(openPR) Frankfurt am Main, 19.02.2011 -- 150 Jahre Rudolf Steiner: Im Jubiläumsjahr 2011 wird vielerorts an den Begründer der Anthroposophie erinnert. Gleich drei große deutsche Publikumsverlage haben neue Steiner-Biographien in ihr Programm aufgenommen, die nicht von Anthroposophen verfasst wurden. Auf einer Pressekonferenz im Frankfurter Goethe-Haus erläuterten die Autoren, was sie an Rudolf Steiner fasziniert.
Auf Einladung der in Frankfurt ansässigen Medienstelle Anthroposophie suchten Anthroposophen den Dialog mit den Biographen, die aus nicht-anthroposophischer Sicht Steiners Leben untersucht und dargestellt haben. Auf einer Pressekonferenz berichteten die Autoren Miriam Gebhardt, Heiner Ullrich und Helmut Zander, was sie an der Auseinandersetzung mit Steiner gereizt hat und welche Bedeutung seine Ideen ihrer Einschätzung nach heute noch haben.
Der Historiker Helmut Zander, Autor der 2007 erschienenen umfangreichen Studie „Anthroposophie in Deutschland“, beobachtet ein gestiegenes nicht-anthroposophisches Interesse an Steiners Biographie: „Dabei öffnet sich eine klassische Schere: Die Motive reichen von existenzieller Anverwandlung bis zu pragmatischer Steinbruch-Nutzung.“ Die Anthroposophen selbst sieht er eher als „Materiallieferanten“: „In der außeranthroposophischen Steiner-Deutung sind sie kaum mehr mit einem eigenständigen Deutungsanspruch präsent.“
Heiner Ullrich, Professor für Erziehungswissenschaften an der Universität Mainz, legt in seiner Steiner-Biographie einen Schwerpunkt auf die Waldorfpädagogik. Auch er konstatiert das „Rätsel Steiner“: „Kaum eine andere intellektuelle Persönlichkeit hat eine so starke und immer noch zunehmende erziehungs- und lebensreformerische Wirkung entfaltet und dabei eine vergleichsweise so geringe Beachtung in der wissenschaftlichen Öffentlichkeit gefunden wie Rudolf Steiner.“
Die Historikerin Miriam Gebhard, die als Privat-Dozentin an der Universität Konstanz lehrt, zeigte sich vor allem überrascht von Steiners Modernität: „Das betrifft nicht nur sein Denken und die daraus abgeleiteten Praxisfelder, die bis heute wachsenden Zuspruch erhalten. Das betrifft auch sein eigenes Leben. Er verweigerte einen klassisch-bürgerlichen Lebenszuschnitt und ‚erfand‘ sich immer wieder neu.“ Sie sieht Steiner als einen „wahrhaftig modernen Propheten – einen Propheten nicht nur für ganzheitliches Leben und spirituelle Sinnfindung, sondern auch für die Arbeit am eigenen Selbst, die so typisch ist für unser psychologisches Zeitalter.“
Für Jens Heisterkamp, als Verantwortlicher Redakteur der Monatszeitschrift Info3 – Anthroposophie im Dialog ebenfalls Podiumsgast, liegt der Schlüssel zur anhaltenden Wirkung der von Steiner inspirierten Reformen in dessen aufgeklärter und weltzugewandter Spiritualität: „Steiner entwickelte auf einer philosophischen Basis eine spirituelle Weltsicht, in der die Selbstbefreiung von uns Menschen zum Ganzen des Kosmos hin angelegt ist. Dazu hinterließ er Anregungen für die Meditation und für eine achtsame, bewusste Lebensführung.“
Informationen zu den Büchern:
Miriam Gebhardt: Rudolf Steiner. Ein moderner Prophet, DVA 2011, 368 Seiten
Heiner Ullrich: Rudolf Steiner. Leben und Lehre, C.H. Beck 2010, 266 Seiten
Helmut Zander: Rudolf Steiner. Die Biografie, Piper 2011, 536 Seiten
Informationen zum Steiner-Jubiläumsjahr: www.rudolf-steiner-2011.com
© Medienstelle Anthroposophie im Info3-Verlag 2011
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Text und Bildmaterial auch unter www.medienstelle-anthroposophie.de











