openPR Recherche & Suche
Presseinformation

Das Potenzial älterer Arbeitnehmer ist oftmals verschüttet

29.09.2008 • 14:56 Uhr • Wissenschaft, Forschung, Bildung
Bei der Tagung der Marie-Luise und Ernst Becker Stiftung ging es um die Kognition, Motivation und das Lernen älterer Arbeitnehmer
Bei der Tagung der Marie-Luise und Ernst Becker Stiftung ging es um die Kognition, Motivation und das Lernen älterer Arbeitnehmer

(openPR) Bei der dritten Tagung der Marie-Luise und Ernst Becker Stiftung wurde deutlich: Ältere Arbeitnehmer sind nicht weniger leistungsfähig und –bereit, sie müssen nur entsprechend gefördert werden.

Bonn, 18./19. September 2008. „Ich freue mich über die hohe Teilnehmerzahl dieser Tagung, die uns bestätigt, dass das Thema „Altern und Arbeit“ aktueller denn je ist“, begrüßte Marie-Luise Becker, Mitbegründerin der Marie-Luise und Ernst Becker Stiftung, die 150 Gäste bei der dritten Tagung der Kölner Stiftung am 18. und 19. September in Bonn. Insgesamt neun hochkarätige Experten aus Wissenschaft und Praxis referierten an beiden Tagen zu den neuesten Erkenntnissen für die Arbeitswelt von morgen in Bezug auf „Kognition, Motivation und Lernen älterer Arbeitnehmer“.


Eines steht fest: Aufgrund des demographischen Wandels müssen die Unternehmen verstärkt umdenken, um sich auf ältere Arbeitnehmer einstellen und diese auch bis zum Rentenalter motivieren zu können, sich für das Unternehmen zu engagieren. Viele Vorurteile, Stereotype und Bilder über das Alter bzw. speziell bezogen auf ältere Arbeitnehmer haben sich bereits fest in den Köpfen verankert. Dass das Potenzial Älterer aber vielfach durch äußere Einflüsse – und hier insbesondere durch die Arbeitsumgebung – verschüttet wird, ging aus den Vorträgen und Diskussionen des ersten Tagungsabschnitts hervor. „Ältere Arbeitnehmer sind gerade deshalb verunsichert, weil ihnen eine Leistungsabnahme unterstellt wird“, erklärte beispielsweise Prof. Dr. Andreas Kruse vom Institut für Gerontologie an der Universität Heidelberg in seiner Eröffnungsrede. Deshalb forderte er eine lebenszyklusorientierte Personalpolitik – also Bildungsangebote, die den Menschen schon frühzeitig Hilfestellung für ihre Lebensplanung im Alter geben. Auch Prof. Dr. Michael Falkenstein vom Institut für Arbeitsphysiologie an der Technischen Universität Dortmund bekräftigte, dass ältere Beschäftigte durch entsprechendes kognitives Training auf den gleichen Leistungsstand wie mittelmäßig trainierte jüngere Arbeitnehmer gebracht werden können.
Prof. Dr. Ralf Brinkmann von der SRH Hochschule Heidelberg beleuchtete das Thema Motivation bei Älteren näher und konstatierte ebenfalls, dass Motivationsbarrieren für ältere Arbeitnehmer insbesondere in äußeren Faktoren wie der fehlenden sozialen Anerkennung, in abwertenden Zuschreibungen, in einem schlechten Betriebsklima, einer negativen Unternehmenskultur oder Führungsfehlern lägen. Die Ausführungen zeigten aber insgesamt, dass das Thema „Motivation älterer Arbeitnehmer“ bisher eher vernachlässigt wurde und dass hier weiterer Forschungsbedarf besteht.

Leistungspotenzial Älterer freilegen
Wie aber kann man das Potenzial Älterer mit Mitteln der Weiterbildung wieder freilegen? Darauf gingen die Referenten des letzten Tagungsteils ein. Tenor war hier, dass Weiterbildungskonzepte für Ältere an die entsprechenden Lernbedürfnisse und –gewohnheiten angepasst sein und auch individuelle Wünsche berücksichtigen müssten, damit betagtere Arbeitnehmer auch motiviert seien zu lernen.
Prof. Dr. Christian Roßnagel vom Jacobs Center on Lifelong Learning and Institutional Development betonte, dass Ältere sehr wohl lernen können, dies aber aus verschiedensten Gründen nicht unbedingt wollen. Dieser Rückgang der Lernbereitschaft könne aber seiner Meinung nach durch entsprechende Fördermaßnahmen ausgeglichen werden. Prof. Dr. Frerich Frerichs von der Hochschule Vechta sieht „intergenerative Qualifizierungsunterschiede“ in vielen Betrieben: „Oftmals weisen ältere Arbeitnehmer Nachteile in ihrem Bildungsniveau auf“, erklärte er. Dies habe dann auch niedrigere Qualifizierungschancen zur Folge. Sein Mitarbeiter Jan Bögel postulierte daraus folgend eine altersübergreifende Qualifizierung und eine entsprechende Personalentwicklung. „Zur lernförderlichen Arbeit tragen Konzepte wie Job-Rotation oder die Bildung neuer Arbeitsfunktionen für ältere Arbeitnehmer – zum Beispiel die Einrichtung von Experten-Positionen - bei“, so Bögel. Außerdem solle der Wissenstransfer zwischen den Generationen gefördert werden. Hierauf ging auch Diplom-Sozialpädagogin Andrea König von der Ludwig-Maximilians-Universität München explizit ein. Die Diplom-Sozialpädagogin stellte das von ihr betreute Generation Research Program vor und forderte, dass es zur Aufgabe eines jeden Unternehmens gemacht werden solle, die Zusammenarbeit zwischen den Generationen zu fördern, damit hier ein Gewinn bringender Wissensaustausch stattfinden könne.

Was kommt für Unternehmen unter dem Strich heraus?
Dipl.-Psychologin Dorothee Reiners forderte nach ihren Untersuchungen in Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie ein „Produktives Altern, nicht ein Altern in der Produktion“. Ihren Studien im Rahmen des Projektes „länger leben. länger arbeiten. länger lernen.“ zu Folge ist das Problembewusstsein der Notwendigkeit vom „lebenslangen Lernen“ in den Firmen bereits vorhanden, aber meist bei den Mitarbeitern selbst angstbesetzt. Auch Reiners regt die Umbesetzung von Älteren an körperlich weniger fordernde Arbeitsplätze an, wo sie als Wissensvermittler mit Expertenstatus fungieren. Oder das freiwillige Einlernen auf zwei bis drei Arbeitsplätze, um die Flexibilität zu fördern.
Die Vorträge förderten zutage, dass ältere Arbeitnehmer ein hohes Potenzial haben, dass sie aber entsprechend gefördert werden müssten, damit dieses voll ausgeschöpft werden könne bzw. damit ihre Ressourcen nicht verschüttet würden. Letztendlich haben Unternehmen keine Wahl: Die Belegschaften deutscher Firmen werden unweigerlich altern, und es müssen langfristig durchdachte Konzepte zum altersgerechten Arbeiten her. Abschließend folgerte Prof. Dr. Christian Roßnagel aber für die Zukunft: „Wir als Forscher müssen weiterhin unsere Hausaufgaben machen und jetzt aufzeigen, was für die Unternehmen unter dem Strich herauskommt, wenn sie ältere Arbeitnehmer beschäftigen und diese fördern.“

Diese Pressemeldung wurde auf openPR veröffentlicht.

Verantwortlich für diese Pressemeldung:

News-ID: 246365
 2079

Kostenlose Online PR für alle

Jetzt Ihren Pressetext mit einem Klick auf openPR veröffentlichen

Jetzt gratis starten

Pressebericht „Das Potenzial älterer Arbeitnehmer ist oftmals verschüttet“ bearbeiten oder mit dem "Super-PR-Sparpaket" stark hervorheben, zielgerichtet an Journalisten & Top50 Online-Portale verbreiten:

PM löschen PM ändern
Disclaimer: Für den obigen Pressetext inkl. etwaiger Bilder/ Videos ist ausschließlich der im Text angegebene Kontakt verantwortlich. Der Webseitenanbieter distanziert sich ausdrücklich von den Inhalten Dritter und macht sich diese nicht zu eigen. Wenn Sie die obigen Informationen redaktionell nutzen möchten, so wenden Sie sich bitte an den obigen Pressekontakt. Bei einer Veröffentlichung bitten wir um ein Belegexemplar oder Quellenennung der URL.

Pressemitteilungen KOSTENLOS veröffentlichen und verbreiten mit openPR

Stellen Sie Ihre Medienmitteilung jetzt hier ein!

Jetzt gratis starten

Weitere Mitteilungen von Marie-Luise und Ernst Becker Stiftung

Sport im Alter – fordern statt schonen
Sport im Alter – fordern statt schonen
Am 25. und 26. September trafen sich führende deutsche Wissen-schaftler auf der 6. Fachtagung der Marie-Luise und Ernst Becker Stiftung. Die Experten diskutierten im Deutschen Sport & Olympia Museum in Köln über das Thema „Sport im Alter“. Köln. Rund 90 Teilnehmer waren der Einladung der Marie-Luise und Ernst Becker Stiftung am 25. und 26. September ins Deutsche Sport & Olympia Museum gefolgt, um wissenschaftliche Erkenntnisse zum sportlichen Altern näher zu beleuchten. „Wir wollen das Wissen über Sport im Alter – was und wie viel ist möglic…
Bild: Fachbuch zum betrieblichen Alters- und Alternsmanagement erschienenBild: Fachbuch zum betrieblichen Alters- und Alternsmanagement erschienen
Fachbuch zum betrieblichen Alters- und Alternsmanagement erschienen
Fachbuch im Rahmen der Entwicklung von AGE CERT - Qualitätssiegel altersgerechte Personalentwicklung der Marie-Luise und Ernst Becker Stiftung in Kooperation mit dem Zentrum Alter und Arbeit der Universität Vechta erschienen. Angesichts der Alterung und Schrumpfung der deutschen Erwerbsbevölkerung gewinnen ältere Arbeitnehmer als personalwirtschaftliche Ressource zunehmend an Bedeutung. Inwieweit ältere Arbeitnehmer tatsächlich bis zum Renteneintritt in den Unternehmen verbleiben und dort auch produktiv tätig sein können, ist zum gegenwärtig…

Das könnte Sie auch interessieren:

Bild: Old-school Kommunikation schreckt Selfie-Generation abBild: Old-school Kommunikation schreckt Selfie-Generation ab
Old-school Kommunikation schreckt Selfie-Generation ab
… Mitarbeiter erwarten von Unternehmen den Einsatz von Videokommunikation München, 22. März 2016 – Unternehmen, die sich den neuen Live-Technologien verweigern, laufen Gefahr, für technikaffine Arbeitnehmer wenig attraktiv zu sein. Zu diesem Ergebnis kommt eine heute veröffentlichte weltweite Studie „Love Live Video“ von BlueJeans Network, dem weltweit führenden …
Fachkräftemangel: Deutschland erlebt einen Übergang vom Kapitalismus zum Talentismus
Fachkräftemangel: Deutschland erlebt einen Übergang vom Kapitalismus zum Talentismus
… um Fachkräfte nicht an den Facharbeitern vorbei zu führen. „Wir konzentrieren uns zu stark auf Akademiker. Dabei hat sich die Mehrheit der deutschen Arbeitnehmer beruflich qualifiziert und eben nicht an einer Universität oder Fachhochschule“, unterstrich von Knobelsdorff. Gleichzeitig hieß er Marcel Pelzer, den Leiter der neuen ManpowerGroup-Repräsentanz, …
Alternative zur betriebsbedingten Kündigung: Perspektivenberatung
Alternative zur betriebsbedingten Kündigung: Perspektivenberatung
… Karriere außerhalb des Unternehmens ist für Mitarbeiter ein objektiv und emotional sehr belastender Prozess. Er verlangt nach einer Strukturhilfe für die Arbeitnehmer“, sagt Herbert Mühlenhoff, Geschäftsführer der Mühlenhoff Managementberatung, die im letzten Jahr eine signifikante Zunahme von Orientierungsberatungen feststellen konnte. Mitarbeitern fehle …
Vorsicht vor unseriösen Headhuntern // Der Fachkräftemangel zieht immer mehr schwarze Schafe an
Vorsicht vor unseriösen Headhuntern // Der Fachkräftemangel zieht immer mehr schwarze Schafe an
… - bescheren. Dieses Potenzial zieht immer mehr unseriöse Headhunter an, die ein Stück vom Kuchen haben wollen. Aber nicht nur Arbeitgeber sondern auch Arbeitnehmer müssen sich vor diesen schwarzen Schafen in Acht nehmen. Woran erkennen Arbeitgeber einen seriösen Headhunter? • Ein erfolgreicher Headhunter hat keine Befindlichkeiten, die Namen seiner …
Arbeitnehmer zeigen großes Interesse an betrieblicher Krankenversicherung
Arbeitnehmer zeigen großes Interesse an betrieblicher Krankenversicherung
- Aktuelle Trendstudie des Marktforschungsinstituts HEUTE UND MORGEN untersucht Akzeptanz, Attraktivität und Gestaltungswünsche von betrieblichem Krankenzusatzschutz aus Arbeitnehmersicht Angesichts wachsender Engpässe auf dem Personalmarkt und damit verbundener Risiken für die Wettbewerbsfähigkei,t müssen Unternehmen heute verstärkt um die Gunst geeigneter …
Arbeitnehmer beurteilen Arbeitgeber - Lob und Tadel
Arbeitnehmer beurteilen Arbeitgeber - Lob und Tadel
Aktuelle Umfrage: Jeder zweite Arbeitnehmer neigt zum Wechsel seines Arbeitgebers Die Arbeitgeber erhalten für ihre Qualität und Attraktivität von den Arbeitnehmern in Deutschland gemischte Noten: Knapp jeder zweite Arbeitnehmer (45%) beurteilt seinen derzeitigen Arbeitgeber sehr gut, jeder fünfte hingegen mäßig oder schlecht. Ein geteiltes Bild zeigt …
Bild: Top-Forum: demographischer Wandel und ältere MitarbeiterBild: Top-Forum: demographischer Wandel und ältere Mitarbeiter
Top-Forum: demographischer Wandel und ältere Mitarbeiter
HR marketplace und IHK Nürnberg mit Entscheiderforum: Sicherheit im demographischen Wandel/Potenzial und Wettbewerbsvorteile dank älterer Arbeitnehmer Nürnberg, 3. Februar 2011. HR marketplace, Partner für professionelle und qualitativ hochwertige Human-Resources(HR)-Dienstleistungen in der Metropolregion Nürnberg, veranstaltet in Kooperation mit der …
stellenangebote.at: Wie optimistisch sind Österreichs Arbeitnehmer? – Jobchancen, Berufsimage, Zuversicht
stellenangebote.at: Wie optimistisch sind Österreichs Arbeitnehmer? – Jobchancen, Berufsimage, Zuversicht
stellenangebote.at präsentiert ZAP-Index: Zuversicht eigenes Arbeitsmarkt-Potenzial Der Großteil der österreichischen Arbeitnehmer schätzt seine Chancen bei einem Jobwechsel innerhalb seiner derzeitigen Branche gut ein: Insgesamt 64 Prozent der Arbeitnehmer glauben nämlich, in ihrem derzeitigen Wirtschaftszweig gute Chancen zu haben, einen neuen Job …
Bild: Buchvorstellung 'Potenzial³® - Verstehen und nutzen Sie Ihre Möglichkeiten?!' ein neues Buch von Dominik PaulyBild: Buchvorstellung 'Potenzial³® - Verstehen und nutzen Sie Ihre Möglichkeiten?!' ein neues Buch von Dominik Pauly
Buchvorstellung 'Potenzial³® - Verstehen und nutzen Sie Ihre Möglichkeiten?!' ein neues Buch von Dominik Pauly
… der Arbeitswelt wird Führung leicht falsch verstanden und die Notwendigkeit für Verbindung reduziert. Das führt nach Dominik Pauly zu schwerwiegenden Nachteilen für Arbeitnehmer und Unternehmen gleichermaßen: die limitierte Fähigkeit die richtigen Entscheidungen zu treffen, Resignation, Frustration und ein niedriger Einsatz über alle Ebenen hinweg. Folgende …
Bild: yourcha: Erfolgreiche Bilanz nach 100 TagenBild: yourcha: Erfolgreiche Bilanz nach 100 Tagen
yourcha: Erfolgreiche Bilanz nach 100 Tagen
Nach starkem Wachstum etabliert sich yourcha mit rund 29.000 angemeldeten Arbeitnehmern und 750 Arbeitgebern unter den führenden Job- und Recruiting-Plattformen • Durch verbesserte Servicefunktionen und intensivierte Vertriebs- und Marketing-Aktivitäten weitere Zuwächse geplant • Sven Reuter, CEO: „yourcha trifft genau die aktuellen Bedürfnisse des …
Sie lesen gerade: Das Potenzial älterer Arbeitnehmer ist oftmals verschüttet