(openPR) Ein erstes Ergebnis der Koalitionsverhandlungen der kommenden Bundesregierung aus CDU/CSU und FDP im Bereich der Bildungs- und Wissenschaftspolitik war der Beschluss, zukünftig leistungsabhängige Stipendien an die zehn Prozent der Studierenden auszugeben, die über die besten Noten verfügen. Die Summe soll 300 Euro pro Semester betragen.
Was auf den ersten Blick wie eine konkrete Verbesserung der materiellen Situation der Studierenden aussieht, ist auf den zweiten eine Mogelpackung. Wer in Deutschland zu den „leistungsstarken“ Studierenden gehört, hat in der Regel kaum materielle Probleme. Der enge Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Erfolg in Schule, Studium und Beruf ist mittlerweile auch jenseits der politischen Linken bekannt. Wer an deutschen Hochschulen mit Bestnoten glänzt, kann sich fast immer den Luxus erlauben, seinem Studium ohne Zwang zur Lohnarbeit nachzugehen, da im Hintergrund ein gut ausgestattetes Elternhaus für die Finanzierung sorgt. Auch ehrenamtliches Engagement, zum Beispiel politisches oder soziales, ist eher ein Hindernis für Bestnoten, da die knappe Zeit vollständig in das vollgepackte Studium investiert werden muss.
Die zehn Prozent, die schwarz-gelb in Zukunft mit einem Stipendium beglücken möchte, werden also zum großen Teil diejenigen sein, die es am wenigsten nötig haben. Eine sinnvolle Verbesserung der Situation an deutschen Hochschulen sähe anders aus: Ein elternunabhängiges, bedarfsdeckendes und teilhabeorientiertes BAföG würde die oftmals sehr problematische materielle Situation von Studierenden spürbar verbessern und ein Studium auch denjenigen ermöglichen, deren Elternhaus nicht das Sorglos-Paket bereitstellen kann. Statt Elitenstipendien sollten die Zuwendungen aus dem Bildungsministerium für Stipendienprogramme der Stiftungen ausgeweitet werden, so könnten auch diejenigen profitieren, die sich neben ihrem Studium noch gesellschaftlich engagieren. Angesichts der prekären Finanzsituation in der Wirtschaftskrise, ist eher eine Kürzung dieser Mittel wahrscheinlich. Darüber hinaus gilt es, die Anzahl der Studienplätze zu erhöhen und endlich auch für Perspektiven nach dem Abschluss zu sorgen, beispielsweise mit dem Verbot von Praktika, die keine sind. Einen besseren Anreiz als eine sichere Zukunft kann es für die Aufnahme eines Studiums kaum geben. All dies würde aber der politischen Ideologie der kommenden radikal-neoliberalen Koalition widersprechen, die ihre Aufgabe in der Schaffung einer Gesellschaft sieht, in der eine kleine Elite einer großen Masse Benachteiligter gegenübersteht. Insofern ist auch das Eliten-Stipendium nur aus den ewiggestrigen Dogmen von Westerwelle und Merkel erklärbar.




