(openPR) Arbeitsministerin Andrea Nahles stellt den Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung vor und kann – nicht überraschend – nur von einem Debakel berichten. Nicht davon gesprochen hat sie verständlicherweise, daß ihre Partei seit SPD-Kanzler Schröders Agendapolitik das Desaster mit zu verantworten haben. Die Agendapolitik hat nämlich maßgeblich dazu beigetragen, Wohlstand von den Armen zu den Reichen zu transportieren.
Es ist traurig, aber gegenwärtig so wahr wie lange nicht mehr: Arbeit lohnt sich für immer mehr Menschen überhaupt nicht. „Aufstiegschancen für alle“ ist ein leeres Versprechen geworden. Nicht einmal eine auskömmliche Altersversorgung können sich inzwischen Millionen in ihren prekären Jobs noch verdienen. Und das alles in einem reichen Land, in dem die Reichsten immer reicher werden! Das ist nicht nur eine Schande für unser Land und unsere Kultur, sondern auch eine ökonomische Fehlleistung der Verantwortlichen.
Geht es nach dem SPD-Chef und Kanzlerkandidaten Martin Schulz, so heißt es, wird das Thema „Soziale Ungerechtigkeit“ den Wahlkampf dominieren. Endlich! Aber, so muß gleich hinzugefügt werden: Die Vorhaben müssen konkret und glaubwürdig benannt werden und den vielen schlecht oder gar nicht Informierten Bessergestellten im Wahlvolk muß die Furcht genommen werden, daß „böse Linke“ ihnen die Butter vom Brot nehmen wollen.
Die von Nahles angeprangerte verfestigte Ungleichheit des Vermögens ist offensichtlich. Wer die Selbstbedinungsmentalität von Vorständen und Aufsichtsräten beobachtet, faßt sich an den Kopf, mit welcher Selbstverständlichkeit sich eine gewisse Klasse von Raffgeiern die Taschen vollstopft. Auf der anderen Seite müssen sich die unteren 40 Prozent auf der Einkommensskala 2015 real sogar mit einem Minus bei den Bruttostundenlöhnen gegenüber Mitte der neunziger Jahre begnügen. Zwischen 1995 und 2013, so Nahles, erlitten die untersten 10 Prozent auf der Einkommensskala der Deutschen Verluste von vier Prozent. Weitere 10 Prozent verschlechterten sich minimal, sodaß insgesamt 20 Prozent sich die Nase wischen konnten und unter Berücksichtigung der Inflation sogar erhebliche Einkommensverluste hinnehmen mußten.
Die Wähler haben es in der Hand, dieser Ungerechtigkeit abzuhelfen. Dazu müssen sie aber diejenigen wählen, die das tun wollen. Die Konservativen „christlichen“ und Freidemokraten sind ganz sicher nicht ihre Freunde, die Grünen eher auch nicht. Martin Schulz muß allerdings außer konkreten Vorhaben für alle Benachteiligten den schlecht oder gar nicht Informierten die Angst vor „den Kommunisten“ nehmen, die von den Raffkes und ihren nützlichen Idioten gern geschürt wird. Und er muß auch klar machen, daß sozial gerechte Politik keine Arbeitsplätze kostet, sondern sogar Arbeitsplätze zu schaffen in der Lage ist. Die Wirtschaft floriert nicht dank einiger tausend Millionäre, denen sie gehört, sondern dank der Nachfrage von Millionen Menschen, die genügend Geld in der Tasche haben. Stärkere und nachhaltigere Binnennachfrage mindert zudem die unselige Abhängigkeit Deutschlands vom Export.
Man sehe sich auf der Welt um: Der Wohlstand ist dort am höchsten, wo es den allermeisten Menschen gut geht, und dort am geringten, wo eine kleine reice Clique über ein Heer von Habenichtsen herrscht. Hinzu kommt: Wer die Ungleichheit zementiert schafft Unfrieden. Auch das schlägt letztlich negativ auf die Wirtschaftsleistung durch und gefährdet auch den Reichtum der Produktionsmittelbesitzer.
Die kommende Bundestagswahl ist eine Richtungswahl. Am 24. September werden wichtige Weichen gestellt, die sowohl über die nachhaltige Wirtschaftskraft Deutschlands wie auch über den sozialen Frieden und die politische Stabilität unseres Landes entscheiden werden. In einer Zeit der Unruhen und des Wandels in der Welt ist die Frage, inwieweit unsere Gesellschaft zusammenhält nicht banal. Denn Deutschland muß stark sein, wenn es sich in den kommenden Jahren behaupten will: angesichts des drohenden Zerfalls europäischen Gemeinsinns, angesichts der us-amerikanischen Krise, der islamischen Glaubenskriege, der Völkerwanderung nach Europa und des absehbaren technologischen Fortschritts, der viele Millionen Menschen vor ganz neue Herausforderungen stellen wird.
Wer das Volk weiter spaltet, nimmt ihm die die Durchsetzungskraft und schließlich auch den Durchsetzungswillen, ja er schafft eine stille innere Opposition, denen das Schicksal Deutschlands gleichgültig ist. Denn es ist nicht ihr Land, in dem sie nur Sklaven sind.
Prof. Querulix veröffentlicht in der Reihe „Tacheles“ seine zeitlos-zeitkritischen Beobachtungen und Kommentare des Treibens der Menschentiere. Sieben Bände sind bereits als eBooks erschienen. Der jüngste Band im Umfang von 264 Seiten kam Anfang dieses Jahres heraus. Er trägt den Titel: „Rien ne vas plus – Wohin treibt die Menschenwelt?“ (ISBN 978-3-943788-43-3) und ist wie seine 6 Vorgänger im eVerlag READ – Rüdenauer Edition Autor Digital (www.read.ruedenauer.de) erschienen und dort wie in allen gut sortierten Buchhandlungen zum Preis von 9,95 Euro erhältlich.
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