(openPR) Leider ist es nur den allerwenigsten Menschen gegeben, in Zusammenhängen und Wechselbeziehungen zu denken. Diejenigen, die unmittelbare Vorteile aus einem Mißstand beziehen, der Millionen ihrer Artgenossen belastet, genießen ohne Skrupel ihre Vergünstigungen weiter. Weiter denken und die Folgen – auch für sich selbst – zu bedenken, ist offensichtlich nur wenigen gegeben. Scheinheiligkeit ist Trumpf. Der Lobbyismus ist seit langem konstituierender Teil des Politgeschäftes. Wer zahlt, schafft an, sagt der Volksmund. Menschen sind genetisch eben räuberische Rudeltiere, wobei die meisten nur die Mittel zu den Zwecken der Alphatiere sind.
Die große Geldvermehrung durch die Notenbanken und die Möglichkeit, sich zu realen Minuszinsen zu verschulden, hat zu gigantischen Spekulationsblasen geführt und allzu vielen Menschen vorgegaukelt, man könne bequem auf Pump leben. Schön wär’s ja. Aber tatsächlich sind viele Banken immer noch marode, viele Investitionen „rentieren“ sich nur, solange die Zinsen nahe der Nulllinie liegen, und zahlreiche Schuldner bleiben nur so lange zahlungsfähig. Das spottbillige Geld hat den Menschen die Sinne vernebelt. Sobald die Zinsen steigen – in vielen Staaten, unter anderem auch in den USA, ist das bereits der Fall, gibt es ein böses Erwachen. Vor langer Zeit wurde an dieser Stelle schon darauf aufmerksam gemacht, daß ein geordneter Rückweg zu „normalen“ Zinsen praktisch ausgeschlossen ist. Wahrscheinlich ist deshalb der Crash – mit oder ohne nachfolgende Hyperinflation – je nach Politik der EZB. Bis dahin sind außer den Geldsparern und denen, deren Altersversorgung sich dank Null- und Negativzins in Luft auflöst, alle mit der gegenwärtigen Flaute vor dem großen Sturm zufrieden, vor allem Politiker, Schuldenkönige und Spekulanten.
Aber die autonome Beendigung der Niedrigzins- und Schuldenorgie hat bereits begonnen. Die Anpassung an höhere Zinsen wird tiefe Spuren in der Realwirtschaft hinterlassen. Bleibt zu hoffen, daß die Politiker nicht allzu viele Fehler machen, wenn sie erleben, daß es nichts mehr zu „retten“ gibt – außer vielleicht die eigene Haut.
Eines der jüngsten Beispiele dafür, daß man Schulden nicht nur nicht mit neuen Schulden, sondern auch nicht mit Steuergeschenken für die Reichen bekämpfen kann, erfahren jetzt die Amerikaner. Nachdem ihr Präsident, Donald Trump, sich und andere Milliardäre und Multimilliardäre mit einer kräftigen Steuersenkung beschenkt hat, kann man vor allem Mitnahmeeffekte erkennen. Deshalb soll wohl jetzt ein Handelskrieg die von politischen Versagern seit Jahrzehnten selbst verschuldeten Probleme der USA lösen. Den Anfang hat Trump jetzt mit der Erhebung von Zöllen auf Stahl- und Aluminiumblechen aus der EU gemacht.
Damit schneiden sich die USA allerdings tief ins eigene Fleisch. Das könnte Trump wissen, wenn er sich von Fachleuten beraten ließe, bevor er drauflos verordnet. Die Handelsdefizite der Vergangenheit zeigen klar die mangelhafte weltweite Konkurrenzfähigkeit der US-Wirtschaft. Die gilt es zu verbessern, anstatt erfolgreiche Wettbewerber auf unsinnigste Weise zu drangsalieren, ohne letztlich der eigenen Wirtschaft einen Vorteil sichern zu können. Von den erfolgreichen Deutschen Unternehmen in den USA, die unter anderem das Land mit – in den USA produzierten – deutschen Autos „überschwemmen“, die den amerikanische weit überlegen sind, könnte Trump einiges lernen. Die europäischen Politiker sollten den Amerikanern endlich klare und deutliche Antworten geben. Denn die USA werden sich mit einem Handelskrieg selbst am meisten schaden.
Die schnell steigenden Zinsen sind für die USA eine Katastrophe. Sie sind allerdings unvermeidlich, wenn der Dollar nicht „abschmieren“ soll. Wir sehen gegenwärtig in den USA Marktkräfte gegen die künstlich gedrückten Zinsen erstarken. Die Gefahr, daß diese Entwicklung aus dem Ruder läuft ist immens.
Der Dollar hat seine Glanzzeit hinter sich. Er wird seit jahrzehnten von der US-Politik heruntergewirtschaftet. Sein „Wert“ besteht im Wesentlichen nur noch darin, daß ihn viele Staaten der Welt aus jahrzehntelanger Gewohnheit als Reservewährung halten und als Handelswährung nutzen. Inzwischen bekommt der Dollar aber mehr und mehr Konkurrenz durch den Euro und – vor allem – den chinesischen Renminbi. Diese Konkurrenz wird immer stärker und kann auch durch einen Handelskrieg nicht beseitigt werden. Im Gegenteil. Die USA sind ebenso hoffnungslos überschuldet wie Italien. In einem Handelskrieg würde ihre schon jetzt nur eingeschränkt wettbewerbsfähige Wirtschaft noch weiter geschwächt. Den Kurs des Dollars würde das weiter drücken und die Notenbanken, die ihn als Reservewährung halten, werden hohe Verluste erleiden – wenn sie ihre Dollars nicht verkauften. Was die Chinesen mit ihren vielen Dollars angesichts der absehbaren Probleme machen werden, bleibt abzuwarten.
