(openPR) 24 Stunden lang haben die Mitglieder der dbb jugend nrw in wechselnder Besetzung vor der Staatskanzlei in Düsseldorf ausgeharrt. Mit ihrer Mahnwache vom 25. Februar, 10 Uhr bis 10 Uhr am Folgetag haben sie sich für die jungen Beschäftigten im Öffentlichen Dienst stark gemacht. Wir sprachen mit Landesjugendleiter Markus Schallenberg über die Aktion:
24 Stunden lang hat die dbb jugend nrw Standhaftigkeit bewiesen und vor der Düsseldorfer Staatskanzlei Stellung bezogen. Was war das Ziel der Aktion?
Markus Schallenberg: In den derzeit laufenden Verhandlungen für die Beschäftigten im Öffentlichen Dienst der Länder fordert der dbb beamtenbund und tarifunion unter anderem 6,5 Prozent mehr Lohn sowie die Erhöhung der Ausbildungsentgelte um 100 Euro und die Übernahme aller Azubis im Länderbereich. Das ist eine berechtigte Forderung. Die Arbeitgeberseite hat nach zwei Verhandlungsrunden nicht mal ein Angebot vorgelegt. Das ist eine Frechheit. Deshalb haben wir uns hier positioniert, um uns insbesondere für die jungen Kolleginnen und Kollegen stark zu machen. Der demografische Wandel wird den Öffentlichen Dienst in den nächsten Jahren hart treffen. Gleichzeitig werden viele Azubis nicht übernommen. Die Uniklinik Düsseldorf beispielsweise wird Ende Februar nach dreijähriger Ausbildung rund 30 examinierte Krankenpfleger und Krankenschwestern entlassen. Und das, obwohl dort Personalnotstand herrscht. Das ist ein Ding der Unmöglichkeit! Unsere Landesmutter, Ministerpräsidentin Hannelore Kraft, kommt ihrer Pflicht nicht nach, die Jugendlichen in den Landesverwaltungen nicht nur auszubilden, sondern ihnen danach auch eine Perspektive zu bieten. Deswegen haben wir hier vor ihrer Haustür Stellung bezogen.
Eine Mahnwache über 24 Stunden abzuhalten ist eine logistische Herausforderung und ein großer Kraftakt für einen Jugendverband. Wie habt ihr das gestemmt?
Markus Schallenberg: Wir haben bei der Vorbereitung alle an einem Strang gezogen. Die hauptamtlichen Mitarbeiter/innen unserer Geschäftsstelle und insbesondere die Ehrenamtler aus unseren Reihen haben Hand in Hand zusammengearbeitet und Großartiges geleistet. Nur mit der Unterstützung von vielen Helfern konnten wir so eine Großaktion durchziehen. Wir waren in vier Schichten organisiert und hatten über den kompletten Zeitraum rund 120 Leute vor Ort. Ich bin stolz auf unseren Verband. Wir sind eine große Solidargemeinschaft und wenn es drauf ankommt, halten wir zusammen. Während unserer Mahnwache kamen immer wieder neue Leute aus unserem Verband vorbei. Manche blieben ein paar Stunden, andere die komplette Zeit über. Und selbst diejenigen, die nicht dabei sein konnten, haben uns via WhatsApp, SMS und vor allem facebook unterstützt. Bis spät nachts gingen auf unserer facebook-Seite haufenweise Kommentare ein und heute Morgen ab 5 Uhr ging das Spielchen weiter. Die Solidarität – vor Ort oder vor dem PC – war wirklich überwältigend. Das hat uns Kraft gegeben, die ganze Zeit durchzuhalten.
Du warst die komplette Zeit über dabei. Was war die größte Herausforderung?
Markus Schallenberg: Am Anfang ging es Schlag auf Schlag: Mit Beginn der ersten Schicht am Montagmorgen um 10 Uhr hatten wir direkt einen Schwung von rund 50 Kolleginnen und Kollegen vom VdLA NRW (Verband der Landesbeamten, -angestellten und -arbeiter NRW) hier vor Ort. Dann konnten wir in einem Gespräch mit der Abteilungsleiterin der Zentralabteilung Verwaltung der Staatskanzlei, Frau Christina Halstenberg-Bornhofen, unsere Position deutlich machen und auf die schwierige Situation der jungen Kolleginnen und Kollegen hinweisen. Am Nachmittag hatten wir dann eine ganze Reihe von Solidaritätsbesuchen aus den Reihen unserer Mitgliedsverbände und des DBB-Landesvorstands. Auch Vertreter aus der Politik haben uns besucht und unterstützt. Gegen Abend wurde es etwas ruhiger und nachts hatte jeder von uns irgendwann einen toten Punkt. Besonders hart wurde es, als mitten in der Nacht gegen 3 Uhr unser Heizstrahler für rund anderthalb Stunden ausfiel. Da wurde es schon empfindlich kalt im Zelt. Glücklicherweise haben wir ihn dann wieder ans Laufen bekommen.
Hat sich in deinen Augen denn die ganze Mühe gelohnt?
Markus Schallenberg: Auf jeden Fall! In der Staatskanzlei haben wir unsere Forderungen sehr deutlich formuliert und ich bin mir sicher, dass unsere Gesprächspartner viel mitnehmen konnten. Auch das Medieninteresse war immens: WDR, Sat. 1 und RTL hatten Kamerateams vorbeigeschickt, ein Reporter von Antenne Düsseldorf war für ein Interview vor Ort und auch die WAZ hat über uns berichtet. Man hat gemerkt, dass die Medien viel Anteil nehmen an den Problemen der jungen Beschäftigten im Öffentlichen Dienst. Ein Traumjob, wie viele glauben, ist das nämlich schon lange nicht mehr. Über die angeblich ach so sicheren Stellen können unsere Azubis nur lachen. Die hoffen inständig, nach ihrer Ausbildung überhaupt erst mal übernommen zu werden. Und wenn ihnen das gelingt, bekommen sie häufig erst mal nur einen befristeten Vertrag. Eine gesicherte Zukunft sieht anders aus. Ich bin mir sicher, dass auch unsere Ministerpräsidentin registriert hat, dass es uns mit unserer Forderung nach Übernahme ernst ist. Und spätestens jetzt weiß sie auch: Wir drohen nicht nur mit Streik, wir ziehen ihn auch durch. Und wir haben einen langen Atem.
Am 7./8. März kommen die Verhandlungspartner der Einkommensrunde für die Beschäftigten der Länder noch einmal zusammen. Was passiert, wenn dann wieder keine Einigung im Sinne der Gewerkschaften erzielt wird?
Markus Schallenberg: Ich bin mir sicher, dass unsere Mitglieder dann in der Urabstimmung mit einer breiten Mehrheit den Vollstreik beschließen werden. Wir lassen uns das nicht weiter gefallen! Für unsere jungen Kolleginnen und Kollegen geht es um mehr als um 6,5 Prozent mehr Geld im Portemonnaie. Es geht um ihre Existenz. Wenn es keine Einigung gibt, kommen wir wieder und machen da weiter, wo wir heute aufgehört haben. Dann ist aber nach 24 Stunden nicht Schluss. Wie ernst es uns ist, haben wir heute gezeigt.
Wie sehen deine persönlichen Pläne für den heutigen Tag noch aus?
Markus Schallenberg: Ich lege mich jetzt für ein paar Stündchen ins Bett. Ich bin schon ein bisschen geschafft. Ich bin ehrlich: Das war ein Kraftakt, aber es war jede Mühe wert!













