpf holen, in dem es derzeit steckt, und die überzeugend an seiner Zukunft arbeiten, sind leider noch nicht in Sicht. Aber wie heißt es so schön: „Die Hoffnung stirbt zuletzt.“

Prof. Querulix beobachtet seit langem das fragwürdige Treiben des Menschentiers. Seine zeitlos-zeitkritische Beobachtungen und Kommentare sind in bisher sechs Bänden gesammelt erschienen, ein siebter ist für Ende des Jahres geplant. Die eBooks im Umfang zwischen ca. 180 und 280 Seiten kosten je 9,95 Euro. Alle Bände sind im eVerlag READ – Rüdenauer Edition Autor Digital (www.read.ruedenauer.de) erschienen und dort sowie in allen gut sortierten (Internet-)Buchhandlungen erhältlich.

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