(openPR) Eine körperwarme Hand bewegt sich fünf Zentimeter pro Sekunde mit leichtem Druck über die Haut. Diese ideale Streichelformel fanden Forscher heraus. Und bei zwei Quadratmeter Haut ergeben sich viele Gelegenheiten. Es gibt natürlich auch unangenehme Empfindungen wie Verbrennungen und Schmerzen. Manche spüren davon zu viel: Beim chronischen Schmerz laufen die Rezeptoren Amok. Andere spüren eine Hand, die nicht mehr da ist. Und manche wiederum fühlen überhaupt nichts. Das Onlinemagazin berichtet im März über das Fühlen und geht der Wichtigkeit von Berührungen, Tast- und Temperatursinn sowie Schmerz nach. Denn ohne Berührungen würde der Mensch gewissermaßen „blind“ durch die Welt laufen.
Kitzeln kann man sich auf keinen Fall alleine, es braucht eine andere, fremde Hand. Denn das Gehirn erwartet die Berührungen der eigenen Hand – davon gingen Forscher bisher aus. Australische Neurowissenschaftler untersuchten dieses Phänomen nun mit Hilfe der Körpertausch-Illusion: Studienteilnehmer waren mit Kamera und Spezialbrille ausgestattet. So sahen sie nicht nur mit ihren, sondern auch mit den Augen des Gegenübers. Dadurch verwirrt, wussten die Probanden letztlich nicht mehr, ob sie die eigene oder eine fremde Hand berührten. So müsste man sich doch auch selbst kitzeln können?! Das funktionierte aber nicht. Demzufolge konnten die Forscher beweisen, dass das Gehirn nicht wie angenommen, die Berührungen erwartet.
Neben Kribbeln und Streicheln gibt es viele andere Empfindungen, die das somatosensorische System dem Menschen beschert. Fast 20 Rezeptortypen helfen dabei, die Welt mit dem sechsten Sinn kennen – ja fühlen – zu lernen. Da dieser Sinn oft vernachlässigt wird, widmet sich das Onlinemagazin www.dasgehirn.info im Monat März dem Fühlen.
Fühlen lässt sich nicht abschalten
“Im Gegensatz zum Sehsinn, den wir nachts ausschalten, ist der Tastsinn immer 'on'”, sagt Martin Grunwald, Leiter des Haptik-Labors an der Universität in Leipzig. Rund um die Uhr nimmt der Mensch physikalische Reize wie Druck, Vibration und Temperatur auf. Über den Tastsinn erfährt man mehr und lernt sogar für das Leben." Häufig sind die Hände schon einen Schritt voraus und offenbaren ein Wissen, das dem Bewusstsein noch nicht zugänglich ist", bestätigt auch Gesten-Forscherin Susan Goldin-Meadow von der Universität Chicago. Eine Langzeitstudie von Wissenschaftlern der Universität Florida belegt, Kinder, die früh mit Bauklötzen spielen, erzielen später bessere Ergebnisse in Mathematik. “Der Mensch ist insgesamt ein Lernorgan, das sich nicht auf einzelne Sinne reduzieren lässt”, sagt Martin Grunwald. Daher müsse auch der Tastsinn gefordert sein: “Wir sind haptische Wesen, die ein Bedürfnis nach Interaktion mit der Umwelt haben.”
Fühlen ist lebenswichtig
Schmerz zu empfinden, ist zwar unangenehm, aber überlebenswichtig. Die berühmt, berüchtigte Herdplatte ist das Beispiel schlechthin. Der Temperaturreiz gelangt von den Nozizeptoren über das Rückenmark ins Gehirn. In der somatosensorischen Hirnrinde wird das schmerzhafte Gefühl als solches interpretiert. Allerdings spüren manche Menschen nur noch Schmerz. Bei ihnen reagieren die Rezeptoren über. Die Nervenimpulse verselbständigen sich, die Zelle kann nicht mehr abschalten: Sie hat ein so genanntes Schmerzgedächtnis entwickelt. Der Schmerz ist nicht länger ein nützliches Warnsignal – er ist selbst zur Krankheit geworden. Allerdings gibt es auch Schmerzen, die an sich nicht existieren könnten, wie nach einer Amputation. Bei Phantomempfindungen wird die Intensität der Signale überbewertet und als Schmerz wahrgenommen. Neurowissenschaftler Vilayanur Ramachandran entwickelte eine Verhaltenstherapie, die sich auch wieder die Gummihand-Illusion zu Nutze macht.









