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Wie lange lebt es sich noch fein vom Schein?

02.01.201709:39 UhrPolitik, Recht & Gesellschaft
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Prof. Querulix, Tacheles Bd. 7 - Rien ne vas plus – Wohin treibt die Menschenwelt? eBook, 9,95 Euro
Prof. Querulix, Tacheles Bd. 7 - Rien ne vas plus – Wohin treibt die Menschenwelt? eBook, 9,95 Euro

(openPR) Wenn man den verbreiteten Optimismus auf der einen und die tatsächliche Lage auf der anderen Seite vergleicht, staunt man über den Optimismus, der von der (Wirtschafts-)„Elite“ verbreitet wird. Das mutet schon an wie ein Rausch, der Glücksgefühle erzeugt, obwohl die auf elendem Fundament stehen.



Nicht nur einige Bankenvolkswirte fragen sich inzwischen, woher der Optimismus an den Aktienmärkten kommt. Offensichtlich werden die großen globalen Risiken gar nicht mehr wahrgenommen: Nicht gelöste Bankenkrise, konkursreife Überschuldung zahlreicher Länder, Spekulationsblasen durch skrupellose Geldvermehrung seitens der drei großen Notenbanken FED, EZB und BoJ, ausgebreitete Religionskriege im islamischen Weltteil, sich schnell verstärkende soziale Schieflagen in den großen Industriestaaten, drohendes Scheitern des Euro und mögliches Auseinanderbrechen der Europäischen Union, sich ausbreitender Terrorismus, crashende Anleihenkurse in den USA, die große Gefahr eines Dritten Weltkriegs als Cyber-War, um nur einige der großen Problem zu nennen, deren Lösung nicht einmal ansatzweise zu erkennen ist.

Optimismus ist sicherlich die denkbar realitätsfernste Einstellung zur derzeitigen Lage der Menschheit im Allgemeinen und der Europäer im Besonderen. „Der in der Wolle gefärbte Optimist zeigt sich in Extremfällen. Das ist zum Beispiel einer, der die Stewardeß fragt, wie er seinen Anschlußflug erreichen könne, nachdem der Pilot bekanntgegeben hat, daß alle Triebwerke ausgefallen seien und er nach einem geeigneten Gelände für eine Notlandung suche.“ (Prof. Querulix, Volksmund tut Weis- und Wahrheit kund)

Augen zu und durch? Egal, wir können’s sowieso nicht ändern? Menschen sind zu extrem irrationalen Denk- und Verhaltensweisen fähig. Anders ist auch nicht zu erklären, weshalb ihre Geschichte eine Geschichte von Mord und Totschlag, von Kriegen und eine Geschichte des fortwährenden Sieges der Triebe über die Vernunft ist. Wirkliche Weiterentwicklung hat es nur bei der Erfindung von Werkzeugen und Techniken gegeben. Im Übrigen ist der Mensch das räuberische Rudeltier geblieben, was er seit rund 6,5 Millionen Jahre nach der Abspaltung von seinen äffischen Vorfahren war.

Die Reaktion der Spekulanten auf die deutliche Abwahl des italienischen Establishments im kürzlich durchgeführten Referendum muß schon als grotesk irrational bezeichnet werden. Für die Europäische Union wie auch für den Euro ist dieses Ereignis nach dem Brexit ein zweites Menetekel. Daß die Aktienspekulanten dieses Ereignis mit Draghis Geldsegen feiern, zeigt nur, wie weit sich das Treiben an den Finanzmärkten schon von der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Realität entfernt hat. Wenn Kurse allerdings steigen und zugleich die Umsätze fallen, ist das allerdings ein Menetekel. Ein prall gefüllter Luftballon steigt gerade in den Himmel. . . Es dürfte nicht schwerfallen, sein Schicksal vorauszusehen.

Daß mit den „Rettungsmaßnahmen“ für marode Banken und Staaten fortgesetzt Vereinbarungen und Gesetze gebrochen werden, macht den Clan der Profiteure des Status quo in den Augen anständiger Menschen nur noch verächtlicher. Auch die italienische Pleitebank Monte dei Paschi soll nun wohl mit (frisch gedrucktem) Staatsgeld gerettet werden. Vordergründig heißt es, die „kleinen Kunden“ (ca. 40.000 Wähler) sollen geschont werden. In Wirklichkeit geht es wieder darum, die an der Misere schuldigen Bankster und Spekulanten auf Kosten der unschuldigen Bevölkerungsmehrheit vor Verlusten zu schützen. Das geplante Manöver kann wohl nur mit einem neuerlichen Bruch der Vereinbarungen gelingen, die vorsehen, daß zuerst die Aktionäre, die Kunden mit Einlagen von mehr als 100.000 Euro und andere Gläubiger ihr Geld verlieren, bevor Mittel der Öffentlichen Hand zur Abwicklung – nicht Rettung! – einer Bank eingesetzt werden dürfen. Aber die Selbstversorger wollen ihre prall gefüllten Taschen um jeden Preis schonen und es ist zu befürchten, daß es ihnen wieder gelingt.

