(openPR) Der geschlechterpolitische Verein MANNdat kritisiert gegenüber der Parlamentarischen Staatssekretärin für Frauen und Gleichstellung des Landes Mecklenburg-Vorpommern, Frau Dr. Margret Seemann, die Durchführung des Jungstags am 5. Oktober dieses Jahres, weil lediglich 2% der betreffenden Jungen erreicht werden konnten. Lag es am falschen politischen Konzept oder am mangelnden politischen Willen?
Der Jungstag ist ein Tag, an dem Jungen geschlechteruntypische Berufsbereiche kennenlernen sollen. Er ist das Gegenstück zum Girls-Day, da Mecklenburg-Vorpommern Jungen am Zukunftstag im April nach wie vor nicht teilhaben lassen möchte. Die Entscheidung, Jungen nicht am Zukunftstag im April teilhaben zu lassen, sondern einen eigenen Jungstag einzuführen, führte dazu, dass lediglich 2% der Jungen im betreffenden Alter mit dem Jungstag-Projekt erreichen werden konnten.
Dabei gibt es kein Bundesland, das Jungenförderung nötiger hätte als Mecklenburg-Vorpommern. Es hat mit 15% die größte männliche Schulabbrecherquote der ganzen Bundesrepublik. Die männliche Jugendarbeitslosigkeit ist um etwa 70% höher als die weibliche (Stand März 2010). Trotzdem standen am ersten Jungstag für die Jungen in Mecklenburg-Vorpommern im Alter zwischen 10 und 15 Jahren gerade einmal etwa 1100 Plätze (Stand 04.10.2011) zur Verfügung und damit noch nicht einmal für 4% der betreffenden Jungs. Jungstag-Plätze sind oftmals im erzieherischen, sozialen, pädagogischen, medizinischen und verwaltungstechnischen Bereich anzusiedeln. In diesen Bereichen sind sehr viele kommunale Arbeitgeber zu finden. Aufgrund der gut funktionierenden gleichstellungspolitischen Netzwerke wäre es deshalb ein Leichtes gewesen, über die Landesgleichstellungspolitik auf die kommunalen Gleichstellungseinrichtungen einzuwirken und wesentlich mehr Jungstag-Plätze in den Kommunen zur Verfügung zu stellen, wenn ein ernsthafter politischer Wille zur Jungenförderung existieren würde.
Zudem wurden fast die Hälfte (47,4%) der Plätze nicht genutzt. Das Jungstag-Projekt hat somit insgesamt 98% der Jungen zwischen 10 und 15 Jahren nicht erreicht. Auch dafür trägt die Landesregierung die Verantwortung. Nicht nur, dass man Jungen jahrelang aus dem Zukunftstag ausgegrenzt und ihnen somit eingebläut hat, geschlechteruntypische Berufswahl wäre nichts für Jungs. Vielmehr haben gerade einmal 10% der Schulen am Jungstag teilgenommen. 90% der betreffenden Jungen hatten also gar nicht die Chance teilzunehmen. Dabei war es der Landesregierung durchaus klar, dass Schulen wenig Interesse haben, zweimal im Jahr – Girls-Day und Jungstag - durch einen geschlechterspezifischen Berufswahltag den Unterricht zu unterbrechen.
Kurz gesagt: Eine Landesregierung, die einen Jungstag bewusst scheitern lassen wollte, würde ihn so durchführen, wie Mecklenburg-Vorpommern ihn durchgeführt hat.
Der offene Brief an die Parlamentarische Staatssekretärin für Frauen und Gleichstellung des Landes Mecklenburg-Vorpommern, Frau Dr. Margret Seemann, kann unter www.manndat.de gelesen werden.













