(openPR) Höchste Zeit für ein Rauchzeichen
Die Verfolgung von Minderheiten verläuft zwar jedesmal anders, aber die Minderheiten selbst hatten stets eine Gemeinsamkeit: Sie waren und sind selten wirklich bedrohlich, doch eine Regierung - oder eine bestimmte Gruppierung - kann die Mehrheit davon überzeugen, dass sie dennoch eine „Gefahr“ für die Allgemeinheit darstellen, vor der man das Volk „schützen“ müsse. Die Mehrheiten selbst freilich sind sich selten darüber bewusst, dass sie Unrecht tun – man schützt sich ja nur vor der Gefahr.
Derzeit wird der Satz „Passivrauch ist gesundheitsschädlich, darüber sind sich die Experten einig“ millionenfach durch die Medien geschleudert. Dabei sind sich die Experten alles andere als einig. Die überragende Mehrzahl der Studien nämlich konnte genau dies nicht beweisen. Trotzdem soll uns diese Seite der Medaille offenbar nicht zugemutet werden.
Es sei damit nicht etwa die Behauptung aufgestellt, Passivrauch sei regelrecht gesund. Bloß, er ist nun einmal nicht ungesünder als hunderte von Stoffen, von denen wir im Alltag umgeben sind, und die merkwürdigerweise nicht derart verteufelt werden. Mutet es nicht absurd an, wenn an manchen großen Straßen abertausende Autos in einer Stunde vorbeirasen, und man nicht sie, sondern den einsamen Raucher an der Bushaltestelle verbietet?
Sicherlich, manche Leute fühlten sich immer vom Tabakrauch belästigt, und in den letzten zwei Jahrzehnten ist deren Zahl enorm gestiegen. Man fühlt sich sogar schon vom Essensgeruch gestört: In den Wiener Trambahnen ist es verboten zu essen. Die Begründung lautet, „1 Leberkäs-Esser, 40 Mitriecher!“ – nun, in den meisten Ländern außerhalb des übersättigten Westens hat man ganz andere Sorgen. Wie viele Gerüche und Gewohnheiten müssten verboten werden, weil sich jemand davon belästigt fühlt?
Möge man nun an die Schädlichkeit des Passivrauchs glauben oder nicht, sich belästigt fühlen oder nicht – fest steht: In der Gastronomie stehen den Nichtrauchern mittlerweile über 85 bis 90 Prozent der Gastflächen zur Verfügung, in anderen öffentlich zugänglichen Räumen nahezu 100 Prozent. Von Gefahr kann hier nun wirklich nicht mehr die Rede sein.
Die derzeitige Lösung ist eine, mit der alle Menschen leben können, die guten Willens sind.
Wenn Sie aber glauben, alle Raucher sind Feinde, die bestraft oder gar ausgerottet werden müssen, und daher auch vor solchen Lokalen frieren sollen, die Sie selber nie betreten würden, dann werden wir Sie wohl nicht davon abhalten können, für das totale Verbot zu stimmen.
Vielleicht freuen Sie sich darüber: Brüssel empfiehlt Hotlines für Raucherdenunzierungen, und dort, wo das totale Rauchverbot in der Gastronomie schon herrscht, werden neue Verbote beschlossen: in Parks, auf Gehsteigen und sogar in den eigenen vier Wänden. Doch auch gegen Alkohol, Parfum und angeblich ungesundes Essen wird bereits mobil gemacht. Sie mögen als Nichtraucher für das totale Rauchverbot sein, morgen ist aber vielleicht Ihre Lieblingsgewohnheit dran.
Das neue Gesundheits- und Sicherheitsmittelalter mag tolle Einkaufszentren haben, wir wollen es trotzdem nicht. Wenn Sie sich auch dagegen wehren wollen, ehe es zu spät ist, stimmen Sie am 4. Juli beim Volksentscheid mit einem klaren NEIN zum totalen Rauchverbot.
Unterzeichner:
Herta Müller Literaturnobelpreisträgerin
Harry Rowohlt Schriftsteller
Joe Jackson Musiker
Benjamin von Mallinckrodt Produzent
Maurus Pacher Autor
Zé do Rock Schriftsteller
Robert Flörke Produzent
Juli Zeh Schriftstellerin
Paul Wühr Schriftsteller
Manfred Grunert Regisseur
Martin H. Schmitt Regisseur
Katja Flint Schauspielerin
Joseph von Westphalen Schriftsteller
Matthias Politycki Schriftsteller
Max Tidof Schauspieler
Ernest Wichner Schriftsteller, Leiter des Berliner Literaturhauses
Asta Scheib Schriftstellerin
Peter Patzak Regisseur
Marc Rothemund Regisseur
Richard Blank Regisseur
Ilija Trojanow Schriftsteller
Dominik Graf Regisseur
Konstantin Wecker Musiker
(Etwa ein Drittel der Unterzeichner sind Nichtraucher.)












