(openPR) 60.000 Überstunden sammeln die rund 1.800 Pflegerinnen und Pfleger am Uniklinikum Aachen aktuell an. Zeit, die sie nicht abfeiern können, denn es herrscht massiver Pflegenotstand. Die Situation ist dort - wie auch andernorts in Landesbetrieben - ernst. Zwar bildet das Uniklinikum Aachen selber aus, doch wandern nach der Ausbildung viele junge Leute ab. Sie verdienen in kommunalen Krankenhäusern besser. Machen die Arbeitgeber mit ihren Ankündigungen im Rahmen der Tarifrunde für den Öffentlichen Dienst der Länder ernst, wird die Verdienstschere zwischen Ländern und Kommunen noch weiter auseinanderklaffen.
Den jungen Pflegerinnen und Pflegern reicht es: Schlechte Arbeitsbedingungen und zu geringe Bezahlung bringen sie auf die Straße. Am Mittwoch, 20. Februar, werden sie sich zwischen 12 und 13 Uhr vor dem Haupteingang des Uniklinikums Aachen selbst in Pflegebetten legen. "Dann werden die Pflegenden beispielhaft selbst zu Pflegefällen", erklärt Markus Schallenberg, Vorsitzender der Deutschen Beamtenbund-Jugend NRW (dbb jugend nrw). Der gewerkschaftliche Dachverband unterstützt die dbb-Kreisjugendgruppe Aachen in dieser Mahnwache, die unter dem Motto "Patient Öffentlicher Dienst" steht.
"Es schreit zum Himmel, was in den verschiedenen Landesbereichen des Öffentlichen Dienstes unseren Kollegen abverlangt wird. Sie leisten gute Arbeit unter hoher Belastung und bekommen dafür nicht den Verdienst, der ihnen zusteht", brüskiert sich Schallenberg über die Situation in vielen Landesbetrieben. Ob Feuerwehrleute, Polizisten, Pfleger oder Krankenschwestern, überall klaffen zusehends größere Löcher - ob finanzieller oder personeller Art. "Dadurch, dass bei der Tarifrunde im letzten Jahr die Kommunen ein Gehaltsplus von 6,3 Prozent erstreiten konnte, wird der jetzt schon herrschende Gehaltsunterschied zwischen den Beschäftigten der kommunalen Krankenhäuser und der der Landeskliniken ungleich höher ausfallen, wenn die Arbeitgeber bei ihrer starren Verweigerungshaltung bleiben", so Schallenberg.
Die Situation, die sich dadurch auch für die Bürger ergibt, kann nicht befriedigend sein, denn eine zu knappe Personalausstattung wirkt sich unmittelbar auf die Pflege am Patienten aus. "Auf mancher Station, auf der 32 Patienten zu versorgen sind, sind lediglich zwei examinierte Pflegekräfte in der Frühschicht vorhanden. Patienten müssen aus diesem Grund zum Teil schon nachts von der Nachtschicht aus dem Schlaf geholt werden, um das Pensum an pflegerischer Tätigkeit zu meistern", erklärt Sebastian Bernd, der als Jugend- und Auszubildendenvertreter zu gut die Nöte und Sorgen der jungen Beschäftigten kennt. Als stellvertretender Vorsitzender der Landes-Beamten, -Angestellten und -Arbeiter-Jugend NRW (vdla-jugend nrw) kann er auch den Blick über den Tellerrand wagen und weiß, dass es andernorts nicht anders aussieht.
Manche Auszubildende schaffen ihre Ausbildung gar nicht oder nur mit Mühe und Not, weil sie durch zu knappe Personalressourcen nicht genügend Anleitung auf den Stationen finden. "Zeit, etwas zu erklären, ist nicht immer", sagt Bernd. Diejenigen, die übernommen werden könnten, schauen sich zu einem Teil nach besser bezahlten Stellen bei den Kommunen um. Denn dort bekommen sie nicht nur mehr Geld, sondern haben oftmals auch nicht die pflegerische Extrembelastung, die Pflegende in Unikliniken ausgesetzt sind. "Es macht eben einen Unterschied, ob man einen Patienten nach einer einfachen Blinddarmoperation oder einer schweren Operation, wie sie in Unikliniken an der Tagesordnung stehen, betreuen muss", erklärt Bernd weiter.
Im Aachener Klinikum versucht man den Pflegenotstand auszugleichen, indem man Pflegekräfte aus Rumänien holt. Diese müssen meist erst noch die deutsche Sprache erlernen, werden aber schnell auf den Stationen miteingesetzt. Besonders im intensivmedizinischen Bereich wird so ein kritischer Punkt erreicht, finden die Gewerkschafter.
"Die einzige Möglichkeit, um diese Misere abzuwenden, ist eine leistungsgerechte Bezahlung", bringt der Vorsitzende der dbb-Kreisjugendgruppe Aachen, André Esser, klar zum Ausdruck. Aus diesem Grund stehen die Forderungen der jungen Gewerkschafter fest: 6,5 Prozent mehr Gehalt. "Die Uniklinik wirbt in Bussen und auf Plakaten 'Spitzenmedizin braucht Spitzenpflege'. Allerdings muss man – will man Spitzenmedizin haben – auch Spitzenpflege bezahlen können", betont er weiter.
Mit Slogans wie "Wenn die Krankenpflege krankt", "Mit Azubis pfleglich umgehen!" oder "Angemessene Bezahlung für Pflegekräfte!" werden die Krankenbetten beschildert sein, in denen die Schwestern und Pfleger sich bildreif niederlegen werden, um sich von Kolleginnen und Kollegen den Blutdruck messen zu lassen, der zu Zeiten der Tarifauseinandersetzungen massiv in die Höhe schnellt.













