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Deutschlands krankes Gesundheitssystem

21.02.201316:47 UhrPolitik, Recht & Gesellschaft

(openPR) Presse-REPORT BDC
20.02.2013

„Brauche neue Hüfte – wer macht mir ein gutes Angebot?“ Was sich heute noch anhört, wie vom anderen Stern, könnte schon bald Wirklichkeit im deutschen Gesundheitssystem werden.

Rund 60 hochkarätige Experten aus Medizin, Wirtschaft und Ethik-Instituten kamen aus ganz Deutschland, um in der Hauptstadt zur Zukunft unserer Medizin zu tagen. Eingeladen hatten der Berufsverband der Deutschen Chirurgen (BDC) und die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie (DGCH). Was dabei zutage kam, ist zum Teil haarsträubend. Auch jetzt schon! Noch nie wurde aus Insiderkreisen so offen darüber gesprochen.



Der IST-Zustand

Prof. Giovanni Maio vom Ethik-Institut der Uni Freiburg spricht aus, was viele Ärzte merken und manche Patienten nur ahnen: „Neues Qualitätsmerkmal sind schwarze Zahlen, nicht das Wohl der Patienten. Je mehr Zeit und Kraft Ärzte für ihre Patienten aufbringen, desto ökonomisch untragbarer sind sie. Es geht oft nicht mehr um die medizinisch relevante Entscheidung, sondern darum, ob es bezahlbar ist.“ Fallpauschalen, Liegedauer, Klinik-Budgets – die Ärzte werden erpresst. Aber nicht direkt, sondern auf subtile Art und Weise. Das ist das Gefährliche. Ein Assistenzarzt berichtete: „Ich muss mir schon bei der Aufnahme überlegen, wo die mittlere Verweildauer liegt und ob es sich lohnt, zu operieren.“
Das Arzt-Patienten-Verhältnis wird ersetzt durch eine Management-Checklisten-Bürokratie. Maio: „Ein Beispiel sind die Veränderungen der Aufnahmemodalitäten. Patienten werden in Kategorien eingeteilt. Da gibt es zum Beispiel die „Draufzahler“. Das sind Fälle mit unklarer Diagnose, langer Verweildauer, offenem Ausgang. Man kann sie schlecht planen. Es wird gefragt: Was ist gut für die Bilanz, nicht für den Menschen. Viele Ärzte haben Gewissensbisse. Sie müssen sich zwischen Medizin, Ethik, Geschäftsführung und Existenz der Klinik bewegen. Da werden lieber fast Gesunde aufgenommen, die Schwerkranken abgeschoben. Die Zeit des Arztes wird zu Kontingenten, wo die Patienten schablonenartig reingepresst werden. Teure Diagnostik wird auf die Ambulanten abgewälzt, um die Verweildauer in der Klinik zu senken. Wegen der Kosten gibt es oft keine Gesamtbehandlung mehr. Wird man erneut in die Klinik eingewiesen, ist man ein 'neuer Fall', der neu bezahlt wird.“
Speerspitze im Papierkrieg gegen Ärzte ist der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK). „Die Macht der Krankenkassen hat enorm zugenommen. Der Arzt muss seitenweise Rechenschaft ablegen, warum er dieses oder jenes tut. Um diese aufwändigen Anfragen zu vermeiden, lässt er eben irgendwann einige Behandlungen weg. Die Rationierung geschieht auf verdeckte Art und Weise, ohne dass der Patient es merkt.“
„Die mobilisierende Pflege nach Eingriffen z. B. wird aus Zeitgründen oft nicht mehr gewährleistet. Zur Weiterbehandlung gibt’s dann Vorschläge an den Hausarzt, obwohl man weiß, dass dieser es gar nicht erbringen kann.“
„Schuld daran ist die Politik, die keine Verantwortung übernehmen will. Sie überlässt es dem 'Markt', wo welches Krankenhaus übrig bleibt. Die Kliniken müssen schwarze Zahlen schreiben oder sich ihrem Schicksal ergeben.“

