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Der Sozialticker zu : Wasser vom Discounter bald billiger als aus der Leitung?

29.08.200611:41 UhrPolitik, Recht & Gesellschaft
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Der Sozialticker - kritisch fordernd unabhängig
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(openPR) Ein bekanntes Lied beginnt mit den Worten: “Am Brunnen vor dem Tore”, und in einem anderen Volkslied heißt es: “Wenn alle Brünnlein fließen”. Der Brunnen steht auch in vielen Märchen im Mittelpunkt. Bei Frau Holle oder dem Froschkönig, bei den sieben Geißlein oder Brüderchen und Schwesterchen. Der Brunnen und damit das lebensnotwendigen Wasser war oft, wie wir heute sagen würden, dass Kommunikationszentrum des Dorfes. Hier traf sich jeder mit jedem und tauschte die Neuigkeiten aus. Wasser wird zum Trinken benötigt und zum Essen kochen. Das H2O, wie es chemisch genannt wird, holte die Hausfrau oder deren Maid zum Wäschewaschen und zum Schrubben der Fußböden im Haus. Die Verwendung ist geblieben und stetig erweitert worden, jedoch ist aus der Notwendigkeit des Konsumes von Wasser eine “Quelle der Geldgier” für Geschäftemacher geworden.



In den Medien heißt es nun “Geiz ist Geil” oder “Ich bin doch nicht blöd” und sind somit die Slogans, wenn es um die Sparsamkeit der Deutschen geht - und auch beim Wasserverbrauch Einzug bekam. Allerdings gibt es da nicht nur Schnäppchenjäger und Centfuchser, sondern auch viele Menschen, die es sich bald nicht mehr leisten können, eines der notwendigen Grundstoffe zum Leben aus dem Hahn tröpfeln zu lassen. Die Rede ist vom Wasser, oder wie es nun neu definiert werden sollte - gläsernes Gold - für Diejenigen, welche damit das große Geschäft auf Kosten der Verbraucher machen und sich nun im Strudel einer Retourespirale drehen, denn die Preise explodieren zur Unverschämtheit und die Kunden müssen gleichfalls sparen, um sich dieses “Nass” noch leisten zu können und die Mehrkosten der Sparsamkeit zu tragen haben.

24,33 Euro pro 1000 Liter Leitungswasser!

Daher sparen die Deutschen viel Wasser …. zuviel Wasser. Umweltschützer und Politiker freuen sich. Wasserwerker und Verbände schlagen jedoch Alarm. Nur warum? - weil ihnen die Umsätze weg brechen und zudem auch noch das Leitungsnetz gefährdet ist. Die Preisspirale drehte sich nun solange, bis es die Verbraucher durch die schmerzhaften Einschnitte nicht mehr möglich ist, die steigenden Forderungen zu begleichen und sich das Wasser beim Discounter besorgen, da es bald billiger zu bekommen ist, als in den Leitungen angeboten wird. Nur am Ende könnte das Sparen allen teuer zu stehen kommen, weil die Leitungen korrodieren und ungenügend durchspülte Gullys stinken. Zäh kriecht die braune Brühe durch die unterirdischen Abwasserkanäle. Flossen die Fäkalien vor Jahrzehnten noch zügig durch die Siele, kommt das Abwasser heute nur langsam voran, dafür fließt das Geld in Strömen aus dem Geldhahn - und somit in die Gullys der Wasserbetriebe.

Der Grund: Die Deutschen haben die Appelle zum Wassersparen - aus Zeiten, als sämtliche Prognosen einen dramatischen Anstieg des Verbrauchs voraussagten und dem finanziell nachgeholfen wurde - verinnerlicht. Sie lassen das kostbare Nass nicht unnötig laufen, drücken bei der Toilettenspülung die erfundenen Spartasten und gönnen sich nur noch selten ein Vollbad. Auch die Waschmaschine und der Geschirrspüler sind sparsamer geworden. Heute verbraucht jeder Deutsche im Schnitt pro Tag 127 Liter Trinkwasser - 18 Liter weniger als noch 1990. Die Betuchten mehr - die Armen weniger. Im Osten der Republik sank der Bedarf sogar auf 90 Liter und in einigen Regionen sogar unter 30 Liter. Bei 24,33 Euro je 1000 Liter ist diese Sparsamkeit ein gewungenes “Muss” beim Wasserverbrauch.

