(openPR) Beschwingt suchten sich am 2. August viele neue Auszubildenden in Düsseldorf, Meerbusch oder Essen den Platz in der Kommunalverwaltung, an dem sie ihre Ausbildung beginnen sollten. Der 2. August ist für sie ein bedeutender Tag. Die Beschäftigten in den Kommunalverwaltungen bekommen frische Unterstützung an ihre Seite. Doch das, was oberflächlich für Freude sorgt, ist in Wahrheit ein Trauerspiel. Die Bezirksregierung verbietet überschuldeten Kommunen, Auszubildende einzustellen. In ganz Nordrhein-Westfalen gehen damit hunderte Ausbildungsstellen verloren. Die dbb jugend nrw wird darum am 2. August mit einer Aktion vor der Staatskanzlei auf diese Misere aufmerksam machen.
In vielen Kommunen Nordrhein-Westfalens wird der Nachwuchs knapp. Besonders in Städten, die bereits überschuldet sind, oder drohen es zu werden, gibt es drastische Maßnahmen, der finanziellen Not Herr zu werden. Die Bezirksregierung streicht kurzerhand geplante Ausbildungsplätze. Der Grund: Die Städte müssen freiwillige Aufgaben - z.B. im Kulturbereich - stark rückbauen. Dadurch ergibt sich ein Personalüberhang. Für die Bezirksregierung ist damit klar, dass kein neues Personal - also auch keine Auszubildenden - eingestellt werden müssen.
Die dbb jugend nrw hat aus diesem Anlass zum Starttermin für die Azubis 2010 15 Sperrholzfiguren gefertigt, die symbolisch für die Azubis stehen, die im Öffentlichen Dienst eine Ausbildung begonnen hätten, wenn ihre Stelle nicht von der Bezirksregierung gestrichen worden wäre: Schattenazubis also. Neben ihnen stehen Paten aus den verschiedenen Fachgewerkschaften, die die dbb jugend nrw unter ihrem Dach vereint. „Wir wollen nicht tatenlos zusehen, wie in den Kommunen das große Sterben beginnt“, erläutert Markus Schallenberg, Vorsitzender der dbb jugend nrw. Darum hat die dbb jugend nrw einen Appell an die Landesregierung formuliert, der an diesem Tag der Ministerpräsidentin Hannelore Kraft übergeben werden soll. „Es muss verantwortungsvoll mit den Kommunen umgegangen werden. Es ist nicht länger tragbar, weiter Kosten auf sie abzuwälzen“, sagt Schallenberg mit Nachdruck.
„Durch den massiven Personalabbau der letzten Jahre fehlt es ohnehin an Beschäftigten, die in den öffentlichen Verwaltungen die Arbeit, die anfällt, auch erledigen können“, moniert der Vorsitzende der dbb jugend nrw. Allein seit dem Jahr 2000 wurden acht Prozent der Stellen im öffentlichen Dienst abgebaut. „Diese Aufgabenverdichtung kann keiner mehr abfangen“, warnt Schallenberg.
Das hat gravierende Folgen für die Leistungsfähigkeit der Städte. Schon jetzt wird die Belegschaft in den Kommunen immer älter. „Wenn im nächsten Jahr die Pensionierungswelle anrollt“, betont Markus Schallenberg, „wird es in unserm Bundesland zappenduster.“ Schon jetzt nämlich fehlen nicht nur in den Kommunen, sondern auch bei Bund und Land die ausgebildeten jungen Menschen, die die frei werdenden Stellen besetzen können. Denn die öffentlichen Verwaltungen haben schon seit Jahren zu wenig ausgebildet und zudem noch kaum junge Leute nach der Ausbildung übernommen. Das wird sich dann rächen. „Das Durchschnittsalter der Beschäftigten liegt bereits jetzt oft bei über 45 Jahren“, erklärt Schallenberg dazu.
In Duisburg wurden in früheren Jahren rund 100 Auszubildende pro Jahr eingestellt. Heute sind es knapp 60. In Wuppertal wurden 50 Ausbildungsplätze durch die Bezirksregierung gestrichen, in Essen sind es 30, ähnlich wie in Oberhausen - dort wurde um 35 Ausbildungsstellen gerungen.
Auch ein offener Brief an den damaligen Ministerpräsidenten Rüttgers brachte nichts. Die Kommunen streiten heftig weiter mit den Bezirksregierungen. „Das Ausbildungsverbot zieht immer weitere Kreise durch NRWs Gemeinden und es betrifft die verschiedensten Ausbildungsberufe, von originären Verwaltungsfachangestellten über den Altenpfleger, IT-Spezialisten bis hin zu Gärtnern oder Kfz-Mechaniker“, erläutert Markus Schallenberg.
Das Trauerspiel muss ein Ende haben. Dafür ist es notwendig, dass die Landesregierung sich bewegt und das Versprechen, das sie im Koalitionsvertrag abgegeben hat, einlöst: Eine schnelle Entlastung der Kommunen. Nur so kann der Öffentliche Dienst zukunftsweisend arbeiten und auch der Privatwirtschaft einen Impuls geben: Stellt ein, es lohnt sich!













