(openPR) Der Protestaufruf an die Mitglieder der Deutschen Beamtenbund-Jugend NRW (dbb jugend nrw) ist raus. Nach einer ersten ergebnislosen Verhandlungsrunde rüsten sich die jungen Beschäftigten jetzt für eine Demonstration. Sie wollen ihren Forderungen Nachdruck verleihen. Für sie geht es um 100 Euro mehr im Portemonnaie und eine garantierte Übernahme statt Arbeitslosigkeit nach der Ausbildung.
Fünf Stunden hielt es die dbb tarifunion und die Arbeitgeber an einem Tisch, dann gingen sie in Potsdam ergebnislos auseinander. Die finanzielle Zukunft der Beschäftigten im Öffentlichen Dienst bleibt damit offen. „Die Deutsche Beamtenbund-Jugend NRW ist enttäuscht über einen solch schwerfälligen Verhandlungsstart und ein fehlendes Angebot“, sagt ihr Vorsitzender Markus Schallenberg. Doch so leicht lässt sich die Jugend im Öffentlichen Dienst nicht schrecken.
Jetzt schon bereitet sie sich auf eine Protestaktion vor, die am Samstag, 6. Februar, in Köln starten soll. Unter dem Motto „Der Öffentliche Dienst geht baden“ werden dort Jugendliche aus ganz NRW ihrem Frust auf der Straße Luft machen. In der Domstadt werden die Auszubildenden, Anwärter und Berufsanfänger plakativ mit ihren Forderungen an die Öffentlichkeit gehen, wenn sich auch bei der zweiten Verhandlungsrunde am 31. Januar keine Einigung abzeichnen sollte.
„Wir haben jetzt alle nötigen Vorbereitungen in die Wege geleitet, um am 6. Februar stark aufzutreten“, erklärt Markus Schallenberg. „Wir wollen die Blockadehaltung der Arbeitgeberseite nicht hinnehmen“, erklärt er weiter. Die missliche Lage der kommunalen Haushalte sei hinlänglich bekannt. Kein Interesse brächten die Medien allerdings für die ebenso leere Haushaltskasse vieler Berufsanfänger im Öffentlichen Dienst auf. Sarah Tegethoff hat das bei der Stadt Bochum bitter erfahren müssen. Nach dreijähriger Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten bot ihr die Stadt einen Vertrag an. Doch das war kein Grund zur Freude: in Teilzeit für wöchentlich 30 Stunden Arbeit bot die Stadt Bochum der 21-Jährigen monatlich netto 864 Euro Gehalt an. Statt der ihr zustehenden Entgeltgruppe 5 wurde sie lediglich in EG 3 eingestellt - vergleichbar mit einer ungelernten Kraft.
„Mit Schwinden der Einnahmen wächst der Einfallsreichtum der öffentlichen Arbeitgeber. Unrechtmäßige Einstufungen solcher Art nehmen immer mehr zu“, erklärt Schallenberg. „Hier nutzen die Arbeitgeber den Schlupfwinkel „sollen“ aus und verwenden ihn gegen ihre Nachwuchskräfte. Die Azubis können sich nun entscheiden: Nehmen sie den Arbeitsvertrag an und verkaufen sich unter Wert und nehmen sie erhebliche Einkommensverluste in den nächsten Jahren in Kauf? Oder lehnen sie den Arbeitsvertrag ab und müssen sich auf dem Arbeitsmarkt einen neuen Job suchen? Oder fangen sie ihre berufliche Karriere gleich damit an, ihren Arbeitgeber zu verklagen? Die Wahlmöglichkeiten der Neueinsteiger beschränkt sich auf die Wahl zwischen Pest und Cholera!“
Ebenso aus der Realität der Jugend im Öffentlichen Dienst gegriffen sind auch Erfahrungen wie sie unter anderem die Verwaltungsfachangestellten der Bundeswehrverwaltung machen. „Wenn man die Schulbank gedrückt und fleißig gebüffelt hat, kann man sich glücklich schätzen, einen Vertrag für ein halbes bis ein Jahr in der Tasche zu haben. Und schließlich steht man doch auf der Straße“, erklärt Schallenberg weiter.
Zum einen ist die Ausbildung im Öffentlichen Dienst sehr spezifisch, zum anderen trägt man den Stempel des Öffentlichen Dienstes auf der Stirn. Beides ist bei Arbeitgebern in der Privatwirtschaft nicht gut angesehen. Dies macht die Vermittlung auf dem Arbeitsmarkt so schwierig - ergo: man wurde für die Arbeitslosigkeit ausgebildet. Das bedeutet für die Betroffenen Probleme bei der Wohnungssuche, denn wer vermietet gerne an jemanden, der schon bald Hartz IV-Empfänger ist? Schwierigkeiten gibt es auch beim Gewähren eines Dispokredits oder beim Autokauf, denn mangels eines festen Arbeitsvertrags geht die Kreditwürdigkeit gegen Null. „So stellt sich niemand seine Zukunft nach mehrjähriger, qualitativ hochwertiger Ausbildung vor“, hält Schallenberg fest. Darum fordert die dbb jugend nrw die unbefristete Übernahme nach der Ausbildung. Nur die stellt für die Azubis nach der Ausbildung eine reelle Zukunftsperspektive statt Hartz IV dar.