Doch den Hahn einfach abzudrehen, ist Sparen am falschen Fleck, sagen dagegen die Wissenschaftler. “Die Bundesrepublik ist vom Regen verwöhnt.” Im Gegensatz etwa zum Erdöl, gehe der Wasservorrat auch nicht zur Neige. Das Fünffache dessen, was wir brauchen, erneuere sich laufend. Und so werden auch die Preise gestaltet, um das “teure Nass” dem Verbraucher zur “stinkigen Rechnungslegung” zu bringen.

Mit der Geldgier der Wasserbetriebe und dem Wassergeiz, haben sich die Deutschen nun neue Probleme geschaffen. Durch den gesunkenen Verbrauch, steht nun das Trinkwasser immer öfter in den Leitungen. Die Folge: Die Rohre fangen an zu korrodieren, wodurch Eisen, Zink, Kupfer oder Blei ins Wasser gelangen. Damit sich keine Keime und Bakterien ausbreiten, drehen die Wasserwerke immer mal wieder den großen Hahn auf, um das abgestandene Wasser abzulassen.

Also nochmals zum “Wasser lassen”!

Den Verbrauchern erhöht man die Preise so sehr, dass diese mit dem “kostbaren Edelnass” einen unbegreifbaren Sparzwang zum Himmel stinken und gleichzeitig öffnet man die Schleusen, um aufbereitetes Wasser ungenutzt versickern zu lassen, statt die Preise zu senken und das Wasser seiner Verwendung zuzuführen.

Geldgier geht eben vor Grundwert!

“Wenn es lange nicht regnet, steht das Abwasser in den Kanälen”, sagt Hugo Klöbzig, Werksleiter bei der Schweriner Abwasserentsorgung. Die eintretende Fäulnis setzt Schwefelsäure frei, die Rohre und Abstiegsleitern angreift. Doch das ist noch nicht alles, “es fängt auch an zu stinken”, sagt Klöbzig. Das Problem kennen auch die anderen Städte. Noch gravierender dagegen, ist der Gestank der Rechnungen von Wasserbetrieben, meint der Sozialticker. In Kiel sollen in einem Jahr zwei Millionen Kubikmeter Frischwasser durch die Leitungen gejagt worden sein. Was die Kunden stinkend einsparen, jagen die Wasserwerke wieder durch die Leitungen, um das inzwischen zu groß gewordene System zu spülen. Kein Wunder, dass sich das Sparen nicht im Geldbeutel der Sparer bemerkbar macht und immer teurer wird.

“Es ist paradox, aber Wasser sparen kostet Geld”, sagt Peter Rebohle, Vizepräsident des Bundesverbandes der deutschen Gas- und Wasserwirtschaft (BGW). Die angegriffenen Leitungen müssen zudem aufwändig saniert werden. “Das kostet viel Geld”, sagt Werksleiter Klöbzig. Die steigenden Preise veranlassen die Verbraucher wiederum, noch mehr Wasser zu sparen. “Die Leute könnten doppelt so viel verbrauchen, das würde immer noch nicht ausreichen, alles durchzuspülen”. Das Problem kann nur langfristig gelöst werden, sind sich die Experten daher einig und sehen als Alternative einen “Rückbau auf das benötigte Ma?, was wiederum Geld kostet und zum weiteren Sparen animiert.

Fazit: Wir sparen, damit wir sparen, was wir sparen sollten, aber nicht sparen sollen - oder - wenn der Pott aber nun ein Loch hat … lieber Heinrich, lieber Heinrich …!!!

Weitere Informationen, Tipps und aktuelle Urteile auf: http://www.sozialticker.com

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