(openPR) (Medienstelle Anthroposophie) Das vom Deutschen Bundestag herausgegebene Wochenblatt „Das Parlament“ sorgt mit einem Beitrag in seiner Bücherbeilage für Unmut: Autor Nikolaus German bezeichnet in einer Besprechung des Buches von Philipp Blom über Europa in der Zeit vor dem ersten Weltkrieg („Der taumelnde Kontinent“) Rudolf Steiner „als einen Geistesverwandten des national-sozialistischen Rassenwahns und arischen Herrenmenschentums“. Damit macht er sich das von Blom gezeichnete Steiner-Bild unkritisch zu eigen. Diese Verortung des Anthroposophen und Waldorf-Schulgründers Rudolf Steiner in die Vorläuferschaft des Nationalsozialismus ist sachlich unhaltbar und stellt eine Verletzung tausender sozial engagierter Menschen dar, die sich in Deutschland und in vielen Ländern der Welt heute auf sein Werk beziehen. Die Veröffentlichung einer derart pauschalen und subjektiven Diskreditierung in einem vom Deutschen Bundestag herausgegebenen Organ ist unverständlich.
„Steiner war als Autor des 19. Jahrhunderts in einen Diskurs eingebunden, der von Kolonialismus und Eurozentrismus geprägt war. Ein ‚Rassist’ oder Nazi war er dadurch aber ebenso wenig wie etwa der Darwinist Ernst Haeckel oder andere Wissenschaftler seiner Zeit,“ meint dazu Dr. Jens Heisterkamp von der Zeitschrift „info3 – Anthroposophie im Dialog“. Der Publizist und Historiker hatte sich letztes Jahr im „Frankfurter Memorandum“ (http://www.info3.de/wordpress/?p140) intensiv mit den immer wieder erhobenen Rassismus-Vorwürfen gegen Steiner beschäftigt. „Selbstverständlich sind viele Äußerungen Steiners zum Thema menschlicher Rassen heute überholt oder missverständlich,“ so Heisterkamp. Trotz solcher Aussagen bleibe Steiner ein großer Humanist und bis heute wirksamer sozialer Reformer. Auch der Historiker Helmut Zander ist in seinem Werk „Anthroposophie in Deutschland“ ebenso wie andere Fachhistoriker zu einem wesentlich differenzierteren Bild über Steiner als Nikolaus German und Philipp Blom gelangt.
Anthroposophen und Waldorfvertreter setzen sich längst selbstkritisch mit Äußerungen Steiners auseinander, die heute diskriminierend wirken. Eine Kommission hat bereits vor zehn Jahren das Gesamtwerk Steiners diesbezüglich untersucht und auf den zeitgeschichtlichen Kontext dieser Aussagen verwiesen. Der für die Herausgabe der Bücher und Vorträge Steiners zuständige Steiner-Verlag verweist dementsprechend in seinen Ausgaben mit Kommentaren auf die Problematik einzelner Äußerungen hin. Auch der Bund der Freien Waldorfschulen in Deutschland hat sich vor geraumer Zeit in seiner „Stuttgarter Erklärung“ (http://www.waldorfschule.info/upload/pdf/Stuttgarter_Erklaerung.pdf) eindeutig von jeder Form von Rassismus distanziert.
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