(openPR) Ob der US-Präsident wirklich glaubt, daß es nie eine Zeit geben wird, zu der die USA nicht die mächtigste Nation der Welt sind? Das wäre angesichts des bisherigen Verlaufs der Menschheitsgeschichte ziemlich vermessen. Denn bisher sind alle großen Reiche wieder untergegangen, nicht zuletzt auch durch kapitale Fehler ihrer „Eliten“. Wahr dürfte allenfalls sein, daß die USA derzeit die größte Militärmaschinerie und die meisten Kernwaffen haben. Wirtschaftlich und sozial ist das Land weit von einer „great Nation“ entfernt.
Trump sollte China und Rußland aber besser nicht unterschätzen. Für die vollkommene Zerstörung der USA würde auch deren Waffenpotential mehr als genügen. Schon das verbietet starke Sprüche und rät zur Besonnenheit. Außenminister Tillerson interpretierte vielleicht deshalb unverzüglich die Aussage seines Chefs: „Der Präsident habe deutlich machen wollen, dass die USA die „unbestreitbare Fähigkeit“ besitzen, „sich zu verteidigen“. Dagegen dürfte wohl niemand etwas einzuwenden haben.
Daß Nordkorea überhaupt existiert, ist eine Folge der Nachkriegspolitik. Damals wurde Korea in eine amerikanische und eine russische Einflußzone aufgeteilt. Das war ebensowenig weise wie die Aufteilung Deutschlands. Als Südkorea 1950 durch nordkoreanische Verbände angegriffen wurde und die zunächst in arge Bedrängnis gekommenen Südkoreaner mit Unterstützung durch die Amerikaner unter dem Oberbefehl von General MacArthur daraufhin bis in die Nähe der chinesichen Grenze vorstießen, wäre die Gelegenheit für eine Wiedervereinigung gegeben gewesen. Diese Gelegenheit wurde, weil sie im Gegensatz zu einer UN-Resolution stand und außerdem die Chinesen auf den Plan rief, nicht genutzt. Drei Jahre später wurde die Teilung Koreas vertraglich besiegelt.
China wird sich von den USA nicht kaufen lassen. Das mit Abstand bevölkerungsreichste Land der Erde hat das Potential, auf längere Sicht zur politischen und wirtschaftlichen Nummer eins der Welt zu werden. Wenn seine Führer klug und weise sind. Der Weg dahin wird für das Land aber sicherlich kein Spaziergang. Ein entscheidender Schritt dürfte mit der Verdrängung des US-Dollars als Weltleit- und Reservewährung durch eine Art von goldbasiertem Handelswechsel gemacht werden. An einer solchen von den USA und den Machinationen der Wallstreet-Finanzhaie unabhängigen Währung dürften auch andere Länder interessiert sein, denen die Großmachtallüren der USA seit langem ein Dorn im Auge sind. Der unvermeidliche Zusammenbruch des Ponzi-Spiels der Notenbanken könnte die Ablösung der US-Währung erheblich beschleunigen.
Derzeit hält kein Land der Welt hält so viele US-Staatsanleihen wie China, wenn der Bestand auch schon deutlich abgebaut wurde. Damit ist es der größte Finanzier des US-Haushaltsdefizits. Da nicht ersichtlich ist, wie die USA ihren Schuldenberg jemals durch entsprechende Steigerung ihrer wirtschaftlichen Leistung abbauen können, weiß die chinesische Regierung den langfristigen Wert ihres US-Anleihenbestandes sicherlich richtig einzuschätzen. Für die Trump-Administration bedeutet das im Gegenzug: Mit China sollte man sich nicht überwerfen.
Im Konflikt mit Nordkorea steht China als wichtigster Handelspartner Pjöngjangs zu den beschlossenen Sanktionen. Die sind knüppelhart für Nordkorea und betreffen unter anderem Ausfuhrverbote für Kohle, Eisenerz, Eisen sowie Bleierz und Blei. Allerdings hat schon die Vergangenheit gezeigt, daß das nordkoreanische Regime seine Bevölkerung so im Griff hat, daß es ihr härteste Einschränkungen und Belastungen zumuten kann. Deshalb glauben nur wenige Beobachter, daß die Sanktionen Erfolg haben werden.
China ist am Zusammenbruch Nordkoreas sicherlich nicht interessiert. Das Land hat eine gemeinsame Grenze mit Nordkorea. Das Ende des gegenwärtigen Regimes in Pjöngyang würde wahrscheinlich riesige Flüchtlingsströme auslösen. Außerdem könnten die US-Amerikaner die Chance nutzen und China über das Territorium Nordkoreas auf den Pelz rücken. Die wichtigste Frage für China ist deshalb: Wie kann man den nordkoreanischen Machthaber zur Mäßigung bewegen, um den Status quo zu erhalten?
Die Mehrheit der US-Bürger fühlt sich offensichtlich durch Nordkorea bedroht, dürfte aber nicht einmal in der Lage sein, diesen Staat auf der Landkarte zu lokalisieren. Dennoch bereitet die Furcht vor Nordkorea unverantwortlichen Kriegstreibereien den Boden. Dem US-Präsidenten nahestehende Medien wie „Fox“ oder „Breitbart“ verbreiten Angst und Haß unter den US-Amerikanern. Bei den einfacheren Gemütern wirkt das wie Zunder.
Es wäre nicht das erstemal in der Geschichte, daß Herrscher, die angesichts der vielen aufgehäuften Probleme in ihrem Land nicht weiter wissen, in den Krieg als Ausweg flüchten. Aber das wäre die dümmste anzunehmende Alternative der Konfliktlösung. Kim Jong-un dürfte kaum annehmen, daß er und sein Land einen Schlagabtausch mit Kernwaffen überleben könnten. Man kann deshalb davon ausgehen, daß er verhandlungsbereit ist, wenn man ihn davon überzeugen kann, daß die Integrität seines Landes und seiner Herrschaft unangetastet bleiben.
Prof. Querulix beobachtet und kommentiert seit vielen Jahren das fragwürdige Treiben der Menschentiere. Seine Befunde sind in der eBook-Reihe „Tacheles“ dokumentiert. 7 Bände sind bisher erschienen. Der jüngste Band im Umfang von 264 Seiten trägt den Titel: „Rien ne vas plus – Wohin treibt die Menschenwelt?“ (ISBN 978-3-943788-43-3). Wie seine 6 Vorgänger ist er im eVerlag READ – Rüdenauer Edition Autor Digital (www.read.ruedenauer.de) erschienen und dort zum Preis von 9,95 Euro erhältlich.
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