Selbst mit einer vernünftigen Handelspolitik, die das US-Handelsdefizit durchaus verringern könnte, würden die USA aber nicht genesen. Jahrzehntelanges Treibenlassen, dem Niedergang der Realwirtschaft zuzusehen und dem Wuchern der Finanzindustrie keinen Einhalt zu gebieten, nichts gegen die zunehmende soziale Schieflage zu unternehmen, sich auf den Noch-Status des Dollars als Welthandels- und Reservewährung zu verlassen – alles das kann Trump nicht mit markigen Worten ungeschehen machen. Ihm bleibt nichts anderes übrig, als Voraussetzungen für eine bessere Wettbewerbsfähigkeit der US-Industrie zu schaffen. Handelskriege werden ihm dabei aber nicht helfen, sondern den Niedergang der USA als Wirtschaftsmacht und den Fall des US-Dollars nur beschleunigen. Für die wirtschaftliche Genesung der USA werden Unternehmer gebraucht. Nur sie können Trump helfen, die USA zu re-industrialisieren.
Die geradezu selbstmörderische Überschuldung der USA (des Staates und der Bürger), ihre zu geringe Wirtschaftskraft und ein absehbarer Verlust des Dollarprivilegs sind Daten, an denen nicht zu rütteln ist. Deshalb sollte die Erneuerung des Landes unter Berücksichtigung dieser Fakten angegangen werden. Einvernehmlich gute Handelsbeziehungen zu anderen Ländern sind dazu ebenso wichtig wie der Abbau der staatlichen und privaten Schuldenberge. In Letzterem liegt allerdings ein großes Risiko. Denn an eine ordentliche Tilgung ist mangels Zahlungsfähigkeit der Schuldner nicht zu denken. Vielmehr ist zu befürchten, daß die Schuldenblase – nicht nur in den USA – einfach platzt. Jens Weidmann hat wohl deshalb schon angemahnt, daß für die mit einem Zinsanstieg verbundenen Zinsänderungsrisiken Rückstellungen gebildet werden müßten. Die EZB sollte sich vorbereiten, damit Europa nicht in einen von den USA ausgehenden finanziellen Abwärtsstrudel hineingesogen wird.
Ein anderer Fall ist Italien, das Heimatland von EZB-Präsident Draghi. Italien ist pleite und wird auch nicht mehr ohne eine Währungsreform auf die Beine kommen. Deutschland wird die Schulden nicht freiwillig übernehmen, da könnte nur die zu erwartende Weltfinanz- und -wirtschaftskrise „nachhelfen“. Wie konnten die Gründer der Europäischen Währungsunion nur glauben, daß Völker mit so unterschiedlichen Mentalitäten wie die in Nord- und Südeuropa eine gemeinsame Währung unterhalten können? Wie konnten sie nur annehmen, daß Menschen, für die Inflation in Jahrzehnten zur Gewohnheit geworden war, die eiserne Disziplin aufbringen würden, eine wertstabile Gemeinschaftswährung am Leben zu erhalten?
Jetzt ist guter Rat unbezahlbar. Voraussichtlich wird der Euro in der gegenwärtigen Verfassung nicht bestehen können. Aber erst die bevorstehende Weltfinanz- und -wirtschaftskrise wird EZB und Politiker zwingen, entweder den Euro wieder auf einen soliden Kurs zu bringen oder den „Verein“ aufzulösen. So wie es aussieht wird Deutschland – werden vor allem die deutschen Unter- und Mittelschichten – für den größten Teil der dabei entstehenden Kosten aufkommen müssen. Das wird die soziale Schieflage unserer Gesellschaft weiter steigern. Welche politischen Folgen das haben wird, bleibt abzuwarten. Die Politiker und die, deren Interessen sie hauptsächlich vertreten, sollten vorsichtshalber einmal in die Geschichtsbücher schauen. Da kann man aus gruseligen Geschichten viel lernen.
Prof. Querulix beobachtet und kommentiert seit vielen Jahren und mit wachsender Sorge um Frieden und Freiheit das fragwürdige Treiben der Menschentiere. Seine Beobachtungen dokumentiert und kommentiert er in der eBook-Reihe „Tacheles“, in der bisher 7 Bände erschienen sind. Der jüngste trägt den Titel: „Rien ne vas plus – Wohin treibt die Menschenwelt?“ (ISBN 978-3-943788-43-3). Wie seine 6 Vorgänger ist er im eVerlag READ – Rüdenauer Edition Autor Digital (www.read.ruedenauer.de) erschienen und dort sowie in allen gut sortierten Buchhandlungen zum Preis von 9,95 Euro zu haben.
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