openPR Recherche & Suche
Presseinformation

Opfer als Täter - "Optimierungsgesetz" soll Erwerbslose gängeln

20.04.200614:20 UhrPolitik, Recht & Gesellschaft
Bild: Opfer als Täter - "Optimierungsgesetz" soll Erwerbslose gängeln

(openPR) -dp "Hartz IV ist gescheitert. Die Befürworter dieser heftigsten Attacke auf das deutsche Sozialsystem wollen nun von ihrem Versagen ablenken, indem sie die Leistungsempfänger dafür verantwortlich zu machen versuchen." Das ist das Ergebnis einer Bestandsaufnahme des Arbeitskreises "Erwerbslosigkeit und Soziale Bürgerrechte" (ESBR) der Humanistischen Union (HU) nach 15 Monaten Hartz IV.


Bei seiner Sitzung am Mittwoch (19. April) wandte sich der ESBR gegen die Pläne der Bundesregierung, den Druck auf die Bezieher des Arbeitslosengeldes II (ALG II) nochmals zu erhöhen. Ihnen soll demnächst unverzüglich eine "Arbeitsgelegenheit" oder eine "Trainings-Massnahme" angeboten werden. Wer Leistungen vom Staat beziehe, der müsse sich dann auch bereit zeigen, dafür etwas zu tun, heisst es zur Begründung. Nach Auffassung des ESBR stellt das sogenannte "Hartz-IV-Optimierungsgesetz" die Erwerbslosen unter Generalverdacht, sie wollten den Staat nur melken. Dies empfindet der ESBR als "unverschämte Herabwürdigung von Millionen Menschen"!
Mit seinem Entwurf will der Gesetzgeber die Beweislast einer sogenannten "eheähnlichen Lebensgemeinschaft" umkehren: Nachdem die Rechtsprechung festgestellt hatte, dass in einer Wohnung zusammenlebende Menschen nicht automatisch als "eheähnliche Gemeinschaft" veranlagt werden dürfen, müssen sie nach dem Gesetzentwurf künftig ihrerseits den Beweis antreten, dass sie kein Paar sind. Das hält die HU für verfassungswidrig.
Tatsächlich sei Hartz IV nicht nur die Erwerbslosen teuer gekommen, sondern auch den Steuerzahler. Voraussichtlich werden die Kosten für Hartz IV im Jahr 2006 um drei bis vier Milliarden Euro höher liegen als ursprünglich geplant. Nun will die Bundesregierung mit ihrem "Optimierungsgesetz" 1,2 Milliarden Euro an den Erwerbslosen einsparen.
Was viele vorab befürchtet hatten, ist eingetreten: Die Regelungen des sogenannten "Sozialgesetzbuchs II" (SGB II) haben nach Beobachtungen des ESBR eine Spirale der sozialen Deklassierung in Bewegung gesetzt.
900.000 Menschen beziehen inzwischen Arbeitsentgelte, die unterhalb der Regelsätze des ALG II liegen. Nach Einschätzung des Diakonischen Werkes könnte sich die Zahl in nächster Zeit durchaus verdoppeln. Die sinkende Zahl von Erwerbstätigen in versicherungspflichtigen Arbeitsverhältnissen des sogenannten "Ersten Arbeitsmarktes" und die sinkenden Real-Löhne bringen nach Einschätzung des ESBR die Sozialsysteme in finanzielle Bedrängnis. "Wenn diese Entwicklung anhält, dann sieht der ESBR schwarz für die Zukunft des Sozialstaates Bundesrepublik Deutschland", erklärte der Marburger HU-Vorsitzende Franz-Josef Hanke. Die Prüfung der Leistungswilligkeit hält er für "einen grossen Schwindel". Wenn sie sich ähnlich gestalte wie die Vermittlungsbemühungen des KreisJobCenters (KJC) in den vergangenen 15 Monaten, dann grenze dies an Leistungsbetrug durch die zuständige Behörde.
Dem ESBR waren Fälle bekanntgeworden, in denen das KJC Magister der Pädagogik aufgefordert hatte, sich als Erzieher bei Kindergärten zu bewerben. Offenbar war der zuständige Sachbearbeiter des KJC nicht in der Lage, zwischen Pädagogik und Erziehung zu unterscheiden. "Das ist, als ob man einen Fussballer auffordert, als Eisläufer anzutreten, weil er doch Sportler sei", verglich Hanke. In einem anderen Fall wollte das KJC eine Blinde als Aufsichtsperson zur Schulaufgaben-Betreuung einsetzen.
"Wenn die Prüfung der Leistungswilligkeit ähnlich aussieht, dann müssen Leistungsberechtigte mit Recht fürchten, völlig falsche Einschätzungen zu ernten", befürchtet Hanke. Nicht vergessen darf man nach Ansicht des ESBR auch, dass die Zahl der Erwerbslosen um ein Vielfaches grösser ist als die der Offenen Stellen. "Man kann doch nicht die Erwerbslosen dafür verantwortlich machen, dass es keine Arbeitsplätze gibt", erklärte Hanke. "Das aber versucht die Bundesregierung augenscheinlich mit ihrem Entwurf eines sogenannten Optimierungsgesetzes."

Dragan Pavlovic
(Pressesprecher des HU-Ortsverbands Marburg)

Diese Pressemeldung wurde auf openPR veröffentlicht.

Verantwortlich für diese Pressemeldung:

News-ID: 84126
 3232

Kostenlose Online PR für alle

Jetzt Ihren Pressetext mit einem Klick auf openPR veröffentlichen

Jetzt gratis starten

Pressebericht „Opfer als Täter - "Optimierungsgesetz" soll Erwerbslose gängeln“ bearbeiten oder mit dem "Super-PR-Sparpaket" stark hervorheben, zielgerichtet an Journalisten & Top50 Online-Portale verbreiten:

PM löschen PM ändern
Disclaimer: Für den obigen Pressetext inkl. etwaiger Bilder/ Videos ist ausschließlich der im Text angegebene Kontakt verantwortlich. Der Webseitenanbieter distanziert sich ausdrücklich von den Inhalten Dritter und macht sich diese nicht zu eigen. Wenn Sie die obigen Informationen redaktionell nutzen möchten, so wenden Sie sich bitte an den obigen Pressekontakt. Bei einer Veröffentlichung bitten wir um ein Belegexemplar oder Quellenennung der URL.

Pressemitteilungen KOSTENLOS veröffentlichen und verbreiten mit openPR

Stellen Sie Ihre Medienmitteilung jetzt hier ein!

Jetzt gratis starten

Weitere Mitteilungen von Humanistische Union

Bild: Hausdurchsuchung bei Antifaschisten - HU Marburg kritisiert rechtswidrigen Beschluss eines befangenen RichtersBild: Hausdurchsuchung bei Antifaschisten - HU Marburg kritisiert rechtswidrigen Beschluss eines befangenen Richters
Hausdurchsuchung bei Antifaschisten - HU Marburg kritisiert rechtswidrigen Beschluss eines befangenen Richters
Gegen die Hausdurchsuchung bei dem Amöneburger Physiker Dr. Ulrich Brosa am Donnerstag (4. Januar) protestiert die Humanistische Union (HU). Der HU-Ortsverband Marburg hält die Aktion für eine verfassungswidrige Schikanierung des Antifaschisten. Gegen 9.30 Uhr erschienen am Donnerstagmorgen Beamte der Kriminalpolizei mit einem Durchsuchungsbefehl vor Brosas Tür. Unterzeichnet hatte ihn der Amöneburger Amtsrichter Laudi. Begründet war die Durchsuchung damit, dass Brosa einen Bundeszentralregister-Auszug des Polizisten-Sohnes Frank L. im Inter…
Bild: Minister als Geisel-Gangster? HU Hessen fordert Respekt vor dem RechtBild: Minister als Geisel-Gangster? HU Hessen fordert Respekt vor dem Recht
Minister als Geisel-Gangster? HU Hessen fordert Respekt vor dem Recht
Mangelnden Respekt der Regierenden gegenüber dem Recht beklagt die Humanistische Union Hessen angesichts der amtlichen Ankündigungen zum Jahresbeginn. Sowohl der Bundeskanzlerin Angela Merkel als vor allem auch ihrem Innenminister Wolfgang Schäuble hat der hessische HU-Landessprecher Franz-Josef Hanke am Dienstag (2. Januar) "ignoranten Umgang mit Recht und Gesetz" vorgeworfen. Nach seinen beharrlichen Bestrebungen zugunsten eines Freibriefs zur verfassungswidrigen Tötung unschuldiger Flugpassagiere sei Schäuble als Innenminister nicht mehr t…

Das könnte Sie auch interessieren:

Bild: Macht, Hass, Gewaltverbrechen: Mängel bei Aufklärung und SanktionierungBild: Macht, Hass, Gewaltverbrechen: Mängel bei Aufklärung und Sanktionierung
Macht, Hass, Gewaltverbrechen: Mängel bei Aufklärung und Sanktionierung
… das Ausmaß der Vorurteile und der Gruppenintoleranz in einer pluralistischen Gesellschaft. Durch Degradierung, Viktimisierung und Traumatisierung der Opfer versuchen Täter, ihren Dominationsanspruch zu exekutieren. Die Täter sind von Selbstüberschätzung, Anmaßung und Überheblichkeit beherrscht und versuchen, ein schwaches, brüchiges Selbstwertgefühl …
Wer arm dran ist, verliert auch noch Bürgerrechte
Wer arm dran ist, verliert auch noch Bürgerrechte
Thema: Hartz IV / Bundeskabinett / Optimierungsgesetz Datum: 03. 05. 2006 Mit einem „Optimierungsgesetz“ will die Bundesregierung die Sanktionen für Hartz-IV-Betroffene verschärfen und den Datenschutz für ALG-II-Empfänger weiter lockern. Dazu erklärt Petra Pau, stellvertretende Vorsitzende der Fraktion DIE LINKE. und Mitglied im Innenausschuss: Wer …
Internetrecht: Stalking im Netz – Wie die Täter vorgehen und was Opfer hiergegen machen können
Internetrecht: Stalking im Netz – Wie die Täter vorgehen und was Opfer hiergegen machen können
… Opfer von Cyber-Stalkingattacken und setzen deren Ansprüche durch. Der Artikel führt in die Problematik ein und zeigt Handlungsmöglichkeiten auf. 1. Wie die Täter vorgehen Unter Stalking versteht man das willentliche und wiederholte (beharrliche) Verfolgen oder Belästigen einer Person, deren physische oder psychische Unversehrtheit dadurch unmittelbar, …
Bild: Stalking-Übergriffe? Detektei Frankfurt, Köln, KarlsruheBild: Stalking-Übergriffe? Detektei Frankfurt, Köln, Karlsruhe
Stalking-Übergriffe? Detektei Frankfurt, Köln, Karlsruhe
… 2012 23.831 Fälle 2013 21.857 Fälle 2014 19.704 Fälle 2015 Aus den 26.848 Fälle die 2010 gemeldet wurden ermittelte die Polizei 21.689 Tatverdächtige. Davon wurden lediglich 748 (3,7 %) Täter angeklagt, und 414 (1,9 %) der Täter wurden verurteilt. Die Dunkelziffer in Deutschland wird weit höher geschätzt, auf ca. 600.000 – 800.000 Stalking Opfer im …
Sexuelle Gewalt bei Kindern und Jugendlichen: Ein Schuldbekenntnis des Täters kann dem Opfer helfen
Sexuelle Gewalt bei Kindern und Jugendlichen: Ein Schuldbekenntnis des Täters kann dem Opfer helfen
Opfer sexueller Gewalt können ihre Verletzungen besser verarbeiten, wenn die Täter sich schuldig bekennen und Reue zeigen. "Dies ist ein wichtiger Schritt für die Opfer, sich von ihren eigenen Schuldgefühlen zu befreien", beobachten die Therapeutinnen Carmen Kerger und Elke Visser. "Mädchen und Jungen fühlen sich durch den sexuellen Missbrauch häufig …
Bild: Köln, so werden Sie kein Opfer: Taschendiebstähle in Verbindung mit sexueller GewaltBild: Köln, so werden Sie kein Opfer: Taschendiebstähle in Verbindung mit sexueller Gewalt
Köln, so werden Sie kein Opfer: Taschendiebstähle in Verbindung mit sexueller Gewalt
Nach aktuellen Presseberichten sollen in der Silvesternacht 40 bis 100 Täter massiv Frauen am Kölner Hauptbahnhof belästigt und bestohlen haben. Bisher haben 35 Opfer eine Strafanzeige bei der Polizei erstattet. Die Täter gingen dabei sehr skrupellos vor. So wurden einer Frau die Strumpfhose und der Slip fast komplett vom Leib gerissen. Andere Frauen …
Bild: § 177 StGB - Wann und wie ist eine sexuelle Nötigung/Belästigung oder Vergewaltigung strafbar?Bild: § 177 StGB - Wann und wie ist eine sexuelle Nötigung/Belästigung oder Vergewaltigung strafbar?
§ 177 StGB - Wann und wie ist eine sexuelle Nötigung/Belästigung oder Vergewaltigung strafbar?
… Mindeststrafe von 1 Jahr Freiheitsstrafe bedroht. Je nach Schwere beziehungsweise Ausführung der Tat können auch Strafen von 5 Jahren und mehr verhängt werden. Verursacht der Täter durch die sexuelle Nötigung oder Vergewaltigung wenigstens leichtfertig den Tod des Opfers, so ist die Strafe lebenslange Freiheitsstrafe oder Freiheitsstrafe nicht unter zehn Jahren. …
Cyberstalking – Bedrohung aus dem Netz
Cyberstalking – Bedrohung aus dem Netz
Die Verletzungen des Persönlichkeitsrechts unter Verwendung des Internets häufen sich immer mehr. Insbesondere werden die gängigen technischen Kommunikationsmittel von Tätern eingesetzt, um ihren Opfern nachzustellen. Insoweit spricht man vom „Cyberstalking“. Die Opfer solcher Stalking Attacken sind jedoch nicht schutzlos. ilex erläutert, welche rechtliche …
Mediation ein unverzichtbares Element des modernen Strafrechts
Mediation ein unverzichtbares Element des modernen Strafrechts
(ddp direct)Ungeachtet der längst erwiesenen Relevanz des Täter-Opfer-Ausgleichs, wird das Potenzial geeigneter Fälle in Baden-Württemberg bislang zu wenig erkannt und genützt. So wurden im vergangenen Jahr nur ca. 1 150 Fälle, für die das allgemeine Strafrecht zur Anwendung kommt, einem Täter-Opfer-Ausgleich zugewiesen: eine im internationalen Vergleich …
Bild: STALKING - Bis zu 10 Jahre Haft nach neuem § 238 StGBBild: STALKING - Bis zu 10 Jahre Haft nach neuem § 238 StGB
STALKING - Bis zu 10 Jahre Haft nach neuem § 238 StGB
… Schwere der Tat mit Geldstrafen und sogar mit Freiheitsstrafen von bis zu 10 Jahren bestraft werden. Opfer können grundsätzlich als Nebenkläger aktiv am Prozess gegen den Täter teilnehmen. Mit dem neuen Straftatbestand des § 238 StGB hat der Gesetzgeber unter der amtlichen Überschrift „Nachstellung“ in diesem Jahr eine Vorschrift geschaffen, die gezielt …
Sie lesen gerade: Opfer als Täter - "Optimierungsgesetz" soll Erwerbslose gängeln