(openPR) Deutschland liebt Märchen. Und kein Märchen wird in Deutschland so gerne erzählt, wie das Märchen vom faulen Arbeitslosen, der sich gemütlich in Hartz IV eingerichtet hat. Dieses Märchen kommt immer wieder, insbesondere vor Wahlen, auf den Tisch. Besonders wenn man damit die Stimmen von Ultrakonservativen / Rechtsextremen haben möchte.
So auch im aktuellen Wahlkampf zur Bundestagswahl. Und wie sollte es auch anders sein, kommt es von der CDU/CSU und sogar den FREIEN WÄHLERN.
Die Forderung: Langzeitarbeitslose sollen, um die Wiedereingliederung in Arbeit zu erleichtern, gemeinnützige Arbeit leisten. Nicht freiwillig, sondern verpflichtend. Ein tolles Konzept. Mir ist nicht klar wie Laubfegen und Müll aufsammeln, eine Integration in den ersten Arbeitsmarkt unterstützen soll, doch die Herren von der CDU/CSU und Herr Aiwanger von den FREIEN WÄHLERN wissen das bestimmt, sagen es jedoch nicht.
Unter den Meldungen der verschiedenen Tageszeitungen füllen sich die Kommentarspalten. Überwiegend mit unterstützenden Kommentaren. Wie zum Beispiel »Es sind so viele Stellen offen die dringend besetzt werden müssten« oder mein persönlicher Favorit »Da werden sich da einige ganz schnell vernünftige Arbeit suchen.«
Es ist erschreckend wie wenig Kenntnisse die Herren von der CDU/CSU und der FREIEN WÄHLER von der Sozialgesetzgebung haben. Von den Kommentatoren mal ganz zu schweigen. Doch es gibt das »Teilhabechancengesetz«. Eine Möglichkeit für Langzeitarbeitslose, um wieder in eine berufliche Tätigkeit zu kommen.
Sind wir ehrlich, es ist nichts anderes als das, was von den oben genannten Parteien gefordert wird. Nur eben bezahlt und auf lange Sicht gefördert.
Wird dieses »Teilhabechancengesetz« genutzt? Sagen wir es mal so. Es gibt Menschen, die gerne mitmachen möchten, da es die einzige Chance für sie ist, wieder in Arbeit zu kommen. Doch die Jobcenter ziehen oftmals nicht mit.
Natürlich gibt es viele offene Stellen die besetzt werden müssen, aber man braucht hier in Deutschland für alles eine Qualifikation. Einen Nachweis darüber, dass man eine bestimmte Sache gelernt hat und über Kenntnisse verfügt. Doch wie soll ein Langzeitarbeitsloser diese Qualifikation bekommen? Über das viel zitierte »Fördern und Fordern«? Ein weiteres Märchen, das in Deutschland gerne erzählt wird.
Damit kämen wir zu mir. Ich, 41 Jahre alt, examinierter Altenpfleger, seit November 2017 arbeitslos. Nach einem Gutachten des arbeitsmedizinischen Dienstes darf ich meinen Beruf nicht mehr ausüben. Ich darf nicht mehr schwer heben, nur noch überwiegend sitzende Tätigkeiten ausüben und ich darf keine Schichtarbeit mehr machen, Nachtdienste schon gar nicht. Der Arzt schlug damals der Arbeitsagentur Alzey (RLP) vor, mich umzuschulen. Doch die Arbeitsagentur verschleppte dieses Gutachten bis wenige Tage vor Ende des Leistungsbezuges von Arbeitslosengeld I. Man schickte mich zum Jobcenter Alzey-Worms, wo das Gutachten zwar Beachtung fand, jedoch der Teil mit der Umschulung geflissentlich unter den Tisch fiel.
Man erklärte mir, dass ich absolut keine Qualifikationen hätte, um eine Tätigkeit auf dem Arbeitsmarkt zu bekommen.
Von da an stellte ich Anträge auf Bewilligung einer Weiterbildung, Qualifizierung oder Umschulung. Doch jeder Antrag wurde abgelehnt. Ohne Begründung und immer nur per Telefon oder mündlich vor Ort, niemals schriftlich.
Ich begründete meine Anträge immer wieder damit, dass ich nur durch eine Umschulung, Weiterbildung oder Qualifizierung wieder in Arbeit käme. Dann erzählte man mir, dass das alles viel zu teuer sei, und man steckte mich für 2.800 Euro in eine sechsmonatige Maßnahme, wo mir erklärt wurde, wie man eine Bewerbung schreibt.
Ich habe nun ein Zertifikat erhalten, in dem steht, das ich nun weiß wie man Bewerbungen schreibt. Mal schauen, bring mich das weiter auf dem Arbeitsmarkt? Nein!
Es wurden also 2.800 Euro ausgegeben für ein Bewerbungstraining. Aber 1000 Euro für eine Schulung, die mich im IT-Bereich fit machen sollte und mir einen Job eingebracht hätte, war zu teuer. Muss ich nicht verstehen.
Also versuchte ich es über das »Teilhabechancengesetz«, na sie erraten es. Wieder nichts! Stattdessen wird mir nun ein Coaching für 3.200 Euro angeboten. Übrigens bei dem gleichen Träger, der auch das Bewerbungstraining gemacht hat. Dieses Coaching geht drei Monate und beinhaltet einen wöchentlichen Termin, bei dem ich verbal motiviert werden soll. »Chacka! Du schaffst das!«.
Aber eine richtige Schulung / Qualifizierung, die mich wirklich in Arbeit bringen würde, ist da zu teuer.
Es gibt Kurse, gerade in meiner Region, die Menschen Ausbilden, als Busfahrer, Lokführer oder im Rettungsdienst. Doch leider nicht für Langzeitarbeitslose. Eine Mitarbeiterin des Jobcenters sagt mir unter vorgehaltener Hand, das diese Kurse aus anderen Quellen finanziert werden und nicht für Arbeitslose gedacht sind.
Nun gut. Im Nachhinein bin ich froh über den Vorschlag der CDU/CSU und der FREIEN WÄHLER, dem sich sogar mittlerweile Friedrich Merz (CDU) angeschlossen hat. Denn dann wären die Jobcenter endlich gezwungen zu handeln und ich würde wieder Arbeit bekommen.
Umziehen wäre auch eine Alternative. Das Jobcenter im Nachbarkreis Bad Kreuznach, macht einen sehr guten Job, was Weiterbildungen und Umschulungen angeht. Aber da hat dann mein Jobcenter wieder ein Wörtchen mitzureden. Bleibt mir also nur, neidisch auf den Nachbarkreis zu schauen und weiterhin Anträge zu schreiben.
Irgendwann klappts bestimmt!












