(openPR) Die offensichtlich nicht zuende gedachte Geldpolitik der großen Notenbanken der Welt hat inzwischen gigantische Schäden in der Weltwirtschaft angerichtet. Die weltweiten Anstrengungen zur Stabilisierung der Wirtschaft in der Coronakrise hat die daraus entstandene ökonomische Schieflage weiter verstärkt. Extrem verbilligtes oder gar kostenloses Geld flutet die Weltwirtschaft und führt zu gigantischen Fehlinvestitionen. Spekulation ersetzt dabei nicht selten sinnvolle und notwendige Investitionen. Dadurch wird die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit nicht nur aktuell, sondern auch in Zukunft gefährdet.
Unübersehbare Zeichen für die von den großen Notenbanken herbeigeführte weltweite ökonomische Pandemie sind überzogene Kurse an den Aktien- und Rentenmärkten. Die Korrektur dieser Anomalie dürfte allerdings nur noch eine Frage der Zeit sein und sie könnte, so der us-amerikanische Arzt und Politiker Ron Paul, „ziemlich gewalttätig und schlimm sein".
Das Treibgas für die Kursblasen sind Minuszinsen und unbegrenzt geschöpftes spottbilliges oder für Großspekulanten und Banken sogar kostenloses Neugeld der EZB sowie der massenhafte Aufkauf von Anleihen durch die EZB. Zusätzlicher Wohlstand wird durch diese Manipulationen allerdings nicht geschaffen. Im Gegenteil. Die klassischen Sparer verlieren und allenfalls Spekulanten können profitieren – solange sie Glück haben. Dank einer von den Großbanken, darunter auch der Deutschen Bank, geschaffenen, kaum vorstellbaren Menge sogenannter Derivate sitzt die Menschheit auch noch auf einem Pulverfaß. Die Derivateflut, die der erfolgreiche Großspekulant Warren Buffett einmal das „Massenvernichtungsmittel der Finanzindustrie“ genannt hat, könnte sich schon bald als gewaltiger Brandbeschleuniger auswirken.
Kreditgeber, wie zum Beispiel auch die ohnehin schon durch Null- und Minuszinsen gebeutelten Sparer, müssen damit rechnen, dabei die Dummen zu sein. Kreditnehmer werden letztlich nur dann gewinnen, wenn sie ihren Kredit in Anlagen von intrinsischem Wert investieren. Dazu zählen aber gewiß nicht die geradezu absurd überbewerteten Anleihen und Aktien.
Für die großen Notenbanken der Welt scheint trotz alledem zu gelten: Weiter so! Die Zinsen werden weltweit auf unabsehbare Zeit nahe oder unter der Nulllinie gehalten und die Sparer dadurch weiterhin sukzessive enteignet. Auf der anderen Seite wächst die Blase spottbilliger Kredite, die – sollten die Zinsen (aus welchem Grund auch immer) ungeplant steigen – von sehr vielen Schuldnern nicht mehr bedient werden könnten.
Die Notenbanken wünschen sich höhere Inflationsraten als Ausgleich für die von ihnen erzeugte Geldschwemme. Wir sollten allerdings froh sein, daß sie diesbezüglich – bisher wenigstens – enttäuscht werden. Denn die sozialen und politischen Folgen inflationärer Entwicklung wären unkalkulierbar. Das hat uns die deutsche Geschichte vor nicht einmal hundert Jahren dramatisch bewiesen. Banker und Politiker sollten besser nicht mit dem Feuer spielen.
Wenn Dollar, Euro, Yuan und Yen als Folge der künftigen Notenbankpolitik stärker an Wert verlieren sollten, dürfte allerdings mit unangenehmen sozialen und politischen Folgen zu rechnen sein. Insbesondere die „Zweidrittelgesellschaft“ Deutschlands könnte das betreffen. Die Deutsche Geschichte sollte die Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft mahnen, umgehend gegenzusteuern und die zunehmende soziale Schieflage unserer Gesellschaft endlich zu beseitigen.
Daß es sämtliche Bundesregierungen bisher nicht für nötig hielten, den sozialen Graben zwischen den bessergestellten zwei Dritteln und dem seit Jahrzehnten im sozialen Keller gehaltenen unteren sozialen Drittel der deutschen Bevölkerung zu beseitigen, stimmt nicht gerade hoffnungsvoll. Wir müssen damit rechnen, daß sich die von den verantwortlichen Politikern aller Parteien geduldete soziale Schieflage im Falle einer fortschreitenden Wirtschaftskrise mit massenhafter Verarmung der Bevölkerung bitter rächen wird. Die Regierungen vieler europäischer Nachbarländer waren in dieser Hinsicht etwas klüger und haben mehr für den sozialen Ausgleich getan.
