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„Die Situation der BetreuerInnen ist so nicht akzeptabel!“

Porträt © Volker Ullrich
Porträt © Volker Ullrich

(openPR) CSU-Abgeordneter Dr. Volker Ullrich will sich für die Vermittlung zwischen Bund und Ländern einsetzen.

Augsburg, 11. Juli 2018 – „Das Betreuungswesen ist akut gefährdet. Alte Menschen, Menschen in besonderen Lebenslagen, Behinderte und psychisch Kranke brauchen qualifizierte Betreuerinnen und Betreuer. Unser Ziel ist die Befähigung unserer Klienten zu einer selbstbestimmten Lebensführung. Wir benötigen Ihre Unterstützung, damit sich die Situation in der rechtlichen Betreuung sehr bald verbessert!“ Mit diesen Worten beschrieben Vertreter des Landesverbandes Bayern und des Arbeitskreises Betreuung Augsburg in einem Rundbrief an Politiker, Behörden und Presse die Lage im Betreuungswesen.



Der Augsburger CSU-Abgeordnete Dr. Volker Ullrich hat nun Vertreter des BdB zum persönlichen Gespräch eingeladen. Seiner Einladung folgten Brigitte May, Sprecherin der BdB-Landesgruppe Bayern, Alexander Kutscher, Sprecher des Arbeitskreises Berufsbetreuer/innen Augsburg, Marianne Berndorfer, AK Berufsbetreuer/innen Augsburg, und Frank Staeck, Vorstandsmitglied der Landesgruppe Bayern

„Die Entscheidung über eine Betreuung wird meist in einer akuten Notlage getroffen. Der Betreuer steht demnach oft unter großem Druck. Er hat eine sehr komplexe Problemlage und zahlreiche bürokratische und persönliche Einzelaufgaben zu bearbeiten“, so fasste Marianne Berndorfer vom AK Berufsbetreuer/innen Augsburg die Situation in der Betreuungsarbeit zusammen. Diese Belastungen gelte es abzufangen, sowohl durch eine faire Vergütung als auch durch die Aufstockung der Zeitkontingente, die Betreuern für jeden Klienten zur Verfügung stehen.

Alexander Kutscher wies im Gespräch besonders auf die Problematik der Überalterung der Berufsinhaber hin: „Der Bedarf an geeigneten Berufsbetreuern ist in den letzten Jahren weiterhin steigend, während der Anteil der ehrenamtlichen Betreuer stetig abnimmt.“ Neue qualifizierte Interessenten könnten für die Tätigkeit als Berufsbetreuer jedoch nur schwer gewonnen werden, denn bei der aktuellen Vergütungslage sei der Beruf einfach nicht attraktiv. Daher komme auch aus verwandten Berufsfeldern wie der Sozialarbeit, in denen es durchaus qualifizierte Kräfte gäbe, kein Nachwuchs.

Ein Sozialarbeiter verdient durchschnittlich mehr als ein Berufsbetreuer. Die Personalkosten der bayerischen Betreuungsvereine in Bayern sind im Zeitraum von 2005 bis 2017 um 20 Prozent gestiegen. Laut der BMJV-Studie zu Qualität und Vergütung sind die Gehälter von Sozialpädagogen im Bundesgebiet im Zeitraum 2005 bis 2016 um 29,2 Prozent gestiegen. Ab 2018 einigten sich die Tarifparteien auf eine weitere, deutliche Erhöhung der Löhne im öffentlichen Dienst.

Kutscher betonte: „Ein Wechsel in die Betreuung lohnt sich finanziell im Moment einfach nicht. Dazu kommen die hohen Anforderungen an Berufsbetreuer, verbunden mit der gegebenen Haftungsproblematik, die den Beruf für Neueinsteiger derzeit noch unattraktiver machten.“


Die geringe Vergütung wirke sich nicht nur im Bereich Nachwuchs aus: „Ausgehend von diesen niedrigen durchschnittlichen Nettoeinkommen ist auf lange Sicht auch die Altersvorsoge für Betreuerinnen und Betreuer mangelhaft“, so Frank Staeck von der BdB-Landesgruppe Bayern. „Es ist erschütternd, wenn man sieht, dass Kollegen nach Renteneintritt noch als Aushilfen in Betreuerbüros arbeiten müssen.“ Seit 2005 hat es im Betreuungswesen keine Anpassungen der Vergütung gegeben.

„Die Situation der Betreuer ist so nicht akzeptabel“, stimmte Bundestagsabgeordneter Dr. Volker Ullrich zu. Die momentane Lage sei vor allem auf Unstimmigkeiten zwischen Bund und Ländern zurückzuführen. „Die Länder müssen in Aktion treten. Ich werde mich im Rechtsausschuss des Bundestags für die Belange der Betreuer einsetzen und auf die Landespolitik zugehen“, so Ullrich. Seitens des Bundes sei man bereits in der letzten Legislaturperiode im Sinne der Berufsbetreuer tätig gewesen, doch die Länder hätten sich verweigert.

Zum Hintergrund: Ein Gesetzesentwurf des Bundes, der eine Vergütungserhöhung für Berufsbetreuer um 15 Prozent enthielt, war im vergangenen Jahr von den Ländern abgelehnt worden. Das Gesetz sah eine Finanzierung der Vergütungserhöhung aus den jeweiligen Landeshaushalten vor.

Mehr Informationen: www.baustelle-betreuung.de
Twitter: @BdB-Deutschland

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