Litigation-PR ist eine starke Waffe im Kampf um Reputation und öffentliche Meinung. Diese Form der Öffentlichkeitsarbeit setzt auf strategische Kommunikation, um den Schaden, der durch Rechtsstreitigkeiten entstehen kann, abzufedern oder sogar in einen Vorteil zu verwandeln. Ziel von gezielten PR-Maßnahmen ist es, das Vertrauen der Öffentlichkeit zu bewahren und das eigene Image zu schützen. In einer Zeit, in der Ruf und Ansehen entscheidend für den Erfolg von Unternehmen und Personen des öffentlichen Lebens sind, ist eine professionell Litigation-PR-Strategie unverzichtbar.
Was genau ist Litigation-PR?

In der Hauptsache geht es darum, das Vertrauen der Öffentlichkeit in das Unternehmen zu bewahren, das Image und die Reputation zu schützen und Schäden durch negative Berichterstattung zu minimieren.
Es kann sogar geschehen, dass Litigation PR beiträgt, den Ausgang eines Rechtsstreits zu beeinflussen, indem die öffentliche Meinung gelenkt (manipuliert) und dadurch Druck auf die Gegenseite ausgeübt wird.
Im Grunde genommen ist Litigation-PR ein Instrument der medialen Wirklichkeitskonstruktion. Für den Einsatz ist ein Verständnis für rechtliche Zusammenhänge, Funktionsweisen und Interaktionsmuster der beteiligten Parteien die Basis.
Funktionen und Ziele der Litigation-PR
Die Litigation PR verfolgt hauptsächlich zwei Ziele:
1. Beeinflussung der juristischen Entwicklung im Sinne des Mandanten:
- Gezielte PR-Maßnahmen während eines Rechtsstreits in Bezug auf die öffentliche Meinung, das Bewirken einer positiven Sichtweise und das Abmildern negativer Berichterstattung.
- Die Litigation-PR kann Maßnahmen setzen, die Gerichtsverfahren in eine für den Mandanten günstige Richtung lenken, z. B., dass eine außergerichtliche Einigung erreicht wird, um das Verfahren unter - im übertragenen Sinne - Ausschluss der Öffentlichkeit abzuwickeln.
- Unterstützung der Rechtsabteilung durch Sammlung von Informationen über den Gegner oder aber auch um Beweismaterial zu beschaffen.
2. Mandanten vor Schaden bewahren (Image, finanzielle Verluste):
- Schutz des Images durch Vermeidung negativer Berichterstattung (vgl. Imageschaden).
- Vermeidung von Vertrauensverlust bei Share- und Stakeholdern.
- Negative Auswirkungen des Rechtsstreits vermindern, Reputationsverluste minimieren (vgl. Reputationsmanagement).
Einsatzbereiche
Litigation-PR kommt oft in folgenden Bereichen zum Einsatz:
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Produkthaftung: Wenn ein Unternehmen von einem Kunden wegen eines fehlerhaften Produkts verklagt wird, kann Litigation-PR eingesetzt werden, um die Öffentlichkeit über die Details des Falls zu informieren und das Image des Unternehmens zu verteidigen.
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Kartellrecht: Bei Verstößen gegen das Kartellrecht kann eine Litigation-PR-Strategie dabei helfen, die Position des Unternehmens in der Öffentlichkeit zu verteidigen und das Vertrauen der Kunden und Aktionäre zu wahren.
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Insolvenzrecht: Wenn ein Unternehmen in Schwierigkeiten gerät und sich einer Insolvenz gegenübersieht, kann Litigation-PR eingesetzt werden, um die Öffentlichkeit über die Gründe für die Insolvenz zu informieren und die Reputation des Unternehmens zu schützen.
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Arbeitsrecht: Wenn ein Arbeitnehmer wegen Diskriminierung, Mobbing oder anderen rechtlichen Fragen gegen seinen Arbeitgeber klagt, kann Litigation-PR eingesetzt werden, um die Position des Arbeitgebers zu verteidigen und die Öffentlichkeit über die Fakten des Falls zu informieren.
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Strafrecht: Wenn eine Person – in der Regel eine Person des öffentlichen Lebens – wegen einer Straftat angeklagt wird (und dies öffentlich wird), kann Litigation-PR eingesetzt werden, um die Öffentlichkeit über die Fakten und Hintergründe aus Sicht des Angeklagten zu informieren und ihm dabei helfen sein Gesicht zu wahren.