Die deutschen Regierungen haben es nicht nur versäumt, sondern offensichtlich absichtlich vermieden, unsere Zweidrittelgesellschaft auf ein nicht nur ökonomisch, sondern auch sozial solides Fundament zu stellen. Die deutschen Rentner stehen zum Beispiel im europäischen Vergleich eher schlecht da. Das gilt nicht nur für die eher bescheidenen staatlichen Renten in unserem an Reichen so reichen Land. Auch beträgt die durchschnittliche Lebensarbeitszeit in Deutschland 39 Jahre, in Österreich 37 und in Italien nur 32 Jahre. Wer in Deutschland keine zusätzliche Betriebsrente hat – und das ist die große Mehrheit – tut sich nicht nur in hochpreisigen Ballungszentren schwer, seine (bescheidene) Lebenshaltung zu finanzieren.
Die deutsche Steuerpolitik ist notorisch ungerecht; sie benachteiligt die Geringverdiener und belohnt die Besserverdienenden. Wessen Einkommen zum Beispiel am Beginn der Progressionszone des Einkommensteuertarifs liegt, zahlt in Deutschland insgesamt – Einkommens- und Verbrauchssteuern sowie Zwangsabgaben aller Art zusammengenommen – relativ mehr Steuern als die Bezieher höherer Einkommen. Das haben wir in der Vergangenheit an dieser Stelle schon mehrfach thematisiert. Zudem wird der Graben zwischen Arm und Reich in Deutschland immer breiter und tiefer. Für die selbst fürstlich versorgten und nicht selten über üppige Zusatzeinnahmen (z.B. aus der Betätigung als Lobbyist für Sonderinteressen) verfügenden Parlamentsabgeordneten scheint das aber kein Problem zu sein.
Wenn dann auch noch das Einkommen vieler Menschen infolge Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit schwindet, gerät der soziale Friede in Gefahr. Da nützt es wenig, wenn infolge der geringeren Verbrauchernachfrage wenigstens die Lebenshaltungskosten einigermaßen stabil bleiben.
Die an dieser Stelle schon mehrfach thematisierte Weltfinanz- und -wirtschaftskrise ist jetzt mit voller Wucht eingetreten und wird sich, verstärkt durch die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie und ihrer Bekämpfung durch die Politik, noch lange hinziehen. Eine seit Jahrzehnten unter den schläfrigen Augen der sich selbst üppig versorgenden PolitikerInnen wachsende Kluft zwischen Arm und Reich schickt sich nicht nur in Deutschland an, die soziale und politische Stabilität nachhaltig zu gefährden. Wie sich das künftig auf das gesellschaftliche Miteinander auswirken wird, bleibt abzuwarten. Mit unangenehmen Überraschungen sollten wir aber rechnen.
Wer weiter blickt als seine Nasenspitze reicht, wird sich darüber im Klaren sein, daß der soziale Zusammenhalt unserer Gesellschaft dringend gesichert werden muß, wenn wir trotz wahrscheinlich noch lange anhaltender Krise soziale und politische Stabilität sowie eine wenigstens einigermaßen friedliche Zukunft erhalten wollen. Um das sicherzustellen, müßte endlich der tiefe soziale Graben in unserer Zweidrittelgesellschaft beseitigt werden. Mit einem Grundeinkommen in Gestalt einer negativen Einkommensteuer, wie es an dieser Stelle schon mehrfach vorgeschlagen wurde, wäre das optimal möglich. Es sieht allerdings nicht so aus, als ob die herrschenden Bessergestellten sich zu dieser den sozialen Frieden sichernden Schritt durchringen könnten. Nicht nur mehr soziale Gerechtigkeit brächte die Einführung eines Grundeinkommens (zum Beispiel in Gestalt einer negativen Einkommensteuer) mit sich, sondern auch mehr wirtschaftliche Stabilität in der wahrscheinlich noch lange anhaltenden „großen Weltkrise“.
Prof. Querulix beobachtet und kommentiert seit vielen Jahren das fragwürdige Treiben der Menschentiere und die erbarmungswürdige Realität, die sie unter der Gewalt ihrer „Eliten“ aus ihren großartigen Möglichkeiten machen. Seine Beobachtungen und Kommentare sind in der eBook-Reihe „Tacheles“ dokumentiert. 7 Bände sind bisher erschienen. Der jüngste trägt den Titel: „Rien ne vas plus – Wohin treibt die Menschenwelt?“ (ISBN 978-3-943788-43-3). Wie seine 6 Vorgänger ist er im eVerlag READ – Rüdenauer Edition Autor Digital erschienen und dort sowie in allen gut sortierten Buchhandlungen zum Preis von 9,95 Euro zu haben.
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