(openPR) Wenn man den aktuellen Arbeitslosenstatistiken Glauben schenken darf, befinden wir uns in Deutschland auf dem besten Weg zur Vollbeschäftigung. Wir haben nun die Drei-Millionen-Marke unterschritten. Das spricht in erster Linie für eine große Stabilität und eine vorbildliche Wirtschaftspolitik. Jedoch ist das nur eine Seite der Medaille. Gerade die Regionen mit einer extrem hohen Arbeitslosigkeit scheinen vergessen worden zu sein. Obwohl die gesamte Arbeitslosenquote auf knapp 7,3 % gesunken ist, sind in einigen Regionen rund 20 % der arbeitsfähigen Bevölkerung von Arbeitslosigkeit betroffen. Die Zahlen selbst, sind nur die halbe Wahrheit. Die Probleme der Arbeitslosigkeit sind viel tiefgründiger als man annehmen mag.
Dabei sind die Zahlen nicht in Stein gemeißelt. Die Statistiken betreffen nämlich nur jene Personen, die bei der Bundesagentur für arbeit als arbeitsuchend gemeldet sind und keiner Beschäftigung nachgehen. Im Laufe der Zeit haben sich bei der Arbeitsagentur jedoch eine Vielzahl an Nischen gebildet, wie man die Arbeitsuchenden aus den Statistiken raus hält. Hierzu gehören die so genannten Berufsvorbereitende Maßnahmen. Während der Titel eine kompetente Schulung suggeriert verbirgt sich dahinter eine unüberschaubare Zahl an mehr oder weniger kompetenten Einrichtungen in denen man selten mehr tut als Bewerbungen im Serienbriefformat zu schreiben. Eine Erfolgskontrolle gibt es in der Regel nicht.
Hinzu kommt, dass hier mal wieder Masse statt Klasse bevorzugt wird. Durch die Vielzahl an den Vorbereitungsmaßnahmen, haben meist nicht mal die Berater der Arbeitsagentur eine Ahnung, welche denn die geeignete sei. Auch die Arbeitgeber wissen mittlerweile von der mangelnden Qualität der Vorbereitungskurse und schätzen diese kaum noch als Pluspunkt im Lebenslauf. Darüber hinaus gibt es sehr viele Arbeitssuchende, die durch die Meldung bei der Bundesagentur für Arbeit keinerlei Vorteil für sich sehen. Sie bevorzugen es, auf eigene Faust nach einer Arbeit zu suchen oder wenden sich an private Arbeitsvermittlungen. Aber auch sie fallen aus der Statistik und sind für die Arbeitsagentur ab diesem Zeitpunkt irrelevant.
Jedoch sollte kein falscher Eindruck entstehen. Nichtsdestotrotz sind in den letzten Monaten und viele neue Arbeitsplätze entstanden. Allerdings sind rund drei viertel davon Minijobs auf 400 Euro Basis und befristete Zeitarbeitsverträge. Nicht selten sind Familien in denen beide Partner solch einer Arbeit nachgehen, trotz Ganztagsarbeit auf staatliche Unterstützung angewiesen. Man nennet dieses Vorgehen im Neudeutschen auch Lohndumping und doch ist es nichts anderes als unzumutbare Arbeitsbedingungen. Obwohl die Gesetzgebung den Arbeitnehmerschutz groß schreibt und den Kündigungsschutz immer enger spannt, sieht sie tatenlos dabei zu wie der beste Kündigungsschutz durch Zeitarbeitsfirmen ausgehebelt wird.
Um die niedrigen Arbeitslosenzahlen zu ermöglichen, werden Missstände für Arbeitnehmer bewusst in Kauf genommen. Wodurch man jedoch gleichzeitig in der Bevölkerung die Bereitschaft zu arbeiten mindert. Nicht selten muss man sich, gerade bei Familien mit Kindern, vor Antritt einer Stelle fragen ob es sich den wirtschaftlich lohnt die Stelle anzunehmen. Häufig bleibt am ende unterm Strich weniger als zuvor. Obwohl Arbeitsverträge auf 35 Stundenwochen ausgelegt sind, wird eine freiwillige Mehrarbeit vorausgesetzt. Arbeitszeiten von bis zu 48 Stunden in der Woche sind keine Seltenheit, von denen jedoch nur 35 bezahlt werden. Wie soll eine Familie mit diesem Einkommen auskommen?
Die Missstände der Arbeitspolitik sind deutlich erkennbar, jedoch nicht leicht zu bewältigen. Die Regierung versucht über die Lage Herr zu werden in dem man immer mehr Druck auf die Arbeitslosen ausübt anstatt jedoch die Anreize zur Arbeitsaufnahme zu erhöhen. Daraus resultiert dann wiederum ein Gefühl der sozialen Ungerechtigkeit und eine schwindende Moral in der Bevölkerung. "Wenn man sich bereits bei Antritt eines Arbeitsverhältnisses der Arbeitsagentur das Datum der voraussichtlichen Freisetzung melden muss, wird einem quasi suggeriert, dass die Arbeitslosigkeit ein hinzunehmender Zustand ist." heißt es auf Anfrage bei www.arbeitslosigkeit.eu. Außerdem schwindet dadurch das Vertrauen in staatliche Organisationen, welches jedoch unerlässlich für einen demokratischen und sozialen Staat ist.
Es ist jetzt wichtig den Aufschwung zu nutzen um den niedrigen Arbeitslosenzahlen einen soliden Hintergrund zu verpassen. Dies ist jedoch nicht möglich so lange man an dem festgefahrenen System. Entscheidende Schritte und Gesetze werden unterlassen, da man sich vor negativen Konsequenzen seitens der Unternehmen fürchtet. Es muss eine überschaubare Zahl an Vorbereitungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten für den Wiedereinstieg ins Berufsleben geben. Gerade die Langzeitarbeitslosigkeit und die Arbeitslosigkeit unter Jugendlichen muss in Angriff genommen werden. Alles in allem muss sich die Arbeit jedoch lohnen. Die Arbeitslosenzahlen dürfen nicht mehr auf Kosten der Arbeitnehmer gedrückt werden.






