(openPR) Kommunalgewerkschaft im dbb beamtenbund und tarifunion sieht im Ausbau der Kindertagesstätten mehr Sinn, als die Zahlung der sogenannten „Herdprämie“ – Betreuungskosten sollten gesenkt werden, um Kindern aus sozial schwachen Familien Zugang zu öffentlichen Einrichtungen zu ermöglichen
Berlin, den 19. November 2012. „Das für die neue Leistung eingeplante Geld sollte besser in den qualitativen und quantitativen Ausbau der Kindertagesstätten fließen: Personal, Fortbildungen, Qualitätssicherung und Räumlichkeiten“, so Ulrich Silberbach, Bundesvorsitzender der komba gewerkschaft, größte Fachgewerkschaft im dbb beamtenbund und tarifunion. Eine Prämie auszuzahlen, sein Kind nicht in eine frühkindliche Bildungseinrichtung anzumelden, sondern bis zum dritten Lebensjahr zu Hause zu betreuen, sei gesellschaftlich nicht zeitgemäß und würde zudem Gefahr laufen, dass vor allem sozial schwache Familien ihre Kinder zu Hause lassen.
Auch die Vorsitzende des Bundesfachbereichs Sozial- und Erziehungsdienst der komba gewerkschaft Sandra van Heemskerk lehnt das Betreuungsgeld, das laut Regierung eine Alternative zum Kita-Platz sein soll, strikt ab. Van Heemskerk: “100 beziehungsweise 150 Euro sind zwar nichts für eine vernünftige Kinderbetreuung, jedoch viel für manche Familien. Das verlockende Angebot wird sicherlich viele junge Frauen davon abhalten, erwerbstätig zu sein.“ Das Betreuungsgeld widerspräche damit den Prinzipien der modernen Gesellschaft sowie den gleichstellungspolitischen, sozialpolitischen und familienpolitischen Zielen, für die sich die komba gewerkschaft einsetze, so die Vorsitzende.
Aus Sicht des Fachbereichs Erziehung der komba gewerkschaft nrw, größte Landesgewerkschaft der komba, wären Investition damit Ausbau von Betreuungsangeboten für Kinder unter drei Jahren besser angelegt, als bei der „Herdprämie“. Marieluise Baumeister, Vorsitzende des Landesfachbereichs: „Das Geld wird verschleudert, anstatt da anzusetzen wo es am meisten fehlt: NRW ist deutschlandweites Schlusslicht beim Angebot von Betreuungsplätzen für Unterdreijährige. Gerade im bevölkerungsreichsten Bundesland reichen die Mittel nicht aus – das kann doch so nicht weitergehen!“
Kleinkinder sind letztendlich die Leidtragenden
Nach monatelangen Debatten setzte nun die schwarz-gelbe Koalition am 9. November ihr Vorhaben im Bundestag durch. Eltern, die die Betreuung ihrer Kleinkinder selbst organisieren und kein staatlich gefördertes Angebot in einer Kindertageseinrichtung oder bei einer Tagesmutter in Anspruch nehmen, sollen damit ab 1. Januar 2013 100 Euro, ab 2014 150 Euro monatlich erhalten. Van Heemskerk und Baumeister, beide im Bereich Erziehungsdienst seit vielen Jahren tätig, wissen von was sie sprechen. Sie warnen eindringlich vor vergebenen Chancen in der frühkindlichen Entwicklung: „Die Leidtragenden in Zukunft werden die Kleinkinder sein, die zu Hause bleiben. Eine frühe Bildung und Förderung in einer Gruppe von Gleichaltrigen ist für unter Dreijährige von großer Bedeutung. In dem Alter entwickeln sie vor allem ihre sprachlichen, motorischen und sozialen Kompetenzen - miteinander. Diese Lernchance können die heutigen Kleinfamilien kaum auffangen.“
Regierung derzeit Widerspruch in sich
Für den Bundesvorsitzenden der komba gewerkschaft ist die Gangart der Regierung derzeit ohnehin ein Widerspruch in sich. Silberbach: „Der Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz greift Januar 2013. Laut Statistischem Bundesamt fehlten zum 1. März bundesweit jedoch noch 220.000 Kita-Plätze für unter Dreijährige, damit die Kommunen zum 1. August 2013 den Rechtsanspruch auf ein Betreuungsangebot einlösen können. Nun sollen Eltern einen Zuschuss bekommen, damit ihr Kinder zu Hause bleiben. Milliarden Euro, die unter anderem besser investiert wären, um Kindern aus ärmeren und bildungsfernen Familien Betreuungsplätze in öffentlichen Einrichtungen zu ermöglichen. Oder ist es Geld, um Eltern davon abzuhalten, Kinder unter drei Jahren anzumelden, um den Rechtsanspruch umsetzen zu können und damit die Kommunen vor einer Klagewelle zu schützen?“
Die Oppositionsparteien lehnen die sogenannte „Herdprämie“ strikt ab und wollen nun laut Medien dagegen vor Gericht gehen. Und auch in der Europapolitik blickt man mit Besorgnis auf Deutschland, ein Land, das nach wie vor erheblichen Nachholbedarf bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie hat. „Bei allem, was die Bundesfamilienministerin derzeit vorschlägt, fehlt oft die Frage nach der praktischen Umsetzbarkeit ihrer Ideen in den Einrichtungen sowie den Familien - besonders, wenn sie derart widersprüchlich sind“, so Heemskerk.