Man kann gar nicht so viel fressen, wie man kotzen möchte, hat einmal jemand in einer Debatte über die „Leistungen“ unserer „Eliten“ gesagt. Wie wäre es zur Abwechslung einmal mit einer echten Problemlösung? Zum Beispiel mit einer länderweise nach dem tatsächlichen Sanierungsbedarf erhobene Sondersteuer auf große (Millionen-)Vermögen und Einkommen über 300.00 Euro zur Finanzierung der Rettung des maroden Bankenwesens und maroder Staatshaushalte? Das wäre ein echter Problemlösungsbeitrag und könnte zugleich der Moral der Gesellschaften wieder etwas aufhelfen.

Wenn um einen herum alles chaotischer wird, sollte man wenigstens sein eigenes Haus bestellen. Aber da liegt weltweit mehr im Argen als gut ist. Die „Eliten“ haben sich den Ruf als Raffkes, Selbstversorger und Ausbeuter erworben. Auch im reichen Deutschland gibt es immer mehr Arme. Die haben, wie man inzwischen weiß so gut wie keine Chance, sich jemals aus ihrer Lage zu befreien. Einmal arm, immer arm. Wer reich ist, muß dagegen schon ziemlich unfähig sein, um arm zu werden.

Der Maßstab für Erfolg ist heute allein das Geld, der ständig steigende Profit einer Minderheit. Dabei sollte der Maßstab erfolgreicher Politik das Wohlergehen aller Mitbürgerinnen und Mitbürger sein. Die Mehrheit der Menschen ist heutzutage nichts weiter mehr als das Mittel zur Bereicherung der polit-ökonomischen Herrscherklassen ihrer Länder. Zweck des Wirtschaftens ist nicht das größte Glück der größten Zahl, sondern der Reibach der „Eliten“. Jetzt, wo es eigentlich darum ginge, zusammenzustehen, um die bevorstehenden wirtschaftlich und politisch schwierigen Zeiten zu überstehen, zerfällt unsere Gesellschaft. Raffe, wer kann und was er kann, heißt die Devise.

Bei der Verteilung des gemeinsam erarbeiteten Volkseinkommens geht es seit der „christlich-sozialen“ Ära Kohl und verstärkt seit der „sozial“-demokratischen Agendapolitik Schröders immer ungerechter zu. Daß die Politiker die Fehlentwicklung seit langem befördern und trotz harscher Kritik nichts gegen unternehmen, kann man freundlicherweise als bloße Pflichtvergessenheit ansehen. Es sieht aber wegen der Nachhaltigkeit der Verfehlung eher wie Lobbyismus und Liebedienerei für die großen Absahner aus. Immer mehr Mitbürgerinnen und Mitbürgern kann das künftige Schicksal Deutschlands im Weltgerangel deshalb gleichgültig sein. Denn sie haben von diesen Politikern nichts zu erwarten – außer weiterhin ausgenutzt und ausgebeutet zu werden. Wer genug Verstand hat, weiß das und verhält sich entsprechend. Mit diesen Politikern haben sie keine erfreuliche Zukunft.

Das durch EZB, FED und BoJ mit untauglichen Mitteln nur in die Länge gezogene finanzwirtschaftliche Desaster ist längst dabei, auf die Realwirtschaft überzugreifen. Dadurch wird die auf der Basis einer Freibeuterideologie wie z.B. die der „Neuen Sozialen Marktwirtschaft“ herbeigeführte soziale Problematik erheblich weiter verschärft. Hinzu kommen die wieder fragil gewordenen Beziehungen zwischen den Großmächten USA, China und Sowjetunion und der weltweit geführte Religionskrieg der Islamisten. Bisher ist nicht zu erkennen, daß die „Eliten“ auch nur für eine dieser Gefahren wirksame Schutz- und Verteidigungsmaßnahmen entwickeln.

Aus historischer Sicht muß man sich fragen, warum die Alphatiere der Menschheit ihre Großrudel mit schöner Regelmäßigkeit immer wieder ins Verderben steuern, obwohl die Problematik geradezu ins Auge springt und – allerdings nur mit Vernunft und Konsequenz – durchaus lösbar wäre. Unzählige einst prosperierende Gesellschaften und Kulturen sind bereits von der geschichtlichen Bühne verschwunden. Es sieht so aus, als sei wieder einmal die Zeit dafür reif.

Prof. Querulix beobachtet und kommentiert seit vielen Jahren das Treiben des Menschentiers und seiner Alphas. 6 Bände „Tacheles“ mit zahlreichen seiner Beobachtungen und Kommentare sind bereits erschienen. Der 7. Band der Reihe ist in Kürze verfügbar. Er trägt den Untertitel „Rien ne vas plus – Wohin treibt die Menschenwelt?“ (eBook, ISBN 978-3-943788-43-3). Erhältlich ist er im eVerlag READ – Rüdenauer Edition Autor Digital (www.read.ruedenauer.de) und in allen gut sortierten Buchhandlungen für 9,95 Euro.

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