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Zivilrecht: Wenn zwei Parteien – die für die Öffentlichkeit von Interesse sind – in einem Rechtsstreit um Geld, Eigentum oder andere zivile Angelegenheiten sind, kann Litigation-PR eingesetzt werden, um die Position einer Partei zu verteidigen und das Verfahren in der Öffentlichkeit zu präsentieren.
Maßnahmen
Maßnahmen im Kontext mit Litigation-PR können zum Beispiel sein:
- Pressemitteilungen veröffentlichen
- schriftliche und mündliche Stellungnahmen und Erklärungen
- Gegendarstellungen
- Pressekonferenzen
- Interviews mit Schlüsselpersonen des Unternehmens
- Hintergrundgespräche
- Social-Media-Posts
- Erstellung von Faktenblättern und Infografiken
- Krisen-Webseite
- Investorenbriefings
- Kundgebungen und Protestaktionen
- Spendeaktionen
- Kundenveranstaltungen
- Medientrainings
- gezielte Medienkontakte
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Ursprung der Litigation-PR
Grundsätzlich gibt es keine einheitliche Definition der Litigation-PR. Zugrunde liegt der lateinische Ausdruck „Litigator“, der für Prozessführer steht. Der Begriff wurde im Laufe der Zeit in die englische Sprache übernommen. Im amerikanischen Sprachraum ist damit allgemein ein Gerichtsverfahren gemeint. Im Zusammenhang mit PR ist es der Einsatz von speziellen Techniken, um die Öffentlichkeit mit Fakten über den Fall zu versorgen und vor allem die Argumente aus dem Unternehmen der Organisation zu kommunizieren.
Bereits in den 1970er-Jahren begannen sich US-Unternehmen (Organisationen) verstärkt mit der öffentlichen Meinungsbildung in Gerichtsverfahren zu beschäftigen. Dies war auch die Zeit spektakulärer Gerichtsprozesse, die ein breites öffentliches Interesse auf sich zogen und die Wahrnehmung der betroffenen Unternehmen und Organisationen in der Öffentlichkeit beeinflussten. In Folge konzentrierten sich die PR-Bereiche auf die Schadensminimierung in Bezug auf die öffentliche Meinung während eines Rechtsstreits. Die Litigation-PR war geboren und nahm rasch an Fahrt auf.
In Amerika gilt Berater John Scanlon als „Vater“ der Litigation-PR. Der Ruf begründet sich hauptsächlich auf sein Mandat bei CBS News beim von Westmoreland angestrengten Schadenersatzverfahren. Das vermutlich erste Handbuch zu Litigation-PR wurde 2003 von PR-Berater James F. Hagerty auf den Markt gebracht.

- Zum einen haben sich die Medienlandschaft und die öffentliche Meinungsbildung im digitalen Zeitalter stark verändert.
- Zum anderen gibt es immer mehr Rechtsstreitigkeiten, die nicht nur die betroffenen Unternehmen, sondern auch die Gesellschaft als Ganzes betreffen.
In diesen Kontexten hat sich die Litigation-PR zu einer wichtigen Disziplin entwickelt, um die öffentliche Wahrnehmung in Gerichtsverfahren zu steuern und das Image des Auftraggebers zu schützen.
Heute wird die Litigation-PR nicht nur in den USA, sondern auch in anderen Ländern wie Deutschland, Großbritannien und Kanada verwendet. Die eingesetzten Strategien und Maßnahmen können sich je nach kulturellem und rechtlichem Background allerdings unterscheiden.
Ein wesentlicher Unterschied ist in den Rechtssystemen begründet: Während im amerikanischen Raum nach dem Jury-System (Geschworenengerichte) Recht gesprochen wird, ist das vor allem in Deutschland nicht der Fall. Das ist damit auch ein Grund für die eher negative öffentliche / politische Grundhaltung, die Litigation-PR mit „Manipulation des Rechtssystems“ gleichsetzt und deshalb für zumindest verzichtbar erachtet. Dennoch ist der „Siegeszug“ nicht aufzuhalten und spätesten seit den 2000er-Jahren ist sie als eigene PR-Disziplin fest verankert.
