Haben Sie schon erlebt, dass Sie verbal angegriffen werden? Und genau in diesem Fall hatten Sie ein „Brett vor dem Kopf“? Die passende Antwort auf diese Entgleisung fällt Ihnen nicht ein. Ein paar Momente später ist der Augenblick vorbei. Nun ist es leider schon zu spät und Sie wünschen sich wieder einmal, dass Sie endlich schlagfertiger werden. Mit Beispielen und Übungen finden Sie praktikable Werkzeuge, die Sie Ihrem Ziel näherbringen.
Wann ist Schlagfertigkeit gefragt
Es ist typischerweise eine Situation, die Sie ganz unvorbereitet trifft, etwas womit Sie nicht gerechnet haben. Das kann im Kollegenkreis passieren, im Restaurant, beim Sport und wo auch immer: Sie bekommen einen Schlag (im bildlichen Sinne), der Sie „fertig“ macht.
Meist ist es ein verbaler Ausdruck, der Sie um Worte ringen lässt, es kann aber genauso gut ein nonverbales Signal auf der körperlichen Ebene sein. Sie fühlen sich zumindest unbehaglich und denken, dass ein wenig mehr Schlagfertigkeit gut wäre.
Schlagfertigkeit lebt vom Überraschungsmoment
So wie Sie von einer Äußerung überrascht und überrumpelt werden, so wirkt Schlagfertigkeit nur, wenn die „Retourkutsche“ prompt und treffend erfolgt. Selbst eine Verzögerung von mehr als 30 Sekunden, kann Ihrer Entgegnung die Schärfe nehmen. Doch auch hierzu gibt es Ausnahmen. Sie können eine Situation ins Positive drehen, auch wenn Ihnen gar nichts einfällt. Gehört nur ein wenig Überwindung dazu.
Verzichten Sie jetzt auf eine verbale Entgegnung. Stattdessen wenden Sie sich dem Sprecher zu und blicken ihm in die Augen, halten Sie ihn mit Ihren Blicken fest. Einfach stehen bleiben, keine Miene verziehen, keine Bewegung. Das müssen Sie jetzt durchhalten, solange bis von der „Gegenseite“ eine Reaktion erfolgt.

Damit ist das Eis gebrochen, Sie spüren es mehr, als Sie es hören. Ein Raunen geht durch die Belegschaft und während Sie zu Ihrem Arbeitsplatz gehen, sagt vielleicht der eine oder andere Kollege: „Gut gemacht, Meier. Der soll wissen, dass er sich nicht alles erlauben kann“. Dabei haben Sie kein einziges Wort gesagt und waren dennoch „schlagfertig“. So können Sie auch zum Hero werden.
Es ist der Moment der Überraschung, der die Kunst der Schlagfertigkeit auszeichnet. Wenn Ihre Reaktion oder Antwort vorhersehbar ist, dann fehlt ihr der Moment der Verblüffung. Und wie im obigen Beispiel, muss die Reaktion nicht immer verbal sein.
Weshalb ist Schlagfertigkeit wichtig, wozu ist sie gut?
In erster Linie ist sie eine Reaktion auf einen Angriff. Auch wenn unter dem Mantel des Humors versteckt: jemand beleidigt Sie, schädigt Ihre Souveränität, möchte Ihr Selbstbewusstsein untergraben. Wenn Sie sich nicht angemessen dagegen wehren, leidet Ihre Reputation darunter.
Mit gezielter Schlagfertigkeit zeigen Sie, dass Sie „über den Dingen“ stehen, es geht um Ihre Selbstachtung, um Respekt, den man Ihnen nicht entgegenbringt.
Was ist Schlagfertigkeit nicht?
Auf keinen Fall ein Werkzeug, um Konflikte zu schlichten (obwohl es in der Diskussion nicht schaden kann, wenn man in verbalen Auseinandersetzungen eloquent reagiert). Schlagfertigkeit kommt immer mit einem Quäntchen an Bosheit einher, mit einer kleinen Verletzung, darum wird man sie bei bestehenden Konflikten eher sparsam einsetzen. Da wiederum sind die mediativen Fähigkeiten mehr gefragt.
4 Empfehlungen, wie Sie Schlagfertigkeit richtig einsetzen
Klar, gibt es Fallstricke und Fußangeln, über die man stolpern und fallen kann. Schlagfertigkeit trägt immer ein gewisses Risiko in sich. Es liegt in der Situation, ob Sie schlagfertig reagieren oder einen Schritt auf die Seite machen und ausweichen, dem Drang zu reagieren, einfach widerstehen. Auch wenn es schwerfällt.