Das Warum

Prof. Dr. med. Hans-Peter Bruch, Präsident des Berufsverbandes der Deutschen Chirurgen, warnt vor katastrophalen Verhältnissen: „Wir müssen keine Hellseher sein, um zu wissen, dass schwere Zeiten auf uns zukommen. Im Jahr 2016 gehen in Deutschland 500.000 Menschen auf einen Schlag in Rente. Bei immer älter werdenden Menschen ist eines der größten Probleme die Demenz und die damit verbundene Pflege. Das Gesundheitssystem droht zu kollabieren. Kliniken unter 100 Betten können wir uns nicht mehr leisten. Wir haben eine Fehlfinanzierung in Krankenhäusern und Praxen. Es wird immer mehr Geld und Zeit für die administrative Akte verwendet. Das gefährdet den Patienten und führt zur Rationierung. Nur: Bei uns ist sie noch verdeckt. In den nordischen Ländern, wie z. B. Schweden gibt es die Rationierung längst offiziell. Menschen, die alt sind und einen bösen Tumor haben, werden dort keine Klinik mehr sehen.“
„Schon jetzt laufen bei uns die OPs 12 bis 16 Stunden im Schichtbetrieb. Dazu kommt ein eklatanter Ärztemangel. Ein Chefarzt sagte mir neulich: „Ich habe jetzt vier tschechische Kollegen und einen Übersetzer eingestellt. Der ungeregelte Prozess, den die Politik einfach laufen lässt, sorgt dafür, dass so viele Kliniken schließen, gerade die mit Nacht- und Notdiensten. (In den letzten zehn Jahren haben ca. 20 Prozent der deutschen Kliniken geschlossen). In den nächsten zehn Jahren werden bis zu 30 Prozent der klinischen Leistungen zu den Niedergelassenen abwandern. Auch die Weiterbildung für junge Ärzte ist dann nicht mehr allein in den Kliniken zu leisten.“
„Der Konzentrationsprozess von Kliniken und Leistungszentren schreitet in den nächsten fünf Jahren fort. Die Grundlage unseres Gesundheitssystems ist immer noch die Massenproduktion – so als würden wir Autos herstellen. Wenn sich nichts ändert, wird unser Medizinsystem untergehen. Wer reich ist, bleibt gesund. Da können Sie nach Schweden sehen. Wer sich da leisten kann, Golf zu spielen, wird statistisch fünf Jahre älter.“

Die Zukunft

Wie es in zehn Jahren aussehen könnte, wenn sich jetzt nichts ändert, zeigte Dr. Markus Müschenich, (ehemals Vorstand Sana-Kliniken), jetzt Think Tank Berlin, auf: „Das Übergewicht der Deutschen wird auf 270 Mio. Tonnen wachsen. Millionen Menschen werden Diabetes haben. Erstmals sinkt die Lebenserwartung wieder. Der Patient bemüht Dr. Google, wir haben eine Gesundheitsakte, in der von der Wiege bis zur Bahre alles aufgelistet wird. Sie ist verknüpft zwischen Facebook und Kliniken. Dort wird gespeichert, was wir wann wo essen, welchen Sport wir treiben, wie wir verreisen.“
„Pauschalen wird es nicht mehr geben. Wir ersteigern unsere Operationen auf medBay, einem Portal von eBay. Es wird Frühbucherrabatte und Preisoffensiven in Kliniken geben, z. B. Chefarztbehandlung und Einzelzimmer gratis im Sommerloch. Behandlungen werden rationiert. Wir müssen tief in die Tasche greifen, um schnell einen Termin zu bekommen. Wir müssen vielleicht selbst um den Preis von Arzneimitteln und Operationen feilschen. Und: Wir vertrauen nur noch Kliniken, die uns „onhealth“ empfohlen werden und twittern schon vom OP-Tisch herunter, wie es uns ergangen ist.“

Der Präsident des Berufsverbandes der Deutschen Chirurgen (BDC), Prof. Dr. med. Hans-Peter Bruch, warnt: „Wenn jetzt nicht die Weichen neu gestellt werden, sind wir auf dem besten Weg zu einem Gesundheitsmarkt mit solchen knallharten Szenarien. Wir werden zu monetarisierten Patienten – nur wer reich, ist bleibt gesund!“

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