(openPR) Seit letztem Jahr begleitet Prof. Dr. Ralf Tenberg, Leiter des Arbeitsbereichs Technikdidaktik an der TU Darmstadt, von wissenschaftlicher Seite die Erstellung des Kompetenzprofils im Rahmen der Weiterbildung „Zertifizierter Technischer Trainer TTxTT praxisgeprüft“. Kundendienst-Trainer Martin Wiesend sprach mit ihm über diese einmalige Weiterbildung.
Martin Wiesend: Ist das Themenfeld „Technikdidaktik“ neu?
Prof. Dr. Ralf Tenberg: Das ist schwer zu sagen. Das Themenfeld existiert schon länger, aber überwiegend in der Allgemeinbildung. Im Bereich der beruflichen (Weiter-)Bildung hingegen ist es relativ neu. Hier soll die Technikdidaktik insbesondere die Fachdidaktiken wissenschaftlich hinterlegen.
Martin Wiesend: Überall ist die Rede von Fachkräftemangel in technischen Berufen. Welche Rolle nimmt hier die Technikdidaktik ein?
Prof. Dr. Ralf Tenberg: Der Fachkräftemangel wird zurückgeführt auf demografische Veränderungen und damit auch eine veränderte Basiskompetenz der Schüler. Man könnte hier auf die veränderten Kompetenzen mit entsprechend angepassten Lehransätzen reagieren. Dies wurde und wird bisher aber eher vernachlässigt.
Martin Wiesend: Wer ist besser als Technischer Trainer geeignet: Der absolute Experte fur ein Thema oder der Techniker mit mittlerem Know-how und guten Vermittlungsfähigkeiten?
Prof. Dr. Ralf Tenberg: Ein reiner Fachexperte wird sich immer mit Schwierigkeiten im Trainer-Alltag konfrontiert sehen, trotzdem ist ein guter Trainer zumeist auch ein hervorragender Fachexperte. Die Trainierausbildung bei Martin Wiesend & Partner baut auf guten Fachkompetenzen auf ergänzt diese aber mit didaktischen und methodischen Kompetenzen. Der beste Trainer kann diese sehr unterschiedlichen Akzente optimal integrieren.
Martin Wiesend: Was ist das Besondere an der Technikdidaktik – im Unterschied zur „normalen“ Didaktik?
Prof. Dr. Ralf Tenberg: Die „normale“ Didaktik ist an der allgemeinen Bildungsphilosophie aufgehängt. Die berufliche Fachdidaktik bzw. die Technikdidaktik hingegen knüpft an empirische und pragmatische Ansätze an.
Martin Wiesend: Worin liegen Ihre aktuellen Forschungsthemen?
Prof. Dr. Ralf Tenberg: Ein aktuelles Forschungsthema ist der Komplex „Fachliche Kompetenzen in technischen Domänen“. Es handelt sich hierbei um einen mehrschichtigen Ansatz bezogen auf einfache, über komplexe und akademische Berufe bis in die Bereiche Forschung und Entwicklung. Hier findet theoriefundierte empirische Arbeit statt. Hinzu kommen konkrete Entwicklungsprojekte, hier geht es beispielsweise um effektives Lehrerfeedback, Nachhaltigkeit etc.
Martin Wiesend: Wie schätzen Sie den aktuellen Stand der Technischen Trainings in deutschen Unternehmen – speziell im Maschinenbau – ein?
Prof. Dr. Ralf Tenberg: Hier hat man nur Einblicke. Bei Großbetrieben wie Daimler kann man von einem hohen Niveau ausgehen. Der Stand des Technischen Trainings in Mittelstandsunternehmen hingegen ist schwer erschließbar und absehbar sehr unterschiedlich ausgeprägt. Eine hochgradige Trainerausbildung und – Entwicklung „leisteten“ sich bislang meist nur Global Player. Hier scheint aber ein Umdenken einzusetzen.
Martin Wiesend: Welche Rolle nimmt dabei das TTxTT Konzept von Martin Wiesend & Partner Die Kundendienst- Trainer ein?
Prof. Dr. Ralf Tenberg: Das Konzept ist wissenschaftlich fundiert und setzt aktuelle Befunde zur Kompetenzentwicklung in technischen Domänen um. Basis ist ein transferfähiges Methodengefuge, ausgehend von einem spezifischen Kompetenzmodell technische Trainer. Daher kann es relativ universell eingesetzt werden, sowohl für die Grundqualifikation Technischer Trainer, als auch deren individuelle Weiterentwicklung.
Martin Wiesend: Sie haben für Martin Wiesend & Partner ein Kompetenzmodell fur Technische Trainer entwickelt. Welche praktische Bedeutung hat das für Unternehmen?
Prof. Dr. Ralf Tenberg: Ein solches Modell ist erforderlich, wenn man den Kompetenz-Anspruch glaubwürdig und professionell in die Trainer-Aus- und Fortbildung tragen will. Damit ist es zunächst die beste Basis für explizite Train-the-Trainer-Maßnahmen. Darüber hinaus konkretisiert es, in welchen Feldern sich Technische Trainer weiterentwickeln können und sollen und bietet eine Basis für die Diagnostik am Ende einer Maßnahme.
Martin Wiesend: Was motiviert Sie, mit einem branchenspezialisierten Trainingsanbieter wie Martin Wiesend & Partner zusammenzuarbeiten?
Prof. Dr. Ralf Tenberg: In diesem Segment ist Forschung selten und generell schwierig. Auf Grund des kommerziellen Hintergrunds sind hier Wettbewerber nur selten bereit, ihre Konzepte und Formate offenzulegen. Anders beim Trainingsinstitut Martin Wiesend & Partner, das gerade in der Aus- und Weiterbildung Technischer Trainer eine führende Rolle einnimmt. In dieser Zusammenarbeit bietet sich
mir die Chance, zunächst einen genauen Blick in diese Bildungswelt vorzunehmen und darüber hinaus, diese mit einem wissenschaftlich abgestützten Ansatz zu intervenieren. Ein nächster möglicher, aber noch nicht vollzogener Schritt wäre nun die Erhebung der damit erzeugten Effekte.