Lassen Sie die Situation nicht eskalieren
Schlagfertigkeit hat eben nicht nur ihr Gutes, sie teilen damit einen „Schlag“ aus. Leicht kann man dabei über das Ziel hinausschießen, Ihr Gegenüber kränken. Es kommt wie es kommen muss: ein Wort gibt das andere, schon ist der schönste Streit entstanden. Das kann nicht in Ihrem Sinne sein.
Wie können Sie solche Situationen vermeiden:
- Achten Sie genau auf die Reaktion Ihres Gegenübers.
- Falls Sie merken, dass Sie zu weit gegangen sind, legen Sie noch eine versöhnliche Bemerkung nach.
- Es kann auch eine Entschuldigung angebracht sein: „Entschuldige, ich bin zu weit gegangen, das war nicht meine Absicht!“ Verbunden mit einer Handreichung, kann das den Konflikt entschärfen.
Vermeiden Sie einförmige, eingelernte Antworten
Wenn Sie bei jeder sich bietenden Gelegenheit, immer dieselben Antworten parat haben, Ihr Repertoire an möglichen Entgegnungen zu klein ist, dann rechnen Sie damit, dass man sich über Sie lustig macht. Ihre Reaktion wird vorhersehbar und verliert damit den Überraschungs-Effekt. Mit „Standardsprüchen“ geht der Schuss nach hinten los. Bleiben Sie in Ihren Antworten möglichst variabel.
In der Kürze liegt die Würze, Schlagfertigkeit ist keine Märchenstunde
Wenn Sie einen Sprachforscher fragen, wird der Ihnen bestätigen: Sätze, die mehr als 13 Wörter umfassen, sind nur mehr schwer zu verstehen. Darum KISS: Keep it small and simple. Bleiben Sie einfach, und bedenken Sie das Sprichwort: „Auf einen groben Klotz, gehört ein grober Keil“. Spitzfindigkeiten, geistreiche Zitate, ironische Antworten, bringen oft wenig Erfolg. Schlagfertig = Schlag und fertig.
Wahrscheinlich wird Ihre Antwort eine Gegenreaktion auslösen. Lassen Sie nicht zu, dass Sie nach Ihrer Antwort „zugemüllt“ werden, das Leben, die Arbeit geht weiter. Bremsen Sie und zeigen Sie Souveränität: „So, nachdem wir alle herzlich gelacht haben, widmen wir uns dem Tagesgeschäft. Wie ist der Status beim Projekt 27, Herr Müller?“
Damit ist die Luft draußen, die Spannung flacht ab, alles geht wieder seinen geordneten Weg. Sie haben Souveränität bewiesen.
Eine Prise Humor ist wie das Salz in der Suppe
Doch zu viel Salz macht die Suppe ungenießbar. So ist es auch mit Humor in der Schlagfertigkeit. Es ist ein ganz schmaler Grad zwischen „gerade noch lustig“ und „Beleidigung“. Von Ringelnatz stammt das Zitat: „Humor ist der Knopf, der verhindert, dass uns der Kragen platzt“. Wenn der Knopf allerdings zu festschnürt, dann nimmt er uns die Luft.
Grundsätzlich gilt als Merksatz; wenn Sie von jemanden beleidigt werden, dann ist eine humorige Antwort die falsche Strategie. In dem Fall müssen Sie die Beleidigung mit aller Konsequenz zurückweisen, damit Sie nicht das Gesicht verlieren.
Wie kann man Schlagfertigkeit erlernen und trainieren?
Wie jede Fähigkeit oder Kompetenz, die man erwerben will, kann man auch Schlagfertigkeit trainieren. Zuerst sollten Sie für sich klar machen, welche der folgenden Beschreibungen auf Sie zutrifft:
- Sie haben das Talent und spüren, dass Sie mit Training viel erreichen können: dann erweitern Sie Ihre sprachliche Ausdrucksfähigkeit und erlernen und trainieren unterschiedliche Techniken. Für Sie ist „learning by doing“ wahrscheinlich der richtige Weg, das Lernen aus der Situation heraus.
- Oder Ihre Talente sind anders gelagert, Sie sind mehr der Denker, mehr introvertiert: sie können für sich einen strukturierten Tages- oder Wochenplan aufsetzen, alle möglichen Wortgebilde auswendig lernen. Doch die wichtigste Kompetenz, den sekundenschnellen Abruf und punktgenaue Antwort müssen Sie sich wahrscheinlich ganz hart erarbeiten. Bis dahin ist es besser, Sie lernen mit solchen Situationen umzugehen, oder gehen ihnen aus dem Weg.
Techniken, die Ihnen zu mehr Schlagfertigkeit verhelfen
Es ist schier unmöglich, alle Techniken aufzulisten, doch soll diese Auswahl Ihnen das Gefühl geben, wie man verschiedene Schlagfertigkeits-Techniken einsetzt. Vielleicht können Sie dann bald selbst welche für Ihren Gebrauch entwickeln.
Absurdistan lässt grüßen
Diese Technik beruht darauf, dass Sie komplett unerwartet reagieren. Das lässt sich an einem Beispiel besser darstellen:
- Stellen Sie sich Kollegen Karl und Kollegin Marie beim gemeinsamen Mittagstisch in der Betriebskantine vor. Karl, ein gut gebackenes Schnitzel auf dem Teller, Marie, einen Salat und ein Stück Brot.
- Kollege Karl (mit einem naserümpfenden Blick auf den Teller von Kollegin Marie): „Also mir könnte dieser vegetarische Schwachsinn gestohlen bleiben, die sind doch alle ein wenig gaga in der Birne …“.
- Kollegin Marie, blickt Karl offen an: „Karl, ein chinesisches Sprichwort sagt: Mit einer Hand kann man nicht klatschen“.
- Kollege Karl: „Was? Was hat das jetzt damit zu tun?“
- Kollegin Marie: „Nichts, aber es gefällt mir“.
Was glauben Sie, wie ging das Essen weiter? Das überlassen wir mal Ihrer Fantasie, aber mit Sicherheit war Karl überrascht und vielleicht haben Sie gemeinsam über ihre verschiedenen Ansichten gelacht. Wer weiß.
Am besten reagieren Sie absurd, indem Sie völlig unpassende Sprichwörter verwenden, die mit der Situation gar nichts zu tun haben. Sie können auch eigene erfinden, oder Bauernregeln heranziehen: „Kräht am Morgen der Hahn am Mist, ändert sich das Wetter oder es bleibt, wie es ist.“
Recht geben und als Sieger hervorgehen
Eine Technik, die sich ein wenig an die absurde Herangehensweise anlehnt, kann man anwenden, indem man den Angriff unterläuft:
- „Karl, dein Rasierwasser ist aber schon sehr aufdringlich!“
- „Du hast recht. Im Amazonasgebiet werden damit Piranhas vergiftet“.
- „Sagen Sie mal, haben Sie Ihr Abitur in der Baumschule gemacht?“
- „Ja, allerdings nur bis zur mittleren Reife, dann wurde ich verpflanzt“.
- „Ihnen hat es wohl ins Gehirn geregnet!“
- „Jetzt, wo Sie es sagen. Mein Schirm hängt noch in der Straßenbahn“.
- „Die farbliche Zusammenstellung Ihrer Kleidung ist heute aber besonders abschreckend!“
- „Sie sagen es. Aber in der Altkleidersammelstelle ist die Auswahl am Montag immer sehr gering“.
Das sind nur einige wenige Beispiele. Daran können Sie die Technik nachvollziehen. Allerdings ist diese Technik für Anfänger schwierig, denn das Repertoire an möglichen Antworten muss schon einigen Umfang haben und gut trainiert sein. Die Übertreibung sollte spitzfindig sein und nicht mit der aktuellen und unmittelbaren Situation zusammenhängen.
Mach es wie der Bumerang
Ein Bumerang richtig geworfen, sollte wieder zum Werfer zurückkommen. Mit dieser Technik nehmen Sie das Argument Ihres Kontrahenten und werfen es ihm zurück.
- „Ich weiß wirklich nicht, wofür ich Sie bezahle!“
- „Sie meinen, Sie sind nicht in der Lage meine Arbeitsleistung richtig einzuschätzen?“
- „Am besten Du gehst, ich will Dich in der Wohnung nie wiedersehen!“
- „Du meinst ich soll mich also von Dir fortentwickeln?“
- „Kannst Du nicht einmal aufstehen und mit mir einen Spaziergang machen?“
- „Du meinst ich soll mein Couch-Stagnations-Programm stoppen, um im Gegenzug die Bäume im Wald zu umarmen?“
Zusammenfassung & Fazit Schlagfertigkeit
Man kann Schlagfertigkeit erlernen und trainieren. Ein gewisses Talent zur schnellen Reaktion kann dabei von Nutzen sein. Es geht immer darum, die richtigen Übungssituationen zu finden.
Vielleicht können Sie sich auch mit Kollegen zusammentun, um einmal im Monat einen „Schlagfertigkeits-Nachmittag“ zu machen.