(openPR) Wie zu erwarten hatte sich die Arbeitgeberseite bei der ersten Verhandlungsrunde am vergangenen Donnerstag abwehrend bezüglich der Forderungen der rund 2,1 Millionen Beschäftigten der Kommunen und des Bundes gezeigt. Wir haben mit dem Vorsitzenden der Deutschen Beamtenbund-Jugend nrw (dbb jugend nrw), Jano Hillnhütter, gesprochen und ihn gefragt, wie er die Argumente von Verhandlungsführer Thomas Böhle so findet.
Frage: Verhandlungsführer Thomas Böhle findet, dass der Öffentliche Dienst für Arbeitnehmer sehr interessant ist, weil man dort Arbeitsplätze vorfindet, die auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten sicher sind und vor allem Frauen dort gute Aufstiegschancen haben. Sieht das die dbb jugend nrw genauso?
J. Hillnhütter: Das ist nicht die Wirklichkeit, die wir kennen. Gerade Informatiker, wie Herr Böhle einer ist, finden in der freien Wirtschaft weitaus attraktivere Gehaltsstrukturen vor und suchen dort eher Arbeit als im Öffentlichen Dienst. Nur so können wir erklären, dass wir unter anderem in den technischen Berufen wie der Informatik Probleme haben, die bestehenden Stellen überhaupt zu besetzen. Wenn sich die Arbeitgeber immer auf Schlagworte wie "sichere Arbeitsplätze" und "gute Vereinbarkeit von Familie und Beruf" zurückziehen, wird das ins Auge gehen. Die privaten Arbeitgeber haben in den letzten Jahren nicht geschlafen und besonders viel dafür getan, dass junge Menschen Arbeit und Familie miteinander vereinbaren können. Darüber hinaus muss man zur Kenntnis nehmen, dass man in Zeiten von Befristung im Öffentlichen Dienst nicht mehr von "sicheren Arbeitsplätzen" sprechen kann. Ich halte es zudem für fahrlässig, davon auszugehen, dass sich noch genügend Leute im Öffentlichen Dienst bewerben. Man braucht heute schon sehr viel Idealismus, um das zu tun.
Frage: Erwartungsgemäß halten die Arbeitgeber die Forderung, die Gehälter um 100 Euro und dann um 3,5 Prozent zu erhöhen, für utopisch. Interessant ist auch hier das Argument von Thomas Böhle, die niedrigen Einkommen wüchsen dann zu stark zu Lasten der höheren. Wie sieht das die dbb jugend nrw?
J. Hillnhütter: Die unteren Gehaltsgruppen sind von den schlechten Gehaltsentwicklungen der letzten Jahre viel stärker betroffen. Diese Kollegen haben ohnehin schon wenig Geld zum Leben, was durch den Sockel aufgefangen würde. Die Gehälter im Öffentlichen Dienst bleiben seit Jahren hinter der allgemeinen Lohnentwicklung zurück. Das Tarifregister des Arbeitsministeriums NRW zeigt, dass die Netto-Tarifverdienste zwischen 2000 und 2013 real um 1,68 Prozent sanken. Wenn die Arbeitgeber die Attraktivität des Öffentlichen Dienstes anheben wollen, müssen sie dafür sorgen, dass es einen deutlichen Lohnzuwachs über den reinen Inflationsausgleich hinaus gibt.
Frage: Müllfahrer sollen nach den Forderungen der Tarifkommission 100 Euro mehr bekommen. Die Bundestagsabgeordneten haben ihre Bezüge gerade erst um 830 Euro erhöht. Was lösen diese Fakten in dir aus?
J. Hillnhütter: Wir wollen uns nicht an der Neiddebatte bezüglich der Gehälter der Abgeordneten beteiligen. Aber die ablehnenden Reaktionen der Politik auf unsere Forderungen sind schon seltsam, wenn gleichzeitig die Erhöhung der Diäten beschlossen werden. So erhöht sich natürlich der Unmut der Kolleginnen und Kollegen. Das wird sich in den nächsten Tagen auf der Straße zeigen.













