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Legasthenie und das Recht auf Normalität

09.10.201714:23 UhrWissenschaft, Forschung, Bildung
Bild: Legasthenie und das Recht auf Normalität

(openPR) Vergangene Woche wurde dem Schweizer Jacques Dubochet der Nobelpreis für Chemie verliehen. Danach war das beherrschende Thema in den Medien weniger seine Forschung zur Entschlüsselung der Struktur des Zika-Virus, sondern vielmehr seine Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten in der Kindheit. "Toll, was man trotz Legasthenie alles erreichen kann!", mögen viele denken. Doch wie hilfreich ist die mediale Abarbeitung derartiger Lebensgeschichten tatsächlich für Menschen mit Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten (LRS)?



"Berühmte Legastheniker"

Was haben Schriftsteller John Irving, der schwedische König Carl Gustaf, Microsoft-Gründer Bill Gates, Hollywood-Regisseur Steven Spielberg und Schauspieler Tom Cruise gemeinsam? Sie alle haben Schwierigkeiten mit dem Lesen und Schreiben. Selbst Mozart, Einstein und Jules Vernes sagt man "Legasthenie" nach. Nun ist auch noch ein Nobelpreisträger hinzugekommen: Jacques Dubochet. Der Tenor, der dabei häufig mitschwingt ist: Menschen mit LRS/Legasthenie sind ganz besonders intelligent / kreativ / durchsetzungsstark / begabt. Das kann Kinder und Erwachsene enorm unter Druck setzen. Nach dem Motto "Und, was kannst du dafür besonders gut?" entsteht der Zwang, das "Defizit" LRS durch eine außergewöhnliche Begabung auszugleichen.

Hohe Erwartungshaltung

Es ist gut, wenn Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten nicht verheimlicht werden, wenn Betroffene offen von ihren Problemen im Alltag berichten und darüber, was ihnen geholfen hat. Und natürlich ist es wichtig, auch die eigenen Stärken wahrzunehmen und einzusetzen. Menschen, die Schwierigkeiten mit dem Lesen und Schreiben haben, müssen häufig viele Hürden überwinden, ehe sie eine individuelle Förderung erhalten. Manche haben damit zu kämpfen, dass Eltern oder Lehrkräfte die LRS nicht sofort als solche erkennen. Andere schaffen mit Ach und Krach einen Schulabschluss und bleiben doch immer hinter ihren Möglichkeiten zurück. Dass es Betroffene gibt, die einen Nobelpreis gewinnen, Multimillionäre oder weltbekannte Schauspieler sind, ist da nur bedingt hilfreich. Denn die Erwartungshaltung des Umfeldes an Kinder mit LRS kann ohnehin schon erdrückend groß sein. Das Problem ist ja nicht das Kind, sondern falsche Erwartungen, das Fehlen individueller Förderung, zu wenig Zeit und zu wenig Verständnis und Geduld seitens der Schule, Kollegen, Familie oder der Gesellschaft.

Keine Krankheit

Ein weiterer Aspekt ist bei der teils unreflektierten Medienberichterstattung problematisch: Es wird suggeriert, dass "Legasthenie" eine Krankheit sei. Betroffene können sich "herauskämpfen", sie überwinden, trotz des "Mankos" erfolgreich sein. Dabei benötigen Menschen mit LRS vor allem angemessene Unterstützung. Wenn ein Kind beim Bockspringen Hilfestellung braucht, spricht man ja auch nicht von einem "Defizit". Schließlich ist jeder Körper anders, genauso wie jeder Mensch einzigartig ist. Und auch jede Lebensgeschichte ist individuell. Sicher ist: Mit gezielter Förderung kann jeder viel erreichen.

Denn Menschen mit Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten sind vor allem eins: völlig normal. Sie haben genauso ein Recht auf Normalität und Durchschnittlichkeit wie jedes andere Kind oder jeder andere Erwachsene. Sie müssen keine Hochbegabung haben, keinen Nobelpreis gewinnen und auch nicht ausnehmend gut musizieren. Es reicht aus, dass sie sind, wie sie sind.

Diese Gewissheit ist es, die Kinder stark macht.

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