(openPR) Interview mit Markus Schallenberg: „Mein Unverständnis steigt“
Bislang ist tote Hose: Wenn am 24. Februar die Tarifparteien wieder am Verhandlungstisch in Potsdam zusammenkommen, dann hoffen die Beschäftigten der Länder auf ein faires Angebot der Arbeitgeberseite. Das liegt bislang nicht vor. Der Vorsitzende der Tarifgemeinschaft, Hartmut Möllring, hat bereits vor dem Verhandlungsauftakt durchblicken lassen, dass der Haushalt eher weitere Einsparungen fordere als Möglichkeiten zu Gehaltserhöhungen biete. Wir sprachen mit dem Vorsitzenden der dbb jugend nrw, Markus Schallenberg, darüber.
Stellen wir uns vor, es würde im Öffentlichen Dienst tatsächlich eine Milliarde Euro im Personalhaushalt gespart. Welche Auswirkungen hätte das?
Das wären zum Beispiel 20.000 Lehrerstellen, also jeder zehnte Lehrer in NRW. Dann hätten wir vielleicht eine Klassenstärke von 35 Kindern. Die Länderhaushalte sind sehr personalkostenhaltig, aber man muss immer überdenken, welche Konsequenz eine Einsparung hätte. Schon jetzt fahren in manchen Städten nachts nur noch vier Polizisten Streife für 100.000 Bürger. Will man das noch weiter runterfahren? Schon jetzt fehlen eigentlich Lehrer in NRW - will man das Problem noch weiter forcieren?
Der Vorsitzende der Tarifgemeinschaft, Hartmut Möllring, hat formuliert, dass die Verwaltung modernisiert werden müsse und man mit weniger Arbeit das Gleiche erreichen können müsse. Das sei in der freien Wirtschaft völlig selbstverständlich. Der neue Golf VI werde zum Beispiel auch in weniger Arbeitsstunden als das Vorgängermodell gefertigt. Der Wagen sei trotzdem besser. Wie denkst du darüber?
Mein Unverständnis steigt. Ich finde diese Idee abstrus und populistisch. Im Öffentlichen Dienst bauen wir keine Autos. Wir unterrichten Kinder. Wir arbeiten für die öffentliche Sicherheit. Wir pflegen Kranke. Herr Möllring redet hingegen von der Produktionswirtschaft, die man doch wohl nicht mit der Dienstleistungswirtschaft vergleichen kann. Wenig Innovation würde sicher eine Einsparung im Frisörhandwerk bringen, wenn zum Beispiel die Frisörin plötzlich statt einer Dauerwelle in einer Stunde drei machen sollte. Oder eine Krankenschwester statt zehn Kranken in der gleichen Zeit zwanzig Kranke pflegen sollte. Dann hat man sicherlich eingespart und optimiert. Aber was kommt dann an Leistung beim einzelnen Menschen noch an? Wir können das in vielen Bereichen weiterspinnen: Statt 1.000 Betrieben soll der Lebensmittelkontrolleur dann 1.200 Betriebe überwachen. Mit welchem Ergebnis? Ist es das, was wir wollen?
Die Arbeitgeber haben schon jetzt verlautbart, dass sie sich mit einem Gegenangebot Zeit lassen wollen.
Es wäre ja auch erstaunlich, wenn die Arbeitgeberseite konstruktiv in der ersten Verhandlungsrunde, spätestens aber in der zweiten ein Angebot machen würde. Wir werden daher mit den drei vereinbarten Verhandlungsrunden wohl kaum hinkommen. Derzeit ist die letzte Runde für den 4. März vereinbart. Was danach kommt, müssen wir einmal abwarten.









