(openPR) Fünf Prozent mehr Geld will die dbb tarifunion ab Mittwoch in Potsdam für die Beschäftigten im Öffentlichen Dienst erstreiten. Die Arbeitgeber halten dagegen und verweisen auf die schwere Haushaltslage. Die Kommunen drohen sogar mit weiterem Abbau von Personal. "Schon jetzt aber ist die Zahl der Beschäftigten zu gering, um alle Aufgaben auch zu erledigen. Zudem fehlt der Nachwuchs", warnt der Vorsitzende der dbb jugend nrw, Markus Schallenberg. Im Interview erklärt er die Lage in den Verwaltungen.
Der Deutsche Städtetag hält die angestrebten fünf Prozent Lohnsteigerung für nicht bezahlbar. Das werde die Städte und Kommunen weiter in die Verschuldung treiben. Höhere Löhne und Gehälter für die Beschäftigten auf Pump zu finanzieren, schränke die Handlungsfähigkeit der Kommunen weiter ein. Wie rechtfertigt die dbb jugend nrw da das geforderte Mehr an pauschal 100 Euro für die Auszubildenden?
M. Schallenberg: Wir stellen nicht in Abrede, dass die Lohnaufwendungen steigen. Aber die Beschäftigten im Öffentlichen Dienst haben die schwierige Haushaltslage nicht herbeigeführt. Im Gegenteil: Die Bediensteten haben bereits mit Milliarden zur Sanierung des öffentlichen Haushalts beigetragen. Hinter Bezeichnungen wie „Beschäftigte des Öffentlichen Dienstes“ stehen Menschen. Menschen, die gewissenhaft und mit vollem Einsatz tagtäglich ihre Arbeit tun und die darum - wie jeder andere auch - an der allgemeinen Einkommensentwicklung teilhaben möchten. Wer Mitarbeiter beschäftigt, der muss sie auch angemessen bezahlen.
Hinzu kommt, dass im Öffentlichen Dienst immer augenscheinlicher wird, wie schwer es ist, qualifizierte Bewerber zu bekommen. Doch junge, leistungsfähige und motivierte Beschäftigte gewinnt man nicht mit einer drittklassigen Bezahlung. Wer gute Auszubildende möchte, der muss diese im Wettbewerb mit der freien Wirtschaft auch angemessen vergüten.
Die dbb jugend fordert angesichts der demografischen Schieflage im Öffentlichen Dienst, dass mit Hochdruck ausgebildet wird, um dem Altersknick in zwei Jahren etwas entgegenstellen zu können. Ist eine solche Forderung realistisch in Anbetracht der hohen Verschuldung vieler Kommunen?
M. Schallenberg: Ich kann keinen Burger verkaufen, der vorher nicht gebraten wurde. Wir kennen die Altersstruktur der Beschäftigten im Öffentlichen Dienst und die Pensionierungszahlen bei Bund und Kommunen. Wenn man sich die mal zur Hand nimmt, dann sieht man, dass die Zahl der Auszubildenden und Anwärter, die ihre Ausbildung im Öffentlichen Dienst abschließen, schon jetzt nicht mehr ausreicht, um den eigentlichen Bedarf abzudecken.
Die Aufgaben, die gesetzlich beschlossen wurden, wollen in den Verwaltungen auch konkret umgesetzt werden. Aber es sind schon jetzt nicht mehr genug Leute da, die diese Aufgaben übernehmen könnten. Wir haben eine wachsende Zahl an Aufgaben, aber immer weniger Personal. Das kann nicht klappen. Im Winter wollen alle, dass die Straßen geräumt werden. Wer aber soll das machen außer der Öffentliche Dienst? So sieht es auch aus in Krankenhäusern oder bei der Feuerwehr. Da kann die Arbeit nicht liegen bleiben. Wenn morgen der erste Mensch medizinisch nicht mehr versorgt wird, weil es im Krankenhaus keinen gibt, der sich um ihn kümmern kann, dann wird auch niemand nach der angespannten Kassenlage der Kommunen fragen.