Beispiele
Beispiele von PR-Maßnahmen in Fällen von Litigation-PR aus der näheren Vergangenheit:
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Rechtsfall |
PR-Maßnahmen |
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Sammelklage gegen ein Pharmaunternehmen |
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Energieunternehmen wegen Umweltverschmutzung verklagt |
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Vorwurf der Diskriminierung |
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7 Tipps, die Sie bei Ihrer Rechtskommunikation beachten sollten
- Juristische Genauigkeit: Informationen und Aussagen sollten genau und präzise sein, um Falschinformationen oder negative Auslegungen zu vermeiden.
- Konsistenz: Vermeiden Sie Verwirrung und Widersprüche. Alle Statements aus dem Unternehmen müssen aufeinander abgestimmt sein und dessen klare Position widerspiegeln.
- Transparenz: Fakten klar darlegen, offen kommunizieren. Alles, was den Anstrich von Verheimlichung oder auch Manipulation hat, wird schnell von einer meist missgünstigen Öffentlichkeit abgestraft und die Reputation ist nachhaltig geschädigt.
- Zielgruppenorientierung: Kenntnis der Informationsbedürfnisse und eine darauf abgestimmte Kommunikationsstrategie.
- Strategie für die Krisenkommunikation entwickeln, um schnell und effektiv auf unvorhergesehene Ereignisse reagieren zu können.
- Ethische Standards definieren und einhalten: Keine unzulässigen Taktiken oder Methoden in der Rechtskommunikation verwenden z.B. dem Gegner „mit gleicher Waffe begegnen“, um ihn in der Öffentlichkeit zu disqualifizieren.
- Enge Zusammenarbeit mit Anwälten, um sicherzustellen, dass ihre Rechtskommunikation mit den rechtlichen Anforderungen und Strategien übereinstimmt.
Fazit
In der Praxis stellt die öffentliche Stimmungsbeeinflussung, vor und während Gerichtsverfahren lediglich eine Facette von Litigation PR dar. Bei genauerem Hinsehen wird klar, dass bei vielen Rechtsstreitigkeiten und Verfahren taktische Strategien still und heimlich, unbemerkt von der breiten Öffentlichkeit ablaufen.
Anders gesagt: Litigation PR kann oft als subtil wirkendes Instrument eingesetzt werden, um gezielt Informationen an die Medien und die Öffentlichkeit zu kommunizieren oder bestimmte Aspekte zu betonen. Allerdings kann Litigation-PR auch dazu dienen, den Informationsfluss zu Medien und Öffentlichkeit vollständig zu unterbinden, zum Beispiel durch Abmahnungen und Unterlassungserklärungen.
Es ist davon auszugehen, dass in Zukunft die Bedeutung der Litigation-PR auch in Deutschland weiter zunehmen wird. Das liegt u.a. daran, dass die öffentliche Aufmerksamkeit für Gerichtsverfahren durch die fortschreitende Digitalisierung und die damit einhergehende Verbreitung von Nachrichten und Informationen noch weiter steigen wird.
Um in diesem Umfeld erfolgreich zu agieren, werden immer mehr Unternehmen auf spezialisierte Litigation-PR-Agenturen zurückgreifen. Diese werden sich weiter professionalisieren und ihr Angebot an die Bedürfnisse ihrer Kunden anpassen. Auch die Anzahl der auf Litigation-PR spezialisierten Anwälte wird voraussichtlich weiter steigen.
Die Herausforderung für die Litigation-PR wird darin bestehen, auch in Zukunft eine angemessene Balance zwischen dem Schutz der Interessen ihrer Kunden und der Wahrung der öffentlichen Interessen zu finden. Nur so kann die Litigation-PR langfristig erfolgreich sein und dazu beitragen, dass Gerichtsverfahren nicht nur vor Gericht, sondern auch in der öffentlichen Meinung gewonnen werden können.
Weiterführende Literatur:
- Albies Stefan. u.a., Litigation PR (Lexis Nexis, 2021);
- James F. Haggerty, In the court of public opinion: winning your case with public relations (Hoboken, N.J: J. Wiley, 2003);
- Simon Heinrich, Litigation-PR in Deutschland, 2014; Stephan Holzinger und Uwe Wolff, Im Namen der Öffentlichkeit: Litigation-PR als strategisches Instrument bei juristischen Auseinandersetzungen, 1. Aufl., 1. Nachdr (Wiesbaden: Gabler [u.a.], 2009);
- Anwaltsblatt: Litigation-PR: eine Handreichung (16. Mai 2024)