(openPR) Von der Weltfinanz- und -wirtschaftskrise, in die uns die fatale Herrschaft des großen (spekulativen) Geldes geführt hat, ist kaum noch die Rede. An Geldvermehrung und -verbilligung durch die EZB haben wir uns längst gewöhnt. Zusätzliche Schuldenberge sollen jetzt echte und vermeintliche Opfer der Coronakrise vor dem Bankrott retten. Viele echte Opfer bleiben dennoch auf der Strecke. Denn wer nicht lautstark Alarm trommelt, wer keine starke Lobby hat, der existiert für die Politiker überhaupt nicht.
Das viele neue Coronageld treibt nicht nur die Staatsschulden in schwindelerregende Höhe. Die notwendige zukünftige Tilgung der immensen neuen Staatsschulden wird in Zukunft auch wieder verstärkt als Begründung für die Verweigerung sozialer Gerechtigkeit herhalten müssen („wir haben dafür kein Geld …“). So sorgt Corona dafür, daß die diejenigen weiterhin kassieren können, die eine starke Lobby haben, während die anderen ihren Gürtel noch enger schnallen müssen.
Das viele neue Geld treibt die im Verhältnis zu den Masseneinkommen schon maßlos überzogenen Vermögenspreise weiter in die Höhe und sorgt so weiter dafür, daß die Spekulationsblasen trotz Wirtschaftsflaute, Gewinneinbrüchen auf breiter Front, kostspieliger staatlicher Unternehmensrettungen und vermutlich zahlreicher dennoch zu erwartender Bankrotte erst einmal stramm bleiben. Die realen Negativzinsen verhelfen den Banken zu Unmengen kostenlosen Geldes, mit dem sie die Börsenkurse von Anleihen und Aktien noch eine Zeitlang auf ihrem geradezu absurd überhöhten Niveau werden halten können – bis genügend Spekulanten kapieren, daß ihr Geld in einer riesigen Blase aus Illusionen steckt.
Wie es derzeit aussieht, wird uns die Coronakrise noch lange den Ausnahmezustand besorgen. Der weltumspannende Flickenteppich von Regeln und Maßnahmen zeigt aber unübersehbar, daß neben wissenschaftlichen Erkenntnissen auch wirtschaftliche Interessen und politisches Kalkül starken Einfluß auf die Entscheidungen der Politik darüber ausüben.
„Überraschende Entdeckungen“ skandalöser Zustände in einigen Betrieben der Fleischverarbeitungsindustrie verwundern allerdings. Wie diese ihre Arbeiter unterbringen und bezahlen, wissen wir doch schon lange. Bei ordnungsgemäßer Ausübung staatlicher Aufsichtspflichten hätte es die skandalösen Zustände schon lange nicht mehr geben dürfen. Wer verantwortet jetzt die jahrelange die Pflichtversäumnis? Inwieweit sind möglicherweise gut dotierte „Berater“ aus der Politik darin verstrickt?
Die Aktivitäten, die von Politikern, Bürokraten und Lobbyisten im Umgang mit der Coronakrise entfaltet werden, steigern und vertiefen die ohnehin schon aus dem Ruder gelaufenen weltweiten (finanz)wirtschaftlichen Probleme erheblich. Über die langfristigen ökonomischen und sozialen Folgen macht sich bisher aber offensichtlich kaum jemand viele Gedanken. Was wir sehen und erleben, sind Durchwurstelei, Ad hoc-“Lösungen“, mehr aus Verzweiflung geboren als rational unter gebührender Berücksichtigung der Problemursachen und an klaren Zielen orientiert erdacht.
Echte Problemlösungen des Schlamassels, in der die Weltwirtschaft schon seit der 2008er Krise und ihrer dilettantischen „Lösung“ durch Gelddrucken steckt, sind weit und breit immer noch nicht in Sicht. Politiker und Bürokraten behelfen sich überwiegend mit an Lobbyinteressen orientierten Notmaßnahmen.
Real negative Zinsen sind eine Anomalie, die zwar durch eine Notenbank herbei manipuliert werden, aber nicht ad infinitum aufrechterhalten werden kann, ohne die Realwirtschaft letztlich zu ruinieren. Genügend Zombieunternehmen gibt es schon, die praktisch kostenlos Kredite aufnehmen und mit dem Geld den eigenen Aktienkurs (und nicht selten zugleich die Prämien für die Vorstände) nach oben treiben. Ihre volkwirtschaftliche Leistung? Null.
Die sozialen Verwüstungen, die die Corona-Krise auf Basis der bestehenden, offensichtlich politisch gewollten sozialen Schieflage unserer Gesellschaft zusätzlich anrichtet, sollten die dafür Verantwortlichen endlich dazu bringen, weiter zu denken als ihre Nasenspitze reicht. Wir stecken inzwischen in einer weltweiten Alleskrise, in der sich die Menschenkultur entweder aufgeben und zu archaischen Formen des Umgangs miteinander regredieren kann, oder die sie als vielleicht letzte Chance nutzten muß, die menschlichen Gesellschaften und ihre Kooperation endlich sozial gerecht und zukunftsfest zu organisieren.
Das Corona-Virus zeigt den Menschen jetzt, wo Bartel den Most holt. Die Weltwirtschaftskrise ist voll entfaltet und wird durch die unvermeidlichen wirtschaftlichen und sozialen Folgen der Corona-Pandemie und der Maßnahmen zu ihrer Bekämpfung weiter verstärkt. Mit Geldvermehrung in geradezu gigantischem Umfang wollen EZB und FED die riesigen Vermögenspreisblasen nicht nur erhalten, sondern augenscheinlich bis zum Platzen weiter vergrößern. Ob sie sich auch schon Gedanken darüber gemacht haben, wie die zu erwartenden sozialen Trümmer weggeräumt und die Opfer versorgt werden sollen?
Glauben die Verantwortlichen, die Herrschaft des großen Geldes auf ihren selbst erzeugten Trümmern ad infinitum fortsetzen zu können? Das wäre mehr als einfältig. Die Jagd nach Geld und die Alimentation der Gier mittels Null- und Minuszinsen sowie skrupelloser Geldvermehrung durch FED und EZB haben weltweit inzwischen schon viele Unternehmen zu Finanzzombies gemacht. Banken, darunter an prominenter Stelle die Deutsche Bank, wurden zu „Derivateschleudern“, die mit gigantischen Mengen selbst konstruierter Hebelprodukte tickenden Zeitbomben gleichen. Was könnte beim finanziellen Super-GAU davon überhaupt noch gerettet werden?
Vielleicht der Reibach der Schuldigen auf Kosten der Unschuldigen.
Daß die rastlose Gelddruckerei bisher keine nennenswerte Verbraucherpreisinflation auslöst, ist ein wahrer Segen. Denn wenn es nicht gelingt, wenigstens die mit der Weltwirtschaftskrise verbundene soziale Krise in Grenzen zu halten, droht aus ihr, eine politische Krise zu werden. Die könnte die Welt in die wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse der 20er und 30er Jahre des vorigen Jahrhunderts zurückwerfen.
Die Stabilisierung der Europäischen Währungsunion wäre im Hinblick auf ein starkes geeintes Europa ein wichtiges Ziel. Aber man kann nicht zugleich solide und saloppe Haushaltspolitik machen! Das hätten eigentlich schon die Architekten des Euro wissen müssen. Aber nein, Symbolpolitik war ihnen offensichtlich wichtiger als gründlich durchdachte realistische Politik und entsprechendes Handeln. Das rächt sich jetzt und wird die Währungsunion letztlich sprengen. An dieser Stelle wurde schon vor Jahren vorgeschlagen, die Eurozone aufzuteilen, damit die Südländer ihre laxe Haushaltspolitik weiterführen können, ohne die solide Haushaltsführung der Nordländer zu gefährden und umgekehrt die Nordländer solide Haushaltspolitik machen können, ohne die Südländer am Leben auf Pump und der kontinuierlichen Abwertung ihrer Währung zwecks Erhaltung ihrer Wettbewerbsfähigkeit zu hindern. Warum wird nicht endlich vernünftig entschieden, nachdem doch längst klar ist, daß die unterschiedlichen Mentalitäten der europäischen Völker im Umgang mit Geld den Euro als Einheitswährung für alle ohne permanente Subventionierung des Südens durch den Norden unmöglich machen?
Die USA sind derzeit alles andere als ein Fels in der weltpolitischen Brandung. Donald Trump spaltet die Nation und die Corona-Weltkrise schwächt die Wirtschaftskraft des Landes inzwischen beträchtlich. Die Arbeitslosigkeit soll bereits auf rund 25 Prozent gestiegen sein. Niemand weiß allerdings Genaueres. Die weltwirtschaftlichen und weltpolitischen Folgen einer anhaltenden großen Wirtschaftskrise der USA könnten verheerend werden. Wir dürfen gespannt sein, wie die herrschende US-Geldaristokratie und das Weiße Haus das Problem lösen wollen.
Auch Europa werden die Probleme der USA belasten, nicht nur wirtschaftlich. Der Völker- und Mentalitätenflickenteppich Europa muß erst noch lernen, sich als Einheit und damit Großmacht im Weltverein zu etablieren und entsprechend zu handeln. Für Deutschland, das gegenwärtig den Vorsitz des Rates der Europäischen Union innehat, eine gute Gelegenheit, aber auch eine große Verantwortung, dazu seinen konstruktiven Beitrag zu leisten.
Spannende Frage: Wie geht es weiter? Werden die Zentralbanken den universalen Geldballon mit weiteren Billionen und Billiarden immer wertloseren Geldes aufblasen? Droht uns eher Hyperinflation oder deflationäre Implosion? Vielleicht auch beides. Das große Experiment der Zentralbanken wurde ins Blaue hinein gestartet und wird irgendwann zu Ende gehen. Nur weiß niemand, was es bis dahin mit der Menschheit macht.
In der Reihe „Tacheles“ sammelt Prof. Querulix seit vielen Jahren seine Beobachtungen und Kommentare des bunten Treibens der Menschentiere. Bisher gibt es 7 Bände eBooks. Der 7. Band der Reihe trägt den Titel „Rien ne vas plus – Wohin treibt die Menschenwelt?“ (ISBN 978-3-943788-43-3, 264 S.) und ist in allen gut sortierten Buchhandlungen zum Preis von 9,95 Euro erhältlich.
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