(openPR) Die angekündigte Schließung des Nokia-Werkes in Bochum erhitzte die Gemüter von Arbeitnehmern und Politikern gleichermaßen. Jeder entrüstete sich über die rigorosen Entscheidungen der Nokia-Führung. Doch keiner wagte Klartext zu reden.
„Arbeitsplätze in Deutschland sind zu teuer“, behauptet Andreas Gruss, Dozent der Akademie für Persönlichkeitsbildung.
Der Wirtschaftsstandort Deutschland ist im globalen Wettbewerb kaum konkurrenzfähig und kann seine Exportvormachtstellung nur durch Qualität und Know How aufrechterhalten.
Betriebsausgaben für bürokratische Auflagen - wozu auch die Kosten für die Unterhaltung eines Betriebsrates gehören - sowie Beiträge an Berufsgenossenschaften inklusive der Erfüllung von deren Auflagen, bringen bei immer mehr Firmenchefs das Blut zum Kochen. Ganz abgesehen von der unnötig hohen Anzahl der Unfallkassen und deren Monopolstellung, die Unsummen verschlingen. Die zwangsweise Betreuung durch Arbeitsmediziner scheint ein reines Arbeitsbeschaffungsprogramm für die Ärzteschaft zu sein und wird als bloße Schikane angesehen, zumindest für kleinere Unternehmen.
Die Personalzusatzkosten in Prozent des Direktentgelts lagen 2006 in Deutschland bei 74,1 Prozent im Vergleich zu 52,1 Prozent in Rumänien und 36,8 Prozent in Irland (Schröder, Institut der deutschen Wirtschaft Köln, Oktober 2007).
Die Arbeitskosten je Stunde in Deutschland lagen 2006 bei 32,03 € im Gegensatz zu 20,3 € in Japan, 18,87 € in Spanien, 8,81 € in Portugal, 6,71 € in Tschechien und 2,45 € in Rumänien (Schröder 2007), wobei in den meisten Ländern trotz der niedrigeren Arbeitskosten das Direktentgelt für den Arbeitnehmer prozentual gemessen an den Arbeitskosten höher liegt.
Die Bundesregierung rühmt sich, die gesetzlichen Kosten an den gesamten Arbeitskosten gesenkt zu haben, was rechnerisch zwar richtig aber nicht der Verdienst des Staates ist, denn aufgrund zunehmender betrieblicher Altersvorsorge, die zu Lasten der Firmen geht, konnten die staatlichen Rentenbeiträge gesenkt werden.
„Insgesamt betrachtet ist also nicht der Arbeitnehmer als solcher zu teuer, gemessen an seinem Netto-Lohn, vielmehr sind es Staat und seine bürokratischen Einrichtungen, die zuviel Geld verschlingen und den Wirtschaftsstandort Deutschland für Firmen unattraktiv gestalten.“
Ausgetragen werden aber die Streitigkeiten zwischen Arbeitnehmer und –geber, anstatt den Gesetzgeber für kommode Änderungen in die Pflicht zu nehmen.
Wie also kann man es Firmenchefs verübeln, wenn sie ins billigere Ausland ausweichen, um international mithalten zu können?





