(openPR) Das Georg-Kolbe-Museum zeigt die raumfüllende Installation OASE von Anton Henning (geb. 1964 in Berlin) zusammen mit einer großen Anzahl seiner Zeichnungen. Parallel zu einer Einzelausstellung im Haus am Waldsee ist dies die erste institutionelle Präsentation des Werkes von Anton Henning in seiner Geburtsstadt.
Anton Hennings Installation OASE ist ein sorgfältig orchestriertes Gebilde, in dem die Malerei mit der Skulptur zu einer vielschichtigen und mehrfach gebrochenen Einheit verschmilzt. Einundzwanzig Skulpturen aus verschiedenen Materialien stehen auf Sockeln, die mit einem einheitlich hellen Holzfurnier überzogen sind. Die Skulpturen sind aus Gips, Holz oder Bronze und farbig gefasst bzw. in einem intensiven Grünton patiniert. Die Seiten von drei auf der Spitze stehenden würfelförmigen Kuben bestehen aus bemalten Leinwänden. Mehrere Sockel sind leer und fungieren selbst als Skulpturen. Als Basis und Raster der Sockel dient ein sechs auf neun Meter großer Wollteppich mit einem geometrischen, starkfarbigen Muster. Es handelt sich dabei um die Übersetzung von Anton Hennings Gemälde Interieur No. 342 (2006). Die auf einer etwa zehn Zentimeter hohen Plinthe schwebende Kunst-Insel kann nur mit den Augen durchwandert werden. Sie verweigert sich durch die dichte Stellung der Skulpturen und den vielen perspektivischen Überschneidungen einem sofortigen Erfassen und erschließt sich erst im Umhergehen.
OASE ist eine aus dem Bild gewachsene Skulpturenlandschaft, die durch ihre Pracht und Opulenz überwältigt. Die Arbeit bietet sich gleichsam als exotischer, üppiger Garten dar, dessen Reichtum in der intensiven Farbigkeit der Materialien sowie in der Vielfalt der Formen begründet liegt. Die vegetabilen Anklänge werden von einem türkisfarbigen Fond unterstützt, in dem die Wände des Ausstellungsortes gestrichen werden. Neben den pflanzlichen Assoziationen ist OASE noch mit einer zweiten dominanten Erzählung verschränkt. Vor allem der flauschige Teppich versetzt die Betrachter unmittelbar in den Kontext bürgerlichen Wohnens und Stilempfindens. Die gesockelten Skulpturen, unter denen sich auch ein Tisch mit ebenfalls geometrisch gemusterter Oberfläche befindet, verwandeln sich unter diesem Blickwinkel zu Möbeln einer absurden, überbordenden Sammlerbehausung. Bewohnbar ist dieser Ort indes nicht. Auch hat man den starken Eindruck von Requisiten einer Inszenierung, in denen die Skulpturen wie stumme Charaktere auf einer Bühne stehen.
Immer wieder nähert sich Anton Henning in seinen Installationen unter Einbeziehung der Bildhauerei und der Architektur dem Gedanken eines Gesamtkunstwerkes als Rahmen von Bild-Inszenierungen, die unser durch den künstlerischen Mainstream geformtes Ästhetikempfinden auf die Probe stellen. Bei allem Humor, scheinbar mangelndem Respekt vor den Errungenschaften der Kunstgeschichte sowie der Nüchternheit des ‚White Cube’ zeichnet sich ein Schaffensbild ab, das den Betrachter verführt, vor den Kopf stößt und mit seiner radikalen Zärtlichkeit, wohlklingenden Schrägheit und einem vielschichtigen Witz für sich einnimmt. Gleichzeitig wird aber die Frage provoziert: Ist Anton Henning nun ein subversiv kalkulierender Konzeptualist oder ein gänzlich seiner Intuition folgender Gefühlsmensch oder keines von beidem? Henning selbst betrachtet sich als Romantiker.
Henning ist mit dem Bilderkosmos der Kunstgeschichte eng vertraut. Er plündert diesen Fundus mit spielerischer Neugierde und arbeitet mit enthusiastischer Ernsthaftigkeit an Coverversionen der Moderne, die in unverwechselbarer Weise seine Handschrift tragen. In einem leidenschaftlichen Aneignungs-und Verdauungsprozess bezieht er sich auf formal höchst unterschiedliche Künstler: Angefangen bei Richard Wagner über Gustave Courbet, Francis Picabia, Pablo Picasso, bis hin zu Marcel Duchamp und Martin Kippenberger. Bei näherer Erkundung seiner Werke offenbart sich eine Vielzahl von Verweisen, wobei Henning in seiner Haltung stets ambivalent bleibt und einen schmalen Grad zwischen Affirmation und ironischer Distanz beschreitet. Dabei nimmt er das Missverständnis seiner Kunst bewusst in Kauf.
Anton Henning hat in den letzten zehn Jahren mit einer Reihe von autonomen und gleichzeitig einfühlsamen Rauminstallationen und Ausstellungsinszenierungen internationales Ansehen erlangt. Immer wieder stand dabei die Auseinandersetzung mit der Architektur im Vordergrund, etwa in Jean Nouvels Kunstmuseum Luzern, dem von Mies van der Rohe erbauten Museum Haus Esters in Krefeld, Frank O. Gehrys MARTa Herford oder Max Holleins Museum für Moderne Kunst in Frankfurt. Dazu zählt auch die Neugestaltung des Bistros im Arp Museum Rolandseck als ein permanent zu besichtigendes Werk von Anton Henning. In diesem Jahr war er in Deutschland bereits mit einer großen Doppelausstellung in der Kunsthalle Mannheim und dem Wilhelm-Hack-Museum in Ludwigshafen präsent.
Die Installation OASE wurde erstmals 2007 im S.M.A.K. in Gent gezeigt. Danach im selben Jahr in der Londoner Galerie Haunch of Venison. Vor der Ausstellung im Georg-Kolbe-Museum war sie im niederländischen De Pont – museum voor hedendaagse kunst in Tilburg zu sehen.
ANTON HENNING: OASE
20. September – 15. November 2009
GEORG-KOLBE-MUSEUM
ÖFFNUNGSZEITEN: Di–So 10–18 Uhr,
Freier Eintritt für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahren.
ÖFFENTLICHE FÜHRUNGEN: So 14 Uhr,
KURATOR: Dr. Marc Wellmann, Ausstellungsleiter













