openPR Recherche & Suche
Presseinformation

Verkaufte Bankdarlehen - die Rechte der Kunden

(openPR) Deutsche Immobilienkäufer leben gefährlich. Denn einige Banken sind dazu übergegangen, Kreditforderungen an Investoren zu verkaufen, die nur das schnelle Geld im Sinn haben. Das Gesamtvolumen übertragener Kredite soll 38 Milliarden Euro betragen. Unter den Erwerbern ist die US-amerikanische Lone Star Gruppe, die Kreditforderungen ohne Rücksicht auf Verluste verwertet. Doch solche Zessionen sind zumindest bei intakten Krediten rechtswidrig. Opfer haben dann Schadensersatzansprüche gegen die abtretenden Banken. Soweit außerdem Einwendungen gegen die Banken bestanden, gehen diese in jedem Fall auf die neuen Forderungsinhaber über.



Wie das ARD-Maganzin PLUSMINUS am 22. August 2006 konstatierte, ist das bisherige Vertrauen in die deutsche Bankenlandschaft nicht mehr berechtigt: Darlehensnehmer, die mit der Kreditzahlung in Schwierigkeiten kamen, konnten in der Vergangenheit noch auf eine Kooperation vertrauen. Denn Kündigungen und anschließende Verwertungen besicherter Immobilien waren bislang das letzte Mittel. Zunächst wurde gemeinsam versucht, die Finanzierung zu retten. Das hat sich offenbar geändert. Zur Bilanzbereinigung und um unerwünschte Kreditkunden loszuwerden, verkaufen Banken Darlehen an Zessionare, die die sofortige wirtschaftliche Verwertung der Forderung anstreben und im Extremfall vollstrecken. Im Falle der Zwangsversteigerung wird der eigentlich bezweckte Eigenheimerwerb damit vereitelt, - ein Kollateralschaden, der die Zessionare nicht weiter interessiert.

Nach Berichten des SPIEGEL-ONLINE vom 31. Juli 2006 ist es insbesondere die Hypo Investment Bank, die durch die fragwürdigen Verkäufe auffiel. Sie hatte ihren Kreditschuldnern zunächst lapidar mitgeteilt, dass Immobiliendarlehen einer anderen Gesellschaft übertragen worden sei. Angeblicher Grund, so hieß es, sei eine „Neuausrichtung“ der Bank. Die Folgen waren indessen gravierend: Sämtliche Forderungen landeten bei der Lone Star- Gruppe, einem aus Texas stammenden Unternehmen, das sich offenbar heimischen Wildwestmethoden verpflichtet sieht. Kreditschuldner sollen durch sofortige Kontopfändungen und Besuche vom Gerichtsvollzieher unter Druck gesetzt worden sein. Stundungen und anderweitige Finanzierungspläne seien nicht verhandelbar gewesen. Verängstige Schuldner, so heißt es, haben Verkaufsvollmachten unterzeichnet. Kreditnehmer sollen zudem entweder nicht die Zeit oder wegen ihrer finanziellen Notlage nicht die Möglichkeit gehabt haben, sich um eine Umschuldung zu bemühen. Anschlussfinanzierungen seien nur zu überhöhten Zinssätzen angeboten worden, man sei schließlich kein Kreditinstitut. Die Folge: Zwangsversteigerungen der Kreditobjekte. Wie der einsame Cowboy zieht das Unternehmen immer weiter; kritischere Stimmen sprechen auch von Heuschrecken. Medienberichten zufolge hat die Lone-Star Gruppe jedenfalls bereits in den USA, Japan und Südkorea notleidende Kredite gewinnträchtig abgewickelt. Nunmehr ist Deutschland dran und die Rechtmäßigkeit der Vorgänge ist zweifelhaft.

Die wirtschaftlichen Hintergründe der Entwicklung sind jedenfalls simpel: Kreditforderungen, die möglicherweise oder tatsächlich nicht vertragsgemäß bedient werden, sind kaufmännisch betrachtet weniger wert als solche, deren Rückzahlung problemlos vonstatten geht. Alleine das abstrakte Risiko eines Zahlungsausfalls und die damit verbundenen Mehrkosten für die Rechtsverfolgung mindern ihren Wert. Daran ändert auch die Sicherung des Kredits durch eine Grundschuld wenig, denn sie berechtigt den Gläubiger nur zur Zwangsversteigerung der Immobilie und bringt erfahrungsgemäß etwa nur zwei Drittel des eigentlichen Objektwerts ein. Der Forderungsverkauf ist also immer dann eine sinnvolle Option, wenn die schnelle Bezahlung durch einen Dritten letztlich mehr wert ist, als die kostenträchtige Beitreibung einer Forderung. Dies gilt insbesondere bei einem Insolvenzrisiko des Schuldners, weil der Kreditgläubiger sich dann unter Umständen nur aus der Grundschuld befriedigen kann. Noch offene Anteile der Darlehensforderung und Verwaltungs- bzw. Rechtsverfolgungskosten bleiben dann unbezahlt. Wie nüchtern die Kreditwirtschaft dabei kalkuliert, zeigt die Praxis bei zahlungsunfähigen Girokunden: Zumeist veranlassen die Banken nur die Abwicklung des Kontos und die Schufa-Mitteilung; Zahlungsklagen und Vollstreckungsversuche lohnen sich erst ab mehreren tausend Euro. Auch Unternehmen, die nicht aus der Kreditwirtschaft stammen, nutzen den Forderungsverkauf im Wege des so genannten echten Factoring. Der Erwerber der Forderung zahlt einen Kaufpreis, der erheblich unter ihrem Betrag liegt und trägt dafür das Risiko ihrer Einbringlichkeit. Im Gegenzug erhält der Verkäufer schnelles Geld.

Rechtlich gilt folgendes: Die üblichen Immobilienkreditverträge enthalten praktisch immer die Abrede, dass die Bank bei Zahlungsschwierigkeiten des Kreditnehmers den Kredit kündigen und dann sofort die Zwangsvollstreckung aus der Grundschuld einleiten kann, mit der der Kredit gesichert wurde. Im Normalfall schreiten die Banken zu diesem an sich zulässigen letzten Mittel aber erst, wenn die Darlehensforderung nicht mehr bedient werden kann, weil der Kreditnehmer insolvent ist. Dies ist sinnvoll, weil weder die Bank noch der Kreditnehmer einen wirtschaftlichen Vorteil aus dem Sicherungsfall ziehen. Die Vertragsübernahme ermöglicht dem Zessionar also prinzipiell die Vollstreckung. Ungeklärt ist bislang, unter welchen Voraussetzungen die Abtretung erfolgen darf. Solange der Bankkunde seinen Kredit störungsfrei bedient hat, dürfte der Kreditverkauf nichtig sein. Diesen Standpunkt vertritt jedenfalls das OLG Frankfurt/Main, das mit Urteil (8 U 84/04) vom 25. Mai 2004 eine Abtretung von Darlehensrückzahlungsforderungen mit der Begründung für unwirksam hielt, dass hierin ein Verstoß gegen das Bankgeheimnis liege. Das Gericht sah in der durch AGB vereinbarten Verschwiegenheitspflicht der Bank zugleich einen stillschweigenden Ausschluss der Abtretung nach § 399 BGB. Die Entscheidung hat allerdings Einzelfallcharakter. Überwiegend wird angenommen, dass die vertragliche Bezugnahme auf das Bankgeheimnis jedenfalls dann kein Abtretungsverbot begründet, wenn der Erwerber gleichfalls eine Bank ist oder der Verkäufer für die Geltendmachung der Forderung zuständig bleibt. Im Falle von Unternehmen wie „Hudson Advisors“ kann unter dieser Prämisse also weiterhin von einer Rechtswidrigkeit der Zession ausgegangen werden. Neben dem Bankgeheimnis stehen dem Verkauf im übrigen auch Vorschriften des Bundesdatenschutzgesetzes entgegen. Einig sind sich die Gerichte insoweit, als gestörte Darlehensverbindungen dagegen immer zur Zession berechtigen. Doch auch dann stehen Kreditnehmer nicht rechtlos da. Einwendungen gegen die kreditgebende Bank, wie sie unter anderem in verschiedenen Konstellationen der Schrottimmobilienfälle bestehen, können dann gegenüber dem Forderungserwerber erhoben werden.

Diese Pressemeldung wurde auf openPR veröffentlicht.

Verantwortlich für diese Pressemeldung:

News-ID: 97428
 3219

Kostenlose Online PR für alle

Jetzt Ihren Pressetext mit einem Klick auf openPR veröffentlichen

Jetzt gratis starten

Pressebericht „Verkaufte Bankdarlehen - die Rechte der Kunden“ bearbeiten oder mit dem "Super-PR-Sparpaket" stark hervorheben, zielgerichtet an Journalisten & Top50 Online-Portale verbreiten:

PM löschen PM ändern
Disclaimer: Für den obigen Pressetext inkl. etwaiger Bilder/ Videos ist ausschließlich der im Text angegebene Kontakt verantwortlich. Der Webseitenanbieter distanziert sich ausdrücklich von den Inhalten Dritter und macht sich diese nicht zu eigen. Wenn Sie die obigen Informationen redaktionell nutzen möchten, so wenden Sie sich bitte an den obigen Pressekontakt. Bei einer Veröffentlichung bitten wir um ein Belegexemplar oder Quellenennung der URL.

Pressemitteilungen KOSTENLOS veröffentlichen und verbreiten mit openPR

Stellen Sie Ihre Medienmitteilung jetzt hier ein!

Jetzt gratis starten

Weitere Mitteilungen von Rechtsanwalt Dr. Thomas Schulte

Rechtsanwälte erzwingen Löschung eines SCHUFA-Eintrages durch Inkassogesellschaft
Rechtsanwälte erzwingen Löschung eines SCHUFA-Eintrages durch Inkassogesellschaft
Die Rechtsanwälte konnten für einen jungen Softwareprogrammierer einen Erfolg bei der Löschung eines SCHUFA-Eintrages verbuchen. Was war der Hintergrund? Der junge Unternehmer W. war am 07.01.2011 zu seiner Hausbank gegangen, um eine Immobilie zu finanzieren. Bei der Finanzierungsanfrage teilte der Bankmitarbeiter dem überraschten W. mit, dass ein SCHUFA-Eintrag zu seinen Lasten bestünde und die Finanzierung somit wohl nicht zustande kommen werde. Für W., der bis dahin mit exzellenter Kreditwürdigkeit ausgestattet war, ein Schock. Zunächst …
Landgericht Verden verurteilt Deutsche Postbank AG zur Löschung eines SCHUFA-Eintrags
Landgericht Verden verurteilt Deutsche Postbank AG zur Löschung eines SCHUFA-Eintrags
Die Rechtsanwälte haben am 13.12.2010 einen Erfolg vor dem Landgericht Verden gegen die Deutsche Postbank AG erstritten. Das Landgericht Verden verurteilte die Postbank zum Geschäftszeichen 4 O 342/10 zur Löschung eines SCHUFA-Eintrages, den die Postbank der SCHUFA Holding AG gemeldet hatte. Das Gericht begründete seine Entscheidung damit, dass die Postbank nicht hinreichend vorgetragen habe, dass sie eine umfassende Interessenabwägung gemäß § 28 Abs. 1, Abs. 3 BDSG (alte Fassung) vorgenommen habe. Die Postbank habe lediglich vorgetragen, si…

Das könnte Sie auch interessieren:

SNK Gruppe offeriert Mezzanine Darlehen
SNK Gruppe offeriert Mezzanine Darlehen
… 34 c Gewerbeordnung erfordert. Als erstes Objekt soll ein Bürogebäude im Speckgürtel Münchens erworben, das vollständig vermietet ist. Die Finanzierung erfolgt neben günstigen Bankdarlehen über Darlehen von Anlegern als mezzanine Finanzierung. Die Besonderheit: Die Darlehen sind als mezzanine Finanzierung zwar nachrangig, aber sie werden auch durch eine …
Bild: Ungebremste Nachfrage nach EigenheimkreditenBild: Ungebremste Nachfrage nach Eigenheimkrediten
Ungebremste Nachfrage nach Eigenheimkrediten
Immer mehr Deutsche sind bereit, ein Bankdarlehen aufzunehmen, um sich den Traum von den eigenen vier Wänden zu erfüllen. Das zeigt der aktuelle Stimmungsindex Baufinanzierung der Comdirect Bank vom April 2015. Dieser wird alle zwei Monate von Comdirect aktualisiert. Basierend auf einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa unter mehr als 1.000 …
Bild: Atlas Fonds Nr. 10: Landgericht Bochum verurteilt Bank zur Rückabwicklung wegen WiderrufBild: Atlas Fonds Nr. 10: Landgericht Bochum verurteilt Bank zur Rückabwicklung wegen Widerruf
Atlas Fonds Nr. 10: Landgericht Bochum verurteilt Bank zur Rückabwicklung wegen Widerruf
… auf Rückabwicklung. Der Entscheidung lag zugrunde, dass ein Anleger auf Empfehlung die Beteiligung an dem Atlas Fonds Nr. 10 insbesondere bei Finanzierung durch ein Bankdarlehen zeichnete, ohne insoweit eigene Mittel aufzubringen. Im Laufe des Verfahrens berief sich der anwaltlich vertretene Anleger auf ein Widerrufsrecht. Im Ergebnis folgte das Landgericht …
Bild: Immobilienfinanzierung leicht gemacht mit den Experten von Markus Pospichal aus WienBild: Immobilienfinanzierung leicht gemacht mit den Experten von Markus Pospichal aus Wien
Immobilienfinanzierung leicht gemacht mit den Experten von Markus Pospichal aus Wien
… verschiedenen Möglichkeiten, den Immobilienkauf zu finanzieren, und gibt Käufern wertvolle Tipps, worauf sie bei der Wahl der passenden Finanzierung achten sollten. Von klassischen Bankdarlehen über staatliche Förderprogramme bis hin zu innovativen Finanzierungsmodellen - die Spezialisten erklären die Vor- und Nachteile der einzelnen Optionen und zeigen, wie …
Bild: Vedantas Tagebau erneut auf dem PrüfstandBild: Vedantas Tagebau erneut auf dem Prüfstand
Vedantas Tagebau erneut auf dem Prüfstand
… indische Umweltminister eine Untersuchung zum selben Thema einleitete und zehn Tage nachdem der niederländische Finanzdienstleister PGGM seine Anteile an Vedanta aufgrund ethischer Bedenken verkaufte. Eine Untersuchung der Regierung vom März diesen Jahres kam zu dem Schluss, dass der Bergbau „zur Zerstörung der Dongria Kondh“ als indigene Gruppe führen …
Schifffonds in der Krise – Anleger sind extrem verunsichert
Schifffonds in der Krise – Anleger sind extrem verunsichert
… KOREA LINK ist der zweitgrößte koreanische Betreiber von Massengutfrachtern, sogenannten Bulkern. „Die ausbleibenden Charterraten könnten dazu führen, dass die Fonds ihrerseits die Bankdarlehen zur Schiffsfinanzierung nicht mehr bedienen können, im worst case für die Anleger ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals droht“, so Bettina Wittmann vom …
Falk Fonds 64 –  auch hier sollen Anleger Ausschüttungen zurückzahlen
Falk Fonds 64 – auch hier sollen Anleger Ausschüttungen zurückzahlen
… auf ihre Ausschüttungen zurück zu zahlen. Die Rückzahlungen sollen sofort vorgenommen werden, was besonders die Anleger treffen wird, die ihre Beteiligung mit einem Bankdarlehen finanziert haben. Vielen droht nun Privatinsolvenz, da einerseits die Ausschüttungen häufig zur Zahlung der Bankdarlehen benutzt wurden andererseits keine Gelder zur Verfügung …
Abu Dhabi: 100 Milliarden Dollar-Geschäft für Abu Dhabi
Abu Dhabi: 100 Milliarden Dollar-Geschäft für Abu Dhabi
Abu Dhabi hat mit Südkorea einen Deal in Milliardenhöhe abgeschlossen: Für 100 Milliarden Dollar verkaufte Abu Dhabi an Südkorea rund eine Milliarde Barrel Rohöl! Dieses Geschäft ist bisher beispiellos. Bei dem Deal sicherte die Abu Dhabi National Oil Company dem Ölkonzern Korea National Oil die Rechte an einer Milliarde Barrel Öl zu den heutigen Ölpreisen …
Fundus Fonds 27: Was lief schief beim Verkauf?
Fundus Fonds 27: Was lief schief beim Verkauf?
… „identitätsstiftenden Wahrzeichen des Bezirks Marzahn“ gehören sollte, einerseits schon ab dem Jahr 2003 hinter den Erwartungen zurückblieb, auch der Kapitaldienst für die langfristigen Bankdarlehen nicht geleistet werden konnten; andererseits laut notariellem Kaufvertrag vom April 2006 für einen Nettokaufpreis von EUR 17,0 Mio. verkauft wird, im Kaufpreis …
Town & Country bau-o-meter: Finanzierungsbedingungen so günstig wie nie
Town & Country bau-o-meter: Finanzierungsbedingungen so günstig wie nie
Bausparkassen kompensierten das gesunkene Vertrauen in die Bankdarlehen bei Bauinteressenten – KfW-Förderung hoch im Kurs (Weimar/Behringen, 23. Mai 2012) Mehr als 80 Prozent der Bauinteressenten bevorzugen Bankdarlehen, um ihren Wunsch nach einem Eigenheim vollständig oder größtenteils zu finanzieren. Zwei Drittel setzen überdies auf die staatliche …
Sie lesen gerade: Verkaufte Bankdarlehen - die Rechte der Kunden