(openPR) Das Georg-Kolbe-Museum widmet sich der Faszination für das Fremde am Beginn des vergangenen Jahrhunderts mit Werken von Emil Nolde, Ernst Ludwig Kirchner, Georg Kolbe, Max Pechstein und anderen. Die Ausstellung Wilde Welten – Aneignung des Fremden in der Moderne thematisiert das Verhältnis der Moderne zu außereuropäischen Kulturen in der Kaiserzeit und in der Weimarer Republik. Am Beispiel der künstlerischen Auseinandersetzungen mit Afrika und Ozeanien zeigt die Ausstellung, wie vielfältig die Beschäftigung mit dem Exotischen war und welche Präsenz das Fremde auch im Alltag in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts hatte. Das „Fremde“ und das „Exotische“ waren am Beginn des vergangenen Jahrhunderts Zauberworte für Ursprünglichkeit, Reinheit und verlockende arkadische Bilder. Kaffee, Tee, Schokolade, Zahnpasta - die Reihe wäre mühelos fortzusetzen - wurden mit „Mohren“, „Südseemädchen“ und „echten Wilden“ beworben. Dem Fremden und Exotischen begegnete man zudem in Panoptiken, bei Völkerschauen im Zoo, auf Weltausstellungen, in Büchern, Zeitschriften und in den neu gegründeten ethnologischen Museen. Viele Künstler beschäftigten sich in ihren Werken mit außereuropäischen Kulturobjekten und begegneten dem Fremden außerdem in der Populärkultur. Neben Fetischen und Masken wurde die Kunst der Moderne über den so genannten Primitivismus hinaus auch aus diesen Quellen gespeist. Emil Nolde und Fritz Behn reisten in die Fremde und wurden dort zu Ethnographen. Otto Freundlich, Gustav Heinrich Wolff, Georg Kolbe u.a. wünschten sich eine formale Erneuerung ihrer Kunst durch das Exotische. Und nicht nur Ernst Ludwig Kirchner und Erich Heckel waren auf der Suche nach dem Ursprünglichen und wollten so der eigenen, als dekadent empfundenen Gesellschaft entkommen. Die Ausstellung bettet die Kunstwerke, im Gegensatz zur gängigen Ausstellungspraxis, in einen kulturhistorischen Kontext. Plakate, Fotos, Werbung, so genannte Lebendabformungen, Alltagsgegenstände und Bücher machen die Präsens des Fremden in der Moderne anschaulich. Dabei wird der Fokus bewusst auf europäische Bildwelten des Fremden gelegt, um die Konstruktion des Fremden in westlichen Phantasien freizulegen. Es geht um die Aneignung des Fremden und nicht um das Fremde selbst. Fremde bezeichnet etwas Unbekanntes, etwas, dass wir nicht in unsere gängigen Schubladen ordnen können, dass wir nicht in Verhältnis setzten können. Definitionen des Fremden sind deshalb keine substantiellen Definitionen, die genau bestimmen, was und wie das Fremde ist. Es sind vielmehr Definitionen ex negativo, also alles das, was das Eigene nicht ist. Die jeweiligen historischen Vorstellungen vom Fremden sagen mehr über die eigene Gesellschaft als über das Fremde selbst aus. Die Ausstellung nimmt aus historischer Perspektive einen spezifischen Aspekt der Rezeption des Fremden in den Blick: die Aneignung des Fremden in der deutschen Moderne. Um den zeitgenössischen Umgang mit „exotischen“ Objekten und Vorstellungen zu verdeutlichen, wird in der Ausstellung teilweise das historische Vokabular zitiert. „Neger“, „Rasse“, „Mohr“ sind Begriffe, die auf Rassentheorien und kolonialistischen Machtfantasien beruhen. Aus heutiger Perspektive sind sie abzulehnen. Obwohl sie eurozentristische und rassistische Stereotypen widerspiegeln, werden diese Stereotype, die untrennbar mit der Rezeption des Fremden um 1900 verbunden sind, hier trotzdem verwendet, statt auf euphemistische Umschreibungen zurück zu greifen und die Problematik der Vorstellungen, die an diese Begriffe geknüpft sind, zu bagatellisieren. Die Ausstellung zeigt Werke von Ernst Ludwig Kirchner, Emil Nolde, Max Pechstein, Erich Heckel, Georg Kolbe, Max Slevogt, Otto Freundlich, Fritz Behn, Ludwig Hohlwein, Gustav Heinrich Wolff, Louis Castan, Hans Rudi Erdt, Herbert Garbe, Julius Gipkens, Richard Haizmann, Hermann Haller, Karl Hofer, Ludwig Hohlwein, Julius Klinger, Peter Lipman-Wulf, Paul Scheurich, Max Slevogt, Sophie Wolff, Valentin Zietara